Ein wenig Ehrfurcht darf mitklingen,
wenn es um die Vixen Great Polaris geht, denn sie
ist eine Legende und das Vorbild für zahlreiche,
nahezu baugleiche Clones aus China, die für einen
Bruchteil des Preises des Originals angeboten wurden/werden.
Die GP-DX von Vixen ist eine parallaktische Teleskopmontierung,
die im Jahre 1990 auf den Markt erschien. Sie war
der Nachfolger der Vixen SP-DX, die ihr sehr ähnlich
ist. Die Vixen Great Polaris Montierungen gibt es
in mehreren Ausführungen. Die Vixen GP-E ist
grundsätzlich mit der Vixen GP identisch, wobei
letztere bereits mit einem eingebauten Polsucher und
anmontierten Teilkreisen ausgestattet ist. Daneben
gibt es die Vixen-DX, die in einigen Bereichen etwas
massiver gebaut wurde. Diese Montierungen werden mittlerweile
weiß lackiert und ansonsten baugleich als Vixen
GP2 und Vixen GP-D2 verkauft. Mit der Vixen GP wurde
das Befestigen des Teleskops mittels einer Prismenschiene
eingeführt. Inzwischen hat die GP-DX einen neuen
Namen, nämlich GP-D2, und wird nicht mehr schwarz
oder grün ausgeliefert sondern weiß. Die
Vixen GP-Montierungen waren einige Jahre die populärsten
Teleskopmontierungen für Amateure schlechthin.
Später erschienen diverse Nachbauten auf dem
Markt. Sie sind billiger und qualitativ nicht immer
auf dem Stand des Originals.
Die großen Unterschiede zwischen einer Vixen
GP und einer GP-DX liegen bei ihren Preisen und
Gewichten. Die Vixen GP wiegt ohne Aufbau und Gegengewichte
3,9 kg, während die Vixen GP-DX bereits 8 kg
auf die Waage bringt.
Man sagt der Vixen GP-DX nach, dass ihre Nachführung
präziser sei. Wer rein visuell beobachtet,
merkt das nicht. Anspruchsvolle Astrofotografen
verwenden statt der schlichten Vixen Steuerung eine
von Koch oder Boxdörfer, die Fehler kompensieren.
Daher ist dieser Punkt eher unbedeutend.
Die DX-Klasse trägt etwas mehr. Wer deshalb
beim Wechsel von einer preiswerten Vixen GP zur
teuren GP-DX der großen Sprung erwartet, liegt
falsch. Die Vixen GP reicht als Unterbau für
ein kompaktes 8“ Teleskop mit 2“ Zenitspiegel
und Binokular. Mehr passt aber nicht drauf. Die
Vixen GP-DX trägt die Last etwas fester und
erlaubt auch ein zusätzliches Leitrohr ohne
die Montierung übermäßig zu belasten.
Zur Tragkraft der Montierungen gibt es unterschiedliche
Angaben. In älteren Beschreibungen wurde sie
für die Vixen GP mit 8 kg angegeben und für
die Vixen GP-DX mit 11 kg. In moderneren Werbetexten
trägt die Vixen GP schon 10 kg und die Vixen
GP-DX bis zu 14 kg. Die Angaben zur Tragfähigkeit
beziehen sich auf das Teleskopgewicht. Das Gegengewicht
wird nicht mitgerechnet. Die Belastungsgrenze hängt
aber nicht nur vom Gewicht ab sondern auch von der
Länge der Teleskope und den Bedingungen beim
Beobachten. Ein großer Tubus bietet dem Wind
eine größere Angriffsfläche als
ein kompaktes Teleskop. Zudem spielt der Hebel,
also der Abstand zwischen dem Achsenkreuz und den
Teilen am Teleskop, an denen beim Beobachten hantiert
wird, eine bedeutende Rolle. Bei einem langen Teleskop,
beispielsweise einem konventionellen Fraunhofer
Achromaten mit 100mm Öffnung und 1500mm Brennweite,
befinden sich der Fokussierer und das Okular weit
vom Befestigungspunkt des Teleskops an der Montierung
entfernt. Jede Handhabung daran bewirkt viel höhere
Hebelwirkungen auf die Montierung als die gleichen
Aktionen an einem kurz gebauten 8" Schmidt-Cassegrain
Teleskop. Die höhere Belastung durch lange
Teleskope führt zu kräftigeren Pendelbewegungen,
die ausschwingen müssen.
Von modernen Montierungen in der gleichen Klasse
unterscheidet sich die Vixen GP-DX in drei Punkten:
1. Man kann sie manuell nachführen. Das ist
praktisch, wenn man auf eine stromabhängige
Nachführung verzichten möchte. Optional
können Motoren verwendet werden. Die Ausbaumöglichkeiten
reichen von der einfachen Steuerung bis hin zu GOTO
und Autoguiding.
2. Die Motorisierung erfolgt über zwei Motoren,
die an die Montierung geschraubt werden. Sie bedingen
zwei Kabel von der Steuereinheit zu den Motoren,
und ein Kabel zur Stromversorgung. In fortschrittlicheren
Montierungen sind Kabel und Motoren im Montierungsgehäuse
untergebracht und verursachen so weniger Kabelsalat.
3. Die Gegengewichtsstange kann nicht in die Montierung
versenkt werden.
Diese Montierungen sind modular aufgebaut.
Sie bestehen aus dem Achsenkreuz, an das eine Gegengewichtsstange
geschraubt wird. Es gibt Gegengewichte in drei Größen
(Gewichten), die einzeln oder in Kombination auf die
Stange geschoben werden können. Die Deklinationsachse
(DE-Achse) hat an einem Ende eine Schwalbenschwanzführung
zur Befestigung des Teleskops. Der Polsucher ist ein
kleines Fernrohr, das in die Rektaszensionsachse gesteckt
wird. Es dient zur korrekten Ausrichtung der Montierung,
die so aufgestellt wird, dass die Rektaszensionsachse
(RA-Achse) parallel zur Erdachse verläuft. So
kann man die Bewegung der Sterne durch die Erddrehung
durch entgegengesetztes Drehen von nur einer Achse
kompensieren.
Beide Achsen der GP Montierungen
können per Hand oder mit Motoren bewegt werden.
An jeder Achse gibt es eine Schiene zum Anbringen
eines Motors. Man kann sich mit einem für die
RA-Achse begnügen oder zusätzlich die DE-Achse
motorisieren. Je nach Anspruch, Neigung und Geldbeutel
sind unterschiedliche Möglichkeiten der Stromversorgung
und Steuerung der Motoren adaptierbar.
Es gibt diverse Stative und Säulen
für die GP-Montierungen. In Astronomie-Kreisen
kursieren viele Tipps zur Modifizierung und Verbesserung
der Montierungen und Stative.
Die hohe Qualität der Vixen
GP Montierungen erkennt man vor allem an der Vielzahl
der nahezu baugleichen Kopien, die von der Konkurrenz
auf den Markt gebracht wurden. In den einschlägigen
Foren wird behauptet, dass die originalen Vixen Montierungen
besser sein sollen. Vor allem ist die Vixen GP relativ
leicht und dafür erstaunlich stabil.
Kosmetisches Update. Die Vixen Great Polaris DX wurde
farblich neu gestaltet und heißt nun Vixen Great
Polaris GPD2.