| Okulare |
Thomas Gade - 2005
- 2011 |
Okulare sind optische Systeme, in die man
hineinblickt, um mit einem Teleskop, Mikroskop, Feldstecher
o.ä. beobachten zu können.
Einblick in das Okular an einem Spektiv.
Wir beschränken uns in diesem Bericht weitgehend auf
die Betrachtung von aktuellen Okularen für Teleskope.
Die Verbindung zwischen den Okularen und dem Teleskop sind
weitgehend genormt. Größen werden in Zoll angegeben.
Die Okularauszüge haben heute Steckmaße von 1,25
Zoll oder 2 Zoll, die mit einem Adapter auf 1,25 Zoll reduziert
werden können.
Die gegenwärtig üblichen Okulare für Teleskope
haben Steckhülsen mit 1,25 Zoll Durchmesser. Daneben
gibt es die 2 Zoll Okulare. Es sind noch viele Teleskope aus
dem späten 20. Jahrhundert in Gebrauch, die kleine Okulare
mit 0,96 Zoll Durchmesser benötigen. Das Maß wurde
zuletzt vor allem bei einfachen Teleskopen der unteren Preisklassen
verwendet. 2 Zoll Okulare sind groß und schwer. Ihr
großer Hülsendurchmesser ist an Teleskopen mit
kleinen Verhältnissen aus Öffnung und Brennweite
bei niedrigen Vergrößerungen.
Verwirrendes Angebot
Der Blick in die Angebotslisten der Astrohändler ist
verwirrend. Laut den Beschreibungen sind alle Okulare gut,
doch gibt es große und kleine, günstige und teure.
Der Dialog beim Fachhändler könnte so aussehen:
"Guten Tag, ich hätte gerne ein 10mm Okular."
"Wieviel wollen Sie denn ausgeben?"
"Na ja, nicht mehr als 80 €."
"Dafür bekommen Sie schon was Gutes. Was haben Sie
für ein Teleskop?"
"Einen Newton von Vixen, 114mm Öffnung mit 1 1/4
Zoll Okularauszug."
"Ach ja, dann nehmen wir mal das hier. Es ist gerade
im Angebot und kostet nur 69 €"
Der Händler stellt das gute Stück auf die Ladentheke,
der Kunde guckt erfreut. Zuhause probiert er es aus und ist
zufrieden.
Der Kunde hätte auch 50 € sagen können oder
500 €. Der gut sortierte Händler hätte etwas
Passendes im Regal gefunden. An wohlklingenden Erklärungen
für die Preisunterschiede mangelt es nicht. Den Wert
vieler dieser Argumente darf man getrost als weitaus geringer
betrachten als ihren preislichen Niederschlag. Hier darf man
gerne an Armbanduhren erinnern. Der eine trägt eine Quartzuhr
mit präzisem Lauf für 10 € und der andere eine
mechanische Armbanduhr von einer gehobenen Schweizer Marke
für 10.000 €.
Okulartypen
Wir betrachten mal ein paar Aspekte im Zusammenhang mit Okularen,
um etwas Licht ins Dunkel zu bringen. In der Frühzeit
des Teleskopbaus bestanden Okulare aus einzelnen Linsen. Sie
wurden später durch mehrlinsige Okulare ersetzt. Heutzutage
bilden die vierlinsigen Plössl-Okulare den unteren Standard.
Anspruchsvolle Benutzer nehmen weitwinklige Okulare, die bei
gleicher Vergrößerung größere Bildausschnitte
zeigen.
