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Digiscoping / Digiskopie mit der digitalen Kompaktkamera

Mit dem Spektiv fotografieren


2016 © Thomas Gade
  • Digiscoping / Digiskopie
  • Spektiv + Smartphone
  • Spektiv + DSLR
  • Spektiv + Digitale Kompaktkamera
  • Praxis


  • Freihändige Fotografie mit einer Sony RX 100 IV durch ein Spektiv auf einem Stativ.

    Digitale Kompaktkamera am Spektiv

    Mit digitalen Kompaktkameras begann um die Jahrtausendwende die Digiskopie. Bis 2005 hatten noch etliche digitale Kompaktkameras Filtergewinde, die ein Anschrauben der Kameras an Spektive unterstützten. Vielleicht musste man den entsprechenden Adapter selber herstellen, aber so konnte man die Kamera im richtigen Abstand und auch korrekt ausgerichtet zur optischen Achse an das Spektiv montieren. Spielte die Optik mit, gelangen die Aufnahmen. Aber viele Kameraobjektive waren nicht zum Digiscoping geeignet. Verzeichnung, starke Farbsäume und eine kräftige Vignettierung waren die Folge. Im Internet tauschten die Vogelbeobachter Erfahrungen über ihre Kombinationen aus. Wir wollen sie hier im Einzelnen nicht wiedergeben, sondern nur die grundsätzlichen Erkenntnisse.

    Optimalen Ausschnitt zoomen

    Zum Digiscoping muss die Kompaktkamera mit einem Zoom ausgestattet sein, der es ermöglicht, einen rechteckigen Bildausschnitt aus dem kreisrunden Bild so einzustellen, dass der schwarze Bildrand gerade außerhalb des fotografierten Ausschnitts liegt. In der Praxis hat sich gezeigt, dass 3-fach Zoomobjektive dafür den nötigen Spielraum bieten.


    Bildausschnitt nach Einschalten der Kamera

    Bildausschnitt bei 2-fachem Zoom

    Zoomobjektive mit großem Verstellbereich sind nicht geeignet

    Heutzutage ist das Angebot an digitalen Kompaktkameras klein, die sich zum Digiscoping eignen, weil die Objektive aktueller Modelle große Zoombereiche haben, während am Spektiv ein kompaktes 3x Zoom  am besten geeignet ist. Bei starker Abweichung nach oben werden inakzeptable Bildfehler eingeschleppt.

    Objektive mit einem wesentlich höheren Zoomfaktor sind nicht zum Digiscoping geeignet, weil sie selbst eine starke Vignettierung und andere Bildfehler bewirken. Zudem kann man mit ihnen meistens gar keinen günstigen formatfüllenden Ausschnitt einstellen, sondern muss sehr stark in das Bild zoomen, bis die Ränder verschwinden, falls das überhaupt gelingt. Dabei fahren die entsprechenden Zoomobjektive dabei sehr weit aus, was die Adapter stärker belastet. Zugleich werden sämliche Bildfehler durch die starke Vergrößerung eines kleinen Ausschnitts im gleichen Maße vergrößert.

    Sucht man im aktuellen Angebot nach einer Kompaktkamera mit einem 3-fach Zoom, findet man sie entweder im Billigbereich wie eine Nikon Coolpix S33 für 90 € oder im High-End Bereich, wie beispielsweise die Sony RX 100 IV für rund 1000 €.

    Tipp: Unterwasserkameras haben den erforderlichen kleinen Zoombereich ohne ausfahrende Objektive. Im Handel gibt es sie für 100 bis 300 € und in Foren werden Olympus TG Modelle zum Digiscoping empfohlen.

    Wir haben exemplarisch einige Kompaktkameras ausprobiert.

    Kamera Baujahr Preis Zoom Bewertung
             
    Nikon Coolpix S33 2016 90 € 3x schlechte Bildqualität
    FujiFilm FinePix F60fd 2008 190 € (2008) 2,9 x befriedigend
    Sony DSC-HX9V 2011 350 € (2011) 16x unbrauchbare Optik
    Sony RX 100 IV 2016 1000 € 3x gut, aber teuer

    Siehe auch: Vergleich - digitale Kompaktkamera am Spektiv


    Zeiss Conquest Gavia 85 mit Sony RX 100 IV. Gute Kombination, doch die Kamera ist sehr teuer.

    Aktuell wird die Sony RX 100 IV mit 3x Zoom in Digiscoping-Kreisen lobend erwähnt. Zwar stimmt die Bildqualität, doch können wir uns dieser Einschätzung nicht anschließen, weil die Kamera für 1000 € aus unsere Sicht zu teuer ist und ihr Objektiv beim Ein- und Ausschalten ganz herausfährt und dabei gegen das Okular des Spektiv stößt. Um das zu vermeiden, wird im Menue eine lange Zeit bis zur automatischen Abschaltung eingestellt. Bis 30 Minuten sind möglich.

