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SilverFast

Ai - SE - HDR - DC - DCPro und Photo CD

Februar 2003 / mehrmals überarbeitet - 2017 © Thomas Gade

Scannen mit SilverFast

SilverFast ist ein Produkt von LaserSoft Imaging aus Kiel. In den 1990er Jahren fand die Entwicklung von legendären Scannern statt, die bis heute einen guten Ruf haben. Damals wurde auch die Software entwickelt, um Scanner mit Computern zu verbinden und durch diese zu steuern. Es wurden die Grundlagen für farbgetreues Digitalisieren, Drucken und Darstellen auf Bildschirmen entwickelt. Heute sind die damaligen Bemühungen um natürlich wirkende Farben vom Scannen bis zum fertigen Druck kaum noch vorstellbar.

LaserSoft entwickelte SilverFast, dessen erste Version im Jahr 1995 auf der CeBIT vorgestellt wurde. Anfangs gab es SilverFast nur für Hightech Scanner doch gelang es LaserSoft, seine Software mit immer mehr Scannen kompatibel zu machen und im Laufe der Zeit die Programme der Scannerproduzenten zu ersetzen. Sie müssen nur noch die Treiber liefern. Seit rund 2005 werden viele Scanner gleich mit SilverFast geliefert, manchmal zusätzlich zum Programm der Scannerhersteller, wie beispielsweise Epson.

Nicht nur um deutschsprachigen Raum wurde SilverFast allmählich zum Synonym für Scanner Software. Die englischsprachige Konkurrenz VueScan hatte mangels Übersetzung in die deutsche und andere Sprachen einen erheblich geringeren Bekanntheitsgrad. Diesbezüglich ist der Vorsprung von SilverFast kaum aufzuholen, weil die große Zeit des Scannens vieler Fotografien und anderer Vorlagen hinter uns liegt. Die digitale Fotografie hat längst die analoge verdrängt, sodass fast nur noch alte Vorlagen gescannt werden, aber kaum noch neue Negative und Dias produziert werden.

Versionen

LaserSoft passte SilverFast unterschiedlichen Einsatzgebieten an. So gab es SilverFast DC (SE / VLT / Pro / Pro Studio) zum Bearbeiten von Dateien aus Digitalkameras oder SilverFast PhotoCD für Bilddaten der Kodak Photo CD (PCD), die 1992 eingeführt wurde und rund 10 Jahre Bestand hatte, um dann allmählich nicht mehr angeboten zu werden.

Zum Scannen gibt es SilverFast vollumfänglich als SilverFast Ai und abgespeckt als SilverFast SE. Das 'Studio' upgrade fügt diversen SilverFast-Versionen u.a. eine Optimierung der Lichter- und Schattenzeichnung bei.

SilverFast HDR nutzt man zur Bearbeitung von Bilddateien auf der Festplatte. Dazu werden mit SilverFast Ai Rohdateien erzeugt, die anschließend mit HDR verarbeitet werden. Erstaunlicherweise gibt es keine RAW-Konverter Funktion in HDR. SilverFast befasst sich gar nicht mit den Rohdateien der Digitalkameras.

Marktübersicht

SilverFast gehört zu den zwei führenden Scanprogrammen, mit denen alle denkbaren Film-und Flachbettscanner bedient werden können. Der Konkurrent heißt VueScan.

Früher entwickelten die Scannerhersteller eigene Software zum Steuern ihrer Geräte. Agfa, Nikon und Linotype hatten sehr gute Programme, doch ergab sich im Laufe der Zeit, dass die Eingaben für die meisten Scanner gleich waren. Schon lange wird SilverFast mit vielen Scannern gebundelt, bei denen die Hersteller auf eigene Softwarelösungen verzichten.

Grundfunktionen eine Scanprogramms

Im Prinzip geht es immer darum, dem Scanner mitzuteilen, was für eine Art Vorlage (Negativ oder Positiv) zu digitalisieren ist, die gewünschte Auflösung, das Dateiformat und der Speicherort. Hinzu kommt die Option der infrarotbasierten Defekterkennung (Schmutz und Kratzer) nebst automatischer Retusche. Ein weiteres bedeutendes Feature ist ein guter Weißabgleich für farbstichige Vorlagen.

Mit SilverFast von LaserSoft (Deutschland) und VueScan von Hamrick Software (USA) gibt es zwei Scanprogramme, die generell für fast alle Scanner verwendet werden können.

