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Carton Refraktor 60mm/1000mm

September 2012 © Thomas Gade



Technische Daten

Öffnung 60mm
Brennweite 1000mm (F 16,7)
Objektivtyp Achromat mit Luftspalt
Gewicht des Tubus 1,15 kg

Einige der früheren Kaufhausteleskope wurden in aufwändig produzierten Holzkisten angeboten. Sie haben gute Verschlüsse aus Metall und stabile Tragegriffe. Sie bestehen aus mehrschichtverleimten Hölzern. Heute würde die Kiste im Astrohandel mindestens 100 € kosten.

Nach dem Öffnen des Behälters sieht man überraschenderweise Styroporformen, in deren Vertiefungen viele Bestandteile des Teleskop-Sets liegen, meist in zwei bis drei Lagen übereinander. Wie man damals auf die Idee kam, robuste Holzkisten mit brüchigen Styroporeinlagen zu kombinieren, ist schleierhaft. Mit Anstrichen aus Holzleim und Epoxydharz kann die mechanische Belastbarkeit des Styropors erhöht werden. In solch einer Kiste wurde auch der Carton 60/1000 Refraktor geliefert.

Klassischer Refraktor

Das Teleskop hat am vorderen Ende ein Objektiv und die Taukappe. Auf der anderen Seite ist der Okularauszug zur Aufnahme von Okularen und zum Scharfstellen. Weiterhin gibt es einen ordentlichen 6x30 Sucher.

Der 60 mm Refraktor von Carton wiegt mit Okularhülse und Taukappe knapp 1,2 Kilogramm. Er ist leicht und die Ansprüche an die Montierung sind deswegen gering. Der Tubus des Teleskops und viele andere Metallteile bestehen aus Aluminium.

Das achromatische Objektiv besteht aus zwei Linsen, die durch drei dünne Metallplättchen getrennt mit einem Luftspalt montiert sind. Die Kanten der Linsen sind nicht geschwärzt. Blickt man auf das Objektiv, ist ein knapp 1 cm hellerer Rand erkennbar, bei dem nicht klar ist, ob es sich um eine Reflektion der Fassung hinter dem ungeschwärzten Linsenkanten handelt, um einen Vergütungsfehler oder einer Mischung aus beiden.

Okulare und Zubehör

In der Kiste des Carton Teleskop befindet sich allerhand Zubehör: Ein Zenitprisma, ein Zenitspiegel, ein Umkehrprisma und drei Okulare (20mm Huygens, 12,5mm Kellner und 4mm SR [Symmar ?]), ein Mond- und ein Sonnenfilter sowie eine 2x Barlowlinse. Zum Teleskop gehört eine Okularaufnahme mit einer schönen Ringklemmung anstelle der sonst üblichen einfachen Klemmschraube.




6x30 Sucher, Umkehrprisma, drei Okulare, zwei Filter, ein Zenitprisma und eine 2x Barlowlinse


Drei Okulare, ein Zenitprisma, zwei Filter und die Okularhülse.



Mit dem 20mm Huygens wird bei 1000mm Brennweite eine Vergrößerung von 50x erzielt. Das 12,5mm Kellner vergrößert 80x. Das 4mm SR müßte theoretisch 250x vergrößern. Wir vergleichen das 4mm mit dem 4 mm Ortho von Carl Zeiss Jena. Es vergrößert 250x. Es gibt einen gehörigen Vergrößerungsunterschied. Im Zeiss haben Gegenstände circa die doppelte Breite, bzw. Länge wie im 4mm Okulare des Carton. Die Brennweite des sogenannten 4mm Okulars von Carton entspricht eher einem 8mm Okular, was ein 125x Vergrößerung zur Folge hat. Damit ist die maximale sinnvolle Vergrößerung des 60mm Refraktors erreicht. Mit den drei Okularen wird der sinnvolle Vergrößerungsbereich gut abgestuft angeboten. Deswegen ist die beiligende Barlowlinse sinnlos.


Ein 1 1/4 Zoll Okular von Celestron (18mm Ortho) neben dem Umkehrprisma des Carton Teleskops.

