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Teleskope für Natur und Sterne



Beobachten mit dem Binokular Seite:       1       2       3 Thomas Gade



Zweiäugig beobachten



Beobachtungen durch Teleskope erfolgen einäugig oder zweiäugig. Letzteres ist bei Feldstechern die Regel, jedoch nicht beim Teleskop. Um beide Augen nutzen zu können, werden binokulare Ansätze verwendet. Mit Prismen verteilen sie den teleskopseitigen Lichtstrahl auf zwei Okulare.

Wenn die Technik stimmt und ein einwandfreies binokulares Sehen ohne versetzte Einzelbilder möglich ist, hat das Beobachten mit beiden Augen große Vorteile. Es ist weniger ermüdend und man sieht das Motiv viel besser. Beim Wechsel zwischen ein- und beidäugigem Beobachten fällt auf, dass die Objekte in den Okularen mit beiden Augen größer und detailreicher zu sein scheinen, obwohl der gleiche absolute Vergrößerungsfaktor gewählt wurde.



Der binokulare Ansatz enthält Prismen und muss sorgfältig justiert sein, damit der Betrachter deckungsgleiche Bilder sieht, und keine versetzten, die zum Schielen zwingen oder die Beobachtung verhindern. Der Augenabstand varriiert von Mensch zu Mensch. Daher muss der Abstand zwischen den Okularen beim Binokular verändert werden können. Meistens sind sie in einem gewissen Rahmen knickbar. Beim Verstellen darf die Justierung nicht verloren gehen. In dieser Hinsicht gibt es qualitiative Unterschiede.

Binokulare verlängern den Abstand zwischen den Okularen und der Teleskopoptik. Der sogenannte 'Glasweg' beträgt je nach Konstruktion zwischen 100 bis 140mm und hat zur Folge, dass ein Scharfstellen des Bildes mit vielen Teleskopen ohne Hilfsmittel nicht möglich ist.

Die weit verbreiteten Schmidt-Cassegrain Teleskope von Meade und Celestron sowie die Maksutovs mit Hauptspiegelfokussierung bieten hinsichtlich des Scharfstellens mit unterschiedlichem okularseiteigen Zubehör einen weiten Spielraum. Grundsätzlich kann man davon ausgehen, dass alles scharf zu stellen ist.



Refraktoren haben Fokussierer, die üblicherweise eine Distanzveränderung zwischen Okular und Objektiv von ca. 10 bis 15 cm ermöglichen. Sie sind so ausgelegt, dass einäugig mit und ohne ein Zenitprisma/-spiegel beobachtet werden kann. Ein binokularer Ansatz auf einem Zenitprisma/-spiegel wird nicht mehr dicht genug zum Objektiv bewegt, um ein scharfes Bild einstellen zu können. Es gibt optische Elemente, die den Glasweg ausgleichen. Sie verlängern die Brennweite des Teleskops wie eine Barlowlinse.

Binokulare wiegen einiges und benötigen zwei Okulare. Viele Fokussierer sind mechanisch nicht für die höhere Belastung geschaffen.

Kurzgebaute Reflektoren mit Hauptspiegelfokussierung wie die Schmidt-Cassegrains von Meade und Celestron und viele Maksutovs oder Teleskope mit verkürzbaren Tuben sind ideal für Binos geeignet.
 
 
Oben links sieht man einzelnes Okular im 2" Zenitspiegel. Das rechte Bild zeigt den Bino-Viewer von Seben mit zwei kompakten 15mm Weitwinkelokularen.

 
Ein 2" Zenitspiegel mit einem Denkmeier Standard Binoviewer und zwei Okularen ist schwer. Das Celestron Schmidt-Cassegrain hat eine dicke metallene Rückwand mit einem stabilen SCT-Gewinde zum Anbringen der okularseitigen Teile. Die Fokussierung erfolgt über den Hauptspiegel innerhalb des Teleskop. Das Zenitprima und der Stereoeinblick lassen sich so zurechtdrehen, wie es zum Beobachten am besten ist.