SilverFast versus VueScan

1. SilverFast ist viel bunter als VueScan, das ein relativ schlichtes Design hat und seine Funktionen auf sechs Register verteilt, während SilverFast eine mit farbigen Symbolen und zunächst unverständlichen Abkürzungen versehene Oberfläche anbietet und manche Einstellungen durch zu viel aufwändige Grafik (und somit Ablenkung) verkompliziert. Welchem Konzept man den Vorzug gibt, ist Geschmackssache.


SilverFast - bunte Oberfläche

VueScan - schlichtes Design

2. VueScan kostet als Professional Edition rund 80 US$. Dafür gibt es zeitlich unbegrenzt kostenlose Updates und man kann die Software für die Gesamtheit aller mit VueScan steuerbaren Scanner verwenden und sogar Dateien verarbeiten. Laut Hamrick Software ist VueScan mit über 3000 Scannern (Stand Februar 2017) kompatibel.

LaserSoft hat ein vollkommen anderes Preismodell. Für jeden Scanner gibt es eine eigene SilverFast Version, die nicht mit anderen Scannen funktioniert. So kostet SilverFast Ai Studio 8.8 für den Filmscanner Nikon Coolscan 5000 ED stolze 449,- € (Februar 2017) und 299,- € für den Flachbettscanner Epson Perfection V750. Bei mehreren Scanner ist das ein heftiger Kostenfaktor. Die Oberflächen der verschiedenen Versionen sind nahezu identisch. Wer einmal die Bedienung von SilverFast erlernt hat, kann sein Wissen für alle Varianten anwenden.

Updates

Während VueScan mit kostenlosen Updates neue Betriebssysteme berücksichtigt, sind ältere SilverFast Versionen nicht mit den aktuellen OS kompatibel, doch die Updates sind kostenpflichtig. Beispiel: Die SilverFast Ai 6.5 für einen Reflecta DigitDia 5000 soll auf SilverFast 8.8 upgedated werden. LaserSoft bietet im Shop dafür SilverFast Archive Suite 8.8 (Ai Studio + HDR Studio) für 249,- € an.

Das Geld kann man sparen, denn viele gute Filmscanner wurden zwischen 1998 Jahre und 2005 gebaut. Seitdem hat sich diese Technik nicht wesentlich weiter entwickelt, sieht man von billigen modernen Geräten ab, die einen Aufnahmesensor enthalten, statt des Zeilenscanners. Es wäre längst möglich, bessere Scanner mit Aufnahmesensoren zu bauen, doch geschieht dies nicht.

Daher sind Scanner für Negative und Dias aus der Zeit um 2003 hinsichtlich ihrer Leistung und ihres Aufbaus bis heute unübertroffen. Die Software war bis 2005 ausgereift und kann heute nicht mehr als damals.

Dies sollte man berücksichtigen, wenn man einen älteren Scanner erwirbt, wie einen exzellenten Nikon Coolscan 5000, und in Betrieb nimmt. Möglicherweise ist die ältere SilverFast Version nicht mehr mit dem jüngeren Betriebssystem kompatibel. Doch Updates sind teuer. Kommen da noch ein oder zwei andere Scanner hinzu, wird die Modernisierung teuer.

Alter Computer mit Windows XP statt teures Update

Doch wozu der Stress? Es gibt billige gebrauchte Laptops für 100-150 € mit einer Leistung, die weit über der steht, die Computer zur Zeit der Einführung der Scanner hatten. Beispielsweise kostet ein Dell Precision M90 nur rund 100 € (Februar 2017) und bewältigt das Scannen spielend. Solche Geräte sind im Laufe der Zeit hochgerüstet worden. 2 bis 4 GB Ram kann man immer erwarten und einen Dual-Core Prozessor. Das reicht allemale zum flotten Scannen. Mit solchen älteren Laptops scannt man nicht langsamer als mit einem top aktuellen Computer. Als Betriebssystem nimmt man Windows XP.

Einwände wie die Sicherheit sei dadurch gefährdet, sind falsch und überflüssig, wenn man so ein Gerät ausschließlich zum Betrieb eines Scanners verwendet und nicht zum Online-Banking. Die Dateien lassen sich mit einer externen Festplatte, einem USB-Stick oder durch die Einbindung in ein Netzwerk (Anschluss an einen Router) übertragen. Letzteres verkompliziert den Vorgang. Mobile Speicher sind dagegen einfach zu verwenden.

Aus dem Grund kann man sich teure Updates sparen und kalkuliert beim Kauf eines Top-Scanners aus zurückliegenden Jahren eben den zusätzlichen Erwerb eines guten gebrauchten Laptops ein, der mit Windows XP zu betreiben ist.

