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JVC KY-1900E Videokamera am Zeiss Standard Mikroskop

2016 @ Thomas Gade

Broadcast Video System am Mikroskop

Am Beispiel einer alten JVC KY-1900E ... Seit mehreren Jahrzehnte sehen Fernsehkameras sehr ähnlich aus. Mobile Geräte werden geschultert und Sonys Betacam etablierte sich als Standard. Erst im Jahr 2016 stellte Sony die Produktion seiner Betacam Technik ein, die in den 1980er Jahren eingeführt wurde. Im Laufe der Jahren wurden verschiedene Formate bis hin zum Full-HD Format eingeführt. Die höchste Auflösung beim Aufnehmen beträgt zwar nur 1440x1080, wird aber beim Abspielen auf 1920x1080 umgesetzt (upsampling). Die Filme werden auf magnetischen Bändern aufgenommen, deshalb spricht man von Magnetaufzeichnung, MAZ im Studiojargon. Wobei mit MAZ auch der Recorder im Studio gemeint ist.

Professionelle Kamerasysteme für Fernsehen und Kino unterscheiden sich von Amateurkameras durch groß dimensionierte Verbindungen, Anschlussstecker und Zubehör. Zudem können die Profis ihre Systeme einmessen, womit im wesentlichen die Tonwert- und Farbwiedergabe vereinheitlicht wird.

Mag diese Technik inzwischen an vielen Stellen längst durch moderne kompakte System ersetzt sein, so sieht man diese großen Kameras immer noch an den Drehorten professioneller Produktionen.


JVC KY-1900E Broadcast Videokamera am Zeiss Standard Mikroskop

Technische Daten

Hersteller JVC
Bezeichnung KY-1900E
Produktion 1982
Objektive Diverse 6:1, 10:1 or 14:1 Servo Zoomobjektiv
Sensor Drei Saticon Röhren

Große Filmkamera am Mikroskop

Beim Verwenden einer traditionellen Fernsehkamera am Mikroskop sind einfache Adapter, die eine kleine Kamera halten können, überfordert. Ebenso wäre es das Stativ des Mikroskops, welches nicht zum Tragen eines weit nach oben ragenden schweren Gewichtes konzipiert wurde.

Daher wird die Fernsehkamera nicht direkt auf das Mikroskop montiert, sondern auf ein separates Stativ.

Das üblicherweise nach vorne ragende Objektiv entfällt. Stattdessen wird die optisch/mechanische Verbindung zwischen dem Mikroskop und der Kamera durch das Modul 'MA-1000 Microscope Attachment' hergestellt. Darin befindet sich eine optische Umlenkung des vom Mikroskop senkrecht nach oben geworfenen Bildes um 90° in die waagerecht auf dem eigenen Stativ montierte Kamera.

JVC MA-1000 Microscope Attachment
JVC MA-1000 Microscope Attachment

Bei der JVC KY-1900E befindet sich hinter der Optik kein einzelner Sensor wie in heutigen Digitalkameras, sondern eine rechteckige, rund 8 x 10 mm große Öffnung mit einem Prisma, welches das Licht in drei Strahlenbündel aufteilt, die jeweils Bildaufnahmeröhren für Rot, Grün und Blau belichten. Sie wandeln das optische Bild in elektrische Signale, wobei nur Helligkeitsabstufungen, aber keine Farben erkannt werden. Deshalb benötigt man drei Elektronenröhren mit jeweils vorgeschalteten Farbfiltern. Die Elektronik fügt die drei zusammengehörenden Farbkanäle zu einem Farbbild zusammen.

Elektronenröhren müssen erst einmal auf Betriebstemperatur kommen, bevor sie funktionieren. Ältere Kameras mit Aufnahmeröhren wie die JVC KY-1900E sollten vor ihrer Benutzung einige Minuten eingeschaltet sein, um überhaupt ein Bild zu sehen und zu einer stabilen Farbwiedergabe zu kommen.

Die Kamera wird über einen externen Trafo mit Strom gespeist und gibt ihre Signale über Kabel an eine MAZ (Player/Recorder) weiter. Im mobilen Einsatz wird die JVC KY-1900E von Blei/Säure Akkus gespeist, die über fünf Kilo wiegen.



JVC MH-1000 Microscope Base - Grundbrett und Stativ


JVC KY-1900E Broadcast Videokamera am Zeiss Standard Mikroskop

Perspektive

Der fototechnische Aufbau aus einem Grundbrett, auf dem das Mikroskop steht sowie ein stabiles Stativ zum Tragen der Kamera befestigt ist, ist auch in anderen Konstellationen verwendbar. Beispielsweise beim Adaptieren einer schweren DSLR an das Mikroskop. In dem Fall wäre die Umlenkung um 90° leicht mithilfe eines hoch präzisen Umlenkspiegels möglich. Es gibt sie preiswert und mit guter Möglichkeit zum Anschluss an Kameras im Astrohandel als sogenannte Zenitspiegel.

In dem Fall wäre die Umlenkung um 90° leicht mithilfe eines hoch präzisen Umlenkspiegels möglich.  Im Astrohandel gibt es sei preiswert (100 €) mit guter Anschlussmöglichkeit an Kameras als sogenannte Zenitspiegel.  Inwieweit dies der direkten Adaption an das Mikroskop vorzuziehen ist, hängt von verschiedenen Faktoren und dem persönlichen Geschmack ab. Sicherlich gibt es auf diese Weise Potenzial, um Schwingungen zu reduzieren, die einen negativen Einfluss auf die Bildqualität haben.


Pentax K-3 mit 2" Zenitprisma am JVC-Stativ über dem Zeiss Standard. - Zur Darstellung wurde die vom Zenitspiegel nach unten ragende Hülse abgeschraubt. Zur Vermeidung von Streulicht sollte sie aber dran ein und senkt sich über das Projektiv.


Hülse am 2" Zenitspiegel zur Vermeidung von Streulicht.


 

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