Nachstehend werden diverse Okulartypen aufgeführt. Die
Liste ist nicht vollständig. Die Bilder in der Tabelle
stammen aus einem Artikel über Okulare bei Wikipedia
und unterstehen dem
Creative Commons Attribution-Share Alike
3.0 Unported. Der Bildautor nennt sich 'Tamasflex'.
| Okulartyp |
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Bildwinkel |
Gewicht |
Preis |
| |
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Huygens (0,96")
seit 1703 |
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30° |
30 bis 60 gr |
praktisch aus dem Handel verschwunden |
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Kellner
seit 1849 |
 |
40 bis 50° |
|
praktisch aus dem Handel verschwunden |
|
Plössl
seit 1860 |
 |
50° |
80 bis 200 gr |
ca. 20 bis 80 € |
|
Erfle
seit 1921 |
 |
60° |
|
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TS-SWM
|
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66° |
80 bis 120 gr |
ca. 39 € |
|
Nagler
Nagler 2 seit 1988 |
 |
82° |
500 bis 1000 gr |
ca. 400 bis 600 € |
|
TeleVue Ethos
|
|
100° |
500 bis 1020 gr |
ca. 500 bis 800 € |
|
Explore Scientific
|
|
120° |
|
ca. 1000 € |
Bildwinkel
Ein wichtiges Unterscheidungskriterium ist der Bildwinkel.
Die Händler verwenden auch die Begriffe Gesichtsfeld,
scheinbares Gesichtsfeld oder Grad. Um die gemeinte praktische
Bedeutung deutlich zu machen, zeigen wir es an einem Beispiel.
Die nachfolgenden Bilder stellen Blicke durch ein 114/1000mm
Teleskop dar, einmal mit einem veralteten 20mm Huygens Okular
und mit einem 20mm TS-SW Okular, das einen wesentlich größeres
Bild zeigt. Die Vergrößerung ist identisch!
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| 20mm Huygens |
20mm TS - SWM (wie Goldkante) |
Beim weitwinkligeren Okular ist am Rand eine beginnende Abschattung
zu sehen. Die Verwendung eines Okulars mit derselben Brennweite
und noch größerem Bildausschnitt würde an
dem betreffenden Teleskop nicht mehr bringen, weil es das
zusätzliche Feld nicht ausleuchtet. Es ist deutlich erkennbar,
dass ein altes Huygens-Okular mit knapp 30° Bildwinkel
/ scheinbarem Gesichtsfeld dem anderen weit unterlegen ist.
Bildwinkel von verschiedenen Okularen:
Bildwinkel ab 80° sind teuer und die
Okulare werden konstruktionsbedingt größer und
schwerer. Der Einsatz von solchen Okularen ist am binokularen
Ansatz praktisch kaum möglich. Die Anforderungen an den
Okularauszug, der das Gewicht eines Binos, der beiden Okulare
und des Zenitspiegels halten muss, wären beträchtlich.
In der Praxis kann man bereits mit Bildwinkeln über 50°
gut beobachten ohne einen engen Tunnelblick zu haben.
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Das nebenstehende Bild
zeigt das Tele Vue Ethos 4,7mm Okular mit der 1,25"
und der 2" Hülse (austauschbar). Letztere
vergrößert das Volumen und Gewicht des Okulars,
bringt aber keinen Mehrgewinn.
Das kompakte 7,5mm Okular ist aus der Serie Baader Eudiascopic.
Dessen Bildwinkel ist mit 44° relativ klein. Das
ist beim Beobachten von Planeten kein Nachteil. Vom
engen Blickwinkel des Huygens ist man bereits weit entfernt.
Die TS-SWM sind etwas höher gebaut als das abgebildete
Baader Okulare und haben bereits 66° Bildwinkel.
Damit ist man bestens bedient.
Hier entscheidet nicht nur die Geldbörse, sondern
auch die Überlegung, ob man sich das Herumschleppen
von schweren, großen und teuren Objektiven tatsächlich
antun möchte. Wer einäugig am Dobson mit großer
Öffnung und relativ kurzer Brennweite weite Sternfelder
überblicken möchte, mag zum großen Okular
greifen, das für beidäugiges Beobachten mit
einem binokularen Ansatz einfach zu groß ist.
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Sinnvolles scheinbares
Gesichtsfeld für Sternfelder, Mond und Planeten?
Was für eine Frage! Soviel wie möglich, möchte
man meinen. Schauen wir uns mal das nächste Bild an.
