Das OMC 140 Deluxe ist ein Maksutov-Teleskop mit einem Gregory
Design. Der Tubus besteht aus hochglänzendem Carbon.
Die Fassung der Frontoptik und des Spiegels besteht aus CNC-gefrästem
Metall. Es ist dunkel gefärbt - wahrscheinlich eloxiert
- und leider schnell verkratzt.
Eine Oberfläche, die weniger empfindlich auf die üblichen
mechanischen Beanspruchungen in der Handhabung von Teleskopen
reagiert, wäre angebracht.
Der Carbontubus sieht gut aus und wiegt weniger als Metall,
doch ist das bei einem Gewicht des Teleskops von ca. 3,5 kg
unbedeutend. Der Hauptspiegel ist für eine bessere Bildqualität
asphärisch geschliffen. Der Frontdeckel besteht aus dünnem
Plastik, das wenig aushält. Ein Teleskop in dieser Preisklasse
hätte Besseres verdient.
Das OMC 140 hat eine Brennweite von 2000mm,
wodurch dieses Teleskop nicht zum Betrachten von weiten Himmelfeldern
prädestiniert ist. Sein Einsatzgebiet sind die Planeten,
der Mond und die Sonne. Mit einem 20mm Okular erreicht man
bereits eine Vergrößerung von 100x. Ein 1 1/4"
Okular mit 32mm (maximal 35mm) stellt vermutlich die längste
sinnvolle Okularbrennweite dar. Das entspricht einer Vergrößerung
von ca. 65x. Die längste von mir ausprobierte Okularbrennweite
betrug bislang 26mm mit einem Skywatcher Super Plössl.
Damit ist der gesamte Mond mit etwas Feld drumherum sichtbar.
Auf der Webseite eines Astrohändlers steht: "Mit
dem geeigneten 2" Okularen erreichen Sie ein nutzbares
Gesichtsfeld von etwa 1,3 Grad. Das ist immerhin etwa der
2,5fache Vollmond Durchmesser." Machen wir uns nichts
vor. Dafür wurde dieses Teleskop nicht gebaut, sondern
für hohe Vergrößerungen zur Beobachtung und
Fotografie von Planeten, Sonne und Mond. Wer es einsetzt,
tut das nicht, um große Felder zu betrachten. In der
Praxis wird 80x mit einem 25mm Weitwinkelokular die geringste
Stufe sein. Der Mond passt insgesamt locker in das Bildfeld.
Danach erfolgt der Griff zu kürzeren Brennweiten, am
Planeten ev. zu den scharfen Orthos mit relativ geringem Bildwinkel.
Nach Angaben des Herstellers soll das OMC140
höchste Ansprüche erfüllen. Gemeint ist damit,
dass dieses Teleskop hohe Vergrößerungen mit bestmöglicher
Schärfe und Kontrast realisieren kann und sich das OMC140
im Vergleich mit ähnlichen Teleskoptypen in einer Spitzenposition
befinden soll. Ein erster Test fand gleich nach dem Auspacken
statt. Ein weit entferntes Gebäude wurde angepeilt und
mit 15mm Okularen im Denkmeier Bino betrachtet. Positiv fiel
auf, dass keinerlei Farbsäume zu sehen waren. Das Flimmern
der Luft erlaubte aber keine Beurteilung des scharfen Bildes,
weil es nicht scharfzustellen war. Am besten Näherungswert
flimmerten die Konturen.
Das OMC140 auf der Vixen Porta.
Das OMC140 mit Taukappe. Sie besteht aus Metall und wirkt
seltsam am Carbontubus. Der 9x50mm Sucher ist sehr gut.
Die Scharfstellung erfolgt über eine Mikrometerschraube
mit Skala. Für den einen ist das Schnickschnack und für
den anderen brauchbar, um sich für diverse Okulare, Binos
und Kameras Einstellwerte zu merken. Am getesteten Exemplar
ist kein Shifting feststellbar.
Nächtliche
Beobachtungen
In der ersten Beobachtungsnacht irritierte
das OMC 140 durch einen rabenschwarzen Himmel im Okular, der
mich nachsehen ließ, ob der Deckel ab war. Nach dem
Scharfstellen waren die Sterne fein zu sehen. 20 Minuten später
änderte sich die Lage. Die Sterne waren nicht mehr so
richtig scharf zu bekommen, sie funkelten. Ein Blick zum Himmel
zeigte, dass eine ganz dünne Wolkenschicht aufgezogen
war.
