photoinfos.com

Meade LX200 Gabelmontierung mit 8" Schmidt Cassegrain Teleskop

2010 / 2026 © Thomas Gade



Das Meade LX200 System wurde 1992 von Meade Instruments auf den Markt gebracht. Es galt schnell als besonders leistungsfähig. Optische Encoder und interne Korrekturroutinen kompensierten mechanische Ungenauigkeiten und das Teleskop wurde zusätzlich mit Autoguiding-Funktionen sowie Planetariumssoftware ausgeliefert.

Mit der Einführung der LX200 Serie erschienen zunächst neue 8 und 10 Zoll Schmidt-Cassegrain Modelle auf computergesteuerten azimualen Gabelmontierungen, später gefolgt von größeren Varianten mit 12 und 16 Zoll Öffnung. Außerdem gab es ein 7" Maksutov, das so groß war, wie ein 8 Zoll SCT. Die ursprüngliche Serie der Gabelmontierungen wird als „LX200 Classic“ bezeichnet. Später kamen Versionen mit GPS heraus und auch eine 14 Zoll Version.

Mit dem LX200 System wurde ein leistungsfähiges GoTo-System auch für Hobby-Astronomen verfügbar. Beide Achsen der Gabelmontierung sind motorisiert. Über 64.000 Himmelsobjekte sind in der integrierten Datenbank gespeichert. Die Präzision ist gut genug, um jedes eingespeicherte und zu der Zeit am konkreten Ort am Himmel stehende Objektiv in Sekundenschnelle zu finden. Eine Nord-Ausrichtung ist beim LX200 bei azimutaler Aufstellung nicht mehr nötig.



Beim Meade-LX200-System können über eine kabelgebundene Handsteuerung astronomische Objekte ausgewählt werden, woraufhin die Montierung das Teleskop automatisch auf das gewünschte Ziel ausrichtet.

Damit dies zuverlässig funktioniert, muss zunächst ein sogenanntes Alignment durchgeführt werden. Während dieser Initialisierung wurden Standort und Uhrzeit eingegeben. Anschließend richtete man das Teleskop auf einige helle, leicht erkennbare Sterne aus, damit die Steuerung sich am Himmel zurecht findet. Nach diesem Vorgang ist das System betriebsbereit.

Die LX200-Gabelmontierung kann sowohl azimutal als auch parallaktisch betrieben werden. In azimutaler Aufstellung eignet sie sich gut für die visuelle Beobachtung, da sie einfach zu handhaben ist. Für die Astrofotografie bietet hingegen die parallaktische Betriebsweise Vorteile, da sie die Erdrotation durch eine Bewegung um nur eine Achse ausgleichen kann.

Zur Zeit der Einführung des Systems war die Astrofotografie noch weitgehend analog. Es wurden fotografische Filme verwendet, die lange Belichtungszeiten erforderten, insbesondere bei lichtschwachen Deep-Sky-Objekten. Dabei trat der sogenannte Schwarzschildeffekt auf, bei dem die Lichtempfindlichkeit des Films mit zunehmender Belichtungsdauer abnahm. Dies erschwerte die Aufnahme erheblich und machte große Teleskopöffnungen notwendig.



Zusätzlich musste die scheinbare Bewegung der Sterne aufgrund der Erdrotation durch eine sehr präzise Nachführung kompensiert werden. Diese erfolgte über ein Schneckengetriebe in der Rektaszensionsachse, also der Achse, die parallel zur Erdachse ausgerichtet ist. Wie bei allen mechanischen Systemen trat dabei ein gewisses Spiel auf. Meade legte daher großen Wert darauf, diese Ungenauigkeiten elektronisch zu korrigieren und eine möglichst gleichmäßige Nachführung zu gewährleisten.

Ein weiterer limitierender Faktor war das sogenannte Seeing, also das Flimmern der Erdatmosphäre. Es führte dazu, dass Sterne nicht punktförmig, sondern eher als kleine, unscharfe Scheibchen mit Halo erschienen. Dies begrenzte die erreichbare Bildschärfe unabhängig von der optischen Qualität des Teleskops.

Mit dem Übergang zur digitalen Fotografie hat sich die Astrofotografie grundlegend verändert. Moderne Bildsensoren zeigen keinen Schwarzschildeffekt und besitzen eine deutlich höhere Empfindlichkeit. Dadurch sind keine extrem langen Einzelbelichtungen mehr erforderlich. Zudem reagieren viele Sensoren auch empfindlich auf nahes Infrarotlicht, weshalb handelsübliche Kameras mit einem entsprechenden Sperrfilter ausgestattet sind. Für astronomische Zwecke werden diese Filter oft entfernt oder es kommen speziell angepasste Kameras zum Einsatz.



