Die optische Leistung dieses Objektivs
ist mit allen Brennweiten bereits mit
offener Blende hinsichtlich der Schärfe
und Brillanz super. Selbst bei 300mm Brennweite
bricht die Leistung nicht ein; sogar ein
guter 2x Telekonverter bringt keine wesentlichen
Schwächen zum Vorschein. Das Objektiv
kann getrost mit offener Blende genutzt
werden. Über Farbsäume braucht
man sich keine Gedanken zu machen; es
gibt praktisch keine.
Die Optik ist nicht so verzeichnungsfrei,
dass die damit erzeugten Bilder anspruchsvolle
Betrachter von Architekturaufnahmen stets
zufrieden stellen können. Ob das
ein Grund ist, die Optik zu kritisieren,
mag man angesichts der zunehmenden automatischen
Objektiv-Fehlerkorrekturen in der Bildbearbeitung
in Frage stellen. Mittlerweile werden
Objektive vermessen und ihre Fehler bei
allen Brennweiten festgestellt. Daraus
ergeben sich Profile, die von manchen
Kameras bereits von der internen Bildverarbeitung
berücksichtigt werden. RAW-Konverter
wie Bibble Pro 5 erledigen das beim Konvertieren
der RAW-Dateien automatisch.
Pentax SMC-DA 55-300mm und 2x Telekonverter.
Foto in der Abenddämmerung. Blende
8 (effektiv Blende 16), Belichtungszeit:
1,6 Sekunden. Aufnahme vom Stativ. Der
Rehbock stand während der 1,6 Sekunden
still.
Es gibt zwei Probleme: Dieses Objektiv
sollte eine Stativschelle haben. Es ist
zwar noch nicht so schwer, dass sie unbedingt
vorhanden sein muss, doch spätestens
beim Verwenden eines Telekonverters wird
sie zu einem Muss. In vielen Aufnahmesituationen
wird man das Potenzial dieses Objektivs
ohne Stativ nicht ausnutzen können.
Auf den obigen Bildern sieht man eine
Stativschelle von Tamron. Das Problem
ist lösbar.
Das zweite Problem ist der Autofokus.
Es wäre sehr gut, wenn der verstellbare
Bereich eingrenzbar wäre, beispielsweise
für die Fotografie von fernen Motiven.
Der fliegende Raubvogel am Himmel wird
mit dem Autofokus zur Qual. Das Objektiv
wird immer wieder von Unendlich bis 1,4
Meter und zurück eingestellt. Das
ist laut, kostet Zeit und nervt. Hier
ist auch die Kamera gefragt. Pentax ist
nicht gerade für einen schnellen
zuverlässigen Autofokus bekannt,
was sich im Telebereich, wo es sehr auf
präzises Scharfstellen ankommt, bemerkbar
macht. Daher ist das manuelle Fokussieren
oft die bessere Wahl. Für diesen
Zweck wäre ein breiterer und strammer
laufender Scharfstellring schön.
Es geht zwar auch so, könnte aber
ohne großen Aufwand verbessert werden.
Wegen der Kritik am Autofokus betone ich
nochmals, dass die Optik sehr gut ist.
Man kann damit technisch hervorragende
Bilder machen.
Link zu einem Vergleich mit anderen Teleobjektiven.
Test
Nahaufnahme
Der Begriff Nahaufnahme ist bei der kürzesten
Aufnahmedistanz von 1,4 Metern nicht ganz
zutreffend, doch mit 300mm rückt
man kleinen Motiven dennoch dicht auf
den Pelz.

Aufnahme von einer Libelle. 300mm, Blende
8, 1/400 Sekunde, ISO 200, Pentax K7 mit
Stativ.

Ausschnitt aus dem obigen Bild. Es hat
scharfe Bildpartien. Das Bild wurde nicht
geschärft.

