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Capture One Pro 7

Mai 2013 © Thomas Gade

Capture One Pro 7 ist ein RAW-Konverter vom dänischen Hersteller Phase One A/S. Die Software kostet 229,- €. Phase One hat einen deutschen Vertriebspartner, die Application Systems Heidelberg Software GmbH, welche neben der Vermarktung einen Support anbietet und sehr kompetent alle Fragen zum Programm beantworten kann.

Allgemeines

Wir wollen hier nicht den Sinn und die Aufgabe von RAW-Konvertern erklären; sie sind unseren Lesern hinlänglich bekannt. Hinsichtlich des Funktionsumfangs, ihrer Geschwindigkeit und Ausgabequalität sind diverse RAW-Konverter auf einem ähnlichen Level. Das war nicht immer so; noch vor wenigen Jahren gab es erhebliche Unterschiede. Mit Capture One sind verschiedene Kameras direkt anzusteuern. Beim tethered shooting, also kabelgebundenem Fotografieren, werden die Fotos direkt auf dem Computer gespeichert. Das ist unter Umständen im Studio, an der Reprosäule und anderen Aufnahmesituationen vorteilhaft.

Installation

Das Installieren verlief auf einem i7-2600 CPU mit 3,4 Ghz mit 8 GB Ram und Windows 7 - 64Bit problemlos. Neben der Eingabe des Lizenzcodes ist die Eingabe von einer Emailadresse und einem Passwort nötig, das man durch eine Registrierung bei Phase One erhält.

Kataloge

Die Arbeit mit Capture One basiert auf Katalogen, die Datenbanken sind. Es können beliebig viele erstellt werden. Die Namen und Kataloge sowie ihre Speicherort werden beim Anlegen festgelegt.



Um RAW-Bilder zu bearbeiten, müssen sie importiert werden. Dazu werden sie per Drag and Drop aus dem Ordner mit den neuen RAWs in das Importfenster gezogen.



Danach wird auf 'Alle importieren' geklickt.

RAW-Konvertierung

Um neue RAW-Dateien darzustellen, werden sie wie oben beschrieben in einen Katalog importiert. Es gibt keinen Verzeichnisbaum, der es direkt ermöglicht, einen Ordner auf der Speicherkarte zu wählen und daraufhin Miniaturansichten der Bilder zu sehen. Im Vergleich mit anderen RAW-Konvertern ist das gewöhnungsbedürftig.

Für solche Zwecke wird gelegentlich ein frischer temporärer Katalog eingerichtet und nach einer Weile gelöscht. Daten, die dauerhaft gespeichert werden, können in anderen Katalogen erfaßt werden. Nach dem Import stehen die Bearbeitungswerkzeuge zur Verfügung.


Arbeitsplatz Capture One Pro 7. Einstellung der Helligkeit, Kontraste etc. - Screenshot im RAW-Bearbeitungsmodus


Die Werkzeugpalette entspricht dem gegenwärtig üblichen Standard:

- Belichtung, Kontrast, Lichte- und Schattenkorrektur
- Farbe
- Objektivfehlerkorrektur
- Zuschneiden, Drehung & Spiegelung, Trapez (Verzerrung)
- Schärfen, Rauschen reduzieren, Fleckentfernung, Moiré

Zusätzlich gibt es eine Steuerung für angeschlossene Kameras.


Screenshot im RAW-Bearbeitungsmodus

Bewertung

Es gibt zahllose RAW-Formate. Die Vielfalt ergibt sich daraus, dass die Kamerahersteller jeweils individuelle Verfahren zum Protokollieren der Messergebnisse ihrer unterschiedlichen Fotosensoren entwickeln. In Folge dessen veralten Programme, die RAW-Dateien öffnen können, relativ schnell. Dies war ab 2003, als die RAW-Formate aufkamen, ein ernsthaftes Problem. Ende des Jahres 2005 setzten sich die erste Generation der für den breiten Amateurmarkt vorgesehenen digitalen Spiegelreflexkameras durch. Gleichzeitig erlebten ihre Benutzer, dass ihnen die Programme zum Handhaben der RAW-Dateien fehlten. Das Thema war sowohl auf seiten der Anwender wie auch bei den Softwareherstellern neu. In den folgenden Jahren warteten viele Besitzer der neuesten digitalen Spiegelreflexkameras mitunter lange frustriert auf Updates für ihre Bildbrowser oder RAW-Konverter. Das hat sich mittlerweile geändert. Die Softwareindustrie passt ihre Interpretationsbibliotheken für RAW-Dateien zügig an. Alles andere wird in den einschlägigen Foren und Bewertungsplattformen hart kritisiert.

Aber auch in anderer Hinsicht habe sich die RAW-Konverter einander angepasst. Ihre Layouts und Konfigurationsmöglichkeiten ähneln sich. Ihre Werkzeugpaletten sind beinahe austauschbar. Ob ACDSee Pro, Corel After Shot (ehemals Bibble), Capture One, Lightroom, Apertrure etc, gleichen sich so sehr, dass keines aus einem engen Rahmen fällt. Der Hersteller Phase One A/S ist selbstbewußt. Auf seiner Website heißt es: "Capture One Pro 7 ist der weltweit beste RAW-Konverter." Das können wir nicht bestätigen. Die Unterschiede zwischen den bedeutenden RAW-Konverntern sind gering. Die historische Nähe zu einem Programm, tradierte Ansichten und Preise wiegen schwerer als marginale technische Unterschiede. Tethered shooting könnte noch zur Unterscheidung genannt werden. Die Masse der RAW-Fotografen wird dies nicht betreffen.

RAW-Fotografen der ersten Stunde können sich an die lange Geburt von Bibble 5 erinnern. 2008 wurde ein Prototyp auf der Photokina vorgestellt, doch verging mehr als ein Jahr, bis die finale Version auf den Markt kam. Sie wurde wegen der enormen Geschwindigkeitssteigerung mit Spannung erwartet und hielt, was die Softwareentwickler versprochen hatten. Inzwischen sind alle großen RAW-Konverter flink. Das Katalogisierung von Bildern in Bilddatenbanken beherrschen sie ebenfalls.

Welches Fazit können wir zu Capture One Pro 7 ziehen? Die Software ist sehr gut für ihre Aufgabenstellung geeignet. Preislich hebt sie sich von der Konkurrenz ab: Lightroom 4 kostet ca. 110 €, ACDSee Pro 6 ist ab 60 € zu haben und Corel After Shot wird für knapp 70 € angeboten. Dagegen sind die 229 € hoch angesetzt, die Phase One für eine Lizenz für Capture One Pro 7 haben möchte. Im erfolgreichen professionellen Rahmen wird das weniger bedeutsam sein als anderswo. Für preisbewußte Anwender dürfte dies ein wesentliches Entscheidungskriterium sein.

 

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