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Teleskop als Teleobjektiv

2015 © Thomas Gade

Index 1. Teleskop als Teleobjektiv
2. Welche Optik beim Linsenfernrohr (Refraktor) ?
3. Kamera richtig an das Teleskop anschließen
4. Das richtige Stativ

Allgemein

Unbemerkt von vielen Fotografen gibt es viele moderne Teleskope, die exzellente Alternativen zu teuren Teleobjektiven sind. Besonders interessant sind die sogenannten Refraktoren (Linsenteleskope) mit ED Objektiven, deren Brennweiten zwischen 400 bis 800 mm liegen.


Teleskop. ED-Refraktor als Teleobjektiv in der Naturfotografie.

Mit welchen Teleskopen kann man fotografieren?

Im Prinzip kann man mit allen Teleskopen fotografieren. Aber es gibt viele verschiedene Typen und beträchtliche Qualitätsunterschiede. Möchte man mit Teleskopen eine Spiegelreflexausrüstung ergänzen, kommen vor allem Linsenteleskope mit apochromatischen Objektiven und einige wenige sogenannte katadioptrische Teleskope, deren Optik aus Linsen und Spiegel besteht, infrage.

Hinsichtlich ihrer Verwendbarkeit sollte man realistisch bleiben. Es gibt relativ preiswerte und gute Teleskope mit Brennweiten über 2 m. Theoretisch kann mit ihnen gute Fernaufnahmen machen. In der Praxis jedoch spielen die Sichtbedingungen nicht mit. Das Flimmern der Luft und Dunst beeinträchtigen die Bildqualität. Beim Weitwinkelfoto fällt das nicht auf, aber wir kennen Landschaftsaufnahmen, bei denen der Hintergrund im Dunst versinkt und wenn man dort mit starken Teleobjektiven Motive herausgepickt, lassen sich diese nicht so scharf fotografieren wie nahe Gegenstände.

Die Grenzen der sinnvollen Brennweiten werden daher von den Sichtbedingungen bestimmt. Der Bereich zwischen 400 mm und 800 mm wird von den üblichen Fotoobjektiven nicht mehr abgedeckt. Zwar gibt es billige, per Hand scharf zu stellende Teleobjektive für wenig Geld, jedoch ist ihre Abbildungsqualität oftmals nicht befriedigend. Alternativ kann man moderne Telezooms mit Autofokus für rund 1000 € erwerben, deren Brennweiten bis rund 500 mm reichen, aber diese Objektive sind am langen Ende eher schwach, also dort, wo man am meisten Leistung erwartet.

Es gibt sehr gute Apo-Refraktoren. Das sind Linsenteleskope mit hochkorrigierten Objektiven, die relativ kompakt gebaut werden und zudem einen hochpräzisen fein verstellbaren Scharfstellmechanismus haben, wie man ihn an manuell zu foussierenden Teleobjektiven nicht kennt.

Im Gegensatz zu den meisten Fotoobjektiven kann man an Apo-Refraktoren Telekonverter einsetzen, ohne starke Qualitätseinbußen zu verzeichnen. Versucht man dies mit einem guten Teleobjektiv, ist man meistens enttäuscht, während ein hochkorrigiertes Teleskopobjektiv noch ganz gut mitspielt. Daher kommen auch Teleskope infrage, die keine langen Brennweite haben, sofern ihr Objektive gut sind. Es gibt mittlerweile eine Vielzahl sehr schöner Apo-Refraktoren mit Brennweiten zwischen 400-700 mm, die mit Telekonverter zu verlängern sind. Damit erreicht man an den meisten Orten die maximal sinnvoll einsetzbare Brennweiten bevor die Sichtbedingungen den Blick in die Ferne trüben.


Unterschied zwischen Teleobjektiven und Teleskopen

Bevor wir uns näher mit Teleskopen befassen, betrachten wir zunächst die grundsätzlichen Unterschiede zwischen Fotoobjektiven und Teleskopen.

