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Fotostation Pro 5.2
© Thomas Gade    Juni 2007
   


Fotostation dient der Verwaltung, Bearbeitung und Beschriftung von Fotos. Es gehört zu den Basisprogrammen, mit denen ich im Laufe der Jahre an digitalen Bildarchiven gearbeitet habe. Es hat sich als sehr nützlich bei der Erstellung von Internet-Bildkatalogen erwiesen.

Die erste Fotostation Pro 5 erschien im November 2003 im bunten 'XP Look'. Wer es schlichter mag, kann das Erscheinungsbild weitgehend nach dem eigenen Geschmack und Bedürfnissen verändern.

Ursprünglich stammt Fotostation aus einer Zeit, in der die Archive aus Jpg-Dateien bestanden. Diese Situation hat sich im Laufe der letzten Jahre geändert. Das Bildmanagement muss genausogut mit 16-Bit-Tif-Dateien zurechtkommen wie mit Jpg-Bildern. Zudem sollten die RAW-Fotos aus unseren Digitalkameras zu sichten sein. Die Entwicklung von der Fotostation (Pro) 4.x zur aktuellen Version 5.2 geschah nicht im luftleeren Raum sondern im Umfeld von immer mehr auf dem Markt auftauchenden Programmen mit ähnlicher Zielstellung und etablierten Lösungen, die ihre ursprünglichen Verwaltungsmechanismen allmählich auf eine IPTC- und EXIF-basierte Technik umwandelten.

Bildübersicht

Wie jedes Bildmanagementprogramm liest Fotostation die Bilddaten von bestimmten Speicherorten ein und zeigt sie als Miniaturbilder in einer Übersicht. Dabei werden die darstellbaren Bilder, beispielsweise 4 Reihen a 7 Aufnahmen, berücksichtigt. Die Ansicht ist nach eigenen Bedürfnissen konfigurierbar.


Das Aktualisieren einer Übersicht erfolgt nicht automatisch wenn Bilder mit anderen Programmen oder Fotostation umbenannt wurden oder bearbeitete Kopien eines Bildes im geöffneten Ordner landen. Mit Strg+F5 findet ein Neueinlesen statt. Falls ein Bild verschollen bleibt, ist es sinnvoll, das Programm zu schließen und es erneut zu öffnen. Andere Programmen übernehmen Änderungen in kürzester Zeit und beseitigen verwaiste Thumbnails automatisch.


Zielordner suchen

Will man ein Archiv erstellen oder ein Verzeichnis einlesen, wird es auf dem üblichen Wege gewählt. Hier leistet sich das Programm eine Extravaganz. An zwei Computern, an denen ich Fotostation Pro 5.2 Build 89 testete, muss man das Verzeichnis manuell in das Feld eintragen. Es wird nicht aus dem Verfolgen des Pfades und einem Klick auf OK übernommen.


Beschriften der Bilder mit dem IPTC-Editor

In der konventionellen Archiverung werden Negativhüllen, Diarahmen und fotografischen Abzüge beschriftet. Digitale Bilder lassen sich ebenfalls beschriften, indem die entsprechenden Texte in die Dateien eingebettet werden. Die Pressebranche war Vorreiter dieser Entwicklung. Der unablässige Strom der unzähligen Bildern zu den Redaktionen wurde in den 1990'er Jahren auf die digitale Übermittlung per Funk und Kabel umgestellt. Es war unabdingbar, dass die Bildbeschriftung zu einem Bestandteil der einzelnen Bilddatei wurde. So wird sie stets beim Weiterreichen der Bilddatei mitgegeben.

Überlegungen zur Frage, wie man Texte mit Bilddateien verbindet, führten in einigen Archiven zu Entscheidungen, die sich im nachhinein als falsch erwiesen haben. So verknüpften vor allem museale Archive ihre Bilder mit Einträgen in Datenbanken. Das ist riskant, weil die individuellen Beschriftungen nicht in den einzelnen Bilddateien vorhanden sind sondern sich an einem anderen Ort, nämlich in der Datenbank, befinden. Geht diese verloren oder kommen Verknüpfungsfehler zustande, die eine korrekte Zuordnung der Bilder und Texte verhindern, wird das Archiv arbeitsunfähig. Dateinamen dürfen in so einem Gefüge nur unter Wahrung äußester Vorsicht und einem sorgfältigen, logischen Vorgehen verändert werden. Je größer so eine Bilddatenbank wird, die eventuell auch externe Datenträger (CD-Rom / DVD / ...) einbezieht, desto riskobehafteter ist das Gebilde.

