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Beobachten mit dem Binokular Seite:       1       2       3 Thomas Gade



Celestron / Baader Planetarium Binokularansatz 60°
Juli 2011




Baader 60° Binoviewer. Dieses Instrument benötigt keinen Zenitspiegel. Daher ist ein Glaswegkorrektor an vielen Teleskopen unnötig.


Technische Daten

Anschluss teleskopseitig T2
Anschluss okularseitig 1 1/4 Zoll
optischer Weg 118 mm
Durchlassöffnung 19 mm
Gewicht  
Augenabstand (variabel) 55 - 75 mm

Celestron und Baader boten einen nahezu baugleichen binokularen Ansatz an, in dem eine Umlenkung des Einblicks um 60° stattfindet. Er ist heute nicht mehr neu erhältlich. Die Version von Baader wird über den T2 Anschluss, bzw. passende Adapter mit dem Teleskop verbunden. Der Celestron Bino hatte 'nur' einen 2" Anschluss. Das Bino kann im anmontierten Zustand in eine horizontale Position rotiert werden. Über eine kleine Madenschraube ist der Widerstand einstellbar. Das Bino von Celestron kostete seinerzeit ca. 470 DM.







Gewöhnlich sind binokulare Ansätze für Teleskope geradsichtig. Zur Realisierung eines bequemen Einblicks für astronomische Beobachtungen werden in der Praxis häufig Zenitprismen oder -spiegel verwendet. Für die Fokussierer sind die beiden Okulare, das Binokular und ein stabiler 2" Zenitspiegel, der seine okularseitigen 'Anbauten' sicher halten muss, keine geringe Last. Der lange Hebel des in das Zenitprisma gesteckten Binokulars mit den Okularen führt manchmal dazu, dass sich die Konstruktion ungewollt dreht. Dabei können einzelne Teile runterfallen. Zudem bedeutet die Verwendung eines Binokularansatzes in Kombination mit einem 2“ Zenitspiegel ein beträchtliches nach hinten Versetzen der Okulare, so dass mit vielen Teleskopen ohne Verwendung von weiteren optischen Elementen oder baulichen Veränderungen kein Scharfstellen mehr möglich ist. Beim 60° Binokular entfällt der Einsatz des 2" Zenitspiegels/-prismas, der mit einer ca. 100 bis 110mm messenden Verlängerung des optischen Weges einhergeht, wodurch die okularseitigen Module robuster und kompakter zusammenhängen. Der Wegfall des Zenitspiegels bietet Reserven hinsichtlich der Einstellbarkeit der Schärfe, so dass häufig keine Verwendung eines Glaswegkorrektors notwendig ist, um binokular scharfstellen zu können. Für den Fall, dass das nicht klappt, können Glaswegkorrektoren eingesetzt werden.

Baader / Celestron 60° Bino neben einem Denkmeier Binokularansatz mit 2" Zenitspiegel von Intes.



Die Bilder verdeutlichen den Unterschied hinsichtlich Größe, Hebel und Gewicht. Alle Komponenten sind massiv gebaut. Natürlich könnte man den Denkmeier Bino auch mit einem 1 1/4 Zoll Zenitspiegel kombinieren, der jedoch aufgrund seiner kleineren Steckhülsen durch die okularseitige Belastung stärker belastet wird. Das Baader Planetarium hat einen Zenitspiegel im Angebot, der an den Öffnungen T2 Gewinde hat. Damit könnte man die Hülse zwischen dem Bino und dem Zenitspiegel deutlich verkürzen. Dann wäre die Hebelwirkung verringert und der optische Weg durch das System Bino-Zenitprisma verkürzt. Aber selbst dann ist der Baader / Celestron Bino deutlich kompakter und leichter.


Der Celestron / Baader Planetarium 60° Binokularansatz macht sich gut am mittelgroßen Maksutov.
Der Aufbau wirkt durch die T2 Verschraubung solide.

