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DR. E. VOGELS

Taschenbuch der Photographie

Ein Leitfaden für Anfänger und Fortgeschrittene

 

Bearbeitet von KARL WEISS
Herausgeber der "Photographie für alle" und des "Camera Almanach"

37. Auflage
211. bis 230. Tausend

mit 253 Abbildungen

 

Berlin 1922 Union Deutsche Verlagsgesellschaft
Zweigniederlassung Berlin


Vorwort


Die vorliegende Neuauflage hat wesentliche Ergänzungen und Verbesserungen, entsprechend dem fortgeschrittenen Stande der photografischen Technik, erfahren. Es wurden alle wesentlichen Neuerscheinungen beachtet und die verschiedenen Arbeitsvorschriften durchgesehen und vielfach durch neuere ersetzt. Ebenso wurden die Abbildungen mehrfach erneuert und ergänzt.
Um dem, der zum erstenmal ein solches Lehrbuch in die Hand bekommt, das Zurechtfinden und Verarbeiten zu erleichtern, ist auch die vorliegende Auflage des Taschenbuches durch Verwendung zweier verschiedener Schriftgattungen gegliedert. Das über die ganze Satzbreite und in größerer Schrift Gesetzte muss jeder wissen, der mit Verstand und Sicherheit arbeiten will; das kleiner und schmäler Gedruckte ist für den Anfänger zunächst entbehrlich.
Die in früheren Auflagen in den Text eingestreuten Bildertafeln mussten auch in der vorliegenden Auflage aus technischen Gründen - besonders um das Buch nicht unnötig zu verteuern - nach Textschluss gebracht werden. Damit der enge Zusammenhang der Tafelbilder mit dem Text gewahrt blieb, wurden für die Tafelbilder die bisherigen Abbildungsnummern beibehalten. In allen denjenigen Fällen, wo sich bei den Textabbildungen Lücken ergeben, sind also die fehlenden Nummern unter den am Schlusse des Textes befindlichen Tafelbildern zu suchen.

Berlin-Wilmersdorf, im August 1922.

Karl Weiß.

Seite A

 

Inhaltsübersicht

  Einleitung
2
     
I. Die Linse (Objektiv)   5 - 28
  Die Brennweite   5
  Das öffnungsverhältnis   7
  Die Bildgröße   9
  Die einfache Linse und ihre Fehler   9
  Das Doppelobjektiv und seine Fehler   12
  Bildfeld und Bildwinkel   13
  Verzerrungen und übertriebene Perspektiven   16
  Blenden und ihre Wirkung   18
  Blendenarten und Blendenbezeichnung   21
  Hinterlinse   22
  Objektivsätze, Vorsatzlinsen   23
  Fernobjektive   23
  Verwendbarkeit verschiedener Objektivtypen   26
  Objektivfassungen   27
II. Die Gelbscheibe   29 - 31
III. Der Verschuß   32 - 34
  Objektivverschlüsse   32
  Schlitzverschlüsse   33
  Verschlußauslöser   34
IV. Die Kamera   35
  Stativkameras (Reisekameras, Atelierkameras)   36
  Handkameras (Kasten-, Klapp-, Filmkameras)   38
V. Der Sucher   44
VI. Die Kassetten   46
  Einfache und Doppelkassetten   46
  Wechselkassetten   47
  Filmpackkassetten, Rollfilmkassetten   47 / 48
VII. Das Stativ   49 - 52
VIII. Winke für die Wahl einer Kamera   52 / 53
IX. Das Negativmaterial   54 - 60
  Gewöhnliche Platten   54
  Lichthoffreie Platten   55
  Farbenempfindliche Platten   56
  Photomechanische Platten   58
  Flachfilms   58
  Rollfilms   59
  Abziehfilme und Negativpapier   60
X. Die Dunkelkammer   61-71
  Dunkelkammerlampen   61
  Entwicklungstisch   64
  Schalen und Entwicklungströge   65
  Waschvorrichtungen   67
  Sonstiges Zubehör   68
  Chemikalien   70
XI. Die Aufnahme   72 - 76
  Das Einlegen   72
  Das Einstellen   73
  Die Belichtung   74

Seite B

 

XII. Winke für verschiedene Gebiete   77 - 86
  Landschaften und Architekturen   77
  Bildnisaufnahmen   79
  Momentaufnahmen   80
  Aufnahmen von Zeichnungen, Gemälden usw.   82
  Stereoaufnahmen   82
  Kinematographische Aufnahmen   83
  Aufnahmen bei künstlichem Licht   84
XIII. Das Negativverfahren   86 -103
  Entwickeln von Platten   86
  Entwickeln von Films   87
  Entwicklung im hellen Licht   88
  Die Entwickler   88
  Entwickler für Schnellphotographie   94
  Standentwicklung   94
  Das Fixieren   94
  Waschen und Trocknen   96
  Abschwächen und Verstärken   96
  Lackieren   99
  Retuschieren   100
  Fehler im Negativ und ihre Abhilfe   101
XIV. Die Farbenphotographie   104
  Die Autochrom- und Agfafarbenplatte   104
     
       
 