Die Zauberwort zur Vermeidung dieser Unannehmlichkeiten ist der IPTC/NAA-Standard, welcher das Beschreiben von Bilddaten vereinheitlicht. Es gibt verschiedene Felder für spezielle Einträge. Beispielsweise Fotograf oder Objektbeschreibung (Caption), Aufnahmedatum und Schlüsselwörter. Bildbearbeitungs- und -verwaltungsprogramme können die eingebetteten Texte lesen. Datenbankprogramme, die auf IPTC verstehen, können in kurzer Zeit große Bildbestände mustern und daraus recherchierbare Datenbanken erstellen.

Neben den IPTC-Feldern, die vom Fotografen oder Archivar ausgefüllt werden, gibt es die Exif-Informationen. Digitalkameras schreiben Daten wie die Belichtungszeit, das Kameramodell, die Brennweite, Blende etc. in die Dateien und GPS Module in Profikameras dokumentieren sogar den genauen Standpunkt der Kamera. Das in den Exif-Daten eingetragene Datum sollte automatisch vom IPTC-Beschriftungswerkzeug übernommen werden. Exif-Daten müssen editierbar sein, beispielsweise für den Fall, dass das Datum in der Kamera falsch eingestellt war.

Fotostation verfügt über einen exzellenten IPTC-Editor für jpg- und tif-Dateien. Neben den üblichen Feldern existieren 20 Sonderfelder, die nach eigenem Wunsch verwendet werden können. Sie sind für Archive, die spezielle Infos, wie das Ankaufdatum nebst dem Preis eines Bildes, oder die Art und Größe der Originalvorlage in eigenen Feldern dokumentieren wollen wertvoll. Die Namen der Sonderfelder lassen sich individuell umbennen.



Inzwischen bietet Fotostation Pro 5.2 auch die (Massen-)Beschriftung von 16-Bit Tif-Dateien an. Das Fehlen dieser Möglichkeit, habe ich lange als eine große Schwäche von Fotostation Pro empfunden. Nun (seit 2007) steht den Anwendern ein Beschriftungswerkzeug für JPG und TIF-Daten mit einem großen Funktionsumfang zur Verfügung.

Bilder suchen

Fotostation Pro 5.2 bietet mittels eines schlichten Abfragefensters eine leistungsstarke Suchfunktion. Das Finden der gesuchten Dateien ist komfortabel gelöst. Zudem findet Fotostation Bilder, die gleich oder sehr ähnlich sind.




Texte ex- und importieren

Dieses Werkzeug ist sehr wichtig. Zum Beispiel um heruntergerechnete Kopien von Bildern außer Haus beschriften zu lassen und die Texte später in die High Resolution Dateien einzufügen.



Beim Exportieren werden alle IPTC-Textdaten in einer Datei zusammgefasst, die mit der Endung .xls als Excel-Tabelle gespeichert werden sollte. Die Tabelle erlaubt weitreichende Modifizierungen und Änderungen an den Inhalten und ersetzt die ursprünglichen IPTC-Daten nach einen Reimport der Tabelle in den ursprünglichen Datenbestand. Wer diesen Vorgang beherrscht, hat einen enormen Vorteil bei der Verwaltung, Beschriftung und Verschlagwortung von Bildern. Aber dieses Werkzeug kann in den Händen von Unkundigen unvorstellbare Katastrophen im Archiv verursachen.



Ausschnitt aus einer Tabelle mit exportierten Texten. Jeder Datei ist eine Spalte zugeteilt. Sie enthalten den Dateipfad, den Dateinamen, die Objektbeschreibung, die Stichwörter und viele andere Inhalte. Für jedes ausfüllbare Feld des Fotostation-IPTC-Editors gibt es eine Spalte. Die Tabelle ermöglich eine gute Überblick über den Stand der Beschriftung. Es lohnt sich, Grundlagen der Arbeit mit Excel zu beherrschen, z.B. wie man Spalten ausblendet, Inhalte durch bloßes Runterziehen der Maus in die darunterliegenden Felder kopiert und dergleichen.
     


