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LS-4000 / Super Coolscan 4000 ED Thomas
Gade März 2003
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Der Nikon LS-4000 oder Super Coolscan
4000 ED ist ein Filmscanner für Kleinbildfilme
mit einer Stauberkennungs- und -beseitungsfunktion.
Der Anschluß des Nikon LS-4000 erfolgt über
eine Firewireverbindung. Wie der Nikon LS-2000 hat
der LS-4000 vorne einen Schacht, in den diverse Filmzufuhren
eingeführt werden können. Standardmäßig
wird der Scannern mit einem Schacht für Einzeldias
und Filmstreifenhalter sowie einer Zufuhr für
den automatischen Filmstreifeneinzug geliefert. Mit
letzterer zieht er automatisch Filmstreifen mit bis
zu 6 Bildern im üblichen KB-Format ein. Optional
gibt es einen automatischen Diawechsler. Man kann
damit bis zu 50 gerahmte Dias (je nach Dicke der Rahmen)
stapelweise scannen. Zusätzlich gibt es die Möglichkeit,
unzerschittene lange Filmstreifen automatisch zu scannen.
Der Scanner wird mit einer Firewire-Karte, einem Firewire-Kabel,
Netzkabel, der Software Nikon Scan 3.1, Silverfast
Ai6 und HDR sowie Fotostation 4.5 und einigen Unterlagen
geliefert. Zur Grundausstattung des Nikon LS-4000
gehört ein Filmstreifenhalter, eine automatische
Filmstreifenzufuhr und ein Einsatz für einzelne
Dias und den Filmstreifenhalter.
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Software
Die Scansoftware Nikon Scan 3.1 läßt
sich problemlos installieren. Wer seine Windows 98
oder ME Version mit 98lite modifiziert hat und ev.
die Win 95 Shell verwendet, muß ein paar Einstellungen
verändern. Nikon Scan 3.1 funktioniert nicht
in der Minimalvariante. Wie schon bei der Nikon Scan
2.5 Version des LS-2000 bemängelt, korrigiert
die Tonwertautomatik über. Leider kann man keine
Grenzen der automatischen Korrektur eingeben. So kommt
es zum sogenannten Clipping, bei dem in den hellsten
wie auch in den dunkelsten Bildzonen Bildzeichnung
verloren geht. Da der Nikon Super Coolscan 4000 ED
technisch in der Lage ist, auch extrem kontrastreiche
oder sehr dichte Vorlagen mit einer guten Durchzeichnung
über den gesamten Helligkeitsbereich zu erfassen,
ist diese Eigenschaft der hauseigenen Software ein
gravierender Schwachpunkt. Beim Scannen von alten
Diapositiven, die deutliche Farbveränderungen
aufweisen, stellte ich fest, daß die ROC-Funktion
der Nikon Software nahezu unbrauchbar ist, wenn Archivdateien
erzeugt werden sollen, die möglichst viele Bildinhalte
enthalten sollen. Die Bilder sehen auf den ersten
Blick gut aus, sind aber technisch mangelhaft. Im
Schatten werden dunkle Helligkeitsstufen auf Schwarz
gesetzt. Nikon sollte die Dialogmöglichkeit zur
Vorgabe von Automatikgrenzen erweitern.
Dem von mir erworbenen Scanner lag eine Silverfast
Ai6 und HDR Version von Lasersoft bei.
Silverfast kann die Möglichkeiten dieses Scanners
erheblich besser ausnutzen. Man sollte sich an die
etwas unübersichtliche Oberfläche von Silverfast
gewöhnen, da die Nikon Scan 3.1 Software nicht
in der Lage ist, den Nikon Super Coolscan 4000 ED
optimal zu betreiben. Silverfast Ai6 ist in jedem
Fall vorzuziehen.
Im Paket des Scanners findet man auch die Software
Fotostation 4.5. Das ist ein großartiges
Programm, dessen Anwendung man sich erschließen
sollte. Man kann die gescannten Bilder mit Fotostation
aufrufen und einzeln bearbeiten. Das Korrigieren der
Tonwerte und Farben ist besser gelöst als im
Photoshop. Zusätzlich eignet sich Fotostation
zum Auschneiden, Drehen und Retuschieren der Bilder
mit Stempel. Das geht sehr zügig. Falls nötig,
sollten weitergehende Schritte mit Photoshop (ev.
