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Fotoindex Digitale SpiegelreflexkameraT Thomas Gade    November   2008

2004 war ein wichtiges Jahr für die digitale Fotografie. Im vorangegangenen Herbst hatte Canon eine digitale Spiegelreflexkamera namens EOS 300D auf den Markt gebracht. Nikon folgte im Frühjahr 2004 mit der D70. Diese Kameras hatten einen 6-Megapixel-Aufnahmesensor, der etwa halb so groß war wie das herkömmliche 24x36mm Filmformat. Während professionelle Pressefotografen längst mit teuren digitalen Kameras Fussballspiele und sonstige Ereignisse verfolgten, war die Resonanz bei den ambitionierten Fotografen und Künstlern verhalten. Bis dahin galt die Qualität der Bilder vom 35mm Film als unerreicht. 2004 brachte Nikon überraschenderweise sogar noch eine neue analoge Kamera für Profis raus, die Nikon F6, welche die Tradition der legendären Nikon F2, F3 und F4 fortsetzen sollte. Doch der wahre Hit waren die ersten 6-Megapixel DSLRs, die mit einem Objektiv knapp 1000 Euro kosteten. Die Neugierde und Skepsis war unter den gestandenen Amateurfotografen gross. Doch wer einen Din A4 Ausdruck aus einem guten Drucker zu sehen bekam, musste zugeben, dass kaum noch Spielraum für Vorbehalte vorhanden waren. Die gesamte Technikkette von der Kamera über den PC bis hin zum guten Inkjetdrucker war verfügbar und in finanzieller Reichweite für viele, die bislang ihr Geld in teure Fotopapiere, Filme und Chemikalien