Am 22. 5. 2007 war der Saturn dicht neben dem Mond zu sehen.
Das Bild zeigt anschaulich, dass Okulare mit kleinen Gesichtsfeldern
zum Beobachten eines Planeten vollkommen ausreichen. Unter
Plantenbeobachtern sind stark vergrößernde Okulare
(kurze Brennweite) mit angenehmen Einblick und maximaler Schärfe
gefragt. Ein weites Gesichtsfeld ist unerheblich. Viele Teleskope
werden motorisch nachgeführt. Der Planet bleibt dadurch
immer im Zentrum. Auch bei hohen Vergrößerungen
wird er im handelsüblichen Amateurteleskop nicht mehr
als ein kleines Scheibchen sein. Ringe und Monde bleiben im
Gesichtsfeld.
Im Verhältnis dazu ist der Mond ein monströses Objekt,
das bei 100x Vergrößerung das Gesichtsfeld eines
Standardokulars ausfüllt. Beim visuellen Umherwandern
auf dem Mond sind weitwinklige Okulare sehr angenehm. Sie
zeigen ein größeres Feld und erleichtern die Orientierung.
Braucht man große 2" Okulare?
Angenommen, ein gutes Teleskop hat einen nutzbaren
Bildkreis mit 40 Millimeter Durchmesser ...
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| Durchmesser des nutzbaren Bildkreis = 40
mm |
Durchmesser des Ausschnitts im roten Kreis
= 4 mm |
Die Wahl des Okulars entscheidet, wie stark der gesamte nutzbare
Bildkreis oder ein Ausschnitt daraus vergrößert
wird. Bei einem Okular mit einem Steckmaß von 1,25 Zoll
beträgt der Innendurchmesser ca. 30 mm. Daher ist es
nicht möglich, damit den gesamten, vom Objektiv des Teleskop
erzeugten, nutzbaren Bildkreis zu betrachten. Ein entsprechendes
Okular wäre nur mit einer Hülse, die einen Innendurchmesser
von mehr als 40 mm hat, konstruierbar. Das wäre ein 2
Zoll Okular.
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| schwache Vergößerung -
großer Bildausschnitt |
starke Vergrößerung - kleiner
Bildausschnitt |
Sobald stärker und damit ein kleinerer Ausschnitt vergrößert
wird, verringert sich der notwendige Durchmesser der Okularhülse.
In unserem Beispiel beträgt der Durchmesser des Bildauschnitts
mit der landenden Gans nur noch 4 mm. Die Optik eines geeignetes
Okulars ließe sich leicht in die früher übliche
0,96 Zoll Hülse unterbringen.
Praktisch bedeutet dies: Es kann unter bestimmten Umständen
sinnvoll sein, ein 2 Zoll Okular für die schwächste
(!) Vergrößerung zu verwenden. Dagegen ist es sinnlos,
ein stark vergrößerndes Okular mit kurzer Brennweite
für kleine Bildausschnitte in großen schweren Hülsen
unterzubringen. In der Praxis ist an den meisten Amateurteleskopen
mit 1,25 Zoll Okularen fast alles machbar.
Austrittspupille
Am Teleskop wird der Durchmesser des Strahlenbündels,
welches aus dem Okular austritt, Austrittspupille genannt.
Sie ist als helles Lichtscheibchen am hinteren Okularglas
erkennbar. Beim Beobachten lassen wir das Strahlenbündel
in unser Auge eintreten. Das menschliche Auge hat eine variable
Blende, die Pupille. Bei Dunkelheit öffnet sich Pupille
bis auf 8 mm Durchmesser bei jungen Menschen und ca. 6 mm
bei älteren. Ist es hell, verringert sich die Pupille.
An sonnigen Tagen liegt der Wert bei ca. 2 mm.
Der Durchmesser der Austrittspupille AP (in mm) am Okular
errechnet sich als Quotient aus der Objektivöffnung (in
mm) und der Vergrößerung eines Instruments.