Entzerren von stürzenden Linien oder selektive
Farbkorrektur) vorgenommen werden.
VueScan
Nicht im Paket enthalten ist eine Software, die unbedingt
zum Nikon Coolscan 4000 gehört: VueScan. Sie
kann von der Seite www.hamrick.com geladen werden
und kostet magere 80 Dollar. Der Preis beinhaltet
alle zukünftigen downloads. Ed Hamrick antwortet
schnell auf eventuelle Fragen. Die Sprache der Software
und der Anleitung ist englisch. Wer damit umgehen
kann, sollte VueScan testen. Hat man sich in das Programm
hineingefunden, ist es hervorragend. Besonders bei
alten Bildern, deren Farben verändert sind, ist
VueScan die erste Wahl. Die Funktion 'restore fading'
arbeitet hervorragend ohne die Einschränkungen
von ROC. Wer Lasersofts Silverfast HDR zur Bearbeitung
von Rohdaten aus Scannern schätzt, kann gleiches
mit VueScan realisieren. Zudem beinhaltet das Programm
diverse Kalibrierfunktionen.
Scannen
Erster Eindruck: Der Scanner könnte
leiser sein. Erfreulicherweise ist die Zeit, die notwendig
ist, um Previews zu erstellen, beim Nikon LS-4000
im Vergleich mit seinem Vorgänger deutlich verkürzt
worden. Das Scannen von Farbnegativen ist relativ
zeitaufwendig. Verarbeitet man Negative mit der automatischen
Filmzufuhr, dauert ein Scan mindestens zwei Minuten.
Nicht vergessen darf man dabei die Zeit für den
Filmtransport und Meßvorgänge, die hinzugerechnet
werden müssen. Die Erwartung, einen fünfer
Streifen Negative in fünf Minuten erledigt zu
haben, kann man abhaken. Es dauert mit ICE, aber ohne
ROC und GEM, mindestens eine Viertelstunde. Das ist
sehr lange. Es ist nur bei Dias unter Verzicht auf
Korrekturen möglich, zügig zu scannen. Fairerweise
muss man hinzufügen, daß andere Scanner
ebenfalls ihre Zeit brauchen.
Die maximale Auflösung (4000
dpi) erzeugt fette Dateigrößen. Mitunter
ist es notwendig, 48 Bit Dateien zu erzeugen. Dann
kommt man locker auf Dateien mit 120 MB. Sie werden
erst nach der Bearbeitung zur archivfertigen Datei
in den 24 Bit Modus umgewandelt, der nur halb so viel
Platz beansprucht.
Die Schmutzbeseitigungsfunktion
ICE funktioniert bei vielen Filmen gut, ist aber mit
Vorsicht zu genießen. Man kann sie aber nur
für Farbvorlagen oder Schwarzweissfilme, die
im Colorprozess entwickelt werden, verwenden. Beim
klassischen Schwarzweißfilm wird das Korn als
Schmutz erkannt und der Versuch unternommen, es zu
beseitigen. Schade. Es gibt so viele alte SW-Filme,
die digitalisiert werden sollten. Seltsamerweise versagt
ICE auch bei manchen gecrossten Dias mit hohen Kontrasten.
Die Bilder werden sehr unscharf. Mit ICE verdoppelt
sich die Scanzeit. Alle anderen Funktionen wie die
Kornreduzierung oder Rekonstruktion von verblichenen
Farben sollte man mit einem guten Bildbearbeitungsprogramm
vornehmen. Sie verzögern das Scannen sehr und
liefern zweifelhafte Ergebnisse.
Die Scans mit dem Nikon Super Coolscan 4000 ED werden
ausgezeichnet, wenn man mit der Software umgehen kann
und die Filme nicht gewölbt sind. Der Tiefenschärfebereich
ist zu gering, um der oft vorhandenen Filmwölbung
immer gerecht zu werden. (siehe
Vergleich Polaroid/Nikon) Dies ist der einzige
ernstzunehmende Mangel an dem Gerät. Bei frischen
planen Filmen fällt er nicht auf, aber bei ältern
Vorlagen, z.B. gerahmten Dias ist das unangenehm.