Die kleine Öffnung (Ø 10mm) des Umkehrprismas weist darauf hin, dass nur ein kleines Bildfeld zu erwarten ist. Deswegen ist es praktisch wertlos. Weiterhin gibt es einen soliden teilbaren Tubus zum Anbringen einer Spiegelreflexkamera. In diesen Tubus kann ein Okular versenkt werden. Bei 1000mm Brennweite und 60mm Öffnung ist eine Okularprojektion unnötig, da die geringe Öffnung des Teleskops nicht ausreichend Licht einsammelt, um bei einer effektiven Brennweitenverlängerung noch gute Bilder zu erwarten. Zudem ist die Montierung selbst für Aufnahmen mit 1000mm Brennweite nicht wirklich geeignet.

Stativ

Das Stativ besteht aus drei teleskopartig ausziehbaren Holzbeinen. Sie werden über einen metallenen Kopf, der seitlich drei Verbindungsstücke für die Holzbeine hat, verschraubt. Die Verbindung der Holzbeine mit dem Metallkopf des Stativ könnte besser sein. Das Stativ lässt sich leicht verwinden. Dies passiert bereits durch die mechanischen Belastungen bei der Benutzung des Teleskops und leichtem Wind. Aus diesem Grunde ist es ratsam, diesen Schwachpunkt zu beseitigen. Diese Herausforderung meistert ein geschickter Bastler mit etwas Holz, Leim und Schrauben.





Montierung

Zwischen dem Stativ und dem Teleskop befindet sich die parallaktische Montierung. Sie hat auf der einen Seite eine fest angebrachte Schelle für das Teleskop und auf der gegenüberliegenden Seite eine Stange mit einem verschiebaren Gegengewicht. Beide Achsen haben eine Nachführeinrichtung mit Drehknöpfen an einer Stange und einer flexiblen Welle. Die Antriebe sind umbaut und nicht offen. Es ist nicht erkennbar, ob voll umlaufende Zahnräder verwendet werden. Beim Drehen der Wellen, kommt irgendwann ein Punkt, an dem die Nachführung nichts mehr bewirkt. Eventuell muss die alte Montierung geöffnet und neu justiert werden. Die RA-Achse hat neben der Klemmschraube eine zweite Feststellschraube, die sich dort befindet, wo an anderen Montierungen der Einblick in einen optischen Polsucher wäre. Mangels einer technischen Beschreibung in unserem Set und wenig Lust, die Montierung zu zerlegen, blieb der technische Hintergrund dieser Konstruktion verborgen.

Der leichte Carton Refraktor wird beim visuellen Beobachten ordentlich von der Montierung getragen, aber zum Fotografieren ist sie nicht geeignet.




Sonnenfilter

Zur Beobachtung der Sonne befindet sich im Set ein Sonnenfilter, der in das Okular eingeschraubt wird. Damit ist die Sonne grün zu sehen.


Sonnenfilter

Wichtig: Grundsätzlich ist dieses Hilfmittel in Verruf geraten. Nicht umsonst redet man in der Optik von 'Brennweite' und 'Brennpunkt'. Der Sonnenfilter kann durch die konzentrierte Bündelung des warmen Sonnenlichts platzen.

Dabei entsteht ein Spalt, durch den grelles, konzentriertes Sonnenlicht dringt und einen Augenschaden bewirkt, wenn nicht sofort reagiert wird. Ein Defekt am Sonnenfilter ist bei einem 60mm Refraktor mit langer Brennweite durch die kleine Öffnung und das relativ große Sonnenscheibchen eher unwahrscheinlich. In meiner Jugendzeit wurden die 60/900 Refraktoren von Unitron hemmungslos mit solchen Okular-Sonnenfiltern auf die Sonne gerichtet. Wir wußten, dass solche Filter platzen konnten und waren auf der Hut. In den manuell nachgeführten Teleskopen wanderte die Sonne während der Beobachtungspausen rasch aus dem Bild. Dadurch war der Sonnenfilter nicht ständig der Wärme ausgesetzt.