Der Skywatcher 127 Maksutov hat ein eigenes Gewinde. Der 2" Intes Zenitspiegel mit SCT-Gewinde passt nicht daran. Daher wurde das schwere Denkmeier Bino mit einem 1 1/4 Zoll Zenitspiegel kombiniert. Beim Lösen einer Klemmschraube kann schnell ein Malheur passieren.

An Teleskopen mit seitlich abgelenktem Strahlengang, wie beim Newton Teleskop, ist der Binokularansatz mit seiner 60° Umlenkung nicht immer gut einsetzbar. Gradsichtige Binos sind besser geeignet.

Am 60° Bino wird der Augenabstand durch das Auseinanderziehen oder Zusammenschieben der Okulare erreicht. Das funktioniert gut ohne das exakte Übereinanderliegen der beiden Einzelbilder negativ zu beeinträchtigen. Ein Dioptrienausgleich ist nicht vorhanden. Nach dem Verstellen des Augenabstandes muss neu scharfgestellt werden.

Vergleicht man diesen Binoansatz mit modernen Versionen, gibt es einen weiteren Unterschied: Die Öffnung für das Strahlenbündel aus dem Teleskop beträgt beim 60° Bino 19mm während jüngere, gradsichtige Modelle 21 bis 28mm Öffnung haben. Aufgrund dessen sind die Prismen im 60° Bino kleiner als in den Modellen, die einen größeren Lichtkegel durchlassen können. Dies ermöglicht die relativ kurze Verlängerung des optischen Weges um 118mm.

Der kleinere Durchlass ist bei Teleskopen mit einem Öffnungsverhältnis von 1:10 und größer praktisch unwichtig, wenn man mittlere bis hohe Vergrößerungen anstrebt. Laut einer Rezension auf der Website vom Baader Planetarium bedeutet dies:
„... erlaubt die Verwendung von Okularen mit einer Gesichtsfeldblende von ca. maximal 22 mm, ohne zu vignettieren. Dies entspricht z. B. normalen Plössl-Okularen mit maximal 25 mm Brennweite. Bei Weitwinkelokularen würde die maximal mögliche Brennweite entsprechend kürzer ausfallen.„

Die Beobachter von Sonne, Mond und Planeten wird das nicht tangieren. Wer jedoch ein möglichst großes Bildfeld mit geringen Vergrößerungen mit einem lichtstarken (!) System beobachten möchte, sollte ein Binokular mit größeren Prismen bevorzugen.


Empfehlung?

Ja! Dieser Binokularansatz ist ein kompaktes System zur Beobachtung mit beiden Augen und einem bequemen Einblickwinkel. Die möglichen Einschränkungen, die sich aus der vergleichsweise engen Durchlassöffnung ergeben, kommen in der Praxis an vielen Teleskopen gar nicht zum Tragen. Wer mit einem guten Teleskop mit einem 1:7 und noch kleinerem Öffnungs-/Brennweitenverhältnis System mit Weitwinkelokularen (Brennweite 25mm und größer) in den untersten sinnvollen Vergrößerungsbereichen beobachten möchte, muss gegebenenfalls Vignettierungen hinnehmen.

Bedauerlicherweise wird dieser Binokularansatz nicht mehr vom Fachhandel angeboten. Der Trend zu wuchtigen Weitwinkelokularen mit großen Feldlinsen macht das Anbieten von gradsichtigen Binokularen mit größeren Prismen aus Sicht der Marketingabteilungen interessanter, obwohl die Binos hinsichlich ihrer Wertes beim Beobachten selten Vorteile bieten. Der mögliche Verzicht auf den Einsatz eines Zenitspiegels oder Zenitprismas ist in mehrfacher Hinsicht positiv.

Preise: Auf dem Gebrauchtmarkt ziehen die Preise für diesen Binokularansatz an. Er ist im guten Zustand für 150 bis 300 € zu haben. Die Preissteigerung könnte sich fortsetzen.




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