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Teleskope für Natur und Sterne


 
 
Quantum Q6 Maksutov Thomas Gade - Oktober 2011


Das Quantum Q6 an seiner einarmigen Montierung.


Davon wurden nur 288 Stück hergestellt! Ohne Zweifel ist das Quantum Q6 ein edles Instrument.

Hersteller / Geschichte

Die Quantum Teleskope wurden von Optical Techniques Inc. (OTI) in den USA im Staat Pennsylvania hergestellt. OTI hatte sich die Aufgabe gestellt, qualitativ hochwertige Maksutov-Teleskope herzustellen und diese so preisgünstig anbieten, dass Amateurastronomen sie erwerben konnten. OTI positionierte sich als direkter Konkurrent der Questar Corportion, die mit exzellenten Materialen und besten fachlichem Können tragbare Maksutov-Cassegrain Teleskope herstellte, die einfach zu bedienen und mit hervorragender Optik ausgestattet waren.

Questar begann 1946 mit der Entwicklung seines legendären 3,5 Inch Maksutovs, der seit 1954 kommerziell produziert wurde. Mitte der 1970'er Jahre verließen hochrangige Mitarbeiter Questar in Folge von internen Auseinandersetzungen und gründeten das Unternehmen OTI, dessen Sitz gerade mal 10 Meilen von Questar entfernt war. Während Questar ein 3,5 Inch – f/14 und ein 7 Inch- f/14 anbot, lieferte OTI die 4 Inch – f/15 und 6 Inch / f15 Modelle. Die Qualität der Teleskope von Questar und OTI war sehr ähnlich auf hohem Niveau. Kein Wunder, denn Ihre Optiken stammten vom selben Hersteller J.R. Cumberland, Inc. of Marlow Heights in Maryland und die maßgeblichen Leute bei OTI waren ehemalige Questarmitarbeiter.

OTI wurde 1976 gegründet und existierte bis 1981. Der Versuch, Teleskope auf dem Niveau von Questar günstiger anzubieten, schlug auf Dauer fehl. OTI bot seine Teleskope mit sachlichen Anzeigen in den einschlägigen Astronomiezeitschriften an. Inwieweit Questar im Hintergrund die Strippen zog, um dem neuen Konkurrenten den Einstieg schwer zu machen, ist nicht nachzuvollziehen, doch mag man annnehmen, dass die Ausgründung eines eigenständigen Unternehmens unter Mitnahme des Know Hows nicht ohne Widerstand hingenommen wurde. Es stellte sich heraus, dass der hohe Preis der Questar Teleskope begründet war. Die Preise von OTI konnten die Kosten nicht decken. 1979 verkaufte OTI seine Teleskope mit Verlusten. Mitte 1980 wurde die Produktion eingestellt. Zum Schluss wurden noch eine Handvoll 8“ Maksutovs gebaut. Der Hersteller der Optik lieferte dafür 8 Optiksets an OTI. Die wenigen Exemplare sind mittlerweile rare hochpreisige Sammlerstücke. Die finanziell bedingten Probleme bei OTI hatten Auswirkungen auf die Auslieferungen. So wurden die Q6 Teleskope in schönen Holzkisten geliefert, während ihre Montierungen zum Teil ohne Transportkisten zum Käufer gelangten. Die nachträgliche Lieferung fand nicht statt. Diverse Quellen im Internet gehen davon aus, dass OTI insgesamt 645 Q4 verkaufte und nur 288 Q6.

30 Jahre sind seit dem Ende von OTI, dem Hersteller vergangen. Eine großer Teil der in geringer Anzahl hergestellten Teleskope wird nicht mehr existieren oder in einem bedauernswerten Zustand sein. Doch zeigen die Diskussionen bei Yahoo und Cloudy Nights, dass die gut erhaltenen Exemplare sehr geschätzt werden und ihnen eine sehr hohe Qualität zugesagt wird. Unter Kennern haben sie mittlerweile einen hohen Sammelwert. Der 6“ Maksutov von OTI hat einen besseren Ruf als der 7“ Mak von Questar, der erheblich größer ist und eine bedeutend längere Zeit zum Auskühlen braucht.

