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Teleskope für Natur und Sterne


 
 
Vixen Great Polaris GP-DX / GP-D2 Montierung Thomas Gade



Ein wenig Ehrfurcht darf mitklingen, wenn es um die Vixen Great Polaris geht, denn sie ist eine Legende und das Vorbild für zahlreiche, nahezu baugleiche Clones aus China, die für einen Bruchteil des Preises des Originals angeboten wurden/werden.

Die GP-DX von Vixen ist eine parallaktische Teleskopmontierung, die im Jahre 1990 auf den Markt erschien. Sie war der Nachfolger der Vixen SP-DX, die ihr sehr ähnlich ist. Die Vixen Great Polaris Montierungen gibt es in mehreren Ausführungen. Die Vixen GP-E ist grundsätzlich mit der Vixen GP identisch, wobei letztere bereits mit einem eingebauten Polsucher und anmontierten Teilkreisen ausgestattet ist. Daneben gibt es die Vixen-DX, die in einigen Bereichen etwas massiver gebaut wurde. Diese Montierungen werden mittlerweile weiß lackiert und ansonsten baugleich als Vixen GP2 und Vixen GP-D2 verkauft. Mit der Vixen GP wurde das Befestigen des Teleskops mittels einer Prismenschiene eingeführt. Die Vixen GP-DX heißt inzwischen GP-D2 und ist weiß. Die Vixen GP-Montierungen waren viele Jahre die populärsten Teleskopmontierungen für Amateure. Später erschienen diverse Nachbauten auf dem Markt. Sie sind billiger und qualitativ nicht immer auf dem Stand des Originals.

Die großen Unterschiede zwischen einer Vixen GP und einer GP-DX liegen bei ihren Preisen und Gewichten. Die Vixen GP wiegt ohne Aufbau und Gegengewichte 3,9 kg, während die Vixen GP-DX bereits 8 kg auf die Waage bringt.

Man sagt der Vixen GP-DX nach, dass ihre Nachführung präziser sei. Wer rein visuell beobachtet, merkt das nicht. Anspruchsvolle Astrofotografen verwenden statt der schlichten Vixen Steuerung eine von Koch oder Boxdörfer, die Fehler kompensieren. Daher ist dieser Punkt eher unbedeutend.

Die DX-Klasse trägt etwas mehr. Wer deshalb beim Wechsel von einer preiswerten Vixen GP zur teuren GP-DX der großen Sprung erwartet, liegt falsch. Die Vixen GP reicht als Unterbau für ein kompaktes 8“ Teleskop mit 2“ Zenitspiegel und Binokular. Mehr passt aber nicht drauf. Die Vixen GP-DX trägt die Last fester und erlaubt ein zusätzliches Leitrohr.

Zur Tragkraft der Montierungen gibt es unterschiedliche Angaben. In älteren Beschreibungen wurde sie für die Vixen GP mit 8 kg angegeben und für die Vixen GP-DX mit 11 kg. In jüngeren Beschreibungen trägt die Vixen GP schon 10 kg und die Vixen GP-DX bis zu 14 kg. Die Angaben zur Tragfähigkeit beziehen sich auf das Teleskopgewicht. Das Gegengewicht wird nicht mitgerechnet. Die Belastungsgrenze hängt nicht nur vom Gewicht ab, sondern auch von der Länge der Teleskope und den Bedingungen beim Beobachten. Ein großer Tubus bietet dem Wind eine größere Angriffsfläche als ein kompaktes Teleskop. Zudem spielt der Hebel, also der Abstand zwischen dem Achsenkreuz und den Teilen am Teleskop, an denen beim Beobachten hantiert wird, eine bedeutende Rolle. Bei einem langen Teleskop, beispielsweise einem konventionellen Fraunhofer Achromaten mit 100mm Öffnung und 1500mm Brennweite, befinden sich der Fokussierer und das Okular weit vom Befestigungspunkt des Teleskops an der Montierung entfernt. Jede Handhabung daran bewirkt viel höhere Hebelwirkungen auf die Montierung als die gleichen Aktionen an einem kurz gebauten 8" Schmidt-Cassegrain Teleskop. Die höhere Belastung durch lange Teleskope führt zu kräftigeren Pendelbewegungen, die ausschwingen müssen.


Von den modernen Montierungen in der gleichen Klasse unterscheidet sich die Vixen GP-DX in drei Punkten:

1. Man kann sie manuell nachführen. Optional wird sie motorisiert. Die Ausbaumöglichkeiten reichen von der einfachen Steuerung bis hin zu GOTO und Autoguiding.

2. Die Motorisierung erfolgt über zwei Motoren, die an die Montierung geschraubt werden. Sie bedingen zwei Kabel von der Steuereinheit zu den Motoren, und ein Kabel zur Stromversorgung. In fortschrittlichen Montierungen sind die Kabel und Motoren im Montierungsgehäuse untergebracht und verursachen so weniger Kabelsalat.

