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Celestron Comet Catcher

Thomas Gade - September 2012

1982 brachte Celestron den 'Comet Catcher' (Kometenfänger) auf den Markt. Der kompakte Schmidt-Newton Reflektor hat eine Öffnung von 140mm (5,5 inch) und 500mm Brennweite. Durch das geringe Öffnungsverhältnis von f 1: 3.64 ist das Teleskop sehr lichtstark.

Der Celestron Comet Catcher hat einen sphärischen Hauptspiegel aus Pyrex, der ca. 23mm dick ist. Frontseitig befindet sich ein asphärischer Schmidt-Korrektor. Das optische Design mindert die Nachteile eines Newtons mit einem derart geringen Öffnungsverhältnis. Über ein wesentlich größeres Bildfeld bleiben die Sterne kleine Punkte ohne einen Schweif zum Rand hin zu bilden. Die sogenannte Koma ist ein Problem von Newton-Spiegelteleskopen mit sphärischen Spiegeln und geringen Öffnungsverhältnissen. Glaubt man den Angaben von Celestron aus der damaligen Zeit, war der Comet Catcher das einzige Amateurteleskop mit dieser Technologie.

Der Name dieses Teleskops, Kometenfänger, deutet darauf hin, dass dem Benutzer ein Gerät mit einer relativ kurzen Brennweite und großer Öffnung zur Verfügung gestellt wird. Für die visuelle Suche nach Kometen sind lichtstarke Teleskope notwendig, die bei Vergrößerungen um 15-30 mal einen relativ großen Himmelsausschnitt kontrastreich und scharf darstellen. Diesem Anspruch soll der Comet Catcher entsprechen.

Ein zu diesem Zweck gebauter Refraktor hat üblicherweise ein achromatisches Objektiv, welches nur im niedrigen Vergrößerungsbereich eine Abbildung bietet, die nicht unter den Farbfehlern von Achromaten mit kleinen Öffnungsverhältnissen leidet. In den 1980'er Jahren war an den Bau eines solchen Teleskops als Apo-Refraktor mit ED-Gläsern nicht zu denken. Es wäre für die Zielgruppe dieses Teleskops unerschwinglich gewesen.






Zum Teleskop gehört ein stabiler Deckel aus Metall.

Der Fokussierer besteht aus einem Schlitten, mit dem der Objektivtubus vor und zurück bewegt wird.


Technische Daten

Optisches Design Schmidt-Newton
Öffnung 5,5 Inch / 14cm
Brennweite 500 mm
Öffnungsverhältnis 3,64
Material Glas (Pyrex) / Tubus aus Aluminium
Länge 49cm
Gewicht 2,95kg

Celestron nennt einige Daten:
    Anmerkungen:
Standard Vergrößerung 28x Mit 18mm Okular erreichbar
Blickwinkel mit 28x 1,6 Grad Das ist vom Okulartyp abhängig.
Sinnvolle Vergrößerungen 18 - 330x Im amerikanischen Prospekt*
Sinnvolle Vergrößerungen 18 - 125x Im Deutschen Flyer

* "Useful Magnification Range: 18-330 power"


An der Unterseite des Teleskops befindet sich eine Platte mit einem Stativgewinde.


Der Fangspiegel ist mit einer Stange am Schlitten des Fokussierers befestigt. Oben das Okular und unten der Fangspiegel, der Schlitten kann beim nach oben geneigten Telekop durch das Gewicht rutschen. Deswegen befindet sich am Fokussierer eine Feststellschraube, mit der eine Klemmung nach dem Scharfstellen erfolgt. Sie bremst den Schlitten und verhindert das Durchrutschen.



Die Rückseite des Teleskops ist nicht flach, sondern gerundet. Die Schrauben zum Justieren sind gut erreichbar.

Optische Qualität

Bei der Beurteilung der optischen Qualität lassen wir die Kirche im Dorf. Das Teleskop hat keinen Sucher. Sein Fokussierer ist nicht feinfühlig genug, um die im amerikanischen Prospekt genannte Vergrößerung von 330x zu erreichen. Auf den Prospektabbildungen wird der Comet Catcher auf Fotostativen mit besseren Schwenkköpfen dargestellt. Celestron schreibt zur Vergrößerung: "Standard Magnification: 28 power"

Mit verschiedenen Okularen wurden tagsüber filigrane Industrieanlagen und Häuser in Berlin beobachtet.
Zeiss - Ortho 4mm 125x sehr gut
Baader - Eudiaskopic 7,5 mm 67x  
Celestron - Ortho 12,5 mm 40x  
Wachter - Kellner 17mm 29x unbrauchbar
Celestron - Ortho 18mm 28x gut
Zeiss - Huygens 25mm 20x unbrauchbar
TS-SW (wie Goldkanten) 20mm 25x  
Celestron - Plössl 26mm 19x sehr gut
Baader - Eudiaskopic 30 mm 17x gut

Bei Annäherung an das Okular ist mittig oder seitwärts auswandernd ein dunkler Fleck feststellbar. Ob Astronomen den nachts ebenso deutlich feststellen wie bei unseren Tageslichtbeobachtungen ist zu bezweifeln, es sei denn, sie beobachten den Mond. Ist das Bild scharfgestellt und die beste Position für das Auge gefunden, ist die Abbildung klasse und der Fleck verschwunden, doch gelingt das nicht mit jedem Okular. Für Beobachter, die überwiegend mit Systemen im Rahmen von F 1:10 bis 1:15 oder größer arbeiten, und es gewohnt sind, dass so ziemlich alle Okulartypen brauchbar sind, ist das überraschend.