Aufnahmedaten: 1,4 Meter Entfernung, Brennweite
170mm, Blende 8, 1/25 Sekunde, ISO 400,
Pentax K7, Aufnahme aus der freien Hand.
Das Bild von einer Ringelnatter profitierte
von der AntiShake-Funktion der Pentax
K7, die das Zustandekommen eines unverwackelten
Bildes wirksam unterstützte. Fotos
sind mit 170mm Brennweite (entspricht
255mm mit 35mm Film) und relativ langen
Belichtungszeit aus der freien Hand ohne
AntiShake Funktion meist verwackelt. Mit
konventioneller Technik wäre so ein
Bild praktisch kaum möglich gewesen.
Auch wenn die AntiShake-Funktion keine
Wunder bewirkt, erweitert sie doch den
praktisch nutzbaren Brennweitenbereich
für den Freihandbetrieb erheblich.
Tauglich
für das Vollformat? |
Pentax schreibt über
dieses Objektiv Folgendes: "Nur für
die Benutzung an PENTAX Digital-SLR-Kameras."
Zudem ließt man im Internet die
Behauptung: "Das Objektiv ist ausschliesslich
für Digitalkameras mit APS-C Sensor
geeignet." Überraschenderweise
ist beides nicht wirklich ernstzunehmen!
Das Objektiv wurde an
einer konventionellen Pentax Z20 und einigen
35mm Diafilmen auf die Probe gestellt.
Erwartet wurde, dass der nutzbare Bildkreis
im kürzesten Brennweitenbereich mit
offener Blende am kleinsten wäre
und dunkle Bildecken zur Folge hätte.
Für die Testaufnahmen wurden nur
die Blenden 5,6 und 8 gewählt. Einige
Motive wurden vom gleichen Standpunkt
nacheinander mit den Brennweiten 55mm,
100mm, 200mm und 300mm fotografiert.
Dabei waren im Sucher keine auffälligen
Vignettierungen in den Bildecken erkennbar.
Beim Betrachten der Filme stellte sich
das Objektiv seltsamerweise besonders
bei 55mm als am besten für das Vollformat
geeignet heraus. Es produzierte gleichmäßig
ausgeleuchtete und scharfe Bilder.
Um 100mm und 300mm haben die Fotos mehr
oder weniger stark abgedunkelte Ecken.
Sie sind bei 300mm nicht so gravierend
und können in der Bildbearbeitung
leicht korrigert werden. Vermutlich wird
nicht jedem Benutzer auffallen, dass die
Ecken bei 300mm einen Lichtabfall haben.
Am stärksten ist dieser Effekt vor
allem bei ca. 100mm Brennweite.
Um 200mm ist das gesamte Format mit kaum
nennenswerten Schwächen in den äußersten
Ecken nutzbar.

Diese Bilderserie wurde mit Blende 5,6
aufgenommen. Das Ausmaß der Vignettierung
wird durch weiteres Abblenden deutlich
gemildert. Um 100mm vignettiert das Objektiv
kräftig.

Mit einem Klick auf das Bild kann
man das volle Format (4000 dpi Scan
mit Nikon Coolscan 5000) sehen. |

Bei Nutzung eine größeren
Fläche verzeichnet das Objektiv
stark. |
Ein weiteres
Beispiel am 35mm Film.
Die Bilder sind nicht angeschnitten.

Blende 8 / 55mm |

Blende 8 / 100mm |

Blende 8 / 200mm |

Blende 8 / 300mm |
Praktisch ist das Objektiv über
einen weiten Bereich seiner Brennweite
für viele Motive leicht eingeschränkt
als vollformattauglich zu nutzen. Ernsthafte
Vignettierungen sind bei rund 100mm Brennweite
mit relativ weit offener Blende feststellbar.
Wer einen Beschnitt von 24x36 auf 22x32
hinnehmen kann, wird auch mit 100mm gut
fotografieren können.
Ja! Dieses Objektiv hat
eine Spitzenoptik für DSLRs mit dem
kleineren 15x23mm Sensor und lohnt sich
für viele Nutzer, die gerne mit Teleobjektiven
fotografieren. Das Zoom ist relativ leicht,
was man von einem lichtstärkeren Tele
keinesfalls erwarten darf. Der anspruchsvolle
professionelle Sport-Fotograf wird teures
Profiequipment mit einem sicheren und schnellen
Autofokus vorziehen, doch allen anderen
sei dieses Objektiv wärmstens empfohlen.
Dem kleinen Manko, seine Scharfstellgrenze
bei 1,4 Meter, kann mit einem Zwischenring
oder einem zusätzlichen Makroobjektiv
(
Tamron
SP 90mm ?) entgegen getreten
werden.
Pentax hat ein sündhaft teures 4/300mm
Objektiv im Programm (1200 € / Entfernung
1,4m - unendlich / 1070 g). Bevor man sich
damit abschleppt, sollte das wesentlich
günstigere und leichtere 55-300mm Objektiv
unvoreingenommen getestet werden. Freunde
der hohen Lichtstärke werden zusätzlich
oder alternativ mit dem SMC DA* 2,8 50-135mm
(820 € / 765 g mit Gegenlichtblende)
liebäugeln. Ich wage die Annahme, dass
dessen praktischer Wert für die meisten
Fotografen weit unter dem 55-300mm Telezoom
liegt, da die Blende 2,8 nur äußerst
selten wirklich vorteilhaft ist und alle
genannten Objektiven üblicherweise
auf Werte abgeblendet wird, die mit dem
55-300mm Telezoom ebenfalls möglich
sind.