Im Jahre 2002 erschienen Flachbettscanner
mit Möglichkeiten, die bisher wesentlich teureren Profigeräten
vorbehalten waren. Zu ihnen zählt der EPSON PERFECTION
2450 PHOTO Flachbettscanner mit Durchlichteinheit und einer
optische Nennauflösung von 2400x4800 dpi. In Fotokreisen
fiel dieses Gerät auf, da es offenbar alle Vorlagen vom
20x30 Print abwärts über 4x5 inch Großformatfilme
bis hin zum Kleinbildformat in hoher Qualität scannen
soll.
Man meint den langersehnten, bezahlbaren Scanallrounder
vor sich zu haben, der es erlaubt, die konventionelle
Dunkelkammer ein für allemal zu schließen.
Doch gibt es Mängel, die diese Meinung trüben.
Zunächst einmal ist die Durchlichteinheit nicht
vollflächig. Sie ist zu schmal, um digitale Kontaktabzüge
von Filmen anzufertigen. Der Epson-Treiber gibt in der
Durchlichtoption nur den 4x9 inch Korridor frei, sodass
es nicht möglich ist, sich mit einer großflächigeren
Beleuchtung (Leuchtkasten) zu behelfen.
Auf der Verpackung wurde mit der neuen Schnittstelle
USB 2.0 geworben, die bis dahin kaum bekannt war. Das
war schlecht für die Benutzer von Windows 9x oder
Apple Systemen. Für Windows XP und 2000 war ein
Update zur Aktivierung des USB 2 Modus notwendig. Obwohl
der Scanner seit Anfang 2002 auf dem Markt war, gab
es lange kein entsprechendes Update für die deutschen
Versionen. Somit war es ausgeschlossen, den High Speed
Modus zu erreichen. Im September 2002 wurde das Servicepack
1 für Windows XP angekündigt, welches Abhilfe
schaffen sollte. Daneben hat der Scanner eine Firewire-Schnittstelle.
Eher versteckt war zu lesen, dass der Scanner auch
an USB 1.1 anzuschließen ist. Das durfte man damals
nicht als bekannt voraussetzen. Die ersten Versuche
konnte ich im März 2002 mit USB 1 unternehmen.
Der verwendete Computer hatte einen 1400 Mhz Prozessor
auf einem Elitegroup K7S5A Board. Die übrigen Bestandteile
waren auf einem ähnlichen Stand. In dem PC befanden
sich drei große Festplatten mit jeweils einer
bootfähigen Partititon. Auf einer war ein Windows
98SE System, auf der zweiten Windows ME und auf der
dritten Windows XP installiert. |
 |
Technische Daten (auszugsweise
laut Epson)
| Scanmethode |
single pass |
| max. Scanbereich |
216 x 297 mm (für Aufsichtsvorlagen!) |
| Optische Auflösung |
2400 x 4800 dpi |
| Farbtiefe |
48 Bit |
| Optische Dichte |
3,3 D |
| Geschwindigkeit |
Monochrom: 3,8 ms/Zeile
Farbe: 11 ms/Zeile |
| Abmessungen |
304 x 476 x 122 mm (B x T x H) |
| Gewicht |
5,8 kg |
| Unterstützte Betriebssysteme |
Windows 98
Windows Me
Windows 2000
Windows XP
> Mac OS Classic 8.1 |
Installationsprobleme
Der EPSON PERFECTION 2450 PHOTO ließ sich
unter Windows Millenium und Windows 98SE zunächst
nicht installieren. Zwar wurde der Epson Scanner ohne
Fehlermeldung in der Geräteliste angezeigt und
die Epson Twainsoftware ohne Gemeckere aktzeptiert,
doch ließ er sich nicht ansteuern. Lag es an
der "falschen" Schnittstelle? Eine Firewirekarte
wurde angeschafft. Mit dem gleichem negativen Erfolg
wurde eine USB 2.0 Karte eingesetzt. Das war seltsam,
da der PC unter allen Betriebssystemen keine Schwierigkeiten
mit einem Nikon LS 2000 und diversen Agfa Flachbettscannern
hatte. Die darauf fällige Kontaktaufnahme mit
dem Epson-Support verlief völlig unbefriedigend.
Bereits das Emailformular auf der Supportseite hatte
nur ein kleines unübersichtliches Texteingabefenster.
Zusätzlich wurden viele Informationen zum PC-System
abgefragt. Nach dem Absenden des Formulars ging keine
Kopie als Beleg an den Absender. Die lächerlichen,
nichtsagenden Antworten möchte ich nicht wiedergeben.
Recherchen im Internet führten zu hilfreichen
Hinweisen, um den Epson unter Win ME und Win 98SE
anzuschließen. Dazu war jeweils eine Neuinstallation
des Betriebssystems und die Einbindung des Scanners
vor dem Aufbau meines üblichen Programmixes erforderlich.
Das Installieren unter Windows XP erfolgte problemlos.
Scanergebnisse
Die Tests erfolgten mit Windows XP. Der EPSON PERFECTION
2450 PHOTO erwies sich als hervorragender Scanner für
Aufsichtsvorlagen. Man kann mehrere Bilder auf die Glasplatte
legen. Sie werden vom Scanner automatisch als einzelne Bilder
erkannt. Zudem stellt der Scanner schief aufgelegte Bilder
gerade. Das erlaubt eine sehr zügige Arbeitsweise. Die
Ergebnisse sind tadellos.