Beim Reimport wird das Fotoware-Import-Format gewählt.

Hinweis: Es kann passieren, dass im Fenster zur Wahl eines Zielordners die 'weiter'-Schaltfläche nicht aktiviert ist. Ein Ordner ist nicht mal wählbar. Klicken Sie dann einmal auf 'zurück' und dann wieder auf 'weiter'. (Denken Sie nicht darüber nach!) Nach dem Starten des Prozesses werden die IPTC-Daten in den Bilddateien aktualisiert. Das probiert man an Satz Bildkopien solange aus, bis das Verfahren vollständig verstanden wurde. Achten Sie auf die Einträge neben Punkt 7, Stichwörter. Die Begriffe werden mit Semikolons getrennt. Nach dem Reimport kommt es vor, dass vor dem ersten und nach dem letzten Stichwort Ausrufungszeichen stehen. In solchen Fällen hilft die 'Suchen und ersetzen'-Funktion, diese Fehlzeichen automatisch zu löschen.



Bildbearbeitung

Die Bildbearbeitung von Fotostation Pro 5 erlaubt feine Eingriffe in den Tonwertverlauf. Selektive Farbkorrekturen sind möglich. Dafür fehlen die Automatikkorrekturen der Vorversionen; die Buttons für mehr oder weniger Kontrast sind verschwunden. Stattdessen kann man eigene Aktionen eingeben, die danach in einem Dropdown Menü auftauchen. Wer damit umgehen kann, wird die neuen Funktionen vorziehen.

Fotostation Pro eignet sich vor allem, um jpg-Bilder zu trimmen. In der Thumbnailübersicht werden die zu bearbeitenden Bilder markiert. Klickt man dann auf 'Öffnen' wird ein Bild nach dem anderen zur Bearbeitung geöffnet. Nach dem Speichern eines Fotos öffnet sich automatisch das nächste. Sie werden also nicht gleichzeitig geöffnet sondern nacheinander. Das geht wesentlich flotter als mit Photoshop. Die Bildbearbeitungsfunktionen von Fotostation Pro 5.2 entsprechen den Basiswerkzeugen von Photoshop: Stempel, selektive Farkorrektur, Lasso, Gradationskurve, Histogramm und ein paar andere. Das gleichzeitige Sehen des Histogramms und der Gradationskurve ist gut gelöst. Aber Vorsicht: 16-Bit-Tif-Dateien werden ungefragt zu 8-Bit-Dateien gewandelt.





Mit früheren Fotostation Pro Versionen war es möglich, eine Reihe Bilder zu markieren und sie zu drehen. Das funktioniert nicht mehr mit Tif-Dateien. Versucht man es, erscheint folgende Meldung:



Dieser Punkt muss korrigiert werden, da das Ausrichten von Tif-Dateien nach dem automatischen Serienscannen oder nach dem Konvertieren von RAW-Dateien zu den Basisarbeiten gehört.


RAW - Dateien

RAW-Dateien spielen eine immer bedeutendere Rolle. Leider hat jeder Kamerahersteller diverse RAW Formate und die Bildverwaltungsprogramme können nicht alle lesen. Auf der Website von Fotoware gibt es eine Liste der Kameras, dessen RAWs mit Fotostation Pro kompatibel sind. In der Praxis sollte das Einarbeiten der RAW Daten mit einem guten RAW-Konverter vorgenommen werden. Da RAWs (noch) nicht mit implementierten IPTC Infos versehen werden können, sind sie als Archivdateien nur bedingt brauchbar. Daher werden sie zu 16-Bit-Tif-Dateien gewandelt. Alles andere ist gegenwärtig zur Speicherung von gebrauchsfähigen Dateien mit individueller IPTC-Beschriftung und maximaler Datenmenge unrealistisch. Wir werden sehen, ob sich die Hersteller zukünftig auf ein RAW Format einigen können, das technisch besser zur Archivierung geeignet ist und ohne an spezielle Programme gebundene Zweitdateien auskommen, in denen Bearbeitungsschritte festgehalten werden.


