photoinfos.com

     
Polaroid Sprintscan 35 Plus Autor: Thomas Gade Januar 2003 / März 2006  

Der Polaroid Sprintscan 35 Plus ist seit Jahren aus deutschen Fotogeschäften verschwunden. In den USA waren Neugeräte bis 2005 im Handel. Der Scanner digitalisiert Kleinbildfilme mit guten Ergebnissen. Die Software Pola Insight wurde laufend verbessert und steht auf der Polaroid-Website kostenlos zur Verfügung. Besser ist die Software VueScan, die den Scanner richtig ausreizt. Die maximale Auflösung beträgt 2700 dpi und 12 Bit pro Farbkanal. Sein Dmax wird mit 3,4 angegeben. Ich habe mit Scannern, denen bessere Werte zugeschrieben wurden, schlechtere Ergebnisse erzielte. Seine weiche Beleuchtung hat Vorteile beim Scannen von kontrastreichen Vorlagen.

Der Anschluß erfolgt über eine SCSI-Schnittstelle. Der Scanner hat weder einen automatischen Filmeinzug noch eine Schmutzerkennung aber eine weiche Beleuchtung, die Schmutz und Kratzer unterdrückt. Sie ist vergleichbar mit den Multigrade- oder Colorköpfen der modernen Vergrößerungsgeräte, deren Licht nicht wie die klassischen Kondensorbeleuchtungen jeden Makel betonen. Die Schärfe des Bildes leidet nicht unter dieser angenehmen Lichtquelle. Zudem ist sie auswechselbar. Unter der vorderen Klappe befindet sich eine Ersatzlampe. Es ist eine kurze Neonröhre des Typs PHILIPS TL Mini 4W 33 oder eine vergleichbare von Osram und anderen Herstellern. Wichtig ist die Bezeichnung TL (Tageslicht) oder DL (Daylight). Man kann solche Lampen von profilight.de beziehen. Der Scanner ist kompakt, robust und läßt sich leicht in Betrieb nehmen. Die Bedienung ist einfach.

Installation unter Windows XP
Gelegentlich schreiben mir Leser, dass der Sprintscan 35 Plus nicht unter Windpws XP laufen soll. Das ist falsch. Man muss lediglich einen ASPI-Treiber installieren. Das Polaroid-Programm wird ausschließlich mit der Option 'Sprintscan 35 Plus' installiert, dann fährt man den PC runter, schaltet den Scanner an, und fährt wieder hoch. Es kann sein, dass Windows XP den Scanner als neue Hardware identifiziert und den Treiber erneut installieren möchte. Man kann diese Information wegklicken und das Scanprogramm starten. Der Scanner wird laufen.

Gescannt wird mit VueScan Pro. Das Programm bietet mehr Optionen als Pola Insight und liefert bessere Dateien. Die Einarbeitung dauert länger, doch wer sie hinter sich gebracht hat, mag VueScan nicht mehr missen.

Große Scanfläche

Die Dias können im Hoch- oder Querformat in den Scanner gesteckt werden. Er hat eine große Scanfläche, die Vorlagen bis zu 42x42mm erfasst. Damit lassen sich die quadratischen Superslides scannen, die eine größere Fläche als normale Kleinbilddias haben. Kürzlich geriet ich an wunderbare Farbaufnahmen aus den sechziger Jahren, die im 4x4-Format in Marokko aufgenommen wurden. Mit dem Polaroid konnten die Bilder hervorragend gescannt werden. Kennen Sie einen anderen Diascanner, der dazu in der Lage ist?

Der Polaroid ist schnell. Ein Scan dauert bei voller Auflösung ca. eine halbe Minute. Wenn man mit dem Filmstreifenhalter scannt, reicht ein Vorscan des ersten Bildes, um den Ausschnitt zu justieren und die Software einzustellen. Danach schiebt man den Halter von Bild zu Bild. Der Filmhalter hat eine spürbare Rasterung. Mit etwas Übung und VueScan schafft man einen sechser-Filmstreifen in vier Minuten.

Der Polaroid hat eine feste Scharfeinstellung mit grosser Schärfentiefe. Es gibt keinen Fokussiervorgang. Dank der großen Schärfentiefe werden sogar gewölbte Dias und Negativs von der Mitte bis in die Ecken scharf gescannt. Bei älteren Vorlagen mit Wölbungen, welche die geringe Schärfentiefe eines teuren Nikon Coolscan 4000 ED oder 5000 Filmscanners überfordern, schneidet der ältere Polaroid besser ab.

Antwerpen um 1955.

Das Dia wurde ungeglast in einen CS Rahmen montiert. Es hat trotz jahrelanger Lagerung zwischen zwei Glasscheiben eine Wölbung behalten.

Das Bild wurde mit dem Polaroid Sprintscan 35 Plus und dem Nikon Coolscan 4000 ED gescannt.

Links: Scan mit dem Nikon Coolscan 4000 ED. Das Bilddetail aus der oberen rechten Ecke ist unscharf. Rechts: Scan mit dem Polaroid Sprintscan 35 Plus. Das gleiche Bilddetail ist viel schärfer. Die Staubpartikel auf dem Dia werden kleiner und unauffälliger dargestellt.

