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SilverFast                 Ai - SE - HDR - DC - DCPro und Photo CD.                  Thomas Gade    2003-02 / aktualisiert: 2005-06

Die SilverFast-Produktfamilie stammt aus dem Hause LaserSoft Imaging. Es gibt die Bildbearbeitungsprogramme SilverFastDCPro, -DC, HDR, -Photo-CD sowie zum Scannen SilverFast Ai und SE. SE ist eine abgespeckte Variante von Ai. DC dient zur Bearbeitung von Dateien aus Digitalkameras und Datenträgern. SilverFast HDR nimmt man zur Bearbeitung von Bilddateien auf der Festplatte. Mit dem Scanprogramm Ai werden Rohdateien erzeugt und anschließend mit HDR optimiert. Mit dem im Jahr 2005 bereitsgestellten 'Studio' upgrade fügt man diversen Silverfast-Versionen eine Optimierung der Lichter- und Schattenzeichnung bei.

Zu Lasersofts Verkaufspolitik gehört die Regel, dass jede SilverFast SE oder Ai Version nur für ein bestimmtes Scannermodell freigeschaltet werden kann. Für alle Scanner existieren jeweils eigene Versionen, deren Oberflächen nahezu identisch sind. Wer einmal die Bedienung von SilverFast erlernt hat, kann sein Wissen auf alle Varianten anwenden.

Beim Installieren von SilverFast Ai oder HDR auf einem PC (Windows Millenium) wird angeboten, ein Twain- oder Photoshopmodul zu installieren. Man findet die Dateien entweder im Ordner Twain32 im Windows Verzeichnis oder im Photoshop Ordner Zusatzmodule. SilverFast wird entweder aus einem Bildbearbeitungsprogramm aufgerufen oder eigenständig über den 'SF Launcher'. TWAIN-Module stehen laut LaserSoft Imaging vor dem Aussterben, weil sie kein Farbmanagement erlauben.

Handbuch

Anfängern sei an dieser Stelle mitgeteilt, dass der Vorgang des Scannens und die nachfolgende Bildbearbeitung ohne Grundlagenwissen wenig Sinn macht. Begriffe wie Tonwerte, Histogramm, Gradationskurve und andere gehören zum 1x1 der Bilddigitalisierung. LaserSoft Imaging hat auf seinen Webseiten vorzügliche Handbücher im pdf-Format zum Download. Zudem gibt es Filme über diverse Anwendungen. Es ist ratsam, die Informationen in Ruhe zu studieren, bevor man sich an die zeitaufwendige Aufarbeitung eines Archivs wagt. Wer sich diese Mühe macht, bekommt einen guten Einblick in die Möglichkeiten des Programms. Es fehlen aber scannerspezifische Hinweise und daher sollte man zusätzlich die Handbücher der Scanner lesen.

Wayne Fulton hat ein sehr schönes Tutorial zum Scannen geschrieben. Man kann es gedruckt bestellen oder die Kapitel online lesen: www.scantips.com. Es ist, wie so viel andere gute Literatur zum Thema, englischsprachig.

SilverFast  Ai 6.5              

 



Bedienung

Ruft man SilverFast Ai 6 (im Bild: Version 6.01r15 / Nikon Coolscan 4000) auf, öffnen sich mehrere übereinanderliegende Fenster. Man muss sie auf dem Bildschirm sortieren, um einen Überblick zu gewinnen.

Scan Pilot
Es gibt ein längliches Fenster (Scan Pilot) mit einem Flugzeug im unteren Bereich. Es ist praktisch unbedeutend und kann sofort geschlossen werden. Dieses Fenster erschien in der Version 6.2.1r5 für den Nikon Coolscan 5000 nicht mehr beim Programmstart.

Preview Fenster
Zusätzlich gibt es ein Previewfenster, auf dessen linken Seite viele kleine Buttons untereinander platziert sind. Damit werden verschiedene Scanoptionen aktiviert. Der Filmauswurfbutton liegt direkt neben dem Schalter, mit dem die Voransicht eines Filmstreifens aktiviert wird. Wenn man sich verklickt, wirft der Scanner den Filmstreifen wieder aus.

SilverFast Hauptdialog
Es ermöglicht die Einstellung von wichtigen Scanparametern: Auflösung, Farbe oder Graustufen und Farbtiefe. Unter Allgemein stellt man den Vorlagentyp ein. Man kann angeben, ob man ein einzelnes Bild oder einen Stapelscan starten möchte. Zudem definiert man hier, ob die Bilddateien direkt gespeichert oder in eine Bildbearbeitung importiert werden. Es kann zwei Negativ Einstellungen geben: Negativ und Negativ Direkt. Letzteres gibt es nur bei Nikon-Scannern. Darüber wird die in die Hardware implementierte Negativumkehrung eingeschaltet. Diese kann nicht weiter beeinflusst werden. Wählt man 'Negativ' öffnet sich ein weiteres Fenster.