Dateien (um)benennen

Wie in vielen anderen Windows-Anwendungen, öffnet die Taste F2 ein Fenster mit einer Eingabemöglichkeit für Dateinamen. Einzelne Bilder und Serien sind so benennbar.



Im Bild sieht man das Eingabefenster für Dateinamen. Hier wurden Pflanzenbilder mit dem korrekten Namen versehen. Ein größeres Vorschaubild wäre schön, um die Bestimmung zu erleichtern. Viele Änderungen an Dateinamen nehme ich mit Programmen wie 'rname.exe' (freeware - kostenlos) vor, die wichtige ergänzende Möglichkeiten bieten, besonders zur Serien(um-)benennung.


Hier zeigt das Beschriftungsfenster kein Vorschaubild. Bei dieser Arbeit wurden 11 Bilder gewählt, die umbenannt werden sollten. Fotostation Pro 5.2 meldet, dass 12 Bilder ausgewählt wurden. Offenbar merkt sich das Programm alte, nicht mehr angezeigte Bilder bzw. Dateinamen. Nach dem Umbenennen von Bildern muss die Bildansicht mit Strg + F5 aktualisiert werden. Dieser Vorgang ist auch notwendig, wenn man ein Bild bearbeitet und unter einem anderen Namen als Kopie im selben Ordner speichert. Es wird sonst nicht angezeigt.

Webassistent

Fotostation hat einen exzellenten Webassistenten. Damit können umfangreiche internetfähige Präsentationen erstellt werden. Wer eines html-Editors mächtig ist, wird sich aus den verfügbaren Vorlagen eigene Varianten gestalten können. Die Vorlagen von Fotostation haben die Endung 'fwt'. Die Vorlagen (templates) des Dreamweaver haben die Endung 'dwt'. Durch einfaches Umbenennen der Dateien in '.dwt' werden sie mit Dreamweaver editierbar und können sogar in einer Website als Vorlagen gespeichert werden. Die gleichen Dateien werden erneut mit der Endung '.fwt' versehen von Fotostation zur Erstellung von Webseiten benutzt. Dabei verbleibt in den Quelltexten der Previewseiten der Hinweis auf ein Template, welches von Dreamweaver zur nachträglichen Modifizierung aller erstellten Seiten verwendet werden kann, erhalten.

Mit dem Wechsel von der Version 4 zur 5 wurden die Webseitenvorlagen, die ursprünglich im Ordner html im Fotostation-Programmordner lagen, auf Windowsrechnern unter dem Pfad 'Gemeinsame Dateien/FotoWare/Fotostation Pro/Data/Web export' verlagert. Dort liegen die Sets in jeweils eigenen Unterordnern mit jeweils sechs Dateien. Wichtig sind in der Regel nur die .fwt Dateien.


          

Fazit

Wer viele Bilddaten erzeugt, wird sie gut organisieren müssen, um den Durchblick zu behalten. Dafür gibt es diverse Programme. In dem Angebot behauptet sich Fotostation Pro vor allem für Jpg-Archive. Fotostation hat einen sehr guten Metadaten-Editor zum Eintrag von Textinformationen und einen gefälligen Webassistenten, der besonders für diejenigen interessant ist, die ihre eigenen Webtemplates herstellen können. Das Suchen von Bildern nach Texteinträgen ist hervorragend gelöst. Für die Bildbearbeitung ziehe ich, insbesondere wegen der fehlenden 16-Bit Kompatibilität, andere Programme vor. Mit dem Zusatzmodul Color Factory werden die Möglichkeiten von Fotostation Pro erweitert. Aufgrund der hohen Preise für Color Factory und Fotostation Pro ist diese Kombination für viele (Amateur-)Fotografen, die Wert auf eine solide integrierte Bildbearbeitung legen, nicht unbedingt die erste Wahl. Die Ex- und Importfunktion für IPCT-Einträge, der IPTC-Editor sowie der Webassistent sind aus meiner Sicht die herausragenden Stärken dieses Programms.



1999 - 2008 © Thomas Gade - Jede Veröffentlichung ist nur mit ausdrücklicher schriftlicher Erlaubnis des Verfassers gestattet.

Tipp: Bizarre Tierfotos
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