Neben den Q4 und Q6 Teleskopen wurden die preiswerteren Q100 und Q150 Maksutovs angekündigt. Sie hatten keine Control Box mit umschaltbaren Strahlengang und integrierter Barlow und eine andere einarmige Gabelmontierung. Die Optik entsprach der in den teureren Modellen. Hier wurde nicht gespart. Vor dem Ende von OTI kamen nur wenige Q100 in den Handel.



Technische Daten

Aspekt Quantum Q4 Quantum Q6
Freie Öffnung 4 inch / tatsächlich 95mm 6 inch / 150mm
Brennweite f/15 - 1500mm f/15 - 2250mm
max. Auflösungsvermögen 1,14 arc sec. 0,76 arc sec.
Obstruktion 33mm (33% Durchmesser, 10% Fläche) 50mm (33% Durchmesser, 10% Fläche)
Unvignettiertes Feld 23mm Durchmesser 35mm Durchmesser
Grenzmagnitude 13 14
Kürzeste Entfernung * 4,5 Meter 9 Meter
Hauptspiegel Pyrex, 4,65 inch Durchmesser - f/2,5 Pyrex, 6,65 inch Durchmesser - f/2,5
Frontlinse BK-7, Durchmesser 4,18 inch BK-7, Durchmesser 6,18 inch
Verspiegelung Aluminium Aluminium
Verspiegelung (alternativ) ** Silber Silber
Vergütung AR-MgF2 AR-MgF2
Barlow-Linse 1,75x 1,75x
Okularhalter *** 1,25 Inch 2 Inch mit 1,25 Inch Adapter
Sucher 6x30 8x50
Montierung einarmige Gabelmontierung einarmige Gabelmontierung
RA Zahnrad 4 Inch Durchmesser 6 Inch Durchmesser
Gewicht 6,4 kg 13,6 kg
Motor (USA) synchron, 110 V, 60 Hz, 2,7 Watt synchron, 110 V, 60 Hz, 2,7 Watt
Motor (Europe) synchron, 220 V, 50 Hz synchron, 220 V, 50 Hz

*   Diese Angabe ist vom verwendeten Zubehör abhängig.
**   Höherwertig gegen Aufpreis.
***   Gilt für nach oben gerichteten Okularstutzen.

Hersteller
OPTICAL TECNIQUES, INC.
Newtown
Pennsylvania 18940

Garantie: 10 Jahre auf Materialdefekte und fachgerechte Herstellung abgesehen von den manuellen Antrieben, die je nach Benutzungsgrad verschleißen und gegen die Erstattung von Arbeitszeit und Materialkosten ersetzt werden. Spezielle Beschichtungen unterliegen einer Garantie von 5 Jahren.


Beschreibung

OTI stellte vor allem die Modelle Q4 (4 Inch / 95,3 mm Öffnung) und Q6 (6 Inch / 150mm Öffnung) her. Sie bestehen aus dem optischen Tubus mit der frontseitigen Korrektorplatte, dem Sekundärspiegel und dem Hauptspiegel. Vor der Frontlinse befindet sich ein Gewinde, über das eine optionale Taukappe an das Teleskop geschraubt werden kann. Verzichtet man darauf, sollte das reflektierende Metall mit einem dunklen, wasserfesten Filzstift abgedunkelt werden.

Auf der Rückseite befindet sich die sogenannte Control Box mit der Fokussierung, einem nach hinten und ein nach oben gerichteten Austrittsöffnung, dem Okularstutzen, eine in den Strahlengang kippbare 1,7x Barlowlinse sowie ein Zenitspiegel. Die hintere Öffnung hat ein T2 Gewinde, das an der Stelle ungewöhnlich ist, weil normalerweise das Zubehör mit diesem Gewinde ausgestattet ist. Daher wird man sich einen Adapter besorgen müssen, der im Astrohandel leicht zu erhalten ist. Seltsamerweise werden die beim Q6 austauschbaren Okularaufnahmen über ein anderes Gewinde in den oberen Strahlenausgang geschraubt. Das eigenwillige Konzept der Integration des Suchers in die Control Box von Questar hat OTI nicht übernommen.