Verstellbare Blende


BlendenlamellenDie meisten Fotoobjektive verfügen über einen Blendenkörper mit verstellbaren Lamellen, mit denen der Durchmesser der wirksamen Öffnung verändert werden kann. Bei großer Blende (kleine Zahl) ist die Tiefenschärfe geringer als mit kleiner Blende (große Zahl). In der Regel ist die Abbildung vieler Objektive bei einer Blende von ungefähr 8 am besten. Mit kleinerer Blende wird zwar die Tiefenschärfe größer, doch die Abbildungleistung lässt durch Beugungseffekte nach. Mit großer Blende ist die Helligkeit am höchsten, die Tiefenschärfe am geringsten und Abbildungsfehler wie chromatische Abberationen (Farbsäume) machen sich am stärksten bemerkbar.

Als man noch manuell über die Kameramattscheibe scharfstellte, benutze man die Offenblende (größte Blende), um ein möglichst helles Bild zur Beurteilung der Schärfe zu erhalten. Dass die Tiefenschärfe dabei gering war, war zur Beurteilung der Scharfstellung nützlich. Zum Fotografieren blendete man mindestens zwei Stufen ab, um eine gute Abbildungsqualität zu erreichen, die mit offener Blende nicht möglich war.



Telekope haben keine verstellbare Blende.

Das ist aber nicht schlimm, weil gute Teleskope Objektive haben, die bei voller Öffnung optimale Ergebnisse erzeugen.

Teleskope haben keinen Autofokus.

Moderne Fotoobjektive sind mit einem Autofokus ausgestattet. Darauf muss man beim Fotografieren durch Teleskope (noch) verzichten. Wenn dies nicht mit der fotografischen Aufgabe vereinbar ist, fallen Teleskope aus. Für schnelle sportliche Ereignisse sind gute Autofokusobjektive besser geeignet.

Viele Teleskope haben ein gewölbtes Bildfeld.

Würde man mit Teleskopen Bilder auf eine Leinwand projizieren, müsste diese wie eine Halbschale gewölbt sein, um in der Mitte und am Rändern ein scharfes Bild zu zeigen. Beim visuellen Beobachten ist das nicht störend, doch fotografiert man auf Sensoren, die flach oder eben sind. Deshalb verwendet man zum Fotografieren ein optisches Element zur Bildfeldebnung. Im Astrohandel spricht man vom Flattener oder Field Flattener. Er befindet sich zwischen der Kamera und dem Teleskop.

Field Flattener
Das Bild zeigt einen Flattener. Dieser besteht aus einem silberfarbenen Tubus, in dem Linsen gefasst sind. Dieses Exemplar wird an den Okularauszug geschraubt. Andere Exemplare werden in den Okularauszug gesteckt.

Guter Teleskope haben exzellente Optiken

Viele gute Teleskope, insbesondere Apo Refraktoren, haben eine sehr gute Abbildungsqualität, die deutlich über dem Niveau vieler Fotoobjektive liegt. Kein Wunder, denn mit Teleskopen soll man bei hohen Vergrößerungen scharf sehen können. Dazu muss ihr Auflösungsvermögen hoch sein. Sehr teure Festbrennweiten der großen Kamera- und Objektivhersteller mögen Teleskope übertreffen, doch bewegen wir uns bei 600mm Brennweite preislich zwischen 5.000 bis 20.000 €. Fotoobjektive sind zur Projektion auf ebene Flächen (Sensor / Film) konstruiert. Bei den meisten Teleskopen ist das Bildfeld hingegen gewölbt. In unserem Auge ist das nicht anders, deshalb ist die Netzhaut gewölbt und nicht eben wie ein Sensor. Um das Bild eines Teleskop für fotografische Zwecke zu optimieren verwendet man ein zusätzliches optisches Element, den Field Flattener zur Beseitigung der Bildwölbung.

Farbsäume

Erst im 18. Jahrhundert wurden Objektive aus zwei Linsen verschiedener Glassorten hergestellt, mit denen die Farbfehler aus der Projektion einer einfachen Sammellinse drastisch minimiert wurden. Die Bilder der Sammellinse sind geprägt durch farbige Säume an Kanten, weil die Brennpunkte für verschiedene Lichtwellenlängen nicht in derselben Ebene liegen. Wie beim Prisma wird ein weißer Lichtstrahl beim Durchgang durch das Glas und beim Brechen an seinen Oberflächen regenbogenartig aufgefächert. Joseph Fraunhofer griff die Idee eines Objektivs aus zwei Linsen auf. Nach im werden klassische Linsenteleskope als Fraunhofer Achromaten bezeichnet. Das Objektiv besteht aus einer Sammellinse aus Kronglas und einer Zerstreuungslinse aus Flintglas. Es kann relativ leicht hergestellt werden und erreicht ab einem Öffnungsverhältnis von 1:10 eine gute Abbildungsqualität ohne störende Farbsäume. Für starke Vergrößerungen, bei denen die Farbsäume viel stärker hervortreten, sind Öffnungsverhältnisse ab 1:15 vorteilhat. Deswegen haben viele Refraktoren dieses Öffnungsverhältnis.

