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LOMO Biolam - Mikroskop

baugleich: Bresser Biolam oder Bresser Erudit

2016 @ Thomas Gade


LOMO Biolam mit Binokular

Technische Daten


Hersteller Lomo (auch als Bresser gelabelt)
Bezeichnung LOMO Biolam, Bresser Biolam und Bresser Erudit
Okulare Üblich je ein Paar 7x und 15x K
Objektive Lomo A 40/0,65
Lomo A 20/0,40
Lomo A 100/1,25 für Öl
Lomo A 10/0,20
Kopf verschiedene: Monokular, Binokluar, Trinokular
Strom 6 V über Netzteil
Licht Durchlicht, 6 V Birne

Geschichte

Das Mikroskop Biolam vom russischen Optikhersteller LOMO (Leningrad Optical & Mechanical Enterprise) hat eine interessante Geschichte. Mitte der 1930er Jahre stellt Zeiss in Deutschland exzellente Mikroskope her und in dem Jahrzehnt werden Modelle vorgestellt, die man noch mehrere Jahrzehnte in nahezu unveränderter Form produziert.

Am Ende des Zweiten Weltkrieges interessieren sich die Russen und die Amerikaner für die Produktionsstätten von Zeiss in Jena. Im Februar 1945 kommt es zur Konferenz von Jalta. Dort besprechen die alliierten Kriegsgegner Deutschlands dessen Aufteilung am Ende des Krieges. Es werden Besatzungszonen vereinbart. Der Ostteil Deutschlands wird den Russen zugesprochen.

Jena liegt in der künftigen russischen Besatzungszone, als die Amerikaner im April 1945 Thüringen militärisch besetzen. In der Kürze der Zeit bis zur Übergabe Thüringens an die Russen bemühen sich die Amerikaner Fachkräfte und Wissenschaftler von Zeiss, aber auch Geräte in den Westen zu holen. Nach der Übergabe demontierten die Russen Produktionsstätten von Carl Zeiss in Jena und überführen die Maschinen über eigene Werke. Auch werden Fachkräfte aus Jena mitgenommen.

Zur Kriegsbeute gehören sowohl die Konstruktionspläne als auch die Maschinen zur Herstellung eines Mikroskops, das auf dem Carl Zeiss Stativ L und seinem Zubehör basiert. LOMO beginnt mit der Produktion des Biolam, das ursprünglich von Zeiss mechanisch und optisch konstruiert wurde.

In den 1970ern wird die ursprüngliche geschwungene Form des Stativs kantiger und statt schwarz lackiert man es nun hellgrau. Dies ist ein allgemeiner Trend im Design der damaligen Mikroskope verschiedener Hersteller, auch bei Zeiss im Westteil Deutschlands und bei Leitz. Alle früheren Komponenten bleiben anschließbar.

Das Lomo Biolam ist ein robustes Mikroskop für Einsteiger, Hobby, Schule, Studium, Apotheke und Arztpraxis. LOMO produziert es auch für westliche Anbieter wie die Bresser GmbH, die es viele Jahre als Bresser Biolam und Bresser Erudit anbietet.


LOMO Biolam oder Bresser Biolam.

Günstiges Mikroskop für Hobby-Mikroskopierer

Das Biolam wurde in großer Stückzahl produziert und verkauft. Auf dem Gebrauchtmarkt findet man laufend mehrere Biolam Mikroskope und häufig sogar im guten Zustand. Für Biolam Mikroskope im brauchbaren Zustand liegen die Preise zwischen 80-150 €.

In diesem Rahmen ist das Preis-/Leistungsverhältnis gut und der Gebrauchtmarkt bietet ein reichhaltiges Angebot an Zubehör.