B. Das Positivverfahren
   
  Allgemeines   106 / 107
XV. Die Silber-Auskopierverfahren   107 - 113
  Zelloidinpapier   107
  Aristopapier   110
  Albuminpapier   110
  Wässern und Trocknen   111
  Fehler beim Arbeiten mit Silberauskopierpapieren   112
XVI. Die Eisen-Silber- und Eisenauskopierverfahren   113 / 114
  Die Kallitypie   113
  Der Eisenblaudruck   114
XVII. Der Platindruck   114 - 116
XVIII. Das Silber-Entwicklungsverfahren   117 - 120
  Bromsilberpapier   117
  Chlorbromsilberpapier   118
  Chlorbromsilber-Diapositivplatten   119
XIX. Vergrößern auf Entwicklungspapieren und Platten   120
  Vergrößern auf Entwicklungspapier   120
  Vergrößern auf Platten   123
  Vergrößerungs- und Verkleinerungstabelle   123
XX. Das Projizieren   125 - 128
XXI. Tonen von Silberentwicklungsbildern   129
XXII. Die Chromatverfahren   130
  Pigmentdruck   131
  Gummidruck   134
  öl- und Bromöldruck   137
XXIII. Das Fertigstellen der Bilder   140
       
  Stichwortverzeichnis   142

Seite C

 


Einleitung


Die Photographie umfasst jene Verfahren, nach denen man mit Hilfe des Lichtes auf lichtempfindlichen Stoffen Abbildungen von Dingen erhalten kann. Je nachdem, ob man hierbei noch weitere Hilfsmittel verwendet oder nicht, kann man unterscheiden:

1. Die Bilderzeugung mit Hilfe von Licht und lichtempfindlichen Stoffen allein, das Lichtpausverfahren oder Kopierverfahren. Man legt auf ein lichtempfindliches Papier eine Zeichnung, ein gemaltes Glasbild oder irgendwelche andere flache Gegenstände, z.B. Laubblätter, und deckt darüber eine Glasscheibe; setzt man das Ganze hellem Tageslicht oder einer entsprechenden künstlichen Lichtquelle aus, so wird das Papier an den unbedeckten oder durchsichtigen Stellen allmählich braun, bei längerer Belichtung dringt das Licht auch durch die halbdurchsichtigen Stellen, so dass sich z.B. bei Blättern deren Adern markieren; so bekommt man Bilder der Blätter, in denen der dunkelste (undurchsichtigste) Teil hell, der durchsichtigste dunkel ist, also umgekehrt, wie in der Natur; solch in bezug auf Licht und Schatten verkehrtes Abbild nennt man ein Negativ. Bild 1 zeigt uns ein Laubblatt, in der Durchsicht betrachtet (die wassergefüllten Blattrippen erscheinen durchsichtiger als die Blattfläche), Bild 2 eine derartige negative Pause davon.

Bild 1
Bild 2
Bild 3

2. Die optische Bilderzeugung mit Hilfe von Licht, lichtempfindlichen Stoffen und einer Kamera, das Aufnahmeverfahren. Die älteste Art, ein solches "Kamerabild" zu erzeugen, ist die mit Hilfe eines verdunkelten Zimmers (italienisch: camera), dessen Fensterladen ein kleines Loch besitzt. Wie ein solches Bild zustande kommt, zeigt Bild 3: a sei eine Pappel, o das Loch, w die Hinterwand des Zimmers. Es gehen nun von jedem Punkte der Pappel Lichtstrahlen nach dem Loche und pflanzen sich in gerader Linie weiter fort bis an die Wand. Nach dem Punkt á im Zimmer kann nur Licht von dem Punkte a der Pappel gelangen, der auf der Verlängerung der Linie a o liegt. Dasselbe gilt für die Punkte f´ und g´, und das Ergebnis ist, dass auf der Wand ein verkehrtes Bild des Baumes sichtbar wird. An Stelle des Zimmers kann man einen kleinen Kasten nehmen, der statt der festen Wand (W) eine Scheibe aus Mattglas hat; auf dieser Scheibe sieht man deutlich das Bild eines vor dem Kasten befindlichen Gegenstandes, wenn in die Vorderwand des Kastens ein feines Loch gemacht wird und die Betrachtung der Mattscheibe unter einem das hintere und das Seitenlicht abschließenden dunklen Stoff erfolgt.

1 über die chemischen Wirkungen des Lichts siehe Grundlagen der Photographie von Prof. Dr. W. Scheffer, Union, Deutsche Verlagsgesellschaft, Berlin

Seite 2

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Heller und schärfer erscheinen diese Bilder, wenn man an Stelle des Loches eine Glaslinse setzt. Diese Linse entwirft in einer gewissen Entfernung ein deutliches Bild der Gegenstände, das man nun auf einen lichtempfindlichen Stoff wirken kann; man erhält dadurch, ebenso wie beim Lichtpausverfahren, ein negatives Bild; dieses kann man nun nach dem Lichtpausverfahren kopieren, d.h. auf eine lichtempfindliche Fläche auflegen und diese wirken lassen; man erhält wiederum eine Umkehrung des Bildes, also jetzt ein nach Licht und Schatten richtiges, positives Bild.
Die photographische Bilderzeugung setzt sich also (von später zu erörternden Ausnahmen, S. 94 und 104, abgesehen) aus zwei Vorgängen zusammen:

A. der Erzeugung eines Negativs auf einer mit einer lichtempfindlichen Schicht überzogenen Glasplatte mit Hilfe von Kamera und Linse,
B. der Herstellung eines Positivs nach diesem Negativ mit Hilfe des Kopierverfahrens.

Wir müssen ferner noch unterscheiden, ob das Bild durch das Licht sofort sichtbar gemacht wird (Auskopierverfahren), oder ob die Folge der Lichteinwirkung unsichtbar ist, und ob erst durch eine chemische Behandlung daraus ein sichtbares Bild hervorgerufen wird (Entwicklungsverfahren). Das Entwicklungsverfahren verlangt nur eine viel tausendmal schwächere Lichtwirkung, man verwendet es daher bei der Aufnahme (A), das weniger empfindliche Auskopierverfahren wird beim Kopieren (B) verwendet.

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