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Yashica MAT-124G

Zweiäugige 6x6 Spiegelreflexkamera für Mittelformat

2019 © Thomas Gade


Yashica MAT-124G Zweiäugige Spiegelreflexkamera

Technische Daten

Hersteller Yashica
Bezeichnung Yashica Mat-124G
Produktion 1970 bis 1986
Verschlusszeiten 1- 1/500s und B
Verschluss COPAL-SV Verschluss
Film 120 oder 220 Rollfilm (12 oder 24 Bilder)
Aufnahmeformat 6x6 (55 x 55 mm)
Objektiv Sucher Yashinon 2.8 / 80 mm
Objektiv Kamera Yashinon 3.5 / 80 mm (Blende 3.5 bis 32)
Anschluss für Zubehör 30 mm Bajonett
Entfernung 1 m bis Unendlich
Belichtungsmesser Gekuppelter CdS Belichtungsmesser. (15-27 DIN oder ASA (ISO) 25 - 400)
Batterie 1,35 V Knopfzelle
Preis 400 DM (entspricht 200 €) im Jahre 1982
Gewicht 1050 g mit Batterie, ohne Deckel

Die Kamera hat einen Blitzschuh. Der elektrische Kontakt erfolgt mit einem Kabel.

Als Zubehör gibt es die Nahvorsatzlinsen 1 und 2 (Close up lens) sowie Filter und eine Gegenlichtblende. Weiterhin kann die Brennweite der Objektive der Yashica MAT mit Weitwinkel- und Tele-Vorsatzoptiken verändert werden. Die Vorsätze und Nahlinsen gibt es im Set für beide Objektive, damit das Bild im Sucher mit dem Foto übereinstimmt.


Yashica Mat-124G Twin-Lens Spiegelreflex für den Rollformatfilm. Mit Tasche

Gefahr für den Selbstauslöser! Blitzeinstellung M



Zum Blitzen gibt es die Einstellungen X und M. Blitzgeräte für M sind nicht mehr im Gebrauch. Außerdem darf der Selbstauslöser nicht betätigt werden, wenn M eingestellt ist. Sein Mechanismus kann (wird) dann kaputt gehen. Da nur X brauchbar ist, sollte man den Hebel mit etwas Epoxydharz auf X festkleben.

Filmkammer



Nach dem Öffnen der rückseitigen Klappe wird die Filmkammer sichtbar. Die Andruckplatte für den Film ist von 12x (120 Rollfilm) auf 24x (220 Rollfilm) umstellbar.



Markierungen für den Pfeil auf der Filmrolle. Bis dahin ist der Film vor dem Schließen der Rückklappe zu spulen. Grün für 120er Rollfilm und rot für 220er Rollfilm.

Klappsucher mit Lupe



Im Klappsucher gibt es eine Lupe zum präzisen Scharfstellen. Im Laufe der Jahre gelangt Staub in das Innere des Suchers. Dann sollte man ihn reinigen.

Sucher reinigen



Zum Abnehmen des Klappsuchers sind auf beiden Seiten jeweils zwei kleine Schrauben mit Kreuzschlitz herauszuschrauben. Am besten stellt man die Kamera dazu in eine Schale, weil die kleinen Schrauben sonst dazu neigen, auf Nimmerwiedersehen zu verschwinden.



Der Klappsucher lässt sich leicht von der Kamera entfernen, um den Innenraum zu reinigen, in den nach einigen Jahrzehnten Staub eingedrungen ist und sich eventuell auch ein Belag auf den optischen Flächen gebildet hat.



Nach dem Abnehmen des Klappsuchers wird der innenliegende Umlenkspiegel sichtbar. Bei diesem Exemplar befinden sich auf ihm Staub und ein trüber Belag. Nach dem Zurückschieben einer Klemme auf der oberen Seite kann der Spiegel zur Reinigung entnommen werden.