NegaFix Fenster
Hier kann man den zu scannenden Film wählen, dessen jeweilige Filmmaskierung kompensiert wird. Derzeit sind über 150 Filmprofile (Zahl ständig wachsend) in SilverFast eingebaut worden. Das Negafix Fenster darf nicht geschlossen werden. Sonst stellt sich SilverFast auf Diapositive um.

Voreinstellungsfenster
Ein weiteres Fenster, welches sich an nach einem Klick auf 'Option' öffnet, zeigt eine Registraturkartenreihe. Auf der Karte 'Auto' werden alle Parameter eingestellt, welche die Bildautomatik von SilverFast steuern. Hier hat man die Möglichkeit 'Auto Schwellwerte' für die Lichter und Tiefen einzugeben. Wer keine Bilddetailverluste in den dunkelsten und hellsten Zonen riskieren möchte, sollte beide Werte auf Null setzen.

Densitometer
Grundsätzlich ist das Vorhandensein eines Densitometers in einigen Arbeitsabläufen sinnvoll. In der Praxis beim Aufbaus eines digitalen Bildarchivs hat es eine geringere Bedeutung. Daher kann das Fenster meist geschlossen werden.

SilverFast Ai 6 ist mit der Fülle an übereinander liegenden Fenstern für große Monitore mit hohen Bildschirmauflösungen gemacht. Es wäre sinnvoll, dem Benutzer individuelle Konfigurationsmöglichkeiten der Darstellung anzubieten. Die NegaFix-Funktion könnte im SilverFast Hauptdialog untergebracht werden. Das Densitometerfenster sollte sich erst auf Anforderung öffnen. Der Hauptdialog und das Previewfenster könnten zu einem Fenster verschmolzen werden, wie man es von anderen Programmen gewohnt ist.

In den Menues wurden etliche Optionen und Voreinstellungsmöglichkeiten untergebracht. Wie ich bei verschiedenen Anwendern beobachten konnte, ist Ihre Nutzung kaum intuitiv begreifbar. Sie erschließt sich erst mit dem Handbuch. Im Juni 2005 umfaßte es 450 Seiten. Wer kein Autodidakt ist, sollte sich von einem Kundigen einarbeiten lassen.

Scanergebnisse

Beim Test eines Reflecta Proscan 3600 Filmscanners mit SilverFast und der herstellereigenen Software Cyberview waren Vorteile bei der Verwendung von SilverFast erkennbar. So lieferte eine frühe Version der herstellereigenen Software Cyberview spiegelverkehrte Bilder, die dagegen von SilverFast einwandfrei erzeugt wurden. Gelegentlich bringen die Scanner-Hersteller ihre Geräte mit einer eigenen, unausgereiften Software mit einem noch dürftigeren Handbuch auf den Markt. Das war bei Cyberview für den Reflecta Proscan 3600 der Fall. Beim Nikon Super Coolscan 4000 ED / 5000 ED Filmscanner bietet SilverFast eine bessere Kontrolle der Scanparameter als das Programm Nikon Scan. Allerdings fehlt die ROC-Funktion, welche Nikon in seine Software eingebaut hat. Die Bilder von Colornegativstreifen und Dias gelingen mit SilverFast sehr gut. Für alte Dias mit Farbveränderungen und Schwarzweissfilmen ziehe ich VueScan vor.

SilverFast erlaubt es, schwarzweisse 16 Bit Dateien und farbige 48 Bit Dateien auszugeben. Das ist bei heiklen Vorlagen, die eine kräftige Tonspreizung oder -stauchung und Bearbeitung der Gradationskurve erwarten lassen, wichtig. Die Optionen von SilverFast ermöglichen eine gute Kontrolle der Scanergebnisse. Bei Farbnegativen erweist sich NegaFix als sehr nützlich. Es enthält eine lange Liste mit Farbprofilen für viele Filmtypen. Profile sind Interpretationsvorgaben zur Auswertung der 'Meßergebnisse' des Scanners. Wer sich mit diesen Thema auseinandersetzt und sich für diverse Lichtsituationen und die von ihm bevorzugten Filme eigene Profile anfertigen kann, kommt zu exzellenten Ergebnissen.

Grundsätzlich konnte ich an verschiedenen Scannern feststellen, dass mit SilverFast Ai 6 hochwertige Ergebnisse erzeugt werden können.

Besonderheiten

LaserSoft Imaging bietet mit SilverFast HDR eine ergänzende Bildbearbeitung an. SilverFast Ai 6 enthält die Option der Ausgabe von 16 Bit (48 Bit/RGB) Rohdateien. Sie enthalten die Meßergebnisse des Scanners. SilverFast HDR kann diese Daten nach Vorgaben des Anwenders einzeln oder im Stapelverfahren interpretieren. Mit VueScan oder Photoshop geht das ebenfalls. Wer mit Photoshop ab der Version 6 arbeitet und mit ihren Korrekturfunktionen sowie der Stapelverarbeitung vertraut ist, benötigt SilverFast HDR in der Regel nicht. Die Bewahrung der Rohdaten ist nicht uninteressant, da Software weiterentwickelt wird und spätere Versionen eventuell mehr aus ihnen hervorzaubern können. Es wird verbesserte Kratzer- und Schmutzbeseitigungsprogramme sowie Möglichkeiten der Farb- und Tonwerteinterpretation geben. Vor wenigen Jahren war es aufgrund des Preis-Leistungs-Verhältnisses für Festplatten und anderer Speicher bei großen Bildbeständen, die digitalisiert wurden, indiskutabel, Rohdaten permanent zu archivieren. Mittlerweile sollte man diesen Standpunkt überdenken.

