|
|
Tamron SP 2,5 / 90mm und
2,8 / 90mm Makroobjektiv
Das 90mm Tele-/Makroobjektiv gehört zu
den legendären Objektiven von Tamron. Ohne
Adaptall-Adapter gehört das 90mm Tele-/Makroobjektiv
in einer modernenen Autofokusversion noch immer
zur Produktpalette von Tamron.
Es gibt diverse Tamron SP Makroobjektive mit
90mm Brennweite. Die beiden älteren Modelle
haben eine Anfangsöffnung von 2,5 und können
ab 39cm scharfgestellt werden, was einem Abbildungsmaßstab
von 1:2 entspricht. Die jüngeren Versionen,
Tamron 2,8 / 90mm erreichen den Abbildungsmaßstab
1:1. Das alte 52B hat eine 49mm Filterfassung,
und die Nachfolger 55mm.
Die älteste Version hat die Bezeichnung
52B und wurde von 1979 bis 1988 hergestellt.
Der Nachfolger heißt 52BB und wurde vom
Design her überarbeitet, sieht moderner
aus und hat zwischen dem Blenden- und Fokussierring
einen Plastikring. Das krude Design der Vollmetallfassung
der älteren Version macht den stabileren
Eindruck. Die 2,8/90mm Objektiv haben Fassungen
mit vielen Kunstoffelementen und sind leichter
als ihre Vorgänger.
Die Fokussierung erfolgt manuell über
breite, griffige Ringe, die sich sauber und
butterweich drehen lassen. Beim Scharfstellen
ist spürbar, dass in den Objektiven solide
und exzellent zu bedienende Mechanik steckt.
Das gilt besonders für die alten Versionen.
Autofokus?
Fehlanzeige; es gibt keinen. Der Autofokus
ist am Makroobjektiv eher hinderlich. Daher
wird man ihn nicht vermissen. Man stellt per
Hand scharf und bewegt sich leicht nach vorne
oder hinten, um die Schärfe im Nahbereich
genau auf die gewünschte Zone zu setzen.
Das geht mit dem Autofokus meistens gar nicht,
weil er häufig auf einen Punkt scharfstellen
möchte, wo dies nicht gewünscht ist.
Daher schalten viele Fotografen den Autofokus
an modernen Makroobjektiven aus, weil er ohnehin
nur nervt.
Aus diesem Grund ist die Anschaffung eines
gebrauchten Tamron SP 90mm Makros aus dem Adaptallsystem
keine schlechte Sache. Es handelt sich um ein
lichtstarkes Spezialobjektiv, das an modernen
DSLRs ohne Vollformatsensor dem früher
üblichen 135mm Teleobjektiv entspricht
und hervorragend als Porträt- und Makroobjektiv
einsetzbar ist. Mit Sicherheit wird es den 18-200mm
Alleskönner nicht aus der Fototasche verbannen
aber eine hervorragende Ergänzung darstellen.
Und es ist ein angenehmes Gefühl, zu wissen,
das dieses Objektiv auch einen Systemwechsel
mitmacht bzw. systemübergreifend verwendet
werden kann.
Filmtauglich?
Die aktuellen DSLRs sind nicht nur Fotoapparate
sondern auch Filmkameras, die Filme in hoher
Qualität erzeugen können. Dabei gelten
andere Kriterien als in der Fotografie. Das
manuelle Nachführen der Schärfe beim
Schwenk bzw. bei der Verlagerung der Schärfe
im Standbild vom nah nach fern geht am besten
mit Objektiven, die feinfühlige und gut
zu handhabende Scharfstellringe haben. In dieser
Hinsicht sind viele moderne Autofokusoptiken
mit einem kümmerlichen dünnen Scharfstellring,
der viel zu leicht dreht und zu stark auf geringfügige
Drehungen reagiert, eher ungeeignet. Wir haben
mit dem Tamron 2.5 / 90mm 52BB an einer Pentax
K7 auf einem Fluidkopf von Velbon in einem Raum
schwenkend gefilmt und laufend per Hand fokussiert.
Das ging prima, vor allem im Vergleich mit ähnlichen
Experimenten mit dem Tamron XR 18-200mm Autofokus
Zoom oder dem Pentax 18-55mm Zoom.

Tamron SP 2,5 / 90mm (52BB) an einer Pentax
K20D, |
| |
 |
 |
Tamron
SP 90mm 1:2.8
Das Tamron SP 90mm 1:2.8 (72B) hat ein
Kunstoffgehäuse. Die Fokussierung
ist leichtgängig. Der Tubus mit der
Optik hat mehr Spiel als die früheren
Varianten. Richtet man das Objektiv nach
oben, kann sich die Scharfstellung verändern,
weil der leichtgängige Fokussiermechanismus
nicht genug Widerstand aufweist, um die
Optik an Ort und Stelle zu halten. Sie
rutscht allmählich nach unten durch.
Die Blendenwerte und
sonstigen Beschriftungen sind auf den
Tubus gedruckt, was insbesondere beim
Blendenring irgendwie billig wirkt im
Vergleich mit den früheren Metallringen
mit eingravierten Zahlen. Etwas merkwürdig
mutet bei diesem Objektiv die beigelegte
klobige Sonnenblende an, die angesichts
der tief im Objektivtubus versenkten Frontlinse
absolut sinnlos erscheint.
Im Gegensatz zu seinen
Vorgängern, erreicht dieses Objektiv
einen Abbildungsmaßstab von 1:1.
Schon 1:2 sind 90mm Brennweite aus der
freien Hand kaum zu verwenden, weil alleine
durch das nach vorne und hinten Wackeln
des Fotografen ein präzises Scharfstellen
und –halten kaum möglich ist.
Die Schärfentiefe ist äußerst
gering. Das im Fokus behalten eines anvisierten
Gegenstands ist schwierig. Daher stellt
sich die Frage, ob man die 1:1 in einem
billig wirkenden Tubus nicht besser gegen
einen Vorgänger, der nicht ganz so
nahe ans Motiv kommt und dafür einen
solideren Aufbau aufweist, eintauscht.
|