Ein paar Tage später hatte ich die Gelegenheit,
das OMC 140 unter ländlichem Himmel auzuprobieren. Gegen
23 Uhr war die Milchstraße sehr schön am dunklen
Himmel über dem Ort Carwitz in der Feldberger Seenlandschaft
zu sehen. Für mich als Großstädter, der in
klaren Nächten üblicherweise nur wenige helle Sterne
auf einem dunkelgrauen Hintergrund sehen kann, ist die große
Menge der auf dem Land in klaren Nächten mit bloßem
Auge sichtbaren Himmelskörper, immer wieder faszinierend.
In der betreffenden Nacht schien die Sicht hervorragend zu
sein. Der Andromedanebel war im 10x50 Feldstecher gut zu sehen.
Jupiter stand drei Handbreiten über einem östlichen
Horizont. Das war nicht optimal, hätte aber reichen sollen,
um ihn aus dem horizontalen Luftgewaber herauszuholen. Das
OMC140 stand bereits zwei Stunden unter einem Vordach zur
Temperaturanpassung draußen und wurde auf den hellen
Planeten gerichtet, was etwas dauerte, da mein Sucherfernglas
nicht justiert war. Das sollte man mit einer Brennweite von
2 Metern unbedingt vorher machen. Von meinem Standpunkt aus
stand der Jupiter über dem Carwitzer See. Am Boden war
das Gras vom Tau klatschnass. Offenbar hatte sich eine Menge
Feuchtigkeit aus der abgekühlten Luft abgesondert. Am
OMC140 befand sich die Blend- oder Taukappe. Die Frontoptik
war trocken, d.h. ohne sichtbaren Taubeschlag. Unter diesen
Umständen wurde Jupiter ins Visier genommen. Unerwarteterweise
ließ sich die erbsengroße Scheibe nicht richtig
scharfstellen. Ein dunkles Band war auf der Oberfläche
erkennbar. Die Konturen waren schwach und der Planet schien
in einem ganz dünnen Dunst zu schweben. Lag es tatsächlich
an der Sicht oder hatte das Teleskop eine Macke?
Am folgenden Tag wurden ein paar terrestrische Objekte mit
dem OMC 140 und einem 20mm Okular betrachtet. Die Sonne schien
und erneut verhinderte unruhige flimmernde Luft den ungetrübten
Genuss. Zwar gab es zwischenzeitlich Momente, in denen einigermaßen
scharf gesehen wurde, doch waren diese nur von kurzer Dauer.
Immerhin zeigten sie, dass die Optik des Teleskop in Ordnung
war.
Nicht in Ordnung hingegen ist die Kontruktion des Teleskops.
Der Carbontubus verlängert die Anpassung an die Außentemperatur
beträchtlich. Ein Maksutov hat zwei dicke optische Elemente,
die vordere Meniskuslinse und den Hauptspiegel. Beide unterliegen
physikalischen Gesetzen; sie dehnen sich bei Wärme aus
und schrumpfen bei Kälte. Gleiches gilt für alle
anderen Teile des Teleskops. Während des Anpassungsprozesses
gibt es Luftbewegung im Teleskop, Spannungen im Material und
mehr. Auch wenn dieses nur im minimalen Rahmen verläuft,
verhindern Sie ein scharfes Sehen, das erst nach der Temperaturangleichung
optimal möglich ist. Der Carbontubus hat eine thermisch
isolierende Wirkung. Seine Wärmeleitfähigkeit ist
deutlich geringer als von einem Metalltubus. Es dauert mehrere
Stunden, bis sich das OMC 140 mit Carbontubus temperaturmäßig
angepasst hat. Fatal ist die Tatsache, dass der Hauptspiegel
in einer Metallfassung sitzt, die zugleich das Teleskop okularseitig
abschließt. Hier findet ein rascher Temperaturausgleich
statt. Während im isolierten Tubus höhere Temperaturen
vorherrschen, ist die Rückseite des Hauptspiegels bereits
deutlich kühler. Das kann nicht gutgehen und tut es auch
nicht.
Es ist empfehlenswert, dieses Teleskop mit einem Metalltubus
zu wählen, um die Anpassung erheblich zu verkürzen.
Fotografie
Aufnahme mit einem Tokina SD 400mm Teleobjektiv
Aufnahme vom selben Standpunkt mit dem OMC 140.