In den mittleren Zonen (nicht dargestellt) hat der Nikon etwas mehr Biss als der Polaroid. Doch ist der Unterschied bei alten Dias, welche nicht so feinkörnig wie moderne Diafilms sind, unbedeutend. Nimmt man ungewölbtes scharfes Dias oder Farbnegative auf feinkörnigen Filmen, ist der Nikon im Vorteil. Neben der höheren Auflösung kommen die Vorteile der ICE-Defektbeseitigung zum tragen. Für meine Archivarbeit verwende ich sowohl den Polaroid als den Nikon Coolscan 5000. Beide habe ihre Stärken und ergänzen sich wunderbar.

Schwarzweiss
1991. Holland

Scan von einem Orwo NP 22 Schwarzweissfilm.
Das Negativ ist relativ hart (kontrastreich).

Die Darstellung entspricht dem Rohscan mit dem Polaroid Sprintscan 35 Plus ohne Korrekturen im Scanprogramm.






Details aus dem Bild:


links: Scan mit Nikon Coolscan 4000 ED mit 4000 dpi  (auf 2700 dpi runtergerechnet)  /    rechts: Scan mit Polaroid mit 2700 dpi



links: Scan mit Nikon Coolscan 4000 ED mit 4000 dpi  (auf 2700 dpi runtergerechnet)  /    rechts: Scan mit Polaroid mit 2700 dpi

Schwarzweissfilme scannt der Polaroid hervorragend. Mit den richtigen Einstellungen der Software (VueScan!) werden gute Scans erzielt, die als 16-Bit-Tifs ausgegeben werden. So bleibt ausreichend Spielraum für die Bearbeitung der Tonwerte. Bei feinkörnigen scharfen Filmen bringt ein Nikon Coolscan 4000 oder 5000 dank seiner höheren Auflösung bei 4000 dpi einen Hauch mehr Details mit starker Korn- und Defektbetonung. Die Polaroiddateien haben angenehme Tonwertverläufe und benötigen keine Kornreduzierung. Sie vertragen eine Unscharf-Maskierung. Man achte auf die Brillengläser und den Brillenschatten auf der Nase. Dort zeigt der Nikonscan Schwächen; die dunklen Partien haben weniger Zeichnung. Staub und Kratzer sieht man Polaroid weniger stark als beim Nikon. Da die infrarotbasierte Defekterkennung des Nikon oder anderer Filmscanner nicht bei konventionellen Schwarzweissfilmen einsetzbar ist, spricht vieles für den Polaroid Sprintscan 35 Plus zum Digitalisieren solcher Filme. Weiteres dazu: Schwarzweiss mit Nikon

Diarahmen, deren Scheiben leicht eingetrübt sind, führen beim Polaroid zu milchigen, flauen Bildern. Der Belag auf den Gläsern wirkt wie ein Weichzeichner. Solche Dias muss man glaslos umrahmen, um gute Ergebnisse zu bekommen.


Arbeit delegieren
Vielleicht haben Sie eine Möglichkeit, jemanden für sich scannen zu lassen. Beispielsweise das Kindermädchen, das Abends bei Ihnen rumhängt und hofft, dass die Kinder nicht wachwerden, während Sie sich einen der seltenen Abende im Kino oder Freundeskreis gönnen. Der Polaroid ist so leicht zu bedienen, dass man die Arbeit delegieren kann. Ich habe in ABM-Projekten die Erfahrung gemacht, dass unsere Nikon LS 2000, der Canon 2700 und der Nikon Coolscan 5000 nie richtig bedient wurden. Mit Polaroid Sprintscans haben die Mitarbeiter gerne gearbeitet. Das liegt u.a. daran, dass ein Scan nur knapp 40 Sekunden dauert. Man wird nicht gehetzt und langweilt sich nicht. Der Nikon benötigt mit seinen Korrekturen erheblich länger und ist komplizierter zu bedienen.

Technische Daten des Sprinscan 35 Plus
2700 dpi Dmax 3.4 ca. 35 sec für einen 2700 dpi Scan SCSI Anschluss

Tipps
Der Lüfter des Polaroid ist laut und sollte gegen einen leiseren ausgetauscht werden.

Der Polaroid Sprintscan bekommt man am günstigsten über ebay.com aus den USA. Es gibt verschiedene Sprintscan 35 Modelle. Nur der Sprintscan 35 Plus ist gut. Er hat ein schwarzes Gehäuse. Der beigefarbene Vorgänger (2700 dpi / Dmax 3,0) bewältigt den Helligkeitsumfang vieler Filme nicht. Die LE Version (1950 dpi / Dmax 3,0) hat eine geringere Auflösung. Bei einem Preis bis zu 120 € ist ein einwandfreier Sprintscan 35 Plus ein Schnäppchen. Mindestens ein Filmstreifenhalter muss dabei sein. Die Stromzufuhr ist variabel. Bei US-Scannern muss nichts umgestellt werden, wenn man statt 110 Volt unsere 220 Volt anschließt.

Die hier dargestellen Bildbeispiele sind für die Webdarstellung stark komprimiert worden. Die Qualität der Originale ist höher.

1999 - 2008 © Thomas Gade - Jede Veröffentlichung ist nur mit ausdrücklicher schriftlicher Erlaubnis des Verfassers gestattet.

Tipp: Bizarre Tierfotos
und -Videos:


Sie dürfen den Machern dieser Website
gerne ein Bier spendieren:
Währung Betrag