Davon wurden nur 288 Stück hergestellt! Ohne Zweifel
ist das Quantum Q6 ein edles Instrument.
Hersteller
/ Geschichte
Die Quantum Teleskope wurden von Optical Techniques
Inc. (OTI) in den USA im Staat Pennsylvania hergestellt.
OTI hatte sich die Aufgabe gestellt, qualitativ
hochwertige Maksutov-Teleskope herzustellen und
diese so preisgünstig anbieten, dass Amateurastronomen
sie erwerben konnten. OTI positionierte sich als
direkter Konkurrent der Questar Corportion, die
mit exzellenten Materialen und besten fachlichem
Können tragbare Maksutov-Cassegrain Teleskope
herstellte, die einfach zu bedienen und mit hervorragender
Optik ausgestattet waren.
Questar begann 1946 mit der Entwicklung seines
legendären 3,5 Inch Maksutovs, der seit 1954
kommerziell produziert wurde. Mitte der 1970'er
Jahre verließen hochrangige Mitarbeiter Questar
in Folge von internen Auseinandersetzungen und gründeten
das Unternehmen OTI, dessen Sitz gerade mal 10 Meilen
von Questar entfernt war. Während Questar ein
3,5 Inch – f/14 und ein 7 Inch- f/14 anbot,
lieferte OTI die 4 Inch – f/15 und 6 Inch
/ f15 Modelle. Die Qualität der Teleskope von
Questar und OTI war sehr ähnlich auf hohem
Niveau. Kein Wunder, denn Ihre Optiken stammten
vom selben Hersteller J.R. Cumberland, Inc. of Marlow
Heights in Maryland und die maßgeblichen Leute
bei OTI waren ehemalige Questarmitarbeiter.
OTI wurde 1976 gegründet und existierte bis
1981. Der Versuch, Teleskope auf dem Niveau von
Questar günstiger anzubieten, schlug auf Dauer
fehl. OTI bot seine Teleskope mit sachlichen Anzeigen
in den einschlägigen Astronomiezeitschriften
an. Inwieweit Questar im Hintergrund die Strippen
zog, um dem neuen Konkurrenten den Einstieg schwer
zu machen, ist nicht nachzuvollziehen, doch mag
man annnehmen, dass die Ausgründung eines eigenständigen
Unternehmens unter Mitnahme des Know Hows nicht
ohne Widerstand hingenommen wurde. Es stellte sich
heraus, dass der hohe Preis der Questar Teleskope
begründet war. Die Preise von OTI konnten die
Kosten nicht decken. 1979 verkaufte OTI seine Teleskope
mit Verlusten. Mitte 1980 wurde die Produktion eingestellt.
Zum Schluss wurden noch eine Handvoll 8“ Maksutovs
gebaut. Der Hersteller der Optik lieferte dafür
8 Optiksets an OTI. Die wenigen Exemplare sind mittlerweile
rare hochpreisige Sammlerstücke. Die finanziell
bedingten Probleme bei OTI hatten Auswirkungen auf
die Auslieferungen. So wurden die Q6 Teleskope in
schönen Holzkisten geliefert, während
ihre Montierungen zum Teil ohne Transportkisten
zum Käufer gelangten. Die nachträgliche
Lieferung fand nicht statt. Diverse Quellen im Internet
gehen davon aus, dass OTI insgesamt 645 Q4 verkaufte
und nur 288 Q6.
30 Jahre sind seit dem Ende von OTI, dem Hersteller
vergangen. Eine großer Teil der in geringer
Anzahl hergestellten Teleskope wird nicht mehr existieren
oder in einem bedauernswerten Zustand sein. Doch
zeigen die Diskussionen bei Yahoo und Cloudy Nights,
dass die gut erhaltenen Exemplare sehr geschätzt
werden und ihnen eine sehr hohe Qualität zugesagt
wird. Unter Kennern haben sie mittlerweile einen
hohen Sammelwert. Der 6“ Maksutov von OTI
hat einen besseren Ruf als der 7“ Mak von
Questar, der erheblich größer ist und
eine bedeutend längere Zeit zum Auskühlen
braucht.