Angenommen unser Teleskop auf dem obigen Beispiel hat eine
Öffnung von 100 mm. Die Vergrößerung mit dem
ersten Okular liegt bei 10x.
Dann beträgt die Austrittspupille 100 mm (Objektivöffnung)
geteilt durch 10 (Vergrößerung) = 10mm
Die Vergrößerung mit dem zweiten Okular liegt bei
100x.
Dann beträgt die Austrittspupille 100 mm (Objektivöffnung)
geteilt durch 100 (Vergrößerung) = 1mm
Die Austrittspupille des ersten Vergrößerung (10x)
wäre mit 10mm zu groß, um genutzt werden zu können,
denn das nutzbare Strahlenbündel ist breiter als die
6 bis 8 mm maximaler Öffnung der menschlichen Pupille.
Zudem wird bei Tage beobachtet. Dann sind die Pupillen der
Augen kleiner. Sie werden in der oben dargestellten Bildsituation
bei 2 bis 3 mm Öffnung liegen. Das 2 Zoll Okular kann
in dem Beispiel beim visuellen Beobachten gar nicht ausgenutzt
werden kann.
Nehmen wir mal an, ein Ornitologe beobachtet im Freien scheue
Zugvögel an ihren Sammelplätzen. Das findet an einem
trüben Herbsttag frühmorgens oder in der Zeit der
Abenddämmerung statt. Um die Vögel gut sehen zu
können, möchte er mit 20x Vergrößerung
beobachten. Wegens des Dunstes, Frühnebels oder der flimmernden
Luft, ist eine höhere Vergrößerung nicht sinnvoll.
In der Situation werden seine Pupille eine Öffnung zwischen
3 bis 5 mm haben. Ein Teleskop oder Spektiv mit 60mm Öffnung
und 20facher Vergrößerung hat eine Austrittspupille
von 3mm. Mit 100mm Öffnung und 20facher Vergrößerung
werden 5 mm als Austrittpupille erreicht, die nur bei schlechten
Lichtverhältnissen durch weit geöffnete Pupillen
der Augen voll genutzt werden. Mehr Öffnung bringt bei
der Vergrößerung gar nichts und es wird erkennbar,
warum Teleskope oder Spektive für Naturbeobachter üblicherweise
mit Öffnungen zwischen 60 bis 80 mm angeboten werden.
Austrittpupillen zwischen 7mm bis 0,5mm sind unter den betreffenden
Umständen sinnvoll nutzbar. Mit 0,5 mm wird eine Grenze
erreicht, ab der das Auge aus stärkeren Vergrößerungen
keinen Nutzen mehr ziehen kann. Zudem bewirkt das feine Strahlenbündel
die Wahrnehmung von Teilchen, die in der Flüssigkeit
auf dem Auge treiben.
Ein Teleskop mit 100mm Öffnung kann sinnvoll zwischen
15 fach ( 6,7mm Austrittspupillle) und 200 fach (0,5mm Austrittspupille)
eingesetzt werden.
Die Angaben zur maximalen Vergrößerung, wie sie
gerne vom Versandhandel für Billigteleskopen geäußert
werden, sind vor diesem Hintergrund völliger Unsinn.
Hier ein Beispiel von Tasco:
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Tasco verkaufte einen
80mm Refraktor und warb mit Vergrößerungen
bis 600x. Die sinnvolle Grenze liegt bei 160x und ist
nur mit guten Okularen ansprechend erreichbar. Das zum
Paket gehörende 4mm Okular ist ein Ramsden und
besteht aus zwei plankonvexen Linsen. Es ist ein Billigokular,
das an diesem Teleskop eine 300fache Vergrößerung
bewirkt. Wahrscheinlich kann man es nicht mal richtig
scharfstellen. Kombiniert man es dann noch mit der 2x
Barlow aus dem Paket, ist der Ofen endgültig aus;
die Austrittpupille beträgt dann 0,13 mm. Damit
sind sicherlich interessante Studien über die Teilchen
in der Augenflüssigkeit machbar, aber keine astronomischen
Beobachtungen. |
...
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