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Mein Scanner wollte zunächst nicht arbeiten. Er war angeschlossen
und eingeschaltet. Ich schob einen Filmstreifen in den Aufnahmeschlitz.
Die Lampe leuchtet zwar, aber sonst geschah nichts. Der Scanner
hat trotz vieler beweglicher Teile keine Transportsicherung,
wie sie bei vielen Scannern üblich ist. Sollte sich etwas
verkantet haben? Ich schob die vordere Abdeckklappe nach unten
und zwängte ein gerahmtes Dia in den anderen Schlitz.
Nun startete der Scanner seltsame geräuschvolle Aktivitäten.
Nach dem Entfernen des Dias konnte ich oben einen Filmstreifen
einführen, der automatisch weiter eingezogen wurde.
Nach dem Installieren der Software gab es ein Ansprechproblem,
das sich beheben ließ, indem man den Scanner aus-
und einschaltet und den Rechner neu startet. Der Scanner
ist erst mal eine ganze Weile mit Kalibrierungsvorgängen
beschäftigt, bevor er seine Dienste anbietet. Im
übersichtlichen Scanprogramm findet man allerhand
nützliche Funktionen, die sich einer erfahrenen
Scankraft schnell erschließen. Dennoch bleiben
einige Fragen offen, zu denen man gerne etwas nachschlagen
möchte. Das Handbuch ist sehr spärlich ausgeführt
und nahezu unbrauchbar. Auf der CD gibt es einen Ordner
namens "manuals". Er enthält diverse
Ordner, die jeweils nach einer Sprache benannt sind.
Im Ordner "germany" befindet sich nur eine
AcrobatReader-Installationsdatei! Ein Mitarbeiter von
Reflecta teilte mir mit, daß sich lediglich im
Ordner "english" eine (englischsprachige)
pdf-Datei befinden würde. Sie entpuppte sich als
unvollständiges Tutorial, das mittendrin aufhört
und viele angekündigte Kapitel gar nicht enthält.
Reflecta sollte hier unbedingt nachbessern, da dies
ein echter Produktmangel ist. Über die Eingabe
des Namens der Scansoftware bei Google stieß ich
auf die Webseiten des Herstellers. Der Reflecta ProScan
3600 wird von Pacific Image Electronics (PIE) produziert.
Er wird baugleich von PIE, Microthek und Reflecta vertrieben.
Auf den Seiten von PIE gab es ein Treiberupdate, aber
kein besseres Handbuch.
Scannen
Der Scanvorgang mit dem Reflecta wirft einige Rätsel
auf. Ein Filmstreifen wird oben in den Schlitz geführt
und während der Verarbeitung motorisch durch den
Scanner gezogen, wobei er nach unten gebogen wird und
aus dem unteren Schlitz herauskommt. Ein frisch entwickelter
Film hat die Neigung, sich entsprechend seiner früheren
Wicklung in der Filmpatrone aufzurollen. Dabei liegt
die Schichtseite innen und die glänzende Trägerseite
außen. Ein Sticker auf dem Gehäuse gibt an,
wie herum der Film eingeführt werden soll. Zudem
gibt es auf der Verpackung des Reflecta einige Bilder,
die diesen Vorgang zeigen. Folgt man diesen Hinweisen,
wird der Film entsprechend seinem Drall in den Scanner
eingeführt. Überraschenderweise erhält
man in dem Fall bei einer Standardeinstellung der Software
spiegelverkehrte Dateien! Beim Scannen einer einzelnen
Datei ist das nicht problematisch, da es eine Funktion
zum Spiegeln der Bilder gibt. Leider funktioniert das
nicht beim automatischen Scannen eines ganzen Films.
Die Einstellung bleibt nur für das erste Bild erhalten.
Um sich langwierige Operationen am Photoshop zu ersparen,
muß man den Film entgegen seinem Drall in den
Scanner bekommen. Das ist nicht immer einfach. Das erste
Bild eines Films geht gelegentlich drauf, weil man es
knicken muß, damit es beim Einführen überhaupt
dem Weg des Schachts folgt. Zudem bringt dieses Gefummel
Schmutz auf die ersten Bilder, den man später retuschieren
muß. Abgesehen davon macht sich Staub bei den
meisten Bildern weniger bemerkbar, als man anfangs vermuten
mag.
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Um spiegelverkehrte Bilder beim Stapelscan zu vermeiden,
muß der Film entgegen seinem Drall in den Scanner
gebracht werden.