Neben den Q4 und Q6 Teleskopen wurden die preiswerteren
Q100 und Q150 Maksutovs angekündigt. Sie hatten
keine Control Box mit umschaltbaren Strahlengang
und integrierter Barlow und eine andere einarmige
Gabelmontierung. Die Optik entsprach der in den
teureren Modellen. Hier wurde nicht gespart. Vor
dem Ende von OTI kamen nur wenige Q100 in den Handel.
Technische
Daten
Aspekt
Quantum Q4
Quantum Q6
Freie Öffnung
4 inch / tatsächlich 95mm
6 inch / 150mm
Brennweite
f/15 - 1500mm
f/15 - 2250mm
max. Auflösungsvermögen
1,14 arc sec.
0,76 arc sec.
Obstruktion
33mm (33% Durchmesser, 10% Fläche)
50mm (33% Durchmesser, 10% Fläche)
Unvignettiertes Feld
23mm Durchmesser
35mm Durchmesser
Grenzmagnitude
13
14
Kürzeste Entfernung *
4,5 Meter
9 Meter
Hauptspiegel
Pyrex, 4,65 inch Durchmesser - f/2,5
Pyrex, 6,65 inch Durchmesser - f/2,5
Frontlinse
BK-7, Durchmesser 4,18 inch
BK-7, Durchmesser 6,18 inch
Verspiegelung
Aluminium
Aluminium
Verspiegelung (alternativ) **
Silber
Silber
Vergütung
AR-MgF2
AR-MgF2
Barlow-Linse
1,75x
1,75x
Okularhalter ***
1,25 Inch
2 Inch mit 1,25 Inch Adapter
Sucher
6x30
8x50
Montierung
einarmige Gabelmontierung
einarmige Gabelmontierung
RA Zahnrad
4 Inch Durchmesser
6 Inch Durchmesser
Gewicht
6,4 kg
13,6 kg
Motor (USA)
synchron, 110 V, 60 Hz, 2,7 Watt
synchron, 110 V, 60 Hz, 2,7 Watt
Motor (Europe)
synchron, 220 V, 50 Hz
synchron, 220 V, 50 Hz
*
Diese Angabe ist vom verwendeten Zubehör
abhängig.
**
Höherwertig gegen Aufpreis.
***
Gilt für nach oben gerichteten Okularstutzen.
Hersteller
OPTICAL TECNIQUES, INC.
Newtown
Pennsylvania 18940
Garantie: 10 Jahre auf Materialdefekte und fachgerechte
Herstellung abgesehen von den manuellen Antrieben,
die je nach Benutzungsgrad verschleißen und
gegen die Erstattung von Arbeitszeit und Materialkosten
ersetzt werden. Spezielle Beschichtungen unterliegen
einer Garantie von 5 Jahren.
Beschreibung
OTI stellte vor allem
die Modelle Q4 (4 Inch / 95,3 mm Öffnung) und
Q6 (6 Inch / 150mm Öffnung) her. Sie bestehen
aus dem optischen Tubus mit der frontseitigen Korrektorplatte,
dem Sekundärspiegel und dem Hauptspiegel. Vor
der Frontlinse befindet sich ein Gewinde, über
das eine optionale Taukappe an das Teleskop geschraubt
werden kann. Verzichtet man darauf, sollte das reflektierende
Metall mit einem dunklen, wasserfesten Filzstift abgedunkelt
werden.
Auf der Rückseite befindet sich die sogenannte
Control Box mit der Fokussierung, einem nach hinten
und ein nach oben gerichteten Austrittsöffnung,
dem Okularstutzen, eine in den Strahlengang kippbare
1,7x Barlowlinse sowie ein Zenitspiegel. Die hintere
Öffnung hat ein T2 Gewinde, das an der Stelle
ungewöhnlich ist, weil normalerweise das Zubehör
mit diesem Gewinde ausgestattet ist. Daher wird man
sich einen Adapter besorgen müssen, der im Astrohandel
leicht zu erhalten ist. Seltsamerweise werden die
beim Q6 austauschbaren Okularaufnahmen über ein
anderes Gewinde in den oberen Strahlenausgang geschraubt.
Das eigenwillige Konzept der Integration des Suchers
in die Control Box von Questar hat OTI nicht übernommen.
In der Control Box des Quantum Q4 und
Q6 befindet sich eine einschwenkbare 1,7x Barlowlinse.
