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Nikon LS-4000 ED / Super Coolscan 4000 ED


März 2003 / Juli 2016 © Thomas Gade


Nikon Coolscan 4000 beim Scannen eines langen Filmstreifens

Wie heißt dieser Scanner? Auf der Vorderseite steht Super Coolscan 4000 ED und auf der Rückseite Nikon LS-4000 ED. In Berichten werden beide Namen abwechselnd verwendet.

Der Nikon LS-4000 ED / Super Coolscan 4000 ED ist ein Filmscanner für Kleinbildfilme mit Infrarotkanal zur Staub- und Kratzererkennung für das Retuscheverfahren ICE. Der Anschluß des Nikon LS-4000 erfolgt über eine Firewireverbindung. Der Scanner hat vorne einen Einschub für austauschbare Filmhalter.

Der Scanner wird mit einem Schacht für Einzeldias MA-20, dem Filmstreifenhalter FH-3 sowie dem automatischen Filmstreifeneinzug SA-21 geliefert. Mit letzterem werden automatisch Filmstreifen mit bis zu 6 Bildern im üblichen KB-Format gescannt.

Optional gibt es einen automatischen Diawechsler. Man kann damit bis zu 50 gerahmte Dias (je nach Dicke der Rahmen) stapelweise scannen. Zusätzlich gibt es die Möglichkeit, unzerschittene lange Filmstreifen automatisch zu scannen.

Der Scanner wird mit einer Firewire-Karte, einem Firewire-Kabel, Netzkabel, der Software Nikon Scan 3.1, Silverfast Ai6 und HDR sowie Fotostation 4.5 und einigen Unterlagen geliefert. Zur Grundausstattung des Nikon LS-4000 gehört ein Filmstreifenhalter, eine automatische Filmstreifenzufuhr und ein Einsatz für einzelne Dias und den Filmstreifenhalter.

Technische Daten

Hersteller Nikon

Bezeichnung Super Coolscan 4000 ED / LS-4000 ED

Anschluss Firewire

Markteinführung 2001 (2003 vom Nachfolger Coolscan 5000 abgelöst)

Defektretusche ICE3

Lieferumfang Hardware - Scanner
- Nikon MA-20 Slide Mount Adapter
- Nikon Stip Film-Holder FH-3
- Nikon SA-21 Stip Film Adapter (für Filmstreifen mit 2 bis 6 Bildern)
- Strom- und Firewirekabel
- Gebrauchsanleitung

Zusätzliche optionale Hardware - Nikon Slide Feeder SF-200 oder SF-210 (automatischer Diawechsler)
- Nikon SA-30 (für Filmstreifen mit 2 bis 40 Bildern)
- Nikon IA-20 (für APS Fime)

Scanzeit auf gutem Rechner VueScan / 6 Colornegative mit ICE / 4000 dpi = 9 Minuten

Staubschutz am Schacht für Module

Der Nikon Super Coolscan 4000 hat am Einschub für die Dia- und Filmzufuhr eine Staubschutzabdeckung. Beim Nachfolger, dem Nikon Coolscan 5000 gibt es keine mehr. links: offen, rechts: geschlossen

Scansoftware

Im Jahre 2015, vierzehn Jahre nach der Markteinführung des Nikon Super Coolscan 4000 ED ist die ursprüngliche Software längst von weiter entwickelten Versionen abgelöst worden.

Als der Nikon Coolscan 4000 ED im Jahre 2001 auf den Markt kam, kosteten 128 MB Ram rund 100 DM (50 €) und Festplatten mit 60 GB knapp 400 DM (200 €). Die damaligen haushaltsüblichen Computer waren kaum geeignet, um digitale Archive mit hochaufgelösten Scans anzulegen. In Testberichten aus der Zeit wird angegeben, dass 256 MB Ram Arbeitsspeicher und ein schneller Prozessor der damaligen Zeit (bis 1 Ghz, single core) für einen stabilen Betrieb nötig waren. Über solche Werte kann man heute nur noch schmunzeln.

Nikon Scan

2007 veröffentlicht Nikon die letzte Version von seiner Scansoftware mit der Nummer 4.03 ausschließlich für Windows Vista. Für Windows XP und ältere Versionen wird die Version 4.02 installiert. Die Software Nikon Scan kann kostenlos von der Nikon-Website heruntergeladen werden.

Auf einem modernen PC (i7 / 8 GB Ram / SSD) mit Windows 7 Pro 64 Bit lässt sich Nikon Scan installieren, jedoch wird der Scanner nicht gefunden. Laut Nikon werden Betriebssysteme nach Windows Vista nicht mehr unterstützt und man verweist auf VueScan und SilverFast.