Die Frontlinse des Tamron SP 2,8 / 90mm
steckt tief im Tubus. Soll man dazu wirklich
noch die klobige starre Sonnenblende verwenden? |
 |
 |
|
| |
 |
| Größenvergleich,
von links nach rechts: Ein Tamron XR 18-200mm
neben dem Tamron SP 2,5 90mm (52BB) und
dem Tamron SP 2,8 / 90 mm (72B) |
Optische Leistung
Praktisch gibt es so gut wie keinen
Unterschied hinsichtlich der optischen Leistung
der 90mm Objektive. Sie sind allesamt gut. Sie
können getrost mit der Offenblende benutzt
werden, wenn die geringe Tiefenschärfe
ausreicht. Ab Blende 5,6 sind alle kritischen
Themen wie Vignettierung, chromatische Abberation
und Schärfe obsolet. Die Objektive sind
dann richtig gut. Man kann mit offener Blende
fotografieren, wenn die Bildgestaltung bzw.
die Lichtumstände dies erfordern, jedoch
ist dann die Tiefenschärfe im Makrobereich
sehr gering. Hier gibt es absolut nichts zu
meckern. Die Optiken sind spitze. Schon das
ältere Tamron 52B hat eine exzellente Optik
und ermöglicht scharfe brillante Bilder.
Bildbeispiele
 |
| Verdorrte kleine
Sonnenblume. Aufnahme mit Blende 8, Distanz
ca. 25 cm vom vorderen Objektivtubusende.
|
 |
Ausschnitt
aus dem Bild.
Dieses Motiv wurde sowohl mit dem Tarmon
SP 2,8/90mm (72B) und dem Tamron SP 2,5/90mm
(52BB) unter gleichen Bedingungen mit
verschiedenen Zeiten und Blenden aufgenommen.
Die Ergebnisse sind so ähnlich, dass
eine Unterscheidung praktisch sinnlos
ist.
|
 |
| Tamron SP 2,5
/ 90mm (52BB). 1/640 Sekunde, Blende 8,
Pentax K7 |
 |
| Ausschnitt aus dem Foto. Ungeschärft.
Die Schärfe und Detailauflösung
sind beeindruckend. |
|

Tamron SP 2,5 / 90mm (52BB). 1/1600 Sekunde,
Blende 7,1 Pentax K7 |
 |
| Ausschnitt aus dem Foto. Mittiger Bereich.
Ungeschärft. |
 |
Ausschnitt aus dem Bild. Linker Rand.
Ungeschärft. Chromatische Abberation
(Farbsäume) ?
|

Pentax K7, Blende 8, Belichtungszeit 1/200
Sekunde , 200 ISO |

Ausschnitt aus dem Bild. Ungeschärft.
Was will man mehr? |
|
Die aktuelle Version des Tamron SP 2.8
/ 90mm Makroobjektivs mit Autofokus kostet
derzeit ca. 370 €. Das Tamron SP
2.8 / 90mm Adaptall mit ausschließlich
manueller Fokussierung ist im guten Zustand
auf Gebrauchtmärkten für ca.
150 – 200 € zu bekommen. Auch
wenn die billig wirkende Oberfläche
der Fassung in Verbindung mit der exzellenten
Optik einen zwiespältigen Eindruck
erzeugt, ist das (gut erhaltene) Objektiv
einen Gebrauchtpreis in der genannten
Spanne wert. Mehr als 200 € sollte
man aber nicht ausgeben. Die Möglichkeit,
diese spezielle Optik mittels der Adaptall-Adapter
mit verschiedenen Kamerasystemen verwenden
zu können, ist sehr reizvoll.
Die älteren Varianten sind mit Glück
ab 90 € zu haben. Ein Preis um 140
€ ist für ein gut erhaltenes
Exemplar realistischer. In diesem Rahmen
sind diese Objektive spottbillig. Wenn
man auf den 1:1 Abbildungsmaßstab
verzichten kann, erhält man mit den
2,5/90mm Versionen Objektive, die besser
aussehen, einen angenehmeres Fokussierverhalten
haben und wertiger wirken. Gemessen an
den heutigen Preisen für hochwertige
Festbrennweiten, sind die Ausgaben für
90mm Tamron Adaptall Objektive lächerlich
und man erhält eine Spitzenoptik
mit einem angenehmen Coolness- und Neidfaktor.
Für die Objektive mit Abbildungsmaßstab
1:2 gibt es einen selten angebotenen Zwischenring
von Tamron. Sammler könnten auf die
Idee kommen, sich das kostbare Stück
zuzulegen. Darauf kann man echt verzichten,
denn das Ding wird jahrelang ungenutzt
in der Schublade liegen. Die Objektive
sind so, wie sie sind, für einen
weiten Anwendungsbereich verwendbar.
|
|
| Tamron Adaptall System |
Thomas Gade - Juni 2010 |
|
|
|
© Thomas Gade - Die Texte und Bilder sind urheberrechtlich
geschützt. Jeder Nachdruck und jede andere Veröffentlichung,
auch auszugsweise,
ist nur mit ausdrücklicher schriftlicher Erlaubnis des
Verfassers gestattet. Eine unauthorisierte Verwendung wird rechtlich
verfolgt. |
Für gute Tipps und Infos
können Sie sich mit einer Spende revanchieren:
|
|
|
|