Links: weggeklappte Barlowlinse
Rechts: eingeschwenkte Barlowlinse
Auffällig bei
dem hier stehenden Exemplar ist die Position des oberen
Okularstutzens. Er ist leicht zum Arm der Gabel geneigt
und zeigt nicht exakt nach oben. Das Teleskop hat
keinen Schaden und es sieht nicht so aus, als ob hier
jemand rumgefummelt hätte. Möglicherweise
hat der Hersteller die Neigung so gewollt in der Annahme,
dass der Benutzer neben der Gabel steht, weil er dort
am besten an alle bedienbaren Elemente herankommt
und nicht 'hinter' dem Teleskop.
Mit den hinteren Drehknöpfen werden die Barlowlinse
und der Zenitspiegel ein- oder ausgeschwenkt.
Montierung
Die Quantum Teleskope wurden mit einer einarmigen
Gabelmontierung geliefert. Sie hat eine breite,
schwere Basis und kann problemlos auf einen Tisch
oder eine Mauer gestellt werden, die als 'Stativ'
fungieren. In der Basis befindet sich ein Motor,
der sinnvoll ist, wenn die Montierung parallaktisch
aufgestellt wird. Dafür bräuchte man eine
passende Wiege, um den Neigungswinkel der Polachse
einzustellen. Eine Wedge von Celestron oder Meade
für die 8“ SCTs ist dafür zu klein
bemessen. OTI bot für das Quantum Six ein 'Folding
Tripod and Wedge Assembly, latitude adjustment 12°
to 58°' für 435 $ an. Das war 1979 ein
sehr hoher Preis für die Möglichkeit,
die Montierung parallaktisch aufzustellen und wäre
es heute noch. Jeder handwerklich halbwegs Versierte
bekommt mit Hilfe seines Baumarktes eine gute Alternative
für ein paar Euro hin.
In diversen Preislisten von OTI wird ein 'Variable
Frequency Drive Corrector' für 150 $ zur Korrektur
der Nachführung angeboten. Desweiteren wird
ein 'DC Declination Drive System' stets mit der
Angabe 'Price and Availability to be announced'
genannt. Vermutlich ist der motorisierte DA-Antrieb
nie im Handel gewesen.
Die Deklinationsachse hat einen Feinantrieb mit
Friktionsantrieb. Eine kleine Achse bewegt ein dünnes
großes Rad. Das funktioniert gut, solange
des Teleskop gewichtsmäßig einigermaßen
ausbalanciert an der Montierung befestigt ist. Dazu
gehört das Okular und der Sucher. Der Schutzdeckel
meines Q6 besteht aus Aluminium und enthält
eine integrierte Batinnovv-Maske zum besseren Scharfstellen
beim Fotografieren. Ist der Deckel vorne aufgesetzt
und 'achtern' kein Okular eingesteckt sowie kein
Sucher in den Schellen, versagt der Friktionsantrieb
der DA-Achse. Das Teleskop läßt sich
dann nicht mehr nach oben schwenken; es rutscht
nach unten durch.
Der Feinantrieb der DA-Achse basiert auf Friktion und bedingt
ein gutes gewichtsmäßiges Ausbalancieren des
Teleskops an der Gabel.
Die Gabelmontierungen von Meade und Celestron haben
Feinantriebe für die RA-Achse, die sich manuell
nicht gut bedienen lassen. OTI hat das besser gelöst.
Dafür sind die Feinantriebe der DA-Achsen von
Meade und Celestron ausgereifter.
Die Befestigung des Teleskops an der Montierung
erfolgt mit einer Schraube. Zwei dünne Metallstifte
ragen in die Halterung am Teleskop und bewirken,
dass es sich nicht unkontrolliert verdreht. Für
das kleinere Q4 sieht das ordentlich aus. Für
den größeren Q6 Tubus wäre eine
dickere Schraube schöner.
Optische
Qualität
Quantum Q6
Maksutov Teleskop 150mm / 2700mm mit Pentax K-5
Pentax K-5 - ISO 400
2700mm sind eine lange Brennweite, insbesondere
für eine DSLR mit APS Sensor. Unruhige Luft
macht sich stark qualitätsmindernd bemerkbar.