Licht

Im Sockel befindet sich unterhalb der Sammellinse eine 6V Birne. Eine Leuchtfeldblende gibt es nicht. Zur Inbetriebnahme der Birne schließt man den Strom an und zieht den runden gerändelten Knopf vorne am Mikroskop ein Stück heraus, bis das Licht angeht. Mit dem Drehknopf kann man auch die Ausleuchtung justieren. Wenn man das nicht weiß, meint man, dass die Lampe nicht geht, aber dies ist der vorgesehene An- und Ausschalter.


Drehrad zum Einschalten und Justieren der Beleuchtung

Kreuztisch

Dieses Mikroskop wurde als Einsteigergerät häufig ohne Kreuztisch verkauft. Beim Erwerb eines gebrauchten Lomo Biolam sollte man darauf achten, denn er ist relativ schwer nachzukaufen und dann meistens teuer. In der Praxis ist der Kreuztisch mit feinen Treiben zur Positionierung von Präparaten sehr sinnvoll.


Kreuztisch am Objekttisch des Lomo Biolam. Er ist einfach, aber ordentlich ausgeführt.

Wartungsbedarf nach dem Kauf eines Biolam

Wir befassen uns an dieser Stelle nur mit der Mechanik. Altes Fett zum Schmieren der Triebe kann im Laufe der Jahre verharzen. Durch diesen Alterungsprozess wird es zäh oder sogar bröckelig. Dadurch laufen die Triebe nicht mehr so geschmeidig oder sind gar fest.

Sollte das der Fall sein, entfernt man die Objektive, Okulare und anderen optischen Komponenten sowie etwaige Elektronik. Anschließend versenkt man das Mikroskop in Waschbenzin, wobei unbedingt zu beachten ist, dass es giftig und leicht entzündlich ist. Entsprechende Sicherheitsvorschriften sind strengstens einzuhalten.

Waschbenzin verdunstet extrem schnell und zum Eintauchen des Mikroskopstativs mit allen Trieben zur Scharfstellung, für den Kondensator und Kreuztisch benötigt man ein Gefäß, das sich dicht verschließen lässt, aber gerade groß genug ist, dass man das Mikroskop hinein stellen kann, aber wiederum nicht so groß ist, dass man große Mengen Waschbenzin benötigt.

Alternativ kann man das Mikroskop zerlegen, um mit kleineren Gefäßen auszukommen, jedoch gehört das Auseinandernehmen der Mechanik zur Scharfstellung nicht unbedingt zu den Kompetenzen, die man von jedem Mikroskopierer erwarten kann.

Das Waschbenzin löst altes Fett und zwischendurch dreht man an den Drehrädern, um den Vorgang zu unterstützen. Es ist nicht nötig, etwas zu schrubben, weil das Waschbenzin von selbst wirkt.

Anschließend werden die beweglichen Teile mit Nähmaschinenöl geölt und schließlich das Mikroskop äußerlich gereinigt, denn hier darf kein Öl an der Oberfläche haften, weil man es sonst auf die Finger und somit auf die Präparate und Glasoberflächen der Optiken bekommt.


Bei diesem Biolam dreht das große Rad des Feintrieb der Scharfstellung durch und zeigt keine Wirkung. Nach dem Abschrauben der Platte, unter der sich die Feder für den Gegendruck befindet, stößt man auf Fett, dass einer klebrigen Masse ähnelt. Es schmiert nicht mehr, sondern blockiert jede Bewegung.




Wenn man die beweglichen Teile der Triebe am Mikroskop noch gewaltfrei verstellen kann, muss man ein Mikroskop nicht unbedingt zerlegen, um die entsprechenden Gleitflächen zu reinigen. Es reicht dann, die durch die auf und ab Bewegung zugänglich werdenden Stellen vom alten Fett zu befreien und zunächst einmal mit ein wenig Nähmaschinenöl an einem Wattebausch zu bestreichen. Dieses Biolam ist jedoch so verklebt, dass eine Demontage nötig ist.