Um die Kapazitäten des Scanners ausschöpfen
zu können, muß sich der Anwender mit der
notwendigen Software vertraut machen. Er sollte eine
Tonwertkurve (Histogramm) interpretieren und mit der
Gradationskurve umgehen können. Eine gute Kombination
wäre Silverfast Ai6 mit Fotostation und Photoshop.
Mit Silverfast wird der Scanvorgang gesteuert. Fotostation
dient zur Erstbearbeitung wie Bilder drehen, Tonwertkorrektur,
Ausschnitt und Einträge von Textinformationen
nach dem IPTC-Standard. Zudem ist Fotostation ein
sehr gutes Verwaltungs- und Datenbankprogramm. Außerdem
kann man damit hervorragende Webseiten herstellen,
sofern der Anwender in der Lage ist, die Vorlagen
zu editieren. Mit Photoshop können diffizielere
Folgeschritte vorgenommen werden. Zum schnellen Bildbetrachten
verwende ich gerne ACDSee-Classic. Das ist eine relativ
alte Version (2.41) mit neuem Namen, die parallel
zu der gegenwärtigen ACDSee 6 Version angeboten
wird.
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Optionales Zubehör
Diazufuhr Nikon SF-200
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Die beiden Buchstaben des Namens
SF-200 stehen für Slide Feeder. Es ist ein Zubehörteil
des Nikon LS-2000 oder LS-4000, welches automatisch
bis zu 50 Dias im Scanner austauscht. Der Stapelscanvorgang
mit gerahmten Dias ist nicht immer problemlos. Rahmen
mit ca. 2mm Dicke und leicht gerundeten Seiten lassen
sich gut verarbeiten. Die Zufuhreinheit neigt jedoch
dazu, andere Dias nicht richtig zu transportieren
oder zu verkanten. Dann bleibt alles stehen. Man sollte
stets auf die Geräusche des Scanners hören.
Wenn man nichts hört, ist er (wieder mal) stehengeblieben.
Ein hohes Motorgeräusch deutet darauf hin, daß
er vergeblich mit einem verklemmten Dia kämpft.
Ob das für den Feeder gut ist? Man muß
den Diarahmen aus dem empfindlichen Mechanismus prokeln
und den Vorgang neu starten. Das setzt handwerkliches
Geschick voraus, da die verkanteten Dias ziemlich
unglücklich im empfindlichen Mechanismus stecken.
Das ist nichts für ungeduldige Gemüter.
Ich kenne Leute, die den SF-200 innerhalb kürzester
Zeit beschädigen würden.
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Bei dünnen Dias (z.B. CS-Rahmen)
kann es vorkommen, dass der SF-200 zwei Dias gleichzeitig
in den Schacht schiebt. Ein mit Tesafilm an die Trennwand
zwischen den Diaschächten geklebter flexibler
Plastikstreifen, der soweit nach vorne ragt, daß
nur ein Dia weiter geschoben werden kann, verhindert
das (siehe rechtes Bild). Dafür eignet sich ein
Plastikstreifen, den man aus einer Klarsichthülle
schneidet. Manchmal lohnt es sich, die Diarahmen an
der Seite, wo der Schieber des Feeders schiebt und
an den Ecken, die sich unten auf der Scheine befinden,
leicht anzuschmirgeln. Bei Plastikrahmen geht das
stapelweise. Allerdings muß man aufpassen, daß
man den Staub nicht auf die Dias bekommt oder einatmet.
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Es ist ein ärgerlicher Mangel,
wenn handelsübliche Diarahmen, die durchaus den
im Nikon-Handbuch genannten Spezifikationen entsprechen,
steckenbleiben und die Behebung des Vorfalls knifflig
ist. Problematisch sind einige Rahmen des CS-Typs,
die man selber gerahmt hat. Diastapel in dünnen
Papierrahmen, wie früher bei Kodak und Agfa oder
gekauften Diaserien üblich, sind unberechenbar.
Geglaste Dias, die an den Kanten mit Papierstreifen
zusammengeklebt wurden, muß man neu rahmen oder
einzeln scannen. Ich rahme viele alte Dias in Reflecta-Rahmen
um und bin seit dem Einkleben des Plastikstreifens
in den SF-200 zufrieden damit.