In der Control Box des Quantum Q4 und Q6 befindet sich eine einschwenkbare 1,7x Barlowlinse.
Links: weggeklappte Barlowlinse Rechts: eingeschwenkte Barlowlinse

Auffällig bei dem hier stehenden Exemplar ist die Position des oberen Okularstutzens. Er ist leicht zum Arm der Gabel geneigt und zeigt nicht exakt nach oben. Das Teleskop hat keinen Schaden und es sieht nicht so aus, als ob hier jemand rumgefummelt hätte. Möglicherweise hat der Hersteller die Neigung so gewollt in der Annahme, dass der Benutzer neben der Gabel steht, weil er dort am besten an alle bedienbaren Elemente herankommt und nicht 'hinter' dem Teleskop.


Mit den hinteren Drehknöpfen werden die Barlowlinse und der Zenitspiegel ein- oder ausgeschwenkt.

Montierung

Die Quantum Teleskope wurden mit einer einarmigen Gabelmontierung geliefert. Sie hat eine breite, schwere Basis und kann problemlos auf einen Tisch oder eine Mauer gestellt werden, die als 'Stativ' fungieren. In der Basis befindet sich ein Motor, der sinnvoll ist, wenn die Montierung parallaktisch aufgestellt wird. Dafür bräuchte man eine passende Wiege, um den Neigungswinkel der Polachse einzustellen. Eine Wedge von Celestron oder Meade für die 8“ SCTs ist dafür zu klein bemessen. OTI bot für das Quantum Six ein 'Folding Tripod and Wedge Assembly, latitude adjustment 12° to 58°' für 435 $ an. Das war 1979 ein sehr hoher Preis für die Möglichkeit, die Montierung parallaktisch aufzustellen und wäre es heute noch. Jeder handwerklich halbwegs Versierte bekommt mit Hilfe seines Baumarktes eine gute Alternative für ein paar Euro hin.

In diversen Preislisten von OTI wird ein 'Variable Frequency Drive Corrector' für 150 $ zur Korrektur der Nachführung angeboten. Desweiteren wird ein 'DC Declination Drive System' stets mit der Angabe 'Price and Availability to be announced' genannt. Vermutlich ist der motorisierte DA-Antrieb nie im Handel gewesen.

Die Deklinationsachse hat einen Feinantrieb mit Friktionsantrieb. Eine kleine Achse bewegt ein dünnes großes Rad. Das funktioniert gut, solange des Teleskop gewichtsmäßig einigermaßen ausbalanciert an der Montierung befestigt ist. Dazu gehört das Okular und der Sucher. Der Schutzdeckel meines Q6 besteht aus Aluminium und enthält eine integrierte Batinnovv-Maske zum besseren Scharfstellen beim Fotografieren. Ist der Deckel vorne aufgesetzt und 'achtern' kein Okular eingesteckt sowie kein Sucher in den Schellen, versagt der Friktionsantrieb der DA-Achse. Das Teleskop läßt sich dann nicht mehr nach oben schwenken; es rutscht nach unten durch.


Der Feinantrieb der DA-Achse basiert auf Friktion und bedingt ein gutes gewichtsmäßiges Ausbalancieren des Teleskops an der Gabel.

Die Gabelmontierungen von Meade und Celestron haben Feinantriebe für die RA-Achse, die sich manuell nicht gut bedienen lassen. OTI hat das besser gelöst. Dafür sind die Feinantriebe der DA-Achsen von Meade und Celestron ausgereifter.

Die Befestigung des Teleskops an der Montierung erfolgt mit einer Schraube. Zwei dünne Metallstifte ragen in die Halterung am Teleskop und bewirken, dass es sich nicht unkontrolliert verdreht. Für das kleinere Q4 sieht das ordentlich aus. Für den größeren Q6 Tubus wäre eine dickere Schraube schöner.


Optische Qualität

Quantum Q6
Maksutov Teleskop 150mm / 2700mm mit Pentax K-5

Pentax K-5 - ISO 400

2700mm sind eine lange Brennweite, insbesondere für eine DSLR mit APS Sensor. Unruhige Luft macht sich stark qualitätsmindernd bemerkbar.

Die Kamera kann bei leicht unruhiger Luft nicht im Mindesten die hohe Schärfe und Auflösung wiedergeben, die im Okular zu sehen ist. Das Auflösungsvermogen der 16 MP DSLR ist zu gering und wie man am Ausschnitt sieht, auch zu grobkörnig. Die Optik ist Topp!


