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Polarex - Unitron Spektiv 80mm

Thomas Gade - Juli 2012

Das Unitron 80mm Spotting Scope wirkt auf den ersten Blick wie ein historisches Militärgerät. Das Spektiv ist aus Metall gebaut und grünlich grau in matter Farbe gestrichen. Das kurze Tischstativ hat faltbare Beine. Die Montierung hat den von den azimutal aufgestellten Unitron Refraktoren bekannten Feinantrieb aus metallenen Klemmblöcken, Stellschrauben und Bolzen mit integrierten Druckfedern. Die Optik ist ein Achromat mit Luftspalt. Okularseitig wurde dieses Spektiv vor allem mit einem Revolver mit vier Okularen angeboten. Die Vergrößerungsstufen sind: 20x, 30x, 40x und 60x. Scharfgestellt wird mittels eines Helikalfokussierers. Das Spektiv existiert in Varianten mit und ohne verschiebbare Taukappe, bzw. Blendkappe.


Für den Transport und zur Aufbewahrung gibt es eine Holzkiste.



Die Blendkappe / Taukappe ist verschiebbar. Darunter ist das Metall dunkel eloxiert. Manche Stellen wurden von dem Prozess vernachlässigt. Solche kosmetischen Mängeln, vermutlich aus einem laxen Verarbeitungsprozess stammend, und nicht aus mechanischen Belastungen, geben dem Instrument ein handwerkliche Note.


Das Instrument wurde während der 1960'er und 1970'er Jahre gebaut und unter den Marken Polarex und Unitron angeboten. Beim Recherchieren im Internet sind zwar alte Kataloge, aber nur wenige Erfahrungsberichte von Benutzern dieses Spektivs zu finden.



Okularrevolver

Okularseitig gibt es diverse Varianten. Am Okularrevolver mit 45° Einblick befinden sich entweder 4 Steckhülsen für 0,96" Okulare oder 4 angeschraubte. Zudem gibt es ein gradsichtiges Modell mit Porroprisma für Wechselokulare nebst einem gradsichtigen Okularrevolver, ein 45° Prisma mit 20x-60x Zoomobjektiv oder für Wechselokulare.


Okularrevolver mit angeschraubten Okularen.



Technische Daten

Öffnung 80 mm
Brennweite 500 mm (F6,25)
Öffnungsverhältnis 1 : 6,25
Objektivtyp Fraunhofer Achromat

Objektiv

Der Achromat mit 80mm Durchmesser und 500mm Brennweite besteht aus zwei Linsen mit Luftspalt. Das Objektiv ist vergütet. Die Kanten des Objektivs sind ungeschwärzt. Innen ist der Tubus mattschwarz gestrichen.

Ein Fraunhofer Achromat mit 80mm Durchmesser und 500mm Brennweite ist für die Verwendung in geringer bis mittlerer Vergrößerung ausgelegt. Am astronomischen Fernrohr werden stärkere Vergrößerungen angestrebt, die beim Achromaten Öffnungsverhältnisse von ca. 1:15 bedingen.

Azimutale Montierung

Das Tischstativ besteht aus einer 20 cm hohen Säule, die auf drei ausklappbaren Beinen steht. Darüber befindet sich die azimutale Montierung. Zudem gibt es eine Variante mit langen Holzbeinen.

Die azimutale Polarex / Unitron Montierung ist aufgrund ihrer einfachen und zuverlässigen Konstruktion legendär. Die pfiffige Montierung funktioniert mit Klemmblöcken und einer Zug- und Druckmechanik aus Verstellschrauben und Federn. An der Montierung befindet sich entweder eine fest verbundene Rohrschelle oder eine kleine Platte mit einer Fotostativschraube.







Bei diesem Modell ist die Rohrschelle abschraubbar. Die azimutale Montierung kann für andere Instrumente mit Fotogewinde eingesetzt werden.

Optische Qualität

Im Rahmen seines angedachten Verwendungsbereiches, vorwiegend terrestrische Naturbeobachtungen, ist das Spektiv hervorragend einsetzbar. Die Vergrößerungen 20x, 30x und 40x liefern eine sehr gute Bildqualität, doch auch 60x ist gut, wenngleich bei dieser hohen Vergrößerung am ehesten zu spüren ist, dass die Optik kein moderner Apochromat mit perfekter Farbkorrektur ist. Das Unitron / Polarex 80mm Spotting Scope stellt billige Discounterspektive weit in den Schatten.


Fazit

Das Spektiv ist aufgrund seiner soliden und ausgeklügelten Funktion hervorragend für den praktischen Einsatz gebaut worden. Moderne teure Spektive mit apochromatischen Objektiven haben eine geringere, fast nicht feststellbare Neigung zu farbigen Säumen an kontrastreichen Kanten, doch ist diese Eigenschaft im üblichen Vergrößerungsbereich des Polarex Spektivs von geringer Bedeutung. Naturbeobachtungen finden an solchen Instrumenten mit Vergrößerungen zwischen 20x bis 40x statt. Man kann sie auch höher treiben und die mit dem Polarex Spotting Scope zu erreichenden 60x ergeben immer noch eine gute Abbildung.

Die Montierung ist ein wahres Highlight und ermöglicht ein kontrolliertes Nachführen, das mit normalen Fotostativköpfen kaum möglich ist. Wenn das Spektiv im guten Zustand zu bekommen ist, sollte man zuschlagen. Ein einfaches Kaufhausspektiv mit derselben Öffnung ist für knapp 100 € zu haben, ein teures Spektiv der gehobenen Klasse kann bis zu 1500 € kosten. Bis zu 300 € kann man für das Unitron oder Polarex Spotting Scope 80mm bedenkenlos ausgeben, für die Variante mit wechselbaren Okularen am Okularrevolver und der Montierung mit abschraubarer Rohrschelle auch mehr.

Tags: Polarex Unitron spotting scope 80mm - classic telescope


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