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Scopos TL 805 Triplet Apo 80 / 560 Refraktor

2017 © Thomas Gade

Scopos Apo 80 560 triplet refractor
80mm Apo Teleskop von Scopos. Die Tauschutzkappe ist für den Transport einschiebbar.

Das Scopos Teleskop ist eine Entwicklung des Astrounternehmens Baader-Planetarium, das zu den Premiumanbietern gehört und eigene Entwicklungen verzeichnen kann. Es war angedacht, eine Teleskopserie unter dem Label Scopos mit Partnern zu entwickeln. Unseres Wissens sind nur zwei Modelle realisiert worden. Außer diesem gab es noch einen 90/600 Refraktor.
 
Dieses kompakte Linsenteleskop ist vielseitig einsetzbar. Es ist keinesfalls nur in der Astronomie zu gebrauchen, sondern auch in der Naturbeobachtung oder von Sportschützen. Am Tubus des TL 805 befindet sich eine Schelle mit einem Stativgewinde. Der kompakte Refraktor ist dadurch gut mit deinem Fotostativ als Teleobjektiv oder Spektiv verwendbar. Für eine Benutzung mit einer parallaktischen oder azimutalen Montierung aus der Astronomie muss man eine Prismenschiene an die Schelle schrauben.

Technische Daten

Herkunft Gemeinschaftsprojekt von Baader Planetarium und TS Teleskop Service
Bezeichung Scopos TL 805 APO 80/560mm
Markteinführung 2006, Preis damals ca. 700 €, bis ca. 2010 im Handel
Teleskoptyp Apo Refraktor, verkittetes Triplet Objektiv mit mittig dem dispersionsarmen Sonderglas KzFS N4
Öffnung 80 mm
Brennweite 560 mm
Öffnungsverhältnis 1 : 7
Länge
45,3 cm mit eingeschobener Sonnenblende, sonst 51,4 cm
Durchmesser 108 mm Sonnenblende, 87 mm zentraler Tubus
Gewicht 3,1 kg (Tubus und Rohrschelle)
Fokussierer 2" Okularauszug, Crayford

Verkittetes Triplet Objektiv



Objektiv des Scopos 80/560mm Triplet Apo.

Triplet Objektiv

Die Linsen des Triplet Objektivs (dreilinsig) sind verkittet, anderenfalls sähe man am Rand Abstandshalter. Im Web wurde das Design kritisiert, weil das Objektiv so nicht zu justieren ist. Jedoch schneidet ein Scopos Objektiv im Test von Wolfgang Rohr ganz gut ab. Und mal ehrlich, wer lässt sein Teleskopobjektiv mit Luftspalt jemals von einem Experten messen und justieren? Dass ein Objektiv ohne Luftspalt und die dazu nötigen am Rand befindlichen drei Abstandsplättchen auch einen kleinen Vorteil hinsichtlich des Kontrasts und der verwertbaren Lichtmenge hat, wird dabei unterschlagen.

In einem Astro-Forum wird ein Objektiv mit geborstener mittlerer Linse dargestellt und vermutet, dass dies eine Folge von Temperaturschwankungen und der Verkittung sei. Da es keine weiteren Berichte über solche Fälle gibt, sollte man diese Annahme mit Vorsicht genießen. Allerdings ist es schon seltsam, dass die mittlere Linse eines solchen Objektivs kaputt geht. Liegt es an der Fassung? Oder sind die temperaturbedingten Dehnungen der unterschiedlichen Glassorten die Ursache? Wir wissen es nicht. Erhellend sind ev. folgende Infos:

Das Objektiv besteht aus zwei äußeren Linsen aus Kronglas, zwischen denen sich eine Linse aus Kurzflint befindet. Baader-Planetarium beschreibt, dass die Herstellung sehr aufwendig sei, weil das mittlere Element zwei tiefe Hohlflächen aufweist. Mit einer fachmännisch durchgeführten Verkettung soll dieses Objektiv eine sehr gute Farbkorrektur realisieren. Der Kitt zwischen den Linsen wird als temperaturstabil und flexibel beschrieben.