    Digitale Kompaktkamera oder kleine spiegellose Systemkamera?

    Besser finden wir die Nikon 1 J5, eine Systemkamera für Wechselobjektive aus dem Nikon 1 System mit kleinem CX-Format Sensor, der in Größe und Leistung seinem Gegenspieler in der Sony RX 100 IV entspricht. Die Nikon J5 kostet mit Nikkor 10-30 mm Zoomobjektiv knapp 400 €. Abmessungen und Gewicht beider Kameras sind sehr ähnlich.


    Sony RX 100 IV am Zeiss Spektiv. Der Storch im Horst war ca. 60 Meter entfernt. Die Tele-Wirkung und Bildqualität sind beachtlich.

    Unbefriedigende Universal Adapter

    Beim Universal Adpater zum Verbinden verschiedener Kameras mit Spektiven, setzt man auf eine Klemme, die irgendwo am Okular befestigt wird. Um die Kamera richtig zu positionieren, haben Universal Adapter mehrere verschiebbare und drehbare Elemente, die nach erfolgter Einstellung durch Schrauben festgeklemmt werden. Es liegt auf der Hand, dass dies instabil und nicht präzise ist. Erschwerend kommt hinzu, dass viele Stativgewinde von digitalen Kameras ungünstig platziert sind oder aus einem Material bestehen, das gar nicht für den häufigen Gebrauch gedacht ist.

    Klemmt man den Adapter an das Gummi, welches den Drehring zum Zoomen am Okular ummantelt, kann man einerseits nicht mehr zoomen ohne den Adapter und damit die Kamera ebenfalls zu drehen und andererseits ergibt sich auf dem weichen Untergrund keine feste Klemmung.



    Sony Kamera am Celestron Ultima 80 Spektiv. Der Adapter hat eine Klemme und drei verstellbare Achsen. Zwischen der Kamera und der Aufsatzplatte befindet sich ein Zwischenstück. Viele verstellbare Teile machen diesen Adapter instabil und bereits das Handling an der Kamera überfordert ihn. Für den Blick durch das Okular muss man den Adapter abnehmen.





    Flexible Universal-Adapter aus Kunststoff und Metall. Sie werden unter verschiedenen Marken angeboten und stammen vermutlich aus derselben Quelle.

    Schwenkadapter zum raschen Wechsel zwischen Beobachten und Fotografieren

    Einige Adapter sind mit einem Klappmechanismus zum Wechsel zwischen visueller Beobachtung und Fotografie ausgestattet. In der Praxis bleiben jedoch dabei die Einstellungen nicht immer erhalten und erfordern eine Nachjustierung.


    Kite P10 Universal Digiscoping Schwenkadapter zum leichten Wechsel zwischen Fotografie und Beobachten.

    Bedingt brauchbar ist der Baader Microstage Digiscoping Adapter ab 50 €. Er besteht aus Metall. Eine Recherche ergibt, das er aus Fernost stammt, denn absolut baugleich aussehen Modelle sind jeweils für 10-12 US $ bei einer Mindestabnahme von 20 Stück direkt aus China erhältlich. Oder als Seben DKA2 für 34 € bei Amazon.

    Bei diesem Modell ist die Klemme nur 12 mm breit, mit der es Adapter an das Okular befestigt wird. Das ist eine relativ schmale Auflagefläche und somit besteht die Gefahr, dass man beim kräftigen Anziehen der Klemmschraube eine Beschädigung am Spektiv verursacht oder der Adapter verkippt am Okular sitzt, weil die Klemmschraube zu locker ist.

    Wichtig: T2 Gewinde am Okular

    An einigen Spektiven kann man die Augenmuscheln der Okulare abschrauben, um ein T2 Gewinde freizulegen. Oder es gibt für Systemkameras gute Adapter, die als Hülse über das Okular geschoben und an das Spektiv geschraubt werden. Auch sie haben einen T2 Anschluss. Daran kann man einen beliebigen T2 Adapter schrauben, an den der Spektivadapter geklemmt wird. Der T2 Adapter aus Metall verträgt einen kräftigen Andruck und erhöht somit die Stabilität der gesamten Adaptierung. Noch besser ist es, den Digiscoping-Adapter in richtiger Position dauerhaft am T2 Adapter mit Epoxydharz (z.B. UHU Plus 2-K-Epoxydkleber) festzukleben.

    Anklemmen eines Universal-Adapters an einen T2 Adapter


    Bei einigen Okularen kann man die Augenmuschel abschrauben, um ein T2 Gewinde freizulegen.