Gutes Handbuch

Einsteigern sei an dieser Stelle mitgeteilt, dass der Vorgang des Scannens und die nachfolgende Bildbearbeitung ohne Grundlagenwissen wenig Sinn macht. Begriffe wie Tonwerte, Histogramm, Gradationskurve und andere gehören zum 1x1 der Bilddigitalisierung.

LaserSoft Imaging hat vorzügliche Handbücher im pdf-Format zum Download. Zudem gibt es Filme über diverse Anwendungen. Es ist ratsam, diese Informationen in Ruhe zu studieren, bevor man sich an die zeitaufwendige Aufarbeitung eines Archivs wagt. Wer sich diese Mühe macht, bekommt einen guten Einblick in die Möglichkeiten des Programms. Es fehlen aber Beschreibungen der konkreten Scanner. Daher sollte man die Handbücher der Hersteller über ihre Scanner lesen.

Wayne Fulton hat ein sehr schönes Tutorial zum Scannen geschrieben. Man kann es gedruckt bestellen oder die Kapitel online lesen: www.scantips.com. Es ist, wie so viel andere gute Beiträge zum Thema, englischsprachig.

SilverFast Ai 6

SilverFast 6 wurde 2002 eingeführt und soll hier nicht unerwähnt bleiben, weil diese alte Version beim Kauf älterer Scanner inbegriffen sein kann.

Installieren

Beim Installieren von SilverFast 6 auf einem PC wird angeboten, ein Twain- oder Photoshopmodul zu installieren. Man findet die Dateien entweder im Ordner Twain32 im Windows Verzeichnis oder im Photoshop Ordner Zusatzmodule. SilverFast wird entweder aus einem Bildbearbeitungsprogramm aufgerufen oder eigenständig über den 'SF Launcher'. TWAIN-Module stehen laut LaserSoft Imaging vor dem Aussterben, weil sie kein Farbmanagement erlauben.

Oberfläche


Das Erscheinungsbild von SilverFast Ai 6 aus dem Jahre 2002 war chaotisch. Beim Start öffnen sich mehrere übereinanderliegende Fenster. Man muss sie auf dem Bildschirm sortieren, um einen Überblick zu gewinnen. SilverFast Ai 6 ist mit der Fülle an übereinander liegenden Fenstern für große Monitore mit hohen Bildschirmauflösungen gemacht. Es wäre sinnvoll, dem Benutzer individuelle Konfigurationsmöglichkeiten der Darstellung anzubieten. Die NegaFix-Funktion könnte im SilverFast Hauptdialog untergebracht werden. Das Densitometerfenster sollte sich erst auf Anforderung öffnen. Der Hauptdialog und das Previewfenster könnten zu einem Fenster verschmolzen werden, wie man es von anderen Programmen gewohnt ist.

In den Menues wurden etliche Optionen und Voreinstellungsmöglichkeiten untergebracht. Wie ich bei verschiedenen Anwendern beobachten konnte, ist ihre Nutzung kaum intuitiv begreifbar. Sie erschließt sich erst mit dem Handbuch. Im Juni 2005 umfaßte es bereits 450 Seiten. Wer kein Autodidakt ist, sollte sich von einem Kundigen einarbeiten lassen.


SilverFast 6.01r15 / Nikon Coolscan 4000

Bedienung

Scan Pilot

Es gibt ein längliches Fenster (Scan Pilot) mit einem Flugzeug im unteren Bereich. Es ist praktisch unbedeutend und kann sofort geschlossen werden. Dieses Fenster erschien in der Version 6.2.1r5 für den Nikon Coolscan 5000 nicht mehr beim Programmstart.

Preview Fenster

Zusätzlich gibt es ein Previewfenster, auf dessen linken Seite viele kleine Buttons untereinander platziert sind. Damit werden verschiedene Scanoptionen aktiviert. Der Filmauswurfbutton liegt direkt neben dem Schalter, mit dem die Voransicht eines Filmstreifens aktiviert wird. Wenn man sich verklickt, wirft der Scanner den Filmstreifen wieder aus.

SilverFast Hauptdialog

Es ermöglicht die Einstellung von wichtigen Scanparametern: Auflösung, Farbe oder Graustufen und Farbtiefe. Unter Allgemein stellt man den Vorlagentyp ein. Man kann angeben, ob man ein einzelnes Bild oder einen Stapelscan starten möchte. Zudem definiert man hier, ob die Bilddateien direkt gespeichert oder in eine Bildbearbeitung importiert werden. Es kann zwei Negativ Einstellungen geben: Negativ und Negativ Direkt. Letzteres gibt es nur bei Nikon-Scannern. Darüber wird die in die Hardware implementierte Negativumkehrung eingeschaltet. Diese kann nicht weiter beeinflusst werden. Wählt man 'Negativ' öffnet sich ein weiteres Fenster.