3. Die Gegengewichtsstange kann nicht versenkt werden.

Diese Montierungen sind modular aufgebaut. Sie bestehen aus dem Achsenkreuz, an das eine Gegengewichtsstange geschraubt wird. Es gibt Gegengewichte in drei Größen (Gewichten), die einzeln oder in Kombination eingesetzt werden. Die Deklinationsachse (DE-Achse) hat an einem Ende eine Schwalbenschwanzführung zur Befestigung des Teleskops. Der Polsucher ist ein kleines Fernrohr, das in die Rektaszensionsachse gesteckt wird. Er dient zu ihrer präzisen Ausrichtung auf den Himmelspool, um den sich die Sterne scheinbar drehen. So kann die Bewegung der Sterne durch die Erddrehung mit einer Achse kompensiert werden.

Beide Achsen der GP Montierungen können per Hand oder mit Motoren bewegt werden. An jeder Achse gibt es eine Schiene zum Anbringen eines Motors. Man kann sich mit einem für die RA-Achse begnügen oder zusätzlich die DE-Achse motorisieren. Je nach Anspruch, Neigung und Geldbeutel sind unterschiedliche Möglichkeiten der Stromversorgung und Steuerung der Motoren adaptierbar.

Es gibt diverse Stative und Säulen für die GP-Montierungen. In Astronomie-Kreisen kursieren Hinweise zur Pflege und Verbesserung der Montierungen.

Die hohe Qualität der Vixen GP Montierungen erkennt man vor allem an der Vielzahl der nahezu baugleichen Kopien, die von der Konkurrenz auf den Markt gebracht wurden. In den einschlägigen Foren wird behauptet, dass die originalen Vixen Montierungen besser sein sollen. Die Vixen GP ist relativ leicht und stabil.


Kosmetisches Update. Die Vixen Great Polaris DX wurde farblich neu gestaltet und heißt seitdem Vixen Great Polaris GPD2.



Technische Daten

  GP-E (* = optional)
GP

GP-DX
Allgemein    
Gewicht 4 Kilogramm 7 Kilogramm
Tragfähigkeit ca. 8 Kilogramm ca. 11 Kilogramm
     
RA-Teilkreis Unterteilung    * 10 Minuten 10 Minuten
DE-Teilkreis Unterteilung    *
     
Rektaszensionsachse    
Außendurchmesser 36 mm 40 mm
Material Aluminium Stahl
Lagerung Gleitlager Gleitlager
     
Deklinationsachse    
Außendurchmesser 35 mm 35 mm
Material Aluminium Stahl
Lagerung Gleitlager Gleitlager
     
Schneckenräder    
Anzahl der Zähne 144 144
Außendurchmesser 74 mm 74 mm
Dicke 6 mm 6 mm
Material Aluminium Messing
Periodischer Fehler ca. 13 Bogensekunden ca. 7 Bogensekunden
     


Die Gewichtsangaben berücksichtigen nicht die Gegengewichte. Die Tragfähigkeit bezieht sich auf das Teleskop und ist stark von dessen Länge und Volumen abhängig. Hebelkräfte sowie die Anfälligkeit gegen Windstöße haben einen starken Enfluß auf die praktische Verwendungsfähigkeit. Die GP trägt bequem einen kurzen 8" (20 cm Öffnung) Schmidt Cassegrain von Meade oder Celestron, wird aber von einem langen 20 cm Newton überfordert. Ein 125mm Fraunhofer Refraktor in der heute üblichen Bauweise wird gut von der GP getragen. Ein 150mm Fraunhofer wird allenfalls von der Vixen GP-DX getragen.

Anwendungsbeispiel

Hier sieht man ein Vixen VC200L auf einer Vixen GP. Der Tubus wiegt mit Zenitprisma und Okular ca. 7 Kilogramm und wird mit zwei mittleren Gegengewichten (je 2,8 Kilogramm) gut in Balance gehalten. Dies ist schon eine ordentliche Ausrüstung, mit der anspruchsvolle Astrofotografien gemacht werden können.

  


Vixen GP mit Vixen VMC200L (200mm Maksutov-Cassegrain)


Vixen GP

Fazit

Diese Montierungslinie von Vixen hat einen guten Ruf erworben. Für manchen Astronomen ist die Great Polaris ein langjähriges bewährtes Arbeitspferd, das noch lange nicht ausgetauscht werden muss. Wer keine hat und sich zeitgemäßt auf dem Markt orientiert, wird Alternativen finden, die je nach Nutzungsprofil geeigneter sind. Auf jeden Fall ist die Synta Skyscan HEQ5 einen Blick wert, wenn der Nutzer die GOTO Funktion und Autoguiding haben möchte und Wert auf eine hohe Tragkraft legt.

In Verbindung mit den kurzgebauten ED Refraktoren bis 100mm Öffnung ist die Vixen GP ohne Motorantrieb eine schöne Montierung, um manuell über den Himmel zu surfen.



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