Kamera: Pentax K-7
Die Bilder zeigen die enorme Reichweite des OMC 140. Dessen
lange Brennweite holt weit Entferntes sehr nah ran. Der Einfluss
der Luft, durch die 'hindurch' beobachtet oder fotografiert
wird, ist bei der Brennweite beträchtlich. Wir haben
das Motiv mit völlig unveränderter Einstellung zehn
mal kurz nacheinander mit Hilfe eines drahtlosen Fernauslöser
und Spiegelvorauslösung durch das OMC140 auf einem festen
Stativ bei Windstille aufgenommen und erhielten Ergebnisse,
die sich im Detail stark unterscheiden. Auf den nachfolgenden
Bildern ist das gut zu erkennen.
Weiteres
Bilder vom selben Motiv an einem anderen Tag aufgenommen.
Die Fahnenmastspitze ist etwas größer,
weil diesmal ein Zenitspiegel zwischen Kamera und Teleskop
montiert war. Dadurch verlängerte sich der Strahlengang
und die effektive Brennweite des Systems.
Bei der visuellen Betrachtung der Fahnenmastspitzen durch
das Teleskop sind mehr Details mit beträchtlich schärferen
Konturen sichtbar. Woran liegt das?
Wir haben unser Testmotiv mit einer Pentax K-5 durch das Orion
OMC140 deluxe gefilmt. Zum Zeitpunkt der Aufnahme erschien
die Sicht gut. Der Film zeigt jedoch, wie sehr die atmosphärischen
Bedingungen die Bildqualität beeinträchtigen. Die
Motive wabern im Bild hin und her. Das ursprüngliche
Filmformat von 1920x1080 Pixeln wurde auf 1402x980 beschnitten.
Das Beispiel macht deutlich, warum es so schwer ist, wirklich
scharfe Fernaufnahmen mit langbrennweitigen Teleobjektiven
zu erhalten.
Pentax K-5 an einem Orion OMC 140.
Fazit
Die Fokussierung ist frei von Shifting.
Man kann mit allen erdenklichen okularseitigen Ansätzen
wie Kamera, mit oder ohne Binokular unabhängig von einem
ggf. eingesetzten Zenitspiegel immer scharfstellen. Das ist
ein großer Vorteil der Hauptspiegelfokussierung. Die
Bilder sind farbrein; es sind keine farbigen Säume an
kontrastreichen Kanten zu sehen.
Der Carbontubus hat eine negative Auswirkung auf die Performance.
Die Anpassung des Teleskops an die Außentemperatur wird
verlangsamt. Die vorderen und hinteren Fassungen aus Metall
leiten die Temperaturen gut, doch der Carbontubus isoliert
mittig. Deswegen ist die günstigere Variante mit einem
Blechtubus vorzuziehen. Der Rahmen der sinnvollen Vergrößerungen
liegt zwischen 57x mit einem 35mm Okular und 285x mit einem
7mm Okular.
Das OMC140 Deluxe ist ein Teleskop für klare, trockene
und ruhige Luft. Das Teleskop muss sich der Außentemperatur
angepaßt haben. Wer das Gerät unter anderen Umständen
verwendet, wird keinesfalls die Leistung erfüllt sehen,
die vom Hersteller versprochen wird.
Im Vergleich mit einem guten Schmidt Cassegrain mit 8"
Öffnung, das ebenfalls eine Brennweite von 2000mm hat,
war das von uns getestete Exemplar nicht wirklich überzeugend.
Nun hat der 8" SC eine bedeutend größere Öffnung
und bringt somit mehr Licht ins Auge. Daher mag der Vergleich
unfair wirken. Aber ein 8" SC ist nicht wesentlich länger
und nur eine knappe Handbreit dicker als der OMC 140. Beide
werden von einer relativ preiswerten Montierung in den Maßen
der Vixen GP prima getragen. Ein 8" SC von Sky-Watcher
(entspricht Celestron) kostet mit zwei Okularen, Sucher und
Zenitspiegel 850 € und wiegt 5,7 kg. Der OMC 140 Deluxe
kostet ohne Zubehör ca. 1080 € und wiegt 3,5 kg.
Beim Vergleich waren die Ansichten mit einem alten unvergüteten
8" SC aus dem Jahre 1980 schärfer und detailreicher.
Wir hatten kein 6" SC zu Hand, um den OMC 140 damit zu
vergleichen. Das wäre sicherlich spannend gewesen, denn
ein 6" SC und der OMC 140 werden gut von der empfehlenswerten
Vixen Porta getragen.
Angesichts der preislich günstigen Maksutovs von Skywatcher
(Synta) und Bosma, die qualitativ recht ordentlich sind, ist
das OMC140 zu teuer. Die Preisdifferenz lohnt sich nur, wenn
ein Vorteil des OMC140 erkennbar wäre.