Der Feeder ist aber trotz seiner Macken ein sehr nützliches
Gerät. Wer Dias hat, die anstandslos gewechselt
werden, wird den Slide Feeder bald als unentbehrlich
betrachten.
Unzerschnittene Filme
Das Scannen von unzerschnittenen
Filmen wird mit weiterem Zubehör möglich.
Wie bei diesem System zu erwarten ist, kostet es ein
kleines Vermögen. Daher lohnt es sich, den Reflecta
Proscan 4000 oder andere baugleiche Typen von
PIE, Umax oder Microtek in Betracht zu ziehen. Sie
kosten erheblich weniger als die Aufrüstung des
Nikon LS-4000 für lange Filme und liefern gute
Ergebnisse.
In vielen Archiven schlummern haufenweise alte Schwarzweißfilme,
die von den Fotografen in Filmdosen aufbewahrt wurden.
Die ICE-Funktion (Schmutz- und Kratzererkennung) des
Nikon funktioniert leider nicht mit Schwarzweißfilmen.
Der Scanner hält das Korn des Films für
Schmutz und erzeugt vollkommen unbrauchbare Bilddateien.
Wer die alten Filme aufarbeiten möchte, braucht
dafür keinen Nikon Coolscan, sondern kann eines
der o.g. Geräte einsetzen. Da die alten Filme
durch die jahrzehntelange Lagerung im eng eingewickelten
Zustand einen starken Drall entwickelt haben und schwierig
in der Handhabung sind, würde ich einen technischen
Defekt durch ihr Scannen eher in einem billigen Gerät
riskieren als die Mechanik des Nikon übermäßig
stark zu belasten. Bei neuen frisch entwickelten Filmen
sollten Schmutz und Kratzer kein großes Problem
darstellen. Allerdings ist es beruhigend, wenn man
die ICE-Funktion mitlaufen lassen kann.
Fazit
Die Fachpresse bezeichnet ihn als Nonplusultra der
Kleinbildscanner. Es gibt Gründe, die dafür
und welche, die dagegen sprechen. Der Scanner ist
gut. Er spielt seine Stärken aus, wenn man sich
eingehend mit der Software auseinandergesetzt und
etwas Routine hat. Zudem gibt es (ohne Berücksichtigung
von Linux) drei Scanprogramme, die jedes für
sich Vorteile haben. Leider fehlen zu allen gute Handbücher.
Da gilt auch der Einwand nicht, daß Lasersoft
Hunderte von Seiten zu PDF-Dokumenten zusammengestellt
hat, um Silverfast zu erklären. Man müßte
sie farbig ausdrucken und die Beschreibung des Programms,
das für sehr viele Scanner entwickelt wurde,
ist zu allgemein. Die Anleitung für VueScan ist
ebenfalls eine Datei, aber erheblich kürzer und
leider nur englisch.
Für diejenigen, die ein paar Tausend frische
oder alte Farbdias im fragwürdigen Zustand mit
einem vertretbaren Aufwand digitalisieren möchten,
ist der Nikon Scanner ein ausgezeichnetes Werkzeug.
Wer überwiegend saubere frische, korrekt belichtete
Farbnegativfilme scannt, wird möglicherweise
vergeblich nach einem Zusatznutzen für die hohe
Preisdifferenz des Scanners im Vergleich mit anderen
suchen. Viele Schwarzweissfilme kann man mit anderen
Scannern, z.B. dem Polaroid Sprintscan 35 Plus, besser
scannen. Vor einer Anschaffung sollte man berücksichtigen,
daß zum Nikon Coolscan 4000 ein leistungsfähiger
Computer gehört. Bilddateien zwischen 120 bis
140 MB als Ausgangsdatei zur Herstellung einer Archivdatei
sind mit schlappen Rechnern nicht zu bewältigen.
Vor allem dann nicht, wenn der Dia Feeder 100 Dias
durch den Scanner geschoben hat und alle Dateien noch
in Form gebracht werden müssen. Trotz einiger
Einschränkungen ist der Nikon Coolscan für
diejenigen, die ihn richtig einsetzen, ein hervorragendes
Gerät.
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