Im Durchlichtmodus ließen sich schwarzweiße Negativglasplatten
bei 1200 dpi mit erfreulichen Ergebnissen abtasten. Die
Schärfe war in Ordnung und die Tonwertkurve vorbildlich.
Es gab keine Tonwertabrisse in den Lichtern und Schatten.
Allerdings war die Geschwindigkeit im Durchlichtmodus enttäuschend.
Es dauerte mehrere Minuten, bis eine transparente 9x12cm
große Schwarzweißvorlage gescannt war.
Das Scannen von Kleinbildfilmen brachte Dateien mit sehr
guten Farben und Tonwerten. Ein Vergleich mit Scans aus
einem Nikon LS 2000 Filmscanner zeigte in dieser Hinsicht
überraschend gute Ergebnisse des Epson Flachbettscanners.
Bildrauschen, das sich besonders gerne in Schattenpartien
bemerkbar macht, war kaum wahrnehmbar. Leider hielt die
Bildschärfe nicht mit. Die Detailauflösung von
feinen Strukturen kommt nicht annähernd die Fähigkeiten
des Nikonscanners heran. Eine echte optische Auflösung
von 2400 dpi müßte mehr Details bringen. Ein
weiteres Manko war die Scanzeit. Sie war mit ca. 4-5 Minuten
bei 2400 dpi pro Kleinbildnegativ viel zu lang. Aus diesem
Grund habe ich Scanversuche mit einer Einstellung von 4800
dpi gar nicht erst ausprobiert.
Epson erklärt die langen Scanzeiten mit dem Abtastelement,
welches eine Mindestlichtmenge benötigt, um gute Scans
mit geringem Rauschen zu liefern. Die Lichtmenge der Durchlichteinheit
sei begrenzt, da eine höhere Lichtausbeute mit einer
stärkeren Erwärmung der Filme verbunden sei. Um
das Material zu schonen, ist eine wesentlich geringere Scangeschwindigkeit
notwendig. In der Computerzeitschrift Chip, Ausgabe 5/ 2002,
berichtete ein Leser über ähnlich schlechte Erfahrungen
mit der Geschwindigkeit und dem Epson Support. Man hatte
ihm als Lösung empfohlen, anstelle seines HP Druckers,
der ebenfalls über USB angeschlossen war, einen Epson
Drucker zu verwenden.
Fazit
Der Epson 2450 Photo ist ein sehr guter Scanner für
Aufsichtsvorlagen, für Filme jedoch nur mit einem
hohen Zeiteinsatz und nicht so hoher Auflösung wie
erwartet, verwendbar. Die Schnittstellen haben keinen
Einfluß auf die Scangeschwindigkeit. Die von mir
getätigten Investitionen für die USB 2- und
Firewirekarten waren überflüssig. Eine USB 1
Schnittstelle ist genauso schnell. Als der Scanner auf
dem Markt erschien, war nicht nachvollziehbar, warum Epson
die bewährte SCSI-Verbindung zugunsten noch nicht
unterstützten Technik verabschiedet hat. Aus heutiger
Sicht und Erfahrungen mit den Nachfolgern Epson Perfection
3200, dann 4870 und inzwischen dem 4990, ist klar, dass
der Epson 2450 Photo ein experimenteller Scanner war.
Ich habe mit etlichen älteren und neuen Scannern
von Epson gute Erfahrungen gemacht. Seit Jahren setzte
ich sie in ABM-Projekten täglich mehrere Stunden
ein. Wenn einer ausfiel, dann nur nach ruppigen mechanische
Beanspruchungen bei Umzügen. Der Epson 2450 Photo
fällt aus der Reihe. Sollte man auf dem Gebrauchtmarkt
nach einem filmtauglichen Scanner suchen, sollte man ihn
meiden. Die Nachfolger sind relativ günstig zu haben
und wesentlich besser.
Wer Kleinbildfilme in guter Qualität scannen möchte,
wird mit dem Epson Perfection 2450 Photo nicht zufrieden
sein. Die Auflösung ist zu gering. Mittelformate und
Planfilme scannt der Epson mit passablen Ergebnissen. Ein
guter 1200x2400 Scanner (Linotype Ulta Saphir II) mit vollflächiger
Durchlichteinheit ist günstiger und dürfte für
die meisten Verwendungszwecke genauso gut geeignet sein.
Scanner für Aufsichtsvorlagen sind bereits ab 70 Euro
erhältlich. Zudem gibt es bei ebay attraktive Gebrauchtgeräte.
Der EPSON PERFECTION 2450 PHOTO kostete stolze 450 €.
Für das Geld gab es professionelle Alternativen, wie
z.B. den Alpha Vista II von Umax (baugleich mit dem Agfa
Arcus 1200). Er hat eine Din A4 große Leuchtfläche.
Filme können glaslos gescannt werden (weniger Staubprobleme,
bessere Qualität). Trotz der maximalen optischen Auflösung
von 1200x2400 dpi ist die Detailauflösung bei einer
Einstellung von 2400 dpi bei beiden Scannern ähnlich.