Nach dem Abnehmen des Suchers ist auf der Innenseite des Gehäuses des Belichtungsmessers ein U-förmig aufgeklebter schwarzer Schaumgummistreifen zu sehen, der sich nach mehreren Jahrzehnten in einem Zustand der Auflösung befindet. Im Bild ist dieser Bereich durch rote Balken markiert.

Er wird mit einer scharfen Klinge und etwas Alkohol oder Waschbenzin entfernt und durch dünne Streifen selbstklebendes dunkles Moosgummi ersetzt.



Der Sucher enthält zwei Scheiben, nämlich dicht übereinander eine Fresnelscheibe (innen) und darüber eine Mattscheibe. Das Foto zeigt den Sucher in umgekehrter Stellung. Die Mattscheibe befindet sich in der Halterung des Suchers und die Fresnelscheibe wurde herausgenommen und beiseite gestellt.

Im Laufe der Zeit kann Staub zwischen die beiden Scheiben geraten. Dann sollte man die beiden Scheiben trennen, um ihre Oberflächen zu reinigen. Zum Auseinandernehmen der Teile möchte ich hier keine Anleitung schreiben, weil Leute mit zwei linken Händen überfordert wären und andere mit guten handwerklichen Kenntnissen, Fingerspitzengefühl und technischem Verständnis das Rätsel leicht selber lösen.

Bereitschaftstasche



Die Bereitschaftstasche für die Yashica Mat-124G ähnelt der anderer zweiäugiger Spiegelreflexkameras. Mir erscheinen sie allesamt wie Fehlkonstruktionen. Das Hinein- und wieder Herausfummeln der Kameras in solche Tasche ist eine mühselige Angelegenheit und so richtig scheint sie auch nie zu passen. Das ist selbst bei Rolleiflexkameras nicht anders. Und bei Kurbeln des Spannhebels ist der Gurt im Weg.

Die komplizierte Handhabung ist merkwürdig, weil auf einen 120er Rollfilm nur zwölf Bilder passen und für jeden Filmwechsel ist die Kamera aus der Tasche herauszubekommen und anschließend wieder hineinzubringen. Eine einfache gepolsterte Umhängetasche zum Hineinlegen der Kamera ist praktischer.

Aber das ist wohl auch eine Stilfrage und wer den Vintage-Look mag, bevorzugt die originale Tasche. Jedem das Seine.

Das lederähneliche Material ist an mehreren Kanten vernäht. Der Faden der relativ alten Taschen ist manchmal gerissen, sodass die Naht sich auflöst. Mit etwas Schusterleim (Kövulfix) sind solche Verbindungen leicht zu reparieren. Dieser Kleber verbindet sogar besser als die ursprüngliche Naht.


Yashica MAT-124G in der Bereitschaftstasche

Bewertung

Zweiäugige Spiegelreflexkameras sind eine spezielle Kameragattung. Das Bild im Sucher ist spiegelverkehrt, womit nicht jeder klarkommt. Freihändig ist die Gefahr des Verwackelns recht groß mit Belichtungszeiten unter 1/250 s. Am besten verwendet man die zweiäugige Spiegelreflexkamera vom Stativ.

Dieser Kameratyp bietet eine relativ preiswerte Möglichkeit, Mittelformatfilme anständig zu nutzen. Das Objektiv hat eine gute Abbildungsqualität. Die Festbrennweite von 80 mm lässt sich durch zwei Vorsätze verlängern oder verkürzen. Nicht wenige Profis haben mit der Zweiäugigen fotografiert, wie bsp. Helmut Newton, der allerdings Rolleiflex-Kameras verwendete.

Die Yashica MAT-124G hat einen guten Ruf und ist gebraucht für etwa 100-250 € zu erwerben. Echte Schnäppchen sind selten und derzeit (2019) muss man etwa 200 € einplanen. Wer ihr Vorbild bevorzugt, nämlich eine Rolleiflex mit ähnlicher Ausstattung, muss mindestens das Dreifache bezahlen. Sparpotenzial bietet die Seagul 4A aus China.



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