Deswegen gehören weder der Scanner noch die Software zum alten Eisen. Ab 2007 kamen teure Business-Laptops auf den Markt, die von IBM und Dell mit hervorragenden Komponenten ausgetattet waren. Sie boten ein Vielfaches dessen, was ursprünglich als Mindesanforderung zum sicheren Betrieb des Scanners angegeben waren.

Ein Dell Latitude D630 mit Dual Core Prozessor und mindestens 2 GB RAM und Windows XP ist im guten Zustand auf dem Gebrauchtmarkt für 100 € zu haben. Solche Maschinen sind bestens geeignet, um den Nikon Coolscan 4000 ED zu betreiben. Auf Windows XP läuft Nikon Scan 4.02 einwandfrei und die Daten transportiert man mit einem USB Stick zum flotteren Rechner für die Nachbearbeitung.

SilverFast Ai 8

SilverFast Ai 8 für den Nikon Coolscan 4000 kostet 449 €.

VueScan

VueScan kostet vergleichsweise magere 89 US$ in der Pro-Version. Der Preis beinhaltet alle zukünftigen Downloads. Das Programm hat ein super Preis-/Leistungsverhältnis und erzielt neben einer hohen Bildqualität die kürzesten Scanzeiten.

Scannen

Erster Eindruck: Der Scanner könnte leiser sein. Erfreulicherweise ist die Zeit, die notwendig ist, um Previews zu erstellen, beim Nikon LS-4000 im Vergleich mit seinem Vorgänger deutlich verkürzt worden. Das Scannen von Farbnegativen ist relativ zeitaufwendig. Verarbeitet man Negative mit der automatischen Filmzufuhr, dauert

Während in unserem ersten Bericht aus dem Jahre 2003 auf eine Verdoppelung der Scanzeit durch ICE hingewiesen wurde, dauert dieser Vorgang auf späteren Computern dafür nur noch wenige Sekunden. Die Schmutzerkennung und -retusche ICE funktioniert mit Colornegativen und vielen Dias sowie SW-Filmen, die im C41 Proezss eintwickelt wurden, sehr gut. Beim klassischen Schwarzweißfilm wird das Korn leider nicht vom Staub unterschieden und als vermeintlicher Schmutz retuschiert. Schade. Es gibt viele alte SW-Filme zu digitalisieren. ICE versagt bei Kodachrome Dias.
Die maximale Auflösung (4000 dpi) erzeugt fette 48Bit RGB Dateigrößen mit rund 120 MB pro Bild.

Die Scans mit dem Nikon Super Coolscan 4000 ED werden ausgezeichnet, wenn man mit der Software umgehen kann. Ebenso dürfen Filme nicht gewölbt sind, weil die Tiefenschärfe extrem gering ist. (siehe Vergleich Polaroid/Nikon) In der Praxis gibt es jedoch viele gewölbte Filme.

Scanergebnisse - Nikon Coolscan 4000 ED und 5000 ED

Tipp: Enorme Verbesserung mit Diffusor
Darbnegative
Schwarzweissfilme
Dias / Alte Dias

Filmstreifenhalter FH-3 und MA-20


Der Strip Film Holder FH-3 für einzelne Filmstreifen gehörte zum Lieferumfang des Nikon Coolscan 4000, wurde jedoch seinem Nachfolger, dem Nikon Coolscan 5000, nicht mehr beigelegt und kostet auf dem Gebrauchtmarkt 70 - 100 € (Juni 2016). Das ist reichlich für eine klapperige Konstruktion. Der Nikon MA-20 ist ein Adapter für einzelne gerahmte Dias und den Filmstreifenhalter FH-3.

Diazufuhr Nikon SF-200

Die beiden Buchstaben des Namens SF-200 stehen für Slide Feeder. Es ist ein Zubehör des Nikon LS-2000 oder LS-4000, das automatisch bis zu 50 Dias im Scanner austauscht. Der Stapelscanvorgang mit gerahmten Dias ist nicht immer problemlos. Rahmen mit ca. 2mm Dicke und leicht gerundeten Seiten lassen sich gut verarbeiten. Die Zufuhreinheit neigt jedoch dazu, andere Dias nicht richtig zu transportieren oder zu verkanten. Dann bleibt alles stehen. Man sollte stets auf die Geräusche des Scanners hören. Wenn man nichts hört, ist er (wieder mal) stehengeblieben. Ein hohes Motorgeräusch deutet darauf hin, daß er vergeblich mit einem verklemmten Dia kämpft. Ob das für den Feeder gut ist? Man muß den Diarahmen aus dem empfindlichen Mechanismus herausfummeln und den Vorgang neu starten. Das setzt handwerkliches Geschick voraus, da die verkanteten Dias ziemlich unglücklich im empfindlichen Mechanismus stecken. Das ist nichts für ungeduldige Gemüter. Ich kenne Leute, die den SF-200 innerhalb kürzester Zeit beschädigen würden.


