| Reflecta
DigitDia 3600 |
Autor: Thomas
Gade |
Oktober 2003 |
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Hersteller
Der Hersteller ist, wie bei allen von Reflecta vertriebenen
Scannern, wieder die Fa. Pacific Images Electronics (www.scanace.com),
dessen baugleiche Scanner unter verschiedenen Namen auf den
Markt kommen.
Lieferumfang
Der Reflecta DigitDia 3600 Magazin-Scanner wird in einem stabilen
Karton mit folgendem Zubehör geliefert: Scanner, Netzteil,
Stromkabel, Firewirekabel, Adobe Photoshop Album, Photoshop
Elements, Treibersoftware und Anleitung. Reflecta hatte mir
freundlicherweise ein Testgerät mit einem Päckchen
Reflecta CS Diarahmen und einem dazu passendes Magazin zur
Verfügung gestellt.
Anleitung
Die Anleitung ist ein dünnes Heft. Es beschreibt klar
und deutlich, wie man das Gerät anschliessen muß
und die Bedienung des Programms. Folgt man den Anweisungen
ist die Installation kein Problem. Beim Installieren des Scanners
unter Windows XP und Windows Millenium an einem PC mit AMD
2600+ CPU, 1 GB Arbeitsspeicher und MSI K6 Delta Mainboard
gab es keinerlei Schwierigkeiten.
Software
Die Bedienung von Cyberview ist relativ leicht. Natürlich
muß man den Funktionsumfang durch erste Versuche kennenlernen.
Die Software bietet diverse Optionen: Drehen, Spiegeln, Einstellung
der Auflösung, Bearbeitung der Tonwertkurve, Helligkeit
und Kontrast. Beim Vorscan und dem eigentlichen Scan kann
man ein Einzelbild, eine Bildreihe im Magazin oder ausgewählte
Bilder aus einer Vorschauleiste einstellen. Die Scanauflösung
stellt sich immer auf 1800 dpi ein. Wenn man einen anderen
Wert bevorzugt, muß man die Auflösung immer anpassen.
Das ist der einzige nachteilige Schnitzer, den sich die Cyberviewentwickler
erlaubt haben, denn damit zwingt man den Nutzer zu einer erhöhten
Aufmerksamkeit, die völlig unnötig ist.
Erfreulicherweise berücksichtigt der Scanner, daß
sich in den Magazinen Dias im Hoch- oder Querformat befinden.
Die Scanfläche ist gross genug, um sie so oder so richtig
zu bearbeiten. Ausserdem kann man Dias im 4x4 Format scannen.
Die Automatik erkennt die unterschiedlichen Formate oder Ausrichtungen
und liefert korrekt beschnittene Bilddateien. Erfreulicherweise
kann man 16 Bit Dateien ausgeben. Wer heftig Tonwerte manipulieren
muß, wird das zu schätzen wissen.
Alternativ kann man mit VueScan arbeiten. Die Software
kann auf folgender Website runter geladen werden: www.hamrick.com
Bei meinem Versuch konnte ich nicht erkennen, dass VueScan
die Bilder automatisch beschnitt wie Cyberview es macht. Andererseits
bietet VueScan eine wesentlich weitreichendere Kontrolle über
den Scanvorgang.
Zum Zeitpunkt des Schreibens dieses Berichts konnte ich auf
der Lasersoft-Website nichts von der Existenz einer Silverfast-Version
für diesen Scanner feststellen.
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Scannen
Der Reflecta DigitDia 3600 ist ein Automat, der für das
Scannen von Diastapeln in Magazinen konzipiert wurde. Er sieht
aus wie ein Diaprojektor, bei dem das Objektiv vergessen wurde.
Wie beim Diaprojektor ist der reibungslose Diawechsel abhängig
von der Kombination Magazin und Diarahmen. Bei den Tests wurden
CS-Rahmen in CS-Magazinen anstandlos transportiert. Die gleichen
Rahmen verursachten in Standardmagazinen für Diarahmen
aller Art Probleme, da der Schieber des Scanners manchmal
zwischen die Dias rutschte. Das ist ein grundsätzliches
Problem von Projektoren, die für Magazine aller Art ausgelegt
wurden. Der DigitDia hat hier ähnliche Schwächen
wie viele Mittelklasse-Diaprojektoren.
