Gestandene
Amateurastronomen mit moderner Technik nehmen die
'alten' Teleskope der 1970'er bis 1990'er aus den
traditionellen Versandhäusern nicht mehr ernst.
Das, was damals zu weihnachtsgeschenktauglichen Preisen
angeboten wurde, liegt heute unbeachtet in Kellern
oder auf Dachböden herum. Jugenderinnerungen
mögen daran hängen, die zulassen, dass die
alten Dinger als Befestigungspunkte für Spinnweben
erhalten wurden und nicht insgesamt im Müll gelandet
sind. Ein paar Ramschläden vertreiben immer noch
solche Teleskope, deren Hersteller nicht nachzuvollziehen
sind. Bei einem Luftgewehrschießen auf dem Rummelplatz
könnte man in den Besitz eines solchen Instruments
gelangen und mit etwas Glück unter dem Biertisch
vergessen.
Aber es gab auch ein paar 'bessere' Exemplare, die
ihrerzeit erstaunlich teuer waren. Dazu zählt
das Tasco V8 mit einer stabilen parallaktischen Montierung.
Es stammt aus dem Hause Vixen, einem renommierten
japanischen Teleskophersteller.
Das Tasco V8 auf der zum Set gehörenden Vixen Polaris
Montierung.
Links:
Abbildung auf der ursprünglichen Verpackung
Laut Infos in den Astroforen wurde das Tasco V8 in
den 1980'ern auf dem Markt gebracht und in Verbindung
mit der Annäherung des Kometen Halley im Jahre
1986 als Comet-Catcher (Kometenjäger) beworben.
Im Karton befanden sich zwei Okulare, eine Barlowlinse,
ein Kameraadapter, ein Polsucher und ein Sucher.
Das okularseitige Zubehör war bei dem Exemplar,
das wir für diesen Bericht begutachtet haben,
nicht dabei. Es war nicht feststellbar, ob es sich
um gute oder schlechte Okulare handelte.
Auf der Seite der Verpackung stand die Zeile: "400x125mm"
Bei vielen Kaufhausteleskopen war es üblich,
maximale Vergrößerungswerte anzugeben,
die völlig überzogen waren. Bei einem hochwertigen
Teleskop gilt die Verdoppelung der Millimeteranzahl
des Durchmessers der Öffnung als maximale sinnvolle
Vergrößerung. Ein gutes Teleskop mit einer
Öffnung von 125mm hat demnach seine Grenze bei
250x.
Tasco hat es fertiggebracht, einem anderen Teleskop
mit 80mm Öffnung eine 600fache Vergrößerung
anzudichten.
Die Angabe 400x für das V8 ist übertrieben.
Ab 200x sollte man bei diesem Teleskop bei guter Justierung
und ordentlichen Okularen nicht mehr viel erwarten.
Das
Teleskop ist ein katadioptrischer Newton mit 125mm
Öffnung und 1000mm Brennweite. Laut Forenberichten
hat der Hauptspiegel ein Öffnungsverhältnis
von 1:4. Zwischen Hauptspiegel und Fangspiegel befindet
sich ein optisches Element, das die Brennweite des
Hauptspiegels verdoppelt.
Blick auf die Rückseite der Frontscheibe. Vor dem Fangspiegel
befindet sich das optische Elemente
zur Brennweitenverlängerung.
So sind kurze Teleskope mit relativ langen effektiven
Brennweiten produzierbar. In anderen kurzgebauten
Teleskopen mit langen Brennweiten wie dem Schmidt-Cassegrain
oder dem Maksutov besteht das die Brennweite verlängernde
Element aus einem Spiegel und die Frontlinsen sind
zur Verringerung von Abbildungsfehlern keine planparallelen
Scheiben sondern speziell geformt. Die Qualität
des katadioptrischen Newtons hängt stark von
dem optischen Element zwischen dem Hauptspiegel
und Okular ab. Diesbezüglich darf man ruhig
behaupten, dass die Hersteller der katadioptrischen
Newtons üblicherwiese keine qualitativ hochwertigen
Linsensysteme zur Brennweitenverlängerung produziert
haben. Das Tasco V8 gehört zu den besseren
katadioptrischen Newtons und war laut Forenberichten
seinerzeit als Set mit Stativ, Montierung und Okularen
für ca. 3000 DM im Handel. Ein stolzer Preis,
wenn die Angabe stimmt.
Das Tasco V8 soll baugleich sein mit dem Celestron
Cometron Jr 125, das ebenfalls von Vixen hergestellt
wurde. Es ist ein Jones/Bird-Catadioptric mit spärischem
Spiegel.
Die robuste Montierung, eine Vixen Polaris, wurde
u.a. auch von Celestron mit Teleskoptuben gebundelt.