Mit anderen Glassorten kann man Objektive bauen, die schon mit erheblich geringeren Öffnungsverhältnissen nur noch minimale Farbsäume erzeugen. Ende des 20. Jahrhunderts kamen solche Objektive auf den Markt. Sie waren durch die hohen Produktionskosten der sogenannten Sondergläser mit geringer Dispersion sehr teuer. Für die meisten Amateurastronomen waren sie unerschwinglich. Das änderte sich um 2003. Damals brachten fernöstliche Teleskophersteller, die zuvor für die damals bekannten Teleskopmarken Instrumente produzierten, eigene Produkte mit ED-Objektiven auf den Markt, die erstaunlich günstig waren.

Rasch wich der klassische zweilinsige Achromat aus Flintglas und Kronglas einem neuen Objektivtyp aus 2, manchmal auch 3 Linsen, von denen eine aus ED-Glas mit sogenannter Low Dispersion Eigenschaft besteht. Mit ED-Objektiven aus zwei Linsen kann man Öffnungsverhältnisse von 1:6 erreichen, die eine bessere Farbkorrektur aufweisen als ein 1:15 Achromat.

Kurzer Tubus

Das einstige typische Kaufhausteleskop mit 60 mm Öffnung und 900 mm Brennweite war ein dünnes und relativ langes Rohr. Moderne Alternativen haben Öffnungen von ca. 70-90 mm und Brennweiten zwischen 400-600 mm. Daher sind die Tuben erheblich kürzer und somit handlicher.

Hat man einen ED Refraktor mit 72 mm Öffnung und einer Brennweite von 432 mm, entspricht dies der Blende 6, die für diese Brennweite als relativ lichtstark betrachtet werden kann. Alternative Fotoobjektive aus dem Fotohandel im unteren und mittleren Preissegment liefern ihre besten Leistungen bei langen Brennweiten oft erst mit Blende elf.

Lacerta 72 ED
Moderne ED Refraktoren sind relativ kurz gebaut. Der Lacerta 72/435 ED Apo passt gut auf einen Fluidkopf. Mit klassischen achromatischen Linsenteleskopen wäre dies aufgrund der Baulänge und der Hebelwirkungen nicht möglich.

Multifunktionsgeräte

Das Omegon Photography Scope 72 kann gut als Teleobjektiv mit rund 430mm Brennweite verwendet werden. Die Optik mit ED Element ist sehr gut. Es wird mit voller Öffnung fotografiert, die der Blende 6 entspricht. Die Abbildungsqualität liegt auf dem Niveau, das viele Telezooms um 1000 € am langen Brennweitenende erst mit Blende 11 erreichen. Mit dem Omegon Refraktor muss man manuell scharfstellen. Das setzt ein großes Sucherbild voraus oder eine digitale Lupe im LiveView. Außerdem muss der Fotograf die Schärfe des Bildes im Sucher oder auf dem Kameradisplay korrekt beurteilen können. Wer eine Sehschwäche im Nahbereich hat, sollte eine billige Lesebrille aus dem Discounter in der Fototasche mitführen.

Omegon Photography Scope 72 mit Pentax K-3
ED Refraktor mit 72mm Brennweite mit Pentax K-3 auf einer Ayo Montierung.
Einige moderne Teleskope sind sehr gut als Teleobjektive verwendbar.

Lacerta ED 72
Lacerta ED 72 in klassischer und hochwertiger Teleskopbauweise als Teleobjektiv. Die 430 mm Brennweite lassen sich nahezu verlustfrei mit einem 1,7x Konverter auf 730 mm Brennweite verlängern.




Test: Vergleichsaufnahmen mit diversen Teleobjektiven



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