Bei unserem Test war die Anbringung der DSLR nicht optimal. Mangels eines passenden Adapters mussten wir mit einer 1,25" Zoll Einsteckhülse mit dem nach oben abgelenkten Lichtbündel fotografieren. Daraus ergab sich eine Vignettierung, die wir aus den Ecken der Gesamtansicht wegretuschiert haben. Das Fotografieren sollte idealerweise am hinteren Ausgang stattfinden.

Die Genauigkeit der Oberflächenpolitur wird bei allen Quantum Maks mit 1:20 Wavelength angegeben und liegt damit in der oberen Liga. Es gab zwei Verspiegelungen der Haupt-, Sekundär- und Zenitspiegel. Einmal standardmäßig Aluminum neben einer speziellen Silberbeschichtung mit höherem Reflexionsgrad. Laut den Preislisten von Quantum betrug der Lichtgewinn beim Silber 20%. Auf lange Sicht jedoch ist die Aluminiumverspiegelung vorzuziehen, weil sie erheblich stabiler ist, während die Silberbeschichtung allmählich einen Teil ihres Reflexionsvermögens einbüßt. Inwieweit dies bei gepflegt behandelten und gelagerten Teleskopen eine Rolle spielt, kann ich nicht abschätzen. Quantum hat die Garantie der Spezialbeschichtung auf 5 Jahre begrenzt, während sie sonst 10 Jahre betrug. Die Seriennummer eines Teleskops mit versilberten Spiegeln enthält den Buchstaben 'C'.

Die optische Qualität des Quantum Q6 ist sehr gut. Wie von guten Maksutovs bekannt, sind die Bilder praktisch absolut farbrein. Steckt das Okular im nach oben gerichteten Anschluss, ist das Bild aufrecht und spiegelverkehrt. Mit etwas Gewöhnung lassen sich so Naturbeobachtungen vornehmen. Die Fokussierung an dem getesteten Gerät war ohne Shifting, das bei anderen Teleskopen mit Hauptspiegelfokussierung in mehr oder weniger starker Ausprägung nicht unüblich ist. Die einschwenkbare Barlow verlagert die Einstellung der Schärfe beträchtlich. Ein schnelles hin und her Switchen geht nicht. Der Wechsel von Okularen kann in der Praxis der bessere Weg sein, um die Vergrößerung zu ändern.

Das Quantum Q6 hat ein Öffnungsverhältnis von 1:15 und somit eine Brennweite von ca. 2250mm. Ohne die eingeschwenkte Barlow wird mit einem 40mm Okular eine Vergrößerung von 56x erreicht, mit 30mm 75x, mit dem 15mm Okular 150x und mit 8mm 281x. Offensichtlich ist das Quantum Q6 für höchste Vergrößerungen in seiner Größenklasse entwickelt. Die Theorie setzt bei 150mm Öffnung die sinnvolle Vergrößerungsgrenze bei 300x, die mit diesem Teleskop ohne exotische Okulare erreichbar ist.

Bei einer Begutachtung des Teleskops mit einen renommierten und fachlich versierten deutschen Astrohändler landeten wir beim Baader Eudiascopic 7,5mm in Kombination mit dem im Teleskop integrierten 1,75x Barlowelement.
2250mm Brennweite x 1,75 : 7,5mm Okularbrennweite = 525x Vergrößerung. Erstaunlicherweise war das Bild immer noch richtig scharf zu stellen.

Quellen:

http://tech.groups.yahoo.com/group/questar/

http://www.cloudynights.com/ubbthreads/showflat.php/Cat/0/Number/2363684/page/6/view/collapsed/sb/5/o/all/fpart/1/vc/1

http://www.company7.com/library/quant6.html

http://www.knology.net/~pkh111/astrophotos/Q6%20Info.htmlhttp://skywatch.brainiac.com/used/used_sct.pdf

Das Quantum Q6 an der einarmigen Montierung. Der 2" Okularansatz ist eingeschraubt. Links liegt der 1,25" Zoll Okularansatz neben der Montierung. Der aufwendig gearbeitet Deckel enthält eine Scharfstellhilfe, die der Bahtinov-Maske oder Scheinerblende ähnelt.


Die dreieckigen Löcher sind durch ein dahinterliegendes Rad verschließbar.



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