Billig oder teuer?


links: Denkmeier Bino, rechts: Seben Bino-Viewer
Der Denkmeier Binoviewer wiegt 0,781 kg und das Seben 0,540 kg.

Binokulare sind schon durch die Notwendigkeit zwei gleiche Okulare einzusetzen kein billiges Vergnügen. Zudem gibt es Binokulare in Preisklassen zwischen 110 € bis 1100 €.


Das günstigste Produkt wurde von Seben, das Massenware aus chinesischer Produktion anbietet, auf den Markt gebracht. Das Gesamtsortiment erinnert an einen Technikbasar, der von Metallsuchgeräten, Multifunktionslampen bis hin zu Teleskopen allerhand Krimskram in guter und schlechter Qualität anbietet. Es gibt Astronomen, die starke Vorbehalte gegen Sebenprodukte hegen. Der Pauschalvorwurf 'billige Chinaware, die nichts taugt' ist nicht berechtigt. Einige Okulare, darunter sogar ein Zoomokluar, sind gut und zugleich günstig.

Den Bino-Viewer von Seben erstand ich über Ebay. Das erste Exemplar war dejustiert und zeigte Doppelbilder. Desgleichen das erste Austauschexemplar. Daher erwartete ich von dem dritten Bino-Viewer nicht mehr allzuviel und wurde von einem einwandfrei funktionierenden Teil überrascht. Über die Ursache die Qualitätsunterschiede mag man spekulieren. Das Binokular von Seben ähnelt sehr anderen Produkten, die unter anderem Namen wie 'TS Bino' oder 'AOM Bino II' angeboten werden. Vermutlich stammen sie vom selben Hersteller.

Im Gegensatz dazu gehört das Denkmeier Bino zur gehobenen Klasse. Es ist stabiler gebaut und hat größere Prismen. Es zählt zu den Spitzenprodukten.


links: Denkmeier Bino, rechts: Seben Bino-Viewer
Das Denkmeier hat größere Prismen. Das Bild zeigt die unterschiedlichen Durchmesser der Lichtwege.


Das Seben ist in der oben gezeigten Kombination am Celestron gut verwendbar. Die Hauptspiegelfokussierung reicht völlig aus, um den Glasweg des Seben Bino-Viewers zu kompensieren.

Überraschenderweise komme ich mit dem Denkmeier auf einem 2" Spiegel am Celestron C8 gerade mal so in den Fokus. Die Fokussiermechnik im Teleskop erreicht dabei den Anschlag. Mit einem 1 1/4 Zoll Zenitprisma geht es aber.

Preislich unterscheiden sich die Binos beträchtlich. Das Seben ist um die 110 Euro zu haben, das Denkmeier Standard kostet ca. 500 Euro. Am C8 mit 20 cm Öffnung und 2 Metern Brennweite (1:10) ist ein visueller Unterschied mit den oben genannten 15mm Okularen nicht wahrnehmbar. Erst die 20mm Okulare zeigen im Denkmeier ein etwas größeres Bild mit scharfen Rand während im Seben Bino-Viewer eine diffuse Randbegrenzung zum Vorschein kommt. Mit 26mm Okularen ist das Bild im Denkmeier deutlich weiter. Für den 8" Schmidt-Cassegrain sind diese Unterschiede eher unbedeutend. An 1:4 bis 1:8 Teleskopen, die im unteren Vergrößerungsbereich mit langbrenweitigen Okularen verwendet werden, wird der Unterschied durch die schmalere Austrittsöffnung des Seben schwerer wiegen. Bei Beobachtungen von Planeten, Sonne und Mond kann ich mit meinem Instrumentarium keinen qualitativen Unterschied in der Bildqualität erkennen. Denkmeier Binos werden laut Hersteller sorgfältig gefertigt und einzeln korrigiert.








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