Der zentrale "dunkle Fleck" taucht bei hochobstruierten Teleskopen auf, wenn die Abbildung des Fangspiegels im Okular größer ist als die Pupillenweite. Tagsüber verkleinert sich die Pupille durch die Helligkeit. Daher ist der 'dunkle Fleck' sichtbar. Nachts ist die Pupille wegen der Dunkelheit weiter geöffnet. Dadurch fällt die Abschattung nicht auf. Tagsüber, bei großer Helligkeit, ist dieses Teleskop bei geringen Vergrößerungen durch die geringe Pupillenweite kritisch.

Ergebnisse bei Tageslicht

Mit dem Zeiss Ortho 4mm konnte hervorragend beobachtet werden. Der dunkle Fleck tauchte gar nicht erst auf. Die Abbildung war qualitativ hochwertig und von Farbsäumen, wie sie ein Achromat mit geringem Öffnungsverhältnis hinlänglich gezeigt hätte, war nicht zu sehen.

Das Celestron Plössl 26mm bot ebenfalls ein hervorragendes Bild. Zwar musste bei dem Okular eine günstige Einblickposition gefunden werden, doch war das verhältnismäßig leicht. Dann gab es mittig keine dunkle Zone und das Bild war von Rand zu Rand in Ordnung.

Beobachtungsversuche mit dem 17mm Kellner Okular von Wachter oder dem 25mm Huygens von Zeiss waren zwecklos. Es gelang nicht, eine gute und einhaltbare Einblickposition zu finden. Diese Okulare waren für diesen Teleskoptyp nicht geeignet.

Das Baader Eudiaskopic 30mm lieferte mit diesem Teleskop ein unglaublich helles Bild mit brillanter und scharfer Abbildung. Dafür war die exakte Einblickposition zu finden, sonst geisterte der schwarze Fleck durch das Bild. Der Einsatz des Gummiwulstes am Okular als Hilfe zum Beibehalten der besten Einblickposition ist unbedingt empfehlenswert.

Der Test geriet mehr zu einem Ausprobieren von Kombinationen aus Okularen und dem Teleskop. Einge davon waren gut und andere unbrauchbar. Alte Designs wie Kellner und Huygens, die am Refraktor mit großen Öffnungsverhältnissen gut eingesetzt werden konnten, waren an diesem System vollkommen unbrauchbar. Aber das ist nichts Ungewöhnliches. Ein derart lichtstarkes Systems stellt besondere Anforderungen.

Brillenträger werden mit dem Celestron Comet Catcher höchstwahrscheinlich nicht zurecht kommen. Der Einblick ist viel zu delikat und die beste Einblickposition ist nahe am Okular.

In der richtigen Kombination ist das Teleskop ein sehr interessantes Instrument, um den Sternenhimmel großflächig zu mustern. Etwas Übung ist nötig, um den Celestron Comet Catcher optimal zu verwenden.

Ergebnisse in der Nacht

Unter dem nächtlichen Himmel war das Beobachten mit dem 26mm Plössl von Celestron sehr schön. Ich fand es angenehmer als mit dem 18mm Ortho von Celestron. Der große Himmelsausschnitt und die punktförmigen Sterne bis dicht an den Rand sind klasse beim Mustern des Himmels. In der Dunkelheit mit weit offener Pupille ist der bei Tage unter Umständen zu sehende schwarze Fleck kein Thema. Der Celestron Comet Catcher ist unter diesen Umständen ein hervorragendes Teleskop.

Fazit


Der Celeston Comet Catcher wird namentlich und visuell völlig korrekt dargestellt. Es kommt im Vergrößerungsbereich zwischen 18x bis 125x zum Einsatz. Im niedrigen Vergrößerungsbereich ist keine astronomische Montierung nötig. Ein gutes Fotostativ mit Videokopf oder mittlerem Kugelkopf ist ideal. Wer einen schönen Blick auf den Andromedanebel werfen möchte, ohne ihn nur als ein diffuses, kaum vom Hintergrund abgehobenes Fleckchen zu sehen, wird am Comet Catcher seine Freude haben. Das Mustern der Milchstraße bei ca. 20 bis 30x ist aufgrund der hohen Lichtstärke und des weiten Blickfelds ein Genuß. An anderer Stelle berichtet ein Amateurastronom, dass er sich den Celestron Comet Catcher zu diesem Zweck beim Sitzen auf den Schoß stellt und ohne Stativ beobachtet. Auch behauptete er, dass er dieses Teleskop niemals abgeben würde. Diese Meinung teilen andere amerikanische Astronomen in den Foren.

Auf jeden Fall ist dieses Instrument denjenigen zu empfehlen, die den Himmel großflächig mustern wollen und sich dafür irgendwohin begeben müssen. Transportabler ist ein 140/500mm System kaum zu machen.

Das Teleskop wurde 1982 auf den Markt gebracht. Mittlerweile gilt es als Rarität und Sammlerobjekt. Es wird nicht häufig im guten Zustand auf dem Markt zu finden sein. Eine Comet Catcher im orangen Tubus scheint unter Kennern gesucht zu sein. Vor einigen Jahren wurden auf Astromart und anderen US-Gebrauchtmärkten ein paar angeboten. Bis 2008 bewegte sich der Preis um die 240 € für den Tubus. Später wurden 300 € und mehr verlangt. In Deutschland testete jemand, ob die 400 € Marke überschritten werden konnte. Das klappte nicht. Vermutlich sind 300 € für ein gut erhaltenes Exemplar mit dem damals mitgelieferten Celestron Ortho 18mm korrekt angelegt.

Tags: Celestron Comet Catcher, Schmidt -Newtonian, Reflektor, organger Tubus

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