Auf keinen Fall darf man solche Filter an Teleskopen mit größeren Objektivöffnungen verwenden, da der Grad der Erwärmung zunimmt. Am heute gerne gebrauchten 80mm ED Refraktor mit F 1:6 bis 1:7 gelangt 1,8x mehr Licht durch das größere Objektiv und wird durch die kürzere Brennweite auf eine ca. ein Viertel so große Fläche konzentriert wie im 60/1000 Refaktor. Die Fläche des kleinen Sonnenscheibchens im 80mm ED Refraktor ist ungefähr 7x so warm wie die des 60/1000 Refraktors. Deswegen ist der Einsatz der alten Okularsonnenfilter an modernen Refraktoren leichtsinnig und sehr gefährlich.

Sonnenprojektion

Alternativ liegt eine Sonnenprojektionseinrichtung bei. Sie besteht, wie fast alle Metallteile dieses Teleskop, aus Aluminium und ist leicht. Vorne gibt es ein schwarzes Blech zum Abschatten und hinter dem Olular befindet sich eine weiße Projektionsfläche. Die Haltestange wird am Sucherschuh befestigt.






Sonnenprojektion mit einem Celestron 18mm Ortho. Die Streifen auf der oberen Sonnenhälfte stammen von der Oberfläche der Projektionsfläche. Es sind drei Sonnenflecken zu sehen. Qualitativ kann die Sonnenprojektion nicht mit dem direkten Blick durch das Okular standhalten. Die Verwendung eines Stücks Sonnenfilterfolie vor dem Objektiv wäre den beiden Methoden vorzuziehen.

Optische Qualität

Hinsichtlich der optischen Leistung eines 60 mm Refraktors mit 1000mm Brennweite kann man nicht viel falsch machen. Das Öffnungsverhältnis von F 1: 16,7 minimiert das Auftreten von Farbsäumen, die ein achromatisches Objektiv mit geringeren Öffnungsverhältnissen aufweist.

Mit den beiliegenden Okularen ist der Blick durch den Carton Refraktor dürftig. Das ist nicht überraschend, denn häufig wurden die Kaufhaus-Sets mit Okularen von geringer Qualität ausgeliefert. Mit 0,96 Zoll Okulare von Carl Zeiss Jena wird das Bildfeld größer und die Abbildung bedeutend besser. Das 25mm Ortho von Zeiss überfordert das 0,96" Zenitprima. Auf einer Seite wird ein bläulicher Rand sichtbar.

Es ist ratsam, einen Adapter für das heute übliche 1 1/4 Zoll Zubehör zu beschaffen, um ein größer dimensioniertes Zenitprisma verwenden zu können. Am Okularauszug befindet sich ein 36 mm Schraubgewinde, das von verschiedenen Teleskopherstellern zum Einschrauben der passenden Steckhülse verwendet wird. Mit 1 1/4 Zoll-Zubehör spielt das Teleskop sofort in einer anderen Liga.

Fazit

Der japanische Carton 60/1000 Refraktor ist ein nettes Gerät zum Beobachten des Mondes, der Sonne und einiger Planeten. Die Verwendung eines 1 1/4 Zoll Adapters ist unbedingt anzuraten, wenn kein gutes 0,96 Zoll Zubehör vorhanden ist.

In der Kombination wird aus diesem Refraktor ein brauchbares Instrument. Teleskope dieses Typs sind auf den Gebrauchtmärkten billig zu erhalten. Viele Amateurastronomen, die bis in die 1990'er Jahre mit der Sternguckerei angefangen haben, nutzten als Jugendliche solche Instrumente für ihre ersten Beobachtungen. Sie betrachten solche Teleskope mit nostalgischen Gefühlen. Nach einer Adaption auf 1 1/4 Zoll-Zubehör ist der Carton 60mm Refraktor die paar Euro, die man üblicherweise hinblättern muss, alle Male wert ist. Für Jugendliche, die austesten wollen, ob die Astronomie Spaß macht, ist dieses Teleskop ein gutes Einstiegsinstrument.

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