Der Konkurrent VueScan bietet bei Scannern mit ICE sogar die Möglichkeit, den Infrarotkanal zur Schmutzerkennung zu speichern. So erhält man 64 Bit Dateien für Colorbilder. Der softwareseitige Umgang mit den Infrarotdaten könnte mit den zukünftigen ICE Versionen verbessert werden. SilverFast Ai 6 bietet diese Option nicht.

SilverFast hat einen Jobmanager, mit dem diverse Verarbeitungsschritte programmiert werden können. Der Sinn und Zweck dieses Instruments mag unterschiedlich bewertet werden. Die softwarebasiere Schmutz- und Kratzerbehandlung (SDR) ist im Batchmodus nicht einsetzbar. Das Polaroid Dust & Scratch Removal Werkzeug von Polaroid ist einfacher zu bedienen und obendrein kostenlos. Andere Optionen wie die Unschärfe-Maskierung oder Farbkorrekturen an verblichenen Fotos erledige ich lieber mit Photoshop. Das Schärfen eines Bildes wird von den meisten Profis erst im letzten Arbeitsschritt vorgenommen.

Mit SilverFast Ai 6 können Scanner kalibiriert werden. Im Prinzip scannt man eine genormte Vorlage und die Software vergleicht die Meßergebnisse des Scanners mit den Sollwerten, die sich in einer sogenannten Referenzdatei befinden. Aus den Abweichungen erstellt SilverFast Ai 6 ein Profil. Das ist eine Datei, die Korrekturhinweise enthält. Das Verfahren ist in der professionellen Druckvorstufe seit vielen Jahren etabliert und wird im Zuge der steigenden Akzeptanz des Farbmangements immer häufiger in digitale Archivierungsverfahren integriert. Das Einbetten eines Profils in eine Bilddatei kann aber zu Problemen führen.

Kritik

Im Einstellmenue für die Tonwertkorrektur ist mir die Abstufung der Schwellwerte zu grob geraten. Der Bereich zwischen 0 und 2 sollte in Zehntelstufen oder noch besser insgesamt stufenlos wählbar sein.

Beim Scannen von alten farbstichigen Bildern wäre eine Rekonstruktionsfunktion sinnvoll. Vuescan bietet mit seinem 'restore fading' ein hilfreiches Werkzeug an, welches den Umgang mit farbveränderten Vorlagen erheblich vereinfacht.

Fazit

Um einen Scanner zu benutzen, benötigt man ein Programm. Die Scansoftware des Herstellers kann minderwertig sein oder es gibt sie gar nicht. Viele Scanner werden mit SilverFast SE oder Ai (Studio) gebündelt vertrieben. Wer bestmögliche Scans haben möchte, sollte sich in den einschlägigen Foren erkundigen, ob SilverFast in Kombination mit einem bestimmten Scanner und der bevorzugten Arbeitsweise Vorteile bringt. Die Meinungen gehen weit auseinander.

Kein mir bekanntes Scanprogramm ist perfekt. Das gilt auch für SilverFast und seinen Gegenspieler 'VueScan'. Aber diese Programme werden von fähigen Personen betreut, denen es gelingt, mit ihren Produkten an der Spitze der Entwicklung zu stehen. Wer sich einen topaktuellen Scanner kauft, muss berücksichtigen, dass die ersten SilverFast-Versionen ihn möglicherweise nicht voll ausreizen. So konnte ich mit einer frühen SilverFast Ai 6 am Reflecta Proscan 4000 nicht die hardwareunterstütze ICE Funktion nutzen. Das war bei einem Filmscanner, der automatisch lange Filmstreifen Bild für Bild verarbeitet, ein schweres Manko, welches erst einige Monate später behoben wurde. Damit muss man grundsätzlich bei Geräten, die frisch auf dem Markt sind, rechnen. Beim Testen des Scanners 'Plustek Optikfilm 7500i' versagte SilverFast 6.5 ebenfalls bei der automatischen Schmutzerkennung und -beseitigung.

SilverFast Ai 6 ist eine gute Software, bei der hauptsächlich der Preis beanstandet werden kann. Das Preis-Leistungs-Verhältnis dürfte je nach Anwender und Verwendungszweck von inakzeptabel bis fair bewertet werden. Wer scharf kalkulieren muss, wird angesichts der ständigen Investitionen in Soft- und Hardware Alternativen suchen, die durchaus vorhanden sind.


Februar 2003 / überarbeitet: Juni 2004, Januar 2005, Dezember 2007

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