Eigentlich ist sie eine parallaktische Montierung,
doch läßt sie sich azimuthal einstellen.
Im Gegensatz zu den späteren Montierungen von
Vixen sind die beiden Arme, zwischen denen die Montierung
geneigt werden kann, senkrecht und nicht schräg
geneigt. Dadurch ist die Vixen Polaris sehr gut
als azimuthale Montierung verwendbar, weil die senkrechte
Achse lotrecht über dem Zentrum des Stativs
steht. Bei Teleskopen mit bis ca. 5 kg Gewicht,
ist die Gegengewichtsstange unnötig. Jedoch
ist darauf zu achten, dass die Schrauben, welche
die Polachse in senkrechter Position halten, gut
angezogen sind. Bei loser Klemmung der Pol- und
Deklinationsachse läßt sich das Tasco
V8 bequem wie ein Dobson hin und her bewegen und
bleibt ohne durchzurutschen in jeder Position sicher
stehen.
Die Schellen liegen lose um den Tubus, der erst
beim Anziehen der Befestigungsschrauben an der Montierung
fest in die Ringe eingespannt wird. Vermutlich wollte
man mit dem System das Lösen des Tubus in den
Schellen ermöglichen, um die Einblickposition
in das Okular anpassen zu können. Trennt man
den Tubus von der Montierung, bleiben die losen
Schellen am Teleskop. Sie können nicht abgenommen
werden, weil die hinteren und vorderen Abschlusse
dicker sind als der rote Tubus. Durch die losen
Schellen entstehen leicht Kratzer im roten Lack
des Teleskops.
Das Tasco V8 hat einen Okulartubus für 0,965"
Okulare. Das Gewinde am Okularauszug beträgt
36,4 mm und ist Vixen-Standard. Daher kann der enge
Tubus leicht gegen einen 1,25" Tubus ausgetauscht
werden. In meiner Kiste mit Astrokleinkram war zufälligerweise
ein passendes Teil vorhanden. Damit war eine Anschlussmöglichkeit
für 1,25" Okulare gegeben.
Die Herkunft aus dem Hause Vixen ist auch am Stativ unverkennbar.
links: Stativ vom Tasco, rechts: Stativ von der Vixen GP.
Die Stativköpfe. links: Kopf für eine Vixen Polaris,
rechts: für Vixen GP
Technische
Daten
Öffnung
125 mm
Brennweite
1000 mm
Öffungsverhältnis
1 : 8
Länge
45 cm mit Deckel
Optische
Qualität
Erste fotografische Versuche
Foto
mit einer Pentax K-5. Die Schärfe ist nicht gleichmäßig.
Die Optik müßte justiert werden. Die Vignettierung
ist deutlich sichtbar.
Ausschnitt
aus dem Bild. Im zentralen Bereich ist die Schärfe
ordentlich. An den Kanten können geringfügige
Farbsäume auftreten.
Abgeschattete
Ecken und ein deutlicher Schärfeabfall zum Rand
hin disqualifizieren das Tasco V8 als Teleobjektiv
für eine DSLR, nicht aber für die Webcam
mit einem kleineren Sensor.
Zunächst lag die Scharfstellgrenze
bei ca. 100x. Nach einer Kollimation mit dem Laser
konnte das Tasco V8 mit dem 6mm Okular noch gut scharf
gestellt werden. Das entsprach einer Vergrößerung
von 166x. Bei einem Test mit einem 7,5mm Baader Eudiaskop
und 2x Barlow (266x) ließ sich das Bild immer
noch scharf stellen, aber das Bild wurde durch die
kleine Austrittpupille recht düster. Die Details
der Mastspitze auf dem Foto waren sehr viel klarer
und deutlicher zu erkennen.
Bei der Kollimation fiel auf, dass die Rückseite
der vorderen Glasscheibe einen feinen milchigen Belag
hatte, der leicht zu beseitigen war. Nach der Kollimation
ist es ratsam, die vor ineinander verschraubbaren
Hülsen der Fangspiegelhalterung mit Heißkleber
zu fixieren.
Fazit
Wer heute ernsthaft in die Astronomie einsteigt,
erwirbt üblicherweise einen Newton-Reflektor,
ein Schmidt Cassegrain, ein Maksutov oder einen
ED-Refraktor. Der katadioptrische Newton, der in
den 1980'ern und 1990'ern gerne im Versandhandel
angeboten wurde, ist nur noch selten zu bekommen.
Der Tasco V8 gehört zu den brauchbaren Modellen
dieses Typs. Schon die gute Montierung zeigt, dass
der Anbieter kein qualitativ minderwertiges Produkt
auf den Markt bringen wollte. Wer das Set gebraucht
im guten Zustand für ca. 200 € bekommt,
mag es ruhig nehmen. Ein Update auf 1 1/4 Zoll Okulare
ist empfehlenswert.