NegaFix Fenster

Hier kann man den zu scannenden Film wählen, dessen jeweilige Filmmaskierung kompensiert wird. Derzeit sind über 150 Filmprofile (Zahl ständig wachsend) in SilverFast eingebaut worden. Das Negafix Fenster darf nicht geschlossen werden. Sonst stellt sich SilverFast auf Diapositive um.

Voreinstellungsfenster

Ein weiteres Fenster, welches sich an nach einem Klick auf 'Option' öffnet, zeigt eine Registraturkartenreihe. Auf der Karte 'Auto' werden alle Parameter eingestellt, welche die Bildautomatik von SilverFast steuern. Hier hat man die Möglichkeit 'Auto Schwellwerte' für die Lichter und Tiefen einzugeben. Wer keine Bilddetailverluste in den dunkelsten und hellsten Zonen riskieren möchte, sollte beide Werte auf Null setzen.

Densitometer

Grundsätzlich ist das Vorhandensein eines Densitometers in einigen Arbeitsabläufen sinnvoll. In der Praxis beim Aufbaus eines digitalen Bildarchivs hat es eine geringere Bedeutung. Daher kann das Fenster meist geschlossen werden.

Tonwertkorrektur

Im Einstellmenue für die Tonwertkorrektur ist mir die Abstufung der Schwellwerte zu grob geraten. Der Bereich zwischen 0 und 2 sollte in Zehntelstufen oder noch besser insgesamt stufenlos wählbar sein.

SilverFast Ai 6.5




Beim Öffnen von SilverFast Ai 6.5 ist das etwas Programm aufgeräumter. Das Hauptregister und einzelne Einstellungen können als separate Fenster abgekoppelt und nach Belieben angeordnet werden. Der ScanPilot, im Prinzip ein sehr aufwendiger Fortschrittsbalken oder eine Auflistung Schritten einer Aktion, ist ausgeblendet, kann aber über das 'Flugzeug' Icon aufgerufen werden.

Scanergebnisse

Beim Test eines Reflecta Proscan 3600 Filmscanners mit SilverFast und der herstellereigenen Software Cyberview waren Vorteile bei der Verwendung von SilverFast erkennbar. So lieferte eine frühe Version der herstellereigenen Software Cyberview spiegelverkehrte Bilder, die dagegen von SilverFast einwandfrei erzeugt wurden.

Gelegentlich bringen die Scanner-Hersteller ihre Geräte mit einer eigenen, unausgereiften Software mit einem noch dürftigeren Handbuch auf den Markt. Das war bei Cyberview für den Reflecta Proscan 3600 der Fall. Beim Nikon Super Coolscan 4000 ED und Nikon Coolscan 5000 ED Filmscanner bietet SilverFast eine bessere Kontrolle der Scanparameter als das Programm Nikon Scan. Allerdings fehlt Kodaks ROC (Farbstichbeseitigung), welche Nikon in seine Software eingebaut hat. Die Bilder von Colornegativstreifen und Dias gelingen mit SilverFast sehr gut. Für alte Dias mit Farbveränderungen und Schwarzweissfilmen ziehe ich VueScan vor. Siehe auch: Vergleich Infrarotreinigung VueScan / SilverFast und Multi-Exposure.

Grundsätzlich ist feststellbar, dass mit SilverFast Ai hochwertige Ergebnisse erzeugt werden können, aber die erheblich preiswertere Konkurrenz VueScan ist keinesfalls schlechter.


16-Bit / 48-Bit

SilverFast erlaubt es, schwarzweisse 16 Bit Dateien und farbige 48 Bit Dateien auszugeben. Das ist bei heiklen Vorlagen, die eine kräftige Tonspreizung oder -stauchung und Bearbeitung der Gradationskurve erwarten lassen, wichtig. Die Optionen von SilverFast ermöglichen eine gute Kontrolle der Scanergebnisse. Bei Farbnegativen erweist sich NegaFix als sehr nützlich. Es enthält eine lange Liste mit Farbprofilen für viele Filmtypen. Profile sind Interpretationsvorgaben zur Auswertung der 'Meßergebnisse' des Scanners. Wer sich mit diesen Thema auseinandersetzt und sich für diverse Lichtsituationen und die von ihm bevorzugten Filme eigene Profile anfertigen kann, kommt zu exzellenten Ergebnissen.

