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Celestron C90 orange

Thomas Gade - 2014



Das klassische Celestron C90 wurde 1978 eingeführt. Es ist ein kompaktes Instrument, das als Teleskop, Spektiv, Teleobjektiv und Nachführfernrohr verwendet werden kann. Das C90 ist ein Maksutov mit einer öffnung von 90mm und 1000mm Brennweite. Das entspricht einem öffnungsverhältnis von ca. 1:11. Als Teleobjektiv hat es die Blende 11.

Der 5x24 Sucher wirkt am kompakten Tubus des Hauptinstruments viel zu groß. Doch für 1000mm Brennweite ist er nützlich, um das Teleskop auf ein Motiv zu richten. An der Unterseite des Tubus befindet sich ein Sattel mit einem Fotostativgewinde.

Technische Daten

Teleskoptyp Maksutov Cassegrain
öffnung 90 mm
Brennweite 1000 mm
Länge
20 cm
Durchmesser 12,7 cm
Gewicht 1,3 kg
Okularanschluss SC-Gewinde


Die Fokussierung erfolgt durch das Drehen des schwarzen Rings, wodurch der Abstand des orangen Tubus mit der Meniskuslinse und dem Hauptspiegelhalterung verändert wird. Wenn es schwierig wird, den Ring zu drehen, dürfte nach vielen Jahren das Fett verharzt sein.





90mm Maksutov-Cassegrain


Die Questar Corporation landete mit ihrem 90mm Maksutov-Cassegrain, das 1954 auf den Markt kam, den großen Wurf. Dieses erste in Serie (bis 2000) produzierte Teleskop wurde rasch legendär und erzielt bis heute (gebraucht) hohe Preise. Meade Instruments brachte 1996 ein 90mm Maksutov heraus, das baulich dem Questar ähnelte, doch hinsichtlich seiner Fertigung mit Kunstoffteilen auf einem niedrigeren Niveau lag. 1978 hatte Celestron bereits in dieselbe Kerbe geschlagen und sein kleines oranges C90 vorgestellt. Es kostete damals mit einer einarmigen Montierung soviel wie ein 8" Schmidt-Cassegrain von Criterion. Doch war es viel billiger als das 3,5" Questar.
Das Celestron C90 hat ein Fokussiersystem, durch das der vordere Teil mit dem Meniskus rotiert. Im Grunde widerspricht dies der üblichen Konstruktionstheorie, dernach die Positionierung des Hauptspiegels und des Meniskus nicht durch die Rotation eines Elements verändert werden darf.

1978 waren 0,96" Okulare an vielen Teleskopen üblich, wenngleich nicht an den Schmidt-Cassegrains amerikanischer Produktion oder an den Questars. Daher war es ungewöhnlich, dass das C90 mit einem Anschluss für die kleinen 0,96" Okulare geliefert wurde.


Der 'Damenkoffer' für das kleine Teleskop.

Celestron C90 als Teleskop

Astronomisch ist das C90 vor allem zum Beobachten der Sonne, des Mondes und der Planeten Jupiter und Saturn interessant. Für Deep Sky ist es zu lichtschwach. Der sinnvolle Vergrößerungsbereich liegt zwischen 50 bis 150x. Eine gute Bildqualität scheitert oft an minderwertigen 0,96 Zoll Okularen. Doch mit guten Okularen ist die Abbildung ausgezeichnet. Wir haben es mit Orthos von Carl Zeiss Jena ausprobiert.



Celestron C90 als Spektiv

Das Celestron C90 kann mit Hilfe eines Amiciprismas, das für ein aufrechtes und seitenrichtiges Bild sorgt, als Spektiv verwendet werden. Mit 90mm öffnung ist es lichtstark für Vergrößerungen, die üblicherweise in der Naturbeobachtung oder von Sportschützen verwendet werden. Bei 1000mm Brennweite bräuchte man ein 50mm Okular, um 20x zu vergrößern. So ein Okular gibt es nicht in Dimensionen für dieses Teleskop. Um lange Okularbrennweiten sinnvoll verwenden zu können, ist ein Adapter von 0,96" auf 1,25" nötig. Dann ist ein handelsübliches Plössl-Okulare mit 32mm einsetzbar, mit dem ca. 30x vergrößert wird.

Celestron C90 als Teleobjektiv


Das Celestron C90 kann gut als Teleobjektiv für irdische Motive verwendet werden. Die Kamera wird über einen Tubus mit T2 Anschluss und dem entsprechenden Kameraadapter mit dem Teleskop verbunden. Diese Kombination hat 1000mm Brennweite mit einer öffnung von 90mm. Durch die Abschattung des Fangspiegels entspricht dies nicht ganz der Lichtstärke der Blende 11. Sinnvoll ist der Einsatz eines 1000mm Teleobjektivs bei ruhiger klarer Sicht. Die Luft darf nicht flimmern.#
Das Hauptproblem ist die Beschaffung des T2-Adapters, denn das Gewinde des alten Celestron C90 hat eine andere Steigung als die modernen Gewinde mit dem gleichen Durchmesser.

Fazit


Gebraucht ist das kleine Teleskop im guten Zustand gebraucht für 100 bis 150 € zu erhalten. Ein neues Maksutov mit 90mm öffnung kostet ca. 160 €. Moderne Versionen haben den 1 1/4 Zoll Anschluss für okularseitiges Zubehör. Daher stellt sich die Frage, ob einem neuen 90mm Maksutov oder dem alten Instrument von Celestron der Vorzug gegeben werden soll. Wer ein kleines Teleskop haben möchte, das ohne weiteres Zubehör mit dem üblichen 1 1/4 Zoll Zubehör harmonisiert, ist mit einem neuen Maksutov besser bedient.

Doch ist das alte Celestron C90 keine schlechte Wahl. Es sieht interessant aus und hat eine gute Optik.
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