Anstelle einzelner langer Belichtungen werden heute zahlreiche kürzere Aufnahmen gemacht und anschließend digital kombiniert. Dieses Verfahren, bekannt als Stacking, ermöglicht es, schwache Signale zu verstärken und gleichzeitig das Bildrauschen deutlich zu reduzieren. Moderne Software analysiert die einzelnen Aufnahmen, bewertet deren Qualität und verwendet bevorzugt die schärfsten Bilder für die Endverarbeitung. Störungen, etwa durch kurzzeitige Lichtquellen oder atmosphärische Turbulenzen, können so weitgehend ausgeblendet werden.

Auch bei der Aufnahme heller Objekte wie Mond, Sonne oder Planeten kommt dieses Prinzip zum Einsatz. Hier werden oft Videosequenzen aufgenommen, aus denen anschließend die besten Einzelbilder extrahiert und kombiniert werden. Auf diese Weise lässt sich der Einfluss des Seeings erheblich reduzieren und eine deutlich höhere Detailauflösung erzielen.

Durch diese Entwicklungen hat die mechanische Perfektion der Nachführung an Bedeutung verloren. Während sie früher entscheidend für den Erfolg einer Aufnahme war, können moderne Verfahren viele Fehler nachträglich ausgleichen. Daher sind die ursprünglich herausragenden Eigenschaften der schweren LX200-Gabelmontierungen heute weniger ausschlaggebend für die Astrofotografie als noch in den 1990er-Jahren.

Die LX200 sind nach wie vor attraktiv und ermöglichen gute Beobachtungen von Mond, Planeten und helleren Deep-Sky-Objekten.

In der modernen Hobby-Astrofotografie werden für Deep-Sky-Aufnahmen inzwischen jedoch häufig kleinere Apochromat-Refraktoren mit Öffnungen zwischen 60 und 120 Millimetern verwendet. Besonders verbreitet sind Geräte mit etwa 80 Millimetern Öffnung. Sie sind leichter, einfacher zu transportieren und stellen geringere Anforderungen an die Montierung. Eine vergleichsweise einfache parallaktische Montierung mit elektronischer Steuerung ist hierfür in der Regel ausreichend.



Theoretisch erleichtert die GoTo-Funktion auch Einsteigern den Zugang zur Astronomie erheblich. In der Praxis konnte das notwendige Alignment jedoch insbesondere bei eingeschränkter Sicht auf den Himmel, etwa von einem Balkon aus, anspruchsvoll sein. Moderne Systeme verfügen über GPS, elektronische Kompasse und weitere Sensoren, die diesen Prozess weitgehend automatisieren.

Trotz technischer Fortschritte bleibt das Grundkonzept der LX200-Montierung interessant. Die Teleskope sind ohnehin Klassiker, die auch heute noch attraktiv sind. Insbesondere bei stationärer Aufstellung, etwa in einer Sternwarte, spielen Gewicht und Transportaufwand eine geringere Rolle. Für mobile Anwendungen gibt es jedoch heute handlichere Alternativen.

Ein Vorteil der LX200-Teleskope liegt weiterhin in ihrer großen Öffnung bei relativ kurzer Bauweise. Bei gleicher Vergrößerung ergibt sich eine größere Austrittspupille als bei kleineren Instrumenten, was zu einem helleren und kontrastreicheren Bild führt. Dies ist besonders bei der visuellen Beobachtung von Bedeutung.

Zusammenfassend lässt sich sagen, dass die Stärken des Meade-LX200-Systems heute vor allem im visuellen Einsatz sowie in der Planetenfotografie liegen. Für die Deep-Sky-Fotografie haben sich hingegen leichtere und flexiblere Lösungen etabliert, die für die Möglichkeiten moderner digitaler Fotografie und Bildverarbeitung reichen.



Größenvergleich: Meade LX200 - 8 Zoll SCT neben einem Skywatcher 127 Maksutov auf einer Vixen New Polaris

Die 8 Zoll bzw. 20 cm messende Öffnung des Meade Teleskops erweitern die Beobachtungsmöglichkeiten unter guten Beobachungsbedingungen und einem an die Außentemperatur angeglichenem Teleskop beträchtlich, aber das kleinere Maksutov ist auch nicht schlecht und leichter zu tragen.

Leider sind die Beobachtungsbedingungen innnerhalb größerer Ortschaften und in stadtnahen Regionen oft so miserabel, dass große Teleskope selten oder nie ausgereizt werden können. Ein Teleskop mit 20 cm Öffnung nebst Zubehör ist mit dem PKW noch einigermaßen transportabel. Für meinen Geschmack ist das 8 Zoll Teleskop vor allem wegen der schweren LX200 Gabel im Ein-Mann-Betrieb beim Transport, Auf- und Abbau schon recht unhandlich. Wenn es jedoch leicht zum Beobachtungsort gebracht werden kann oder stationär aufgestellt ist, ist ein LX200 System immer noch ein exzellentes Instrument.


© Thomas Gade | photoinfos.com | ISSN 3054-4769 (Online). Unsere Texte und Bilder sind urheberrechtlich geschützt. Jede Nutzung ist nur mit schriftlicher Erlaubnis des Verfassers gestattet und stets honorarpflichtig.