Die nachstehenden Bilder zeigen einen Vergleich mit einem
Nikon Coolscan 4000. Die im Test verwendeten Aufnahmen sind
typische Dias, also Reisebilder, die mit ruhiger Hand, aber
ohne Stativ gemacht wurden. Die Ergebnisse beider Scanner
erscheinen ähnlich, wobei die Tonwertkurven nicht gerade
als identisch bezeichnet werden können. Wer sich an den
Lücken in der Kammstruktur beim Reflecta stört,
sollte mit dem 16 Bit Modus arbeiten und die Dateien erst
nach der Tonwertabstimmung in den 8 Bit Modus konvertieren.
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links:
4000 dpi / 8 Bit Scan mit einem Nikon Coolscan 4000
und Silverfast
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rechts:
3600 dpi / 8 Bit Scan mit einem Reflecta DigitDia
3600 und Cyberview |
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Eine Detailvergrösserung zeigt, daß
der Reflecta bei Vorlagen dieser Art dem Nikon kaum nachsteht.
Der Nikon hat ein wenig mehr Biss in den Details und würde
dies bei feinkörnigen Filmen, die mit guter Optik vom
Stativ belichtet wurden, deutlicher zum Ausdruck bringen.
Der Reflecta hat eine angenehme Beleuchtung, die einen milden
Korndämpfungseffekt hat. Feine Kratzer und Schmutzpartikel
werden ebenfalls unterdrückt. Beim Nikon wurde die Schmutzbeseitigungsfunktion
ICE eingesetzt. Dem DigitDia 3600 fehlt diese Funktion.
Rechts unten im Reflecta Bild sieht man einen schwarzen Staubfaden,
der auf dem Nikon Scan dank ICE nicht zu sehen ist.
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links:
4000 dpi Scan mit einem Nikon Coolscan 4000 und
Silverfast |
rechts:
3600 dpi Scan mit einem Reflecta DigitDia 3600 und
Cyberview |
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Diaformate
Der Reflecta verarbeitet mehr oder weniger alle Formate,
deren Größe den üblichen Kleinbilddias entspricht.
Wer alte Diabestände aufarbeitet, hat sicherlich Dias,
die zwischen zwei Glasscheiben, die an den Kanten mit gummierten
Papierstreifen zusammengeklebt wurden, montiert sind. Wenn
die Papierstreifen nicht stramm am Glas kleben, sondern
schon etwas brüchig befestigt sind, hat der Transport
des Reflecta DigitDia wie die meisten anderen Diaprojektoren
Probleme damit. Es gibt Dias, die sich in dünnen Papprahmen
befinden. Auch sie sind problematisch, da sie nicht in die
CS-Magazine passen und für die anderen Magazine eigentlich
zu dünn sind. Der Schieber des Projektors kann schon
mal daran vorbeigleiten. Beim Einsatz verschiedener Magazine
und unterschiedlich dicker Diarahmen zeigte sich, daß
der Transport des Reflecta Schwächen hat. So manches
Mal schob sich der Schieber zwischen zwei Dias in das Gehäuse
und startete einen Scan. Einmal verkantete sich ein Dia
und der Schieber ruckte immer vor und zurück. Er stoppte
nicht von selbst. Ein manueller Eingriff war notwendig.
Man sollte den Scanner nicht unbeaufsichtigt laufen lassen,
um in so einem Fall eingreifen zu können. Alle diese
Verhaltensweisen kennt der Diafotograf von Diaprojektoren.
Obwohl der Scanner für Hoch-, Quer- und 4x4-Formate
ausgelegt ist, werden die Ecken von Superslides abgeschattet.
Da wurde sicherlich eine ungeschickt konstruierte Metallblende
verbaut. Wäre der mir zur Verfügung gestellte
Testscanner mein Eigentum, würde ich die Blende ausbauen
oder die Ecken ausfeilen. Für Nutzer, die keine 4x4
grossen Dias haben, ist diese Blende unerheblich.
Die Ecken links und rechts oben sowie rechts unten werden
abgeschattet. Konstruktionsfehler?
Sonstige technische Eigenarten
Der Reflecta DigitDia wird über ein Netzteil mit Strom
versorgt. Irgendwie wertet dies ein Gerät in meinen
Augen ab, zumal mit dem Ein- und Ausschalter des Scanners
die Stromversorgung des Netzteils, dessen grüne Lampe
stets an ist, nicht unterbrochen wird. Die Lampe im Reflecta
brennt noch lange nach Abschluss eines Stapelscans. Warum
eigentlich? Hat sie eine unbegrenzte Lebensdauer? Die Scangeschwindigkeit
liegt bei 3600 dpi bei ca. 1,5 Minuten. Das ist völlig
ok, zumal der Scanner die Dias automatisch scannt und man
nicht vor dem PC warten muß. Seine Geräuschkulisse
ist recht vielseitig. Er ist nicht leise und für den
Nachtbetrieb in einer Wohnung neben empfindlichen Nachbarn
nicht unbedingt geeignet. Wenn ein Dia verklemmt und der
Schieber hin und her zuckt, gibt er beängstigende Laute
von sich. Den maximalen Dichteumfang des Scanners gibt Reflecta
mit 3,8 an. Das ist respektabel. In den von mir gescannten
Bildern konnte ich keine Schwächen erkennen, die auf
einen zu geringen Dmax hindeuteten.