Die Kamera kann bei leicht unruhiger Luft nicht
im Mindesten die hohe Schärfe und Auflösung
wiedergeben, die im Okular zu sehen ist. Das Auflösungsvermogen
der 16 MP DSLR ist zu gering und wie man am Ausschnitt
sieht, auch zu grobkörnig. Die Optik ist Topp!
Bei unserem Test war die Anbringung der DSLR nicht
optimal. Mangels eines passenden Adapters mussten
wir mit einer 1,25" Zoll Einsteckhülse
mit dem nach oben abgelenkten Lichtbündel fotografieren.
Daraus ergab sich eine Vignettierung, die wir aus
den Ecken der Gesamtansicht wegretuschiert haben.
Das Fotografieren sollte idealerweise am hinteren
Ausgang stattfinden.
Die Genauigkeit der Oberflächenpolitur wird
bei allen Quantum Maks mit 1:20 Wavelength angegeben
und liegt damit in der oberen Liga. Es gab zwei
Verspiegelungen der Haupt-, Sekundär- und Zenitspiegel.
Einmal standardmäßig Aluminum neben einer
speziellen Silberbeschichtung mit höherem Reflexionsgrad.
Laut den Preislisten von Quantum betrug der Lichtgewinn
beim Silber 20%. Auf lange Sicht jedoch ist die
Aluminiumverspiegelung vorzuziehen, weil sie erheblich
stabiler ist, während die Silberbeschichtung
allmählich einen Teil ihres Reflexionsvermögens
einbüßt. Inwieweit dies bei gepflegt
behandelten und gelagerten Teleskopen eine Rolle
spielt, kann ich nicht abschätzen. Quantum
hat die Garantie der Spezialbeschichtung auf 5 Jahre
begrenzt, während sie sonst 10 Jahre betrug.
Die Seriennummer eines Teleskops mit versilberten
Spiegeln enthält den Buchstaben 'C'.
Die optische Qualität des Quantum Q6 ist sehr
gut. Wie von guten Maksutovs bekannt, sind die Bilder
praktisch absolut farbrein. Steckt das Okular im
nach oben gerichteten Anschluss, ist das Bild aufrecht
und spiegelverkehrt. Mit etwas Gewöhnung lassen
sich so Naturbeobachtungen vornehmen. Die Fokussierung
an dem getesteten Gerät war ohne Shifting,
das bei anderen Teleskopen mit Hauptspiegelfokussierung
in mehr oder weniger starker Ausprägung nicht
unüblich ist. Die einschwenkbare Barlow verlagert
die Einstellung der Schärfe beträchtlich.
Ein schnelles hin und her Switchen geht nicht. Der
Wechsel von Okularen kann in der Praxis der bessere
Weg sein, um die Vergrößerung zu ändern.
Das Quantum Q6 hat ein Öffnungsverhältnis
von 1:15 und somit eine Brennweite von ca. 2250mm.
Ohne die eingeschwenkte Barlow wird mit einem 40mm
Okular eine Vergrößerung von 56x erreicht,
mit 30mm 75x, mit dem 15mm Okular 150x und mit 8mm
281x. Offensichtlich ist das Quantum Q6 für
höchste Vergrößerungen in seiner
Größenklasse entwickelt. Die Theorie
setzt bei 150mm Öffnung die sinnvolle Vergrößerungsgrenze
bei 300x, die mit diesem Teleskop ohne exotische
Okulare erreichbar ist.
Bei einer Begutachtung des Teleskops mit einen renommierten
und fachlich versierten deutschen Astrohändler
landeten wir beim Baader Eudiascopic 7,5mm in Kombination
mit dem im Teleskop integrierten 1,75x Barlowelement.
2250mm Brennweite x 1,75 : 7,5mm Okularbrennweite
= 525x Vergrößerung. Erstaunlicherweise
war das Bild immer noch richtig scharf zu stellen.
Das Quantum Q6 an der einarmigen Montierung. Der
2" Okularansatz ist eingeschraubt. Links liegt
der 1,25" Zoll Okularansatz neben der Montierung.
Der aufwendig gearbeitet Deckel enthält eine
Scharfstellhilfe, die der Bahtinov-Maske oder Scheinerblende
ähnelt.
Die dreieckigen Löcher sind durch ein dahinterliegendes
Rad verschließbar.