Nikon Super Coolscan 4000 mit Slide Feeder am Laptop

Links: Der linke Diastapel befindet sich in der Zufuhr und rechts daneben sind die bereits gescannten Dias.
Rechts: Ein an die Trennwand mit Tesafilm geklebter Plastikstreifen verhindert, dass zwei dünne Diarahmen gleichzeitig eingeschoben werden.

Bei dünnen Dias (z.B. CS-Rahmen) kann es vorkommen, dass der SF-200 zwei Dias gleichzeitig in den Schacht schiebt. Ein mit Tesafilm an die Trennwand zwischen den Diaschächten geklebter flexibler Plastikstreifen, der soweit nach vorne ragt, daß nur ein Dia weiter geschoben werden kann, verhindert das (siehe rechtes Bild). Dafür eignet sich ein Plastikstreifen, den man aus einer Klarsichthülle schneidet. Manchmal lohnt es sich, die Diarahmen an der Seite, wo der Schieber des Feeders schiebt und an den Ecken, die sich unten auf der Scheine befinden, leicht anzuschmirgeln. Bei Plastikrahmen geht das stapelweise. Allerdings muß man aufpassen, daß man den Staub nicht auf die Dias bekommt oder einatmet.

Es ist ein ärgerlicher Mangel, wenn handelsübliche Diarahmen, die durchaus den im Nikon-Handbuch genannten Spezifikationen entsprechen, steckenbleiben und die Behebung des Vorfalls knifflig ist. Problematisch sind einige Rahmen des CS-Typs, die man selber gerahmt hat. Diastapel in dünnen Papierrahmen, wie früher bei Kodak und Agfa oder gekauften Diaserien üblich, sind unberechenbar. Geglaste Dias, die an den Kanten mit Papierstreifen zusammengeklebt wurden, muß man neu rahmen oder einzeln scannen. Ich rahme viele alte Dias in Reflecta-Rahmen um und bin seit dem Einkleben des Plastikstreifens in den SF-200 zufrieden damit.

Der Feeder ist aber trotz seiner Macken ein sehr nützliches Gerät. Wer Dias hat, die anstandslos gewechselt werden, wird den Slide Feeder bald als unentbehrlich betrachten.

Unzerschnittene Filme

Das Scannen von unzerschnittenen Filmen wird mit weiterem Zubehör möglich. Wie bei diesem System zu erwarten ist, kostet es ein kleines Vermögen. Daher lohnt es sich, den Reflecta Proscan 4000 oder andere baugleiche Typen von PIE, Umax oder Microtek in Betracht zu ziehen. Sie kosten erheblich weniger als die Aufrüstung des Nikon LS-4000 für lange Filme und liefern gute Ergebnisse.


Scannen eines langen Filmstreifens mit dem modifizierten Filmstreifenadapter SA-21, der eigentlich nur zwei bis sechs Bilder pro Filmstreifen scannen kann. Der 'Umbau' ist leicht.

In vielen Archiven schlummern haufenweise alte Schwarzweißfilme, die von den Fotografen in Filmdosen aufbewahrt wurden. Die ICE-Funktion (Schmutz- und Kratzererkennung) des Nikon funktioniert leider nicht mit Schwarzweißfilmen. Der Scanner hält das Korn des Films für Schmutz und erzeugt vollkommen unbrauchbare Bilddateien. Wer die alten Filme aufarbeiten möchte, braucht dafür keinen Nikon Coolscan, sondern kann eines der o.g. Geräte einsetzen. Da die alten Filme durch die jahrzehntelange Lagerung im eng eingewickelten Zustand einen starken Drall entwickelt haben und schwierig in der Handhabung sind, würde ich einen technischen Defekt durch ihr Scannen eher in einem billigen Gerät riskieren als die Mechanik des Nikon übermäßig stark zu belasten. Bei neuen frisch entwickelten Filmen sollten Schmutz und Kratzer kein großes Problem darstellen. Allerdings ist es beruhigend, wenn man die ICE-Funktion mitlaufen lassen kann.

Fazit

Die Fachpresse bezeichnet die Nikon Coolscan 4000 und 5000 als Nonplusultra der Kleinbildscanner. Es gibt Gründe, die dafür und dagegen sprechen. Beide sind effiziente Arbeitspferde, wenn man mit ihnen vertraut ist. Mit heutigen Betriebssystemen verwendet man vorzugsweise VueScan. Die Alternative - SilverFast von LaserSoft - ist leider sehr teuer und nur für diesen Scanner verwendbar, während VueScan viele andere Scanner ebenfalls ansteuern kann.

Der Nikon Coolscan 4000 ist gebraucht erheblich billiger als der Coolscan 5000. Eine schlüssige Begründung gibt es dafür nicht, weil die Ergebnisse identisch sind. Somit ist das Preis/Leistungs-Verhältnis beim 4000 erheblich besser als beim Nachfolger, der keine besseren Dateien liefert.


 

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