Fazit
Grundsätzlich ist ein Scanner zum automatischen Scannen
von Dias in Magazinen eine tolle Sache. Das Produkt muß
neben der Scaneinheit eine ganze Menge Mechanik mitbringen,
um die Magazine zu bewegen und die Dias in den Scanner hinein
und wieder heraus zu bekommen. Das ist gar nicht so einfach
und stellt hohe Ansprüche an die Mechanik, zumal es
verschiedene Magazinarten und Diarahmen gibt. Die Konstruktion
des DigitDia macht keinen ausgereiften Eindruck. Der Diatransport
ist kritisch. Problemlos liefen nur die CS-Rahmen in CS-Magazinen
durch den Scanner. Auch der Schacht zum Einlegen eines einzelnen
Dias wirkt unausgegoren, da man trotzdem ein Magazin im
DigitDia haben muß. Der Schieber zieht nämlich
das einzelne Dia, welches von oben in den Scanschacht gesteckt
wurde, vor dem Vorscan seitlich heraus, damit sich der Scanner
kalibrieren kann. Dann kann man das Dia gleich in einen
Magazinschlitz stecken und auf die labbrige Einzeldiahalterung
verzichten. Dias in CS-Rahmen und CS-Magazinen werden problemlos
transportiert. Dias in Rahmen mit mittlerer Stärke
in Universalmagazinen gehen auch, verursachen aber häufiger
Stopps.
Die Bildqualität ist gut. Der Scanner hat einen grossen
Schärfentiefebereich. Selbst gewölbte Dias zeigen
von den Ecken bis zur Mitte eine gute Schärfe. Cyberview
liefert mit seiner Automatik einwandfreie Bilder. Das Gerät
wurde für Dias in Magazinen konzipiert. Daher habe
ich keine Tests mit Negativen oder Schwarzweissbildern gemacht,
sondern ausschliesslich mit einigermassen korrekt belichteten
Farbdias.
Ein Manko stellt die fehlende Schmutzerkennung und -beseitung
dar. Bei einem Gerät dieses Typs sollte diese Funktion
vorhanden sein. Immerhin ist es ein Automat, der Dias der
Reihe nach mit einer hohen Bildqualität und ohne grossen
Aufwand scannen soll. Die Zielgruppe wird sich kaum dagegen
sträuben, ein paar Euro mehr für die ICE-Option
auszugeben.
Muss man ihn haben?
Der Reflecta DigitDia 3600 kostet derzeit ca. 750 €.
Es gibt zwei Scanner von Nikon, die Dias ebenfalls stapelweise
verarbeiten können. Der aktuelle Nikon Coolscan 4000
ED mit Slide-Feeder ist mehr als doppelt so teuer. Die Nikon
Scanner können keine Magazine aufnehmen und scannen
nur im Querformat. Dafür haben sie eine soft- und hardwareunterstützte
Schmutzerkennung und -beseitigung, die enorm viel Zeit bei
der digitalen Archivierung von Bildern einspart. Dafür
kann man die Dias schon mal aus den Magazinen nehmen und
später zurückstecken. Der DigitDia ist aber trotz
seiner mechanischen Schwächen und der fehlenden automatischen
Schmutzerkennung für diejenigen, die einen Haufen Dias
in Magazinen haben, etwas Besonderes. Der Hersteller PIE
hat seine 3600 dpi FiImscannern für ungeschnittene
Filme, die zunächst ohne Schmutzerkennung auf den Markt
kamen, mittlerweile damit ausgerüstet. Sicherlich wird
bald ein Nachfolger des DigitDia auf den Markt kommen, der
diese Funktion ebenfalls beherrscht. Wenn das der Fall ist
und der Preis stimmt, wird so ein Gerät für Fotografen
mit grossen Diabeständen ein wichtiges Werkzeug sein.
1999 - 2008 © Thomas Gade - Jede Veröffentlichung ist nur mit ausdrücklicher schriftlicher Erlaubnis des Verfassers gestattet.
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