Baader hielt 140 mm Durchmesser für die maximale Größe dieses Designs. Darüber wäre das Gewicht eines Objektivs einfach zu groß und Spannungen während der Temperaturanpassung hätten die Verkittung überfordert. Aber die damaligen Überlegungen schlossen den Bau von Objektiven Bereich von 60-130 mm ein.


Solider 2" Crayford Fokussierer mit 1:10 Untersetzung. Er ist nicht rotierbar, aber das Teleskop kann in der Rohrschelle gedreht werden. Der Okularauszug macht einen guten Eindruck. Er ist solide und leicht justierbar, wenn die Friktion zu gering oder zu stramm ist. Bei unserem Modell stehen auf dem Drehknopf der Untersetzung die Buchstaben TS. Sie stehen für das Unternehmen Teleskop-Service und es ist nicht klar, ob die Untersetzung nachgerüstet wurde oder das Teleskop gleich so von Baader in den Handel gebracht wurde.

Teilbarer Tubus

Der Tubus besteht vermutlich aus eloxiertem Aluminium, ist innen mit Velours ausgekleidet und enthält zwei Blendenringe. Er ist auseinander zu schrauben, um mit einem Binokular ohne Glaswegkorrektor in den Fokus zu kommen oder um Vorteile beim Verstauen zu haben. Der Okularauszug kann auch an direkt an den vorderen Tubusteil geschraubt werden, was laut Hersteller in Verbindung mit einem Brennweitenreduzierer interessant sein kann.

Auch diese Konstruktion wirkt überzeugend, wenn auch der Sinn der Teilbarkeit des Tubus sich in der Praxis nicht oft erschließt. Der Refraktor ist auch so kompakt und zierlich, sodass man ihn nicht unbedingt für einen Transport teilen muss.

Das Teleskop war im weißem oder bronzefarbenem Farbton erhältlich.

Rohrschelle

Die aufklappbare Rohrschelle des Scopos TL 805 APO hat auf der Unterseite mittig ein 1/4" Gewinde für Fotostative und weitere zwei mit M6 Gewinde zur Befestigung einer Prismenschiene für astronomische Montierungen.

Man hätte die Basis mit dem Fotogewinde auch gleich mit dem Profil einer GP Prismenschiene gestalten können, wie es später bei ähnlichen Teleskoptypen von William gemacht wurde. Baader bot als Ergänzung einen Sucherschuh zum Anschrauben an die Rohrschelle an. Diese Basis kann auch zum Aufsatteln einer Kamera verwendet werden.

Kein Leichtgewicht



Teststation Küchenwaage: Der 80mm Refraktor ist mit 3,1 kg kein Leichtgewicht. Die Taukappe wiegt bereits 300g. Das Objektiv in der Fassung wiegt 905 g.

Hätte man das Teleskop leichter bauen können? Die Taukappe und der Tubus könnten aus einem Glas- oder Kohlefasergewebe mit Kunstharz gebaut sein. Maßgeblich zum hohen Gewicht trägt jedoch das Objektiv bei. Ein knappes Kilo mit Fassung sind für 80 mm Objektivdurchmesser eine ganze Menge.

Scopos Apo als Spektiv mit Amici Prisma



Der 80mm Refraktor lässt sich mit einem Amici Prisma als Spektiv mit hervorragender Bildqualität einsetzen, jedoch ist die Kombination etwa doppelt so schwer wie ein modernes Spektiv mit ähnlicher Optik. Kein Problem, solange man nicht damit wandern muss.

Fotografische Qualität

Wir testeten den Scopos Apo 80 / 560 an unserem Standardmotiv für Telebrennweiten, ein 900 Meter entferntes Gebäude mit zwei Fahnenmasten auf dem Dach mitten in Berlin. Bei diesem Motiv muss man immer ein mehr oder weniger starkes Flimmern in Kauf nehmen. Auf die Entfernung und mit langer Brennweite ist das mitten in der Stadt leider unvermeidlich.

Fotografiert wurde mit einer Pentax K-3 mit APS-C Sensor und 24 Million Pixel. Ihr Bildkreis wird voll ausgeleuchtet und Abschattungen in den Ecken sind marginal. Es wurde ein 2" Flattener von Teleskop-Service eingesetzt, um das Bild für den Sensor zu ebnen. Ob der Bildkreis auch für das Vollformat ausreicht, ist so nicht feststellen. Man müsste dafür einen 2,5" Okularauszug und entsprechend größeren Flattener einsetzen.