    Okular vom Zeiss Conquest Gavia 85 mit T2 Gewinde ohne Augenmuschel


    Als Basis zum Anklemmen eines Universal-Adapters wird ein beliebiger T2 Adapter angeschraubt.



    Festklemmen des Universal Adapters an ein Metallring. So vermeidet man Beschädigungen am Okular und bekommt eine stabilere Befestigung als auf dem Gummimantel um das Okular.


    Digitale Kompaktkamera auf dem Digiscoping-Adapter



    Dieser Schwenkadapter (Baader / Seben) ermöglicht das Wegklappen der Kamera, damit man weiter durch das Spektiv beobachten kann. Dazu sollte man das Bajonett am T2 Adapter abflexen, um besser einblicken zu können.


    Top Hersteller haben geeignete Adapter

    Alternativ haben einige Spektiv-Hersteller, wie Kowa, Swarovski, Zeiss und Leica spezielle und gute Schwenkadapter entwickelt. Sie sind stabil und haben eine verlässliche Mechanik zum Wegklappen der Kamera, um schnell zwischen Beobachtung und Fotografie wechseln zu können. Solche Adapter spielen auch preislich in einer anderen Liga. Beispielsweise kostet der Kowa Digiadapter Universal TSN-DA4 beim billigsten Anbieter 255 € und der Swarovski DCB II Schwenkadapter rund 300 €.



    Swarovski DCB II Schwenkadapter für den schnellen Wechsel zwischen Fotografie und visueller Beobachtung. Mit Nikon 1 J5 - ein exzellenter Partner!

    Basteln?

    Es bedarf keiner großer handwerklicher Fähigkeiten, um eine Hülse zu basteln, die an die Kamera montiert wird und auf das Okular des Spektivs zu stecken ist. Einige Naturbeobachter kleben Gewinde oder Hülsen an ihre Kameras, um wirklich gute Verbindungen zu realisieren, doch dürfte die Bereitschaft dazu bei neuen und teuren Top-Kameras gering sein.

    Auch kann man einen Universaladapter für eine bestimmte Kombination aus Spektiv und Kamera durch ein permanentes Verkleben beweglicher Teile stabilisieren. Dann ist er aber nicht mehr für andere Kombinationen verwendbar.

    Braucht man einen Adapter?

    Ist die digitale Kompaktkamera zum Digiscoping geeignet, kann man mit etwas Übung beim Fotografieren auf einen Adapter verzichten. Dabei steht das Spektiv auf einem Stativ und man führt die Kamera an das Okular, an das einige Finger zum Abstützen gelegt werden. Für Langzeitbelichtungen und zum Filmen benötigt man jedoch eine feste Verbindung.


    Freihändig ist oft besser als mit fragwürdigen Adaptern.

    Fazit

    Es gibt sehr viele Kompaktkameras und zahlreiche Spektive, aber keine verlässlichen Infos darüber, welche digitalen Kompaktkameras überhaupt zum Digiscoping geeignet sind und mit welchen Spektiven sie harmonieren. Das Digiscoping begann mit digitalen Kompaktkameras, aber viele aktuelle Modelle sind dafür nicht mehr geeignet, weil sie weder eine gute Adaptierung an das Spektiv unterstützen, noch mit einer passenden Optik ausgestattet sind.

    Aber immer noch greifen einige Naturbeobachter zur digitalen Kompaktkamera. Manchmal ist es ein bewährtes Modell aus früheren Tagen oder man adaptiert eine Top-Kamera wie die Sony RX 100 IV an das Spektiv. Zweifellos ist das reizvoll, vor allem aufgrund ihrer filmischen Möglichkeiten. Auf YouTube sieht man Filme, die mit 500 Bilder pro Sekunde im Zeitlupemodus mit der Sony RX 100 IV am Spektiv aufgenommen wurden.

    Bei unseren Experimenten mit verschiedenen Spektiven, digitalen Kompaktkameras und Universaladaptern haben wir keine wirklich zufriedenstellende Adaptierung gefunden. Der Baader MicroStage oder baugleiche Modell sind in dieser Kategorie noch am besten geeignet, aber auch fummelig und immer wieder zu justieren. Von Baader gibt es den MicroStage auch als Version II, die etwas robuster ist. Sehr gut ist jedoch der Schwenkadapter von Swarovski, doch passt er nur auf Swarovski Spektive.

    Freihändig gelangen mit der Sony RX 100 IV am Okular guter Spektive brauchbare Bilder, aber Filmen kann man so nicht. Die Anschaffung eine digitalen Kompaktkamera zum Digiscoping können wir angesichts der jeweiligen Vorteile nur noch eingeschränkt empfehlen.



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