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Meade ETX 90mm

Wer diese Teleskop erstmals sieht, mag kaum glauben, dass dieser
Winzling ein brauchbares Instrument mit hervorragenden Eingeschaften
ist. Der Tubus läßt sich aus der Gabelmontierung entnehmen
und kann auf ein normales Fotostativ geschraubt werden. An der
Unterseite des Teleskops (Spektivs) gibt es eine Auflageplatte
mit passenden Gewinden.
Diese Meade-Teleskop ist ein sogenannter Maksutov, ein Reflektor,
der vorderseitig mit einer Mensikuslinse abgeschlossen wird. Der
Fangspiegel zur Umlenkung des Lichtstrahls in den Okulartubus
wurde als silberner Fleck auf die Innenseiter der Frontlinse aufgebracht.
An der Rückseite gibt es zwei optische Ausgänge. Einmal
befindet sich dort ein Tubus, der um 90 Grad (nach oben) gerichtet
ist. Sicherlich wird er in der Astronomie von größerer
Bedeutung sein als der 'Geradeaus-'Tubus. Er hat ein Metallgewinde,
welches das Ansetzen von verschiedenen Dingen erlaubt. Entweder
schließt man eine Halterung für ein Zenit- oder Amiciprisma
und das Okular an oder befestigt einen Adapter für eine (Digital-)Kamera.
Mit dem Maksutov läßt sich prima fotografieren. Blende
(ca.) 14 auf 1250mm Brennweite sind für hochempfindliche
Filme oder Chips in vielen Lichtsituationen akzeptabel. Die Bilder
sind frei von Farbsäumen und die Schärfe ist bei entsprechender
Fototechnik (Stativ, korrekt scharfstellen etc.) sehr hoch.

Das Meade ETX 90 in azimutaler Aufstellung. Der Deckel zum Schutze
der Frontlinse ist aus Metall und wird mit dem Tubus verschraubt.
Das ist ein luxuriöse Lösung, die mir bei meinen anderen
Teleskopen gut gefallen würde. Sicherlich gibt es Fotofilter,
die mit dem Tubusgewinde kompatibel sind.

Das Teleskop hat mehrere silberne Metallknöpfe zum Scharfstellen,
zur Nachführung, zum Feststellen nach der Grobausrichtung
und zum Umklappen des eingebauten Spiegels.

Die Bodenplatte des Meade ETC 90 ist mit drei Bohrungen mit Fotostativgewinde
versehen. Es ist somit möglich, die Kontruktion auf ein stabiles
(!!) Fotostativ zu montieren. Ob man einen festtragenden Neigekopf
eines Stativs nutzt, um die Gabel parallaktisch aufzustellen,
hängt von dem Vertrauen des jeweiligen Nutzers in die Festigkeit
der einzelne dünnen Stativschraube ab. Ich würde es
nicht machen aber azimutal geht es prima.
Im Boden ist der Schalter für die motorische Nachführung
integriert. Er steht ganz leicht hervor und wird somit von der
Auflageplatte des Fotostativs gequetscht. Man vermeidet das durch
des Einlegen von zwei Unterlegscheiben pro Schraube als Distanzringe.
Dadurch sitzt der Schalter etwas tiefer im Gehäuse. Die Batterie
für den Motor kann durch das Abnehmen der Bodenplatte gewechselt
werden.
Das Meade ETX 90 in parallaktischer Aufstellung. Es gibt drei
kurze Stangen, die mit der Basis der Gabelmontierung verschraubt
werden können. Dadurch entsteht ein Stativ. Die vordere Stange
ist flexibel in der Länge einstellbar, um den richtigen Neigewinkel
für die erdachsparallele Aufstellung zu realisieren.
Das Teleskop wird in der Gabel stramm von zwei großflächigen
Backen gehalten. Beim Anziehen der Schrauben ist Vorsicht angebracht,
das sich die Gewinde in dem Kunststoffmantel lösen können.
Bei diesem Exemplar ist ein Gewinde unbrauchbar geworden. Man
sollte die Schrauben immer vorsichtig anziehen. Im Prinzip reichen
insgesamt zwei Schrauben, um das kleine, leichte Teleskop fest
zu halten.
Größenvergleich:
Das Meade ETX 90 neben einem senkrecht stehendem Vixen R114M Newton
Tubus und einem Vixen R135S Newton auf einer Vixen GP-E Montierung
mit Stativ. Die Newtons sind gewiß keine großen Teleskope
und gelten in der Form als gut transportabel, doch schlägt
das kleine Meade Teleskop die Vixens in dieser Hinsicht um Längen.
Benutzt man das Meade ETX 90 ohne die Gabelmontierung als Spektiv
wird man in der Größenklasse optisch nichts besseres
finden. Es ist ideal für Urlaube mit geringer Gepäcktransportmöglichkeit.
Das Meade ETX 90 wird mit einer leicht gepolsterten Tragetasche
und Umhängeriemen geliefert. Bei Reisen sollte man zur Sicherheit
einen Pullover oder ein Handtuch um das Teleskop wickeln. Dafür
ist die Tasche groß genug.
Die kompakte Bauweise verlangt aber Zugeständnisse: Die Fokussierung
erfolgt über das Verschieben des Hauptspiegels. Das geht
praktisch shiftingfrei, kein Vergleich mit dem Hin- und Herspringen
der Bilder wie in den größereren Schmidt Cassegrain
Teleskopen. Aber der Fokussierknopf sollte größer und
nicht so leichtgängig sein. Da das Fokussieren unter Umständen
mit kalten, durchfrorenen Händen erfolgt, ist der sensible
kleine Drehknopft nicht so ideal.
Zudem gehört zu dem Teleskop ein kleines Sucherfernrohr,
welches störend nahe am Okular befestigt ist. Man kann darauf
verzichten und sich mit einem 30 bis 40 mm Okular zum Suchen der
Objekte behelfen. Alternativ könnte man vorne auf dem Tubus
die Basis für einen Leuchtpunktsucher befestigen. Ein Telrad
wäre zu groß.
Leistungsfähigkeit:
Das 90mm Maksutov ist aufgrund seiner Öffnung und der relativ
langen Brennweite kein Spezialist für lichtschwache Deep
Sky Objekte. Aber für den Mond, die Sonne und Planeten wie
Mars, Jupiter und Saturn ist es ein hervorragendes superscharfes
Instrument ohne Farbsäume. Der Kontrast und die Schärfe
übertrifft die der gängigen 90mm Fraunhofer-Refraktoren
bei weitem. Ein gutes 80mm Apo wird bei gleichen Vergrößerungen
keine besseren Leistungen bringen. Das Meade stellt mit 90mm zu
1250mm (F: 13,9) relativ geringe Ansprüche an die Okulare.
Für Erdbeobachtungen ist es unglaublich gut. Mit einem 40mm
Okular erreicht man eine Vergrößerung von 31x mit einer
ca. 3mm durchmessenden Austrittspupille. Damit lassen sich scheue
Tiere, denen man nicht zu nahe treten möchte, ausgezeichnet
beobachten. Bei stärkerer Vergrößerung von Erdobjekte
wird die flirrende Luft problematisch sein. Bei ruhiger, trockener
klarer und transparenter Luft sind Vergrößerungen bis
180x möglich. Damit sind an den oben genannten Objekten schon
allerhand Details zu erkennen.
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