APS-C ist aber ausreichend und passt gut zur Brennweite von 560 mm, die sowohl in der Naturfotografie als auch in der Astronomie viele Möglichkeiten eröffnet.



Pentax K-3, ISO 400, 1/2000 Sekunde. Scopos Apo 80 / 560 Mit Flattener



100% Ausschnitt aus dem obigen Foto. Dieser Scopos Refraktor hat eine gute fotografische Auflösung und ist somit als Teleobjektiv einsetzbar. An kritischen Kanten ist etwas Farbe erkennbar, doch die Leistung ist respektabel.

Was ist aus Scopos geworden?

Der Scopos TL 805 APO war nur einige Jahre am Markt wurde von chinesischen Teleskopen verdrängt. Sky-Watcher und Wiliam errangen eine große Verbreitung. Große Astrohändler, wie Teleskop-Service, orderten chinesische Teleskope mit eigenem Label und die Marke Scopos spielt heute im Teleskopbau keine Rolle mehr.

Woran liegt es? War die Konstruktion der Scopos Teleskope zu teuer? Immerhin wird in ihnen ein besonderes optisches Design verwendet. Vielleicht war es doch nicht so unempfindlich gegen Temperaturschwankungen, wie man annahm.

Unser Testmodell war durchaus überzeugend und hat uns sehr gefallen.

Allerdings war im Vergleich mit einem Sky-Watcher ED 80 Pro erkennbar, dass der Scopos TL 805 ein kleines bisschen schwächer war. Der Vergleich zweier Teleskope reicht bei marginalen Unterschieden nicht aus, um eine allgemeingültige Aussage über qualitative Unterschiede zu machen. Es gibt beim Bau von Teleskopen immer eine Serienstreuung und unser Sky-Watcher ED 80 Pro hat ein exzellentes Objektiv, das wahrscheinlich etwas besser ist als der Durchschnitt. Auch im Vergleich mit anderen ED Refraktoren gleicher Größe, wie etwa dem William Zenithstar II 80 ED schnitt er immer am besten ab. Jedoch stets mit einem nur geringen Abstand.

Der Scopos TL 805 ist jedoch schöner als der er krude Sky-Watcher ED 80 Pro und durch seine einstellbare Taukappe, bzw. Sonnenblende kompakter beim Transport oder beim Verstauen. Über die Farbe des Tubus kann man streiten. Es gab eine weiße Version, aber auch den kupferfarbenen Tubus, der aus der übrigen Teleskoplandschaft herausstach.

Daher ist dieser gut gebaute Refraktor etwas Besonderes, weil er zu einer kleinen und feinen Produktlinie gehört, die nicht weiter fortgesetzt wird. Das Teleskop kann zu einem Sammlerobjekt werden, weil es rar ist.

Fazit

Der Scopos TL 805 APO ist ein vielseitiger Refraktor, der zur Naturbeobachtung, Astronomie und als Teleobjektiv eingesetzt wird. Er punktet mit einem gut gebauten Tubus und einer Optik mit sehr guter Farbkorrektur. Aber es gibt höherwertige und deutlich teurere Telekope mit gleicher Öffnung, die den Scopos leistungsmäßig toppen. Allerdings nur unter guten Sichtbedingungen und mit einem relativ geringen Abstand, der von vielen Beobachtern gar nicht wahrgenommen wird.

Neu ist der Scopos TL 805 Apo nicht mehr erhältlich. Ein gut erhaltenes gebrauchtes Exemplar ist mit 450 € (Januar 2017) fair bewertet. Bietet sich eine solche Möglichkeit, ist der ist der Scopos TL 805 Apo eine gute Option.

Alternative: Ein neuer Triplet Apo ähnlicher Qualität, wie der TS Photoline 80 mm / 480 mm kostet rund 800 €. Für den SkyWatcher Evostar ED 80 Pro mit gutem 80 / 600 mm ED Objektiv (zwei Linsen) sind mit Koffer, Okular, Sucher, Prismenschiene und Zenitspiegel rund 650 € zu bezahlen.

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