SDR Defekterkennung und Beseitigung

SilverFast enthält die Funktion SDR zur Schmutz- und Kratzer-Erkennung auch ohne Infrarotkanal. Wie halten das Werkzeug für umständlich und die Ergebnisse für völlig unbefriedigend. Das Polaroid Dust & Scratch Removal Werkzeug von Polaroid ist einfacher zu bedienen und liefert bessere Ergebnisse.

Scanner kalibrieren

Mit SilverFast können Scanner kalibiriert werden, wenn die it8-Funktion zur Version gehört. Im Prinzip scannt man eine genormte Vorlage und die Software vergleicht die Meßergebnisse des Scanners mit den Sollwerten, die sich in einer sogenannten Referenzdatei befinden. Aus den Abweichungen erstellt SilverFast ein Profil. Das ist eine Datei, die Korrekturhinweise enthält. Das Verfahren ist in der professionellen Druckvorstufe seit langem etabliert und wird auch von digitalen Archiven zum Farbmangement verwendet. Doch kann das Einbetten von Profilen in Bilddateien zu neuen Problemen führen.

In der Praxis außerhalb professioneller Workflows bringt das Kalibrieren so gut wie gar nichts und ist mit einem erheblichen Aufwand verbunden. Als Scanner noch Leuchtmittel wie Neonröhren enthielten, die rasch alterten und dabei ihre Lichtcharakteristik änderten und gelegentlich ausgetauscht wurden, machte das Kalibrieren Sinn, doch sind solche Geräte kaum noch zu finden. Auch werden Farbstiche des alternden Fotomaterials nicht berücksichtigt, die durch spezielle Korrekturprogramme (Kodak: ROC) oder durch den Weißabgleich vorgenommen werden.

SilverFast 8.8

Am Beispiel SilverFast HDR 8.8 aus dem Jahre 2016 zeigen wir die modernere Oberfläche. Sie ist überfüllt mit farbigen Symbolen und zunächst unverständlichen Kürzeln, die in ihrer Vielfalt anfangs eine chaotische Unübersichtlichkeit bewirken. Die Bedienung von SilverFast 8.x muss erst erlernt werden.



Auf einem einzelnen Bildschirm ist die Standardoberfläche überfrachtet und es gibt verwirrenden Kürzel wie GANE, PrinTao und AACO, die einem zunächst gar nichts sagen. Ohne Handbuch zur Erklärung kommt man nicht weiter.



Beim Arbeiten mit zwei Monitoren kann man die Werkzeuge vom Bild abkoppeln und sich eine angenehmere Arbeitsatmosphäre schaffen.

Fazit

Für den Betrieb eines Scanners benötigt man ein Scan-Programm. Üblicherweise liefert der Hersteller eine eigene Software, die qualitativ zwischen unbefriedigend bis sehr gut angesiedelt sein kann. Alternativ gibt es SilverFast und VueScan neben weniger bedeutenden Lösungen speziell für Linux. Viele Scanner werden mit SilverFast SE oder Ai (Studio) im Paket vertrieben. Wer bestmögliche Scans haben möchte, sollte sich in den einschlägigen Foren erkundigen, ob SilverFast in Kombination mit einem bestimmten Scanner und der bevorzugten Arbeitsweise Vorteile gegenüber des Programms des Herstellers bringt. Die Meinungen gehen weit auseinander, weil jede Software ihre Fangemeinde hat, doch sind Fragen und Antworten in den Foren aufschlussreich, weil durch sie Problemfelder sichtbar werden.

Kein Scanprogramm ist perfekt. Das gilt auch für SilverFast. Wer sich einen topaktuellen Scanner kauft, muss(te) damit rechnen, dass die ersten SilverFast-Versionen ihn nicht voll ausreiz(t)en. So konnte ich mit einer frühen SilverFast Ai 6 am Reflecta Proscan 4000 nicht die hardwareunterstütze ICE Funktion nutzen. Das war bei einem Filmscanner, der automatisch lange Filmstreifen Bild für Bild verarbeitete, ein schweres Manko, das erst nach mehreren Monaten behoben wurde. Beim Testen des Scanners 'Plustek Optikfilm 7500i' versagte SilverFast 6.5 ebenfalls bei der automatischen Schmutzerkennung und -beseitigung. Nach der Behebung solcher eventuell auftretenden Mängel ist SilverFast eine gute Software, bei der hauptsächlich der Preis beanstandet werden kann.

Das Preis/Leistungs-Verhältnis der SilverFast Versionen dürfte nicht nur knapp kalkulierende Anweder abschrecken, zumal die Alternative VueScan längst auch in deutscher Sprache existiert und mit rund 89 US$ als einmalige Investition für alle Scanner und Dateien sehr attraktiv ist.


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