Weder der Feintrieb der Scharfstellung noch die Höhenverstellung des Kondensors zeigen eine Wirkung. Dieser ist in oberster Stellung so unglücklich positioniert, dass man nur Mühe an Schrauben herankommen kann, um ihn schließlich freizulegen. Beim Zerlegen sieht man ordentlich gearbeitete Teile aus Messing, die den guten Ruf dieses etwas krude aussehenden Mikroskop begründen.

Ohne das entsprechende handwerkliche Geschick und Erinnerungsvermögen für den richtigen Ort der Schrauben und Teile, sollte man die Finger von solchen Arbeiten lassen.



Fertig. Das Stativ ist wieder zusammengeschraubt und die Triebe laufen nun leicht.

Unverstellbarer Kondensor und schwergängige Apertublende

Bei diesem Biolam ist die Aperturblende des Kondensors durch eine klebrige Substanz schwergängig. Wir nehmen ihn aus der Fassung und legen ihn komplett mit Optik in Waschbenzin ein. Mehrmals wird der Stellhebel der Blende hin und her bewegt, bis er sich leicht verstellen lässt. Anschließend wird der Kondensor auf mehrere Lagen Küchenkrepp gelegt und leicht abgetupft. Das übrige Waschbenzin verflüchtigt sich von selbst. Der Kondensor ist anschließend total sauber und die Blende wieder leicht verstellbar.

Dioptrienausgleich ist festgeklebt

Problem: Der Trieb des Dioptrienausgleichs am Binokular ist durch verharztes Fett vollkommen unbeweglich. Dies lässt sich auch nicht durch ein Bad in Benzin beheben. Rohe Gewalt darf man bei diesem empfindlichen Bauteil gar nicht anwenden. Zugleich darf auch keine Flüssigkeit auf das Prisma am Ende des Tubus gelangen. Mit Geduld, etwas Kriechöl und ein kleines bischen Gewalt lassen sich die ineinander verschrauben Tuben trennen. Der Schneckengang fühlte sich richtig klebrig an, doch eine alte Zahnbürste, Wattestäbchen und Waschbenzin leisten die nötigen Hilfen.


Binoular. Hat man den verstellbaren Tubus erstmal getrennt, ist der Rest einfach.

Öl oder Fett?

Nach der weitgehenden Beseitigung des alten Fettes, werden die beweglichen Teile geölt. Das ist zunächst okay, doch gibt es einen Grund, warum normalerweise Fett verwendet wird. Es bildet einen zäheren Film zwischen den Gleitflächen und verhindert ein Torkeln der Komponenten, die bei zu flutschiger Beweglichkeit auftritt. Deshalb muss nach geglückter Reinigung wenigstens von den zugänglichen Stellen des Grobtriebs das Öl mit Waschbenzin auf einem Lappen oder Wattestäbchen abgetupft werden, um ihn erneut einzufetten.

Fazit

Das Biolam von LOMO ist ein gutes Mikroskop für Einsteiger und Hobby bis hin zur einfachen Anwendung in der Arztpraxis. Da solche Mikroskope oft schon viele Jahre auf dem Buckel haben, sollte man sich vergewissern, dass alles funktioniert.

In einfacher Ausstattung ohne Kreuztisch und nur einem Okular kostet dieses Mikroskop gebraucht üblicherweise 70 bis 100 €. Mit Binokular, sauber laufenden Trieben und Kreuztisch sind 150 € angemessen. Dafür erhält man ein bereits erstaunlich leistungsfähiges Mikroskop, das neue Geräte dieser Preisklasse in den Schatten stellt.

Es ist nicht schlimm, wenn ein Trieb zäh läuft, denn er lässt sich mit etwas Waschbenzin und Kriechöl auf einfache Weise wieder leichtgängig machen, aber wenn bewegliche Teile aneinanderkleben und man weder über die handwerklichen Fähigkeiten noch die Geduld zur Wartung hat, sollte man sich ein anderes Mikroskop suchen.


 

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