Das erscheint unlogisch! |
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Der Reflecta ProScan 3600 transportiert
den Film soweit, daß das erste Bild in die richtige
Position zum Abtasten gebracht wird und macht automatisch
einen Prescan. Anschließend kann man die Standposition
des Bildes korrigieren, falls es vom Scanner falsch
positioniert wurde.
Die Einstellung der Auflösung bietet viele Stufen
an. Man muß berücksichtigen, daß der
Scanner eine maximale optische Auflösung von 3600
dpi hat. Wenn das zu hoch ist, sollte man 1800 dpi (0,5
x 3600) wählen. Das entspricht der Qualität
einer 4 Megapixelkamera. Beim Reflecta Proscan werden
die oft üblichen 2700 dpi interpoliert. Dabei wird
mit 1800 dpi abgetastet und anschließend hochgerechnet.
Besser ist es, mit 3600 dpi zu scannen und per Photoshop
oder einer anderen Bildbearbeitung auf eine geringere
Auflösung umzurechnen. Ansonsten hat die Software
einiges zu bieten. Tonwertkurve, Farbkorrekturen, drehen,
spiegeln, Filmprofile etc. Für die Software spricht,
daß die Oberfläche aufgeräumt und überschaubar
ist.
Hat man den Film erfolgreich geladen und der Scanner seine
Kalibrierungsvorgänge abgeschlossen, verläuft der
automatische Scanvorgang erstaunlich problemlos. Der Film
wird mit einer nicht unbeträchtlichen Geräuschentfaltung
klaglos durchgezogen und Bild für Bild gescannt.
Die Ergebnisse sind ganz ordentlich. Wer vorher mit
2700 dpi gescannt hat, mag zunächst enttäuscht
sein. Die Darstellungen von Details, welche mit 3600
dpi gescannt wurden, sind bei 100% Darstellung unschärfer.
Das liegt daran, dass man einen wesentlich kleineren
Ausschnitt sieht und die Vorlage kaum mehr hergibt,
als 2700 dpi bereits erfasst haben. Ab einem gewissen
Punkt sind Details eben unscharf und daran kann eine
höhere Auflösung nichts ändern. Im Vergleich
mit dem Nikon LS-2000 ist feststellbar, daß der
Reflecta nicht mehr Details zeigt.
Silverfast Ai 6 und der Reflecta Proscan 3600
Die Fa. Lasersoft bietet eine Software namens Silverfast
an. Sie gilt als hervorragende Alternative zu den Programmen,
die viele Hersteller ihren Scannern beilegen.
Der Reflecta Filmscan 3600 Pro wird mit der Software
Cyberview geliefert. Es ist vollkommen egal, ob der
Scanner den Namen Reflecta, PIE oder Microtek trägt,
Cyberview geht immer und kommt auch bei vielen anderen
Scannern zum Einsatz. Nun gibt es bei Reflecta eine
Besonderheit. In der Produktpalette der Filmscanner
findet man den Reflecta RPS 3600, der zuvor zu den Produkten
von Kodak zählte. Daneben gibt es den Reflecta
Proscan 3600. Der RPS wird mit Silverfast ausgeliefert,
der Proscan mit Cyberview. Ich nehme stark an, daß
die Scantechnik in den Geräten identisch ist und
jeweils von Pacific Image Electronics stammt. Von Reflecta
erfuhr ich, daß der RPS eine bessere Optik haben
soll. Beide haben eine (angebliche) Auflösung von
maximal 3600 dpi und einen Dmax von 3,6. Der RPS ist
teurer und hat ein paar Knöpfe mehr auf seinem
kitschigen Gehäuse. In einer Fotozeitschrift las
ich, daß der RPS mit Silverfast deutlich besser
scannen soll als mit Cyberview. Zudem stand auf der
Webseite von Lasersoft, daß die neue Silverfastversion
automatisch Schmutz erkennen und beseitigen kann, auch
wenn der Scanner hardwaremäßig nicht mit
einer Schmutzerkennung ausgestattet ist.
Dies waren Gründe genug, um die Fa. Lasersoft um eine
Testversion für den Reflecta zu bitten. Die Firma war
diesbezüglich sehr zuvorkommend und schickte mir ohne
zu zögern neben der Software für den Reflecta noch
eine HDR Version für die Bearbeitung von Bilddateien,
die im Handel immerhin mit 299,- Euro zu Buche (424,- Euro
mit IT8 Kalibrierung) schlägt.
Die Silverfast-Installation klappte
erstmal gar nicht. Der Scanner wurde nicht erkannt und
gab keinen Mucks von sich. Seltsamerweise funktionierte
eine aus dem Internet gezogene Demoversion für
den baugleichen Micotek-Scanner. Ich informierte Lasersoft
über den Vorfall, woraufhin meine erste Installations-CD
gegen eine neue ausgetauscht wurde. Nach dem Installieren
wurde der Scanner erkannt und ließ sich im Demomodus
betreiben. Die beigefügten Angaben zum Freischalten
wurden nicht akzeptiert. Es stellte sich heraus, daß
sich mein Reflecta Proscan unter dem Herstellernamen
(PIE) anmeldet. PIE liefert das Gerät an diverse
Vertreiber, die ihn unter ihrem Namen anbieten. Eigentlich
sollte sich das Gerät beim Installieren unter dem
Vertriebsnamen melden. Aus diesem Grund wurden die Serialisierungsangaben
für Reflecta-Scanner nicht angenommen. Lasersoft
gab mir einen Downloadcode für den baugleichen
PIE-Scanner und andere Serialisierungsangaben, womit
schließlich alles funktionierte.
Silverfast ist gewöhnungsbedürftig. Die Oberfläche
ist chaotisch strukturiert. Es öffnen sich diverse Fenster,
die übereinander liegen. Silverfast wurde wahrscheinlich
für große Monitore konzipiert, auf denen man allerhand
Fenster nebeneinander anordnen kann. Für Silverfast muß
die Auflösung über 800 x 600 liegen, um die Menues
vollständig überblicken zu können.
Cyberview 1.74 contra Silverfast Ai
6
Silverfast wird als Photoshop-Plugin oder als Twainschnittstelle
installiert. Das Photoshop-Plugin kann als Standalone-Anwendung
aufgerufen werden. Cyberview muß zwingend mit
einem Bildbearbeitungsprogramm geöffnet werden.
Das kann zu Problemen führen, wenn man mit 12 Bit
scannt, da diverse Programme nur 8 Bit pro Farbkanal
akzeptieren. In dem Fall bekommt man völlig irreführende
Fehlermeldungen, z.B. daß der Speicher voll ist.
Scan eines Farbnegativs
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Der erste Prescan mit Silverfast war eine Überraschung.
Ich hatte den Film so eingeführt, wie es der Sticker
auf dem Scanner vorschrieb. In diesem Fall hatte mir
Cyberview stets ein spiegelverkehrtes Bild geliefert.
Silverfast stellte das Bild richtig herum dar.
Die Rohdateien mit Silverfast haben meist realistischere
Farbverläufe und Tonwerte als Cyberviewscans.
Bei den nebenstehenden Bildern tritt der Unterschied
sehr deutlich zutage.
links: Cyberview
rechts: Silverfast
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Ein Vergleich
der Tonwertkurven der Rohscans.
links: Cyberview
rechts: Silverfast |
Dias Scannen
Das Scannen von einzelnen Dias mit einem Reflecta Proscan
ist aufgrund der langen Kalibrierung und Belichtungsmessung
vorab nervenaufreibend. Es ist besser, den Film unzerschnitten
zu digitalisieren und die Bilder danach zu rahmen.
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Rohscan vom Diapositiv mit Cyberview
Das Bild ist spiegelverkehrt
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Rohscan vom Diapositiv mit Silverfast |
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Cyberview Rohscan nach der Korrektur mit
Fotostation.
Es ist leicht möglich, ein gutes Bild zu bekommen. |
Silverfast Rohscan nach der Korrektur mit
Fotostation.
Den Vorgang hätte man sich schenken können.
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Scans von Farbnegativen mit Silverfast
Ai 6 bringen meist stimmigere Dateien als Cyberview.
Der Unterschied ist meist nicht bedeutend, gelegentlich
aber schon. Beide Programme bieten einen Dialog für
Angaben über den Filmtyp an. Dadurch soll der Scanvorgang
optimal auf den jeweils verwendeten Film abgestimmt
werden. Auf diesem Gebiet hat Lasersoft seine Hausaufgaben
wesentlich besser erledigt als die Entwickler von Cyberview,
bei dem erst mal herausgefunden werden muß, welches
Profil zu dem zu scannenden Film paßt. Meine Fuji
Superia 200 Filme lassen sich mit Cyberview am besten
mit der Einstellung für Kodak 160 Porträtfilme
digitalisieren. Die Einstellung "Fuji 200"
bringt unschöne Ergebnisse. Silverfastdateien
erfordern meist einen geringeren Nachbearbeitungsaufwand.
Außerdem erschien es, als ob Silverfast besser
mit dem Autofokussystem des Scanners zurechtkommt. Einige
Dateien zeigten schärfere Details. Bei einem
Vergleich der Silverfastdateien aus dem Proscan mit
Dateien aus einem Nikon LS-2000 bei höchster Auflösung
ist feststellbar, daß die Nikondateien weicher
sind. Der Reflekta ist leicht detailstärker, zeigt
aber ein deutliches Korn, das mit einem leichten Gaußschen
Weichzeichner angenehm gemildert werden kann, ohne die
Zeichnung negativ zu beeinflussen.
Automatische Schmutzkorrektur
Silverfast enthält eine automatische
Schmutz- und Kratzererkennung und -korrektur. Dies ist
bei einem Scanner, der hardwareseitig keine derartige
Funktion hat, interessant. Das Programm erkennt tatsächlich
viele Fehler, die vom Staub herrühren. Allerdings
sollte man die Funktion nur in Bildzonen anwenden, in
denen nicht gleichzeitig auch andere kleine Stippen,
Reflexe, herausragende Pünktchen etc., die zum
Bild gehören, vorhanden sind. Man markiert mit
einem Lasso Bildteile, in denen eine Schmutzerkennung
und Korrektur stattfinden soll. Silverfast beseitigt
den erkannten Schmutz (Staub, kleinere Kratzer) ganz
gut. Diese Funktion ist im Batchverfahren nicht anwendbar,
da für jedes Bild individuell festgelegt werden
muß, welche Bildzonen bearbeitet werden sollen.
Es kann sonst passieren, daß man kleinere, aber
wichtige Bildetails beseitigt. Dazu gibt es eine interessante
Alternative.
Dust Removal Tool von Polaroid
Bei Polaroid
kann man ein Tool namens "dust removal" herunterladen,
das hervorragend funktioniert. Es kann als Einzelanwendung
aufgerufen werden und/oder bindet sich in die Photoshop-Filterliste
ein. Es ist einfach zu bedienen und kostenlos!
Automatisches Scannen eines ganzen Films
Cyberview ermöglicht das Scannen eines ganzen Films.
Man benötigt nur den Preview vom ersten Bild, um die
Bildpositionierung zu korrigieren und einen Batchscan zu ermöglichen.
Das ist ganz praktisch, wenn man einen Film ohne zeitaufwendigen
Vorlauf digitalisieren möchte.
Bei Silverfast ist das anders. Es muß von jedem
Bild des Films ein Prescan gemacht werden, bevor der
Batchscan möglich ist. Ohne die Prescans ist es
nicht möglich, den Film zu einem bestimmten Bild
vor- oder rücklaufen zu lassen. Das Anfertigenlassen
der Previews von allen Bildern kostet natürlich
Zeit. Für einen Scanner wie den Proscan wäre
es sinnvoll, Silverfast mit einer Schnellstartoption
zu versehen, die einen Batchscan ohne die Prescans ermöglicht.
Fazit
Der Reflecta Proscan 3600 ist in erster Linie ein
Scanautomat für lange Filmstreifen. Er ist bedingt
für das Scannen von einzelnen Dias oder kurzen
Filmstreifen geeignet, da die Kalibrier- und Belichtungsmeßvorgänge
relativ lange dauern. Das ist völlig ok, wenn anschließend
viele Bilder automatisch digitalisiert werden, aber
lästig, wenn man sich einen Haufen Einzeldias vornimmt.
Der Reflecta Proscan zieht mit Cyberview klaglos
Filme durch. Die Dateien müssen nachbearbeitet
werden. Dazu bevorzuge ich Fotostation, mit dem die
meisten Schritte wie Beschneiden, Drehen und Tonwertkorrektur
rasch ausgeführt werden können. Silverfast
liefert Bilddateien, bei denen der Nachbearbeitungsaufwand
oftmals geringer ist. Außerdem bietet Silverfast
die Möglichkeit, weitgehend unbeeinflußte
Daten mit 16 Bit auf der Festplatte zu speichern, um
sie anschließend mit der Software Silverfast HDR
zu bearbeiten oder als Archivdatei zu speichern, die
alles enthält, was der Scanner bringen kann. Das
ist interessant, weil man die Bilder nicht erneut scannen
muß, wenn zukünftig Software auf den Markt
kommt, die die Rohdateien besser interpretieren kann.
Unter Berücksichtigung seines
Preises ist dieser Scannertyp ein hervorragendes Produkt
zum Scannen von langen Filmstreifen. Es gibt baugleiche
Varianten von anderen Scanneranbietern. Die Alternative
von Nikon (Super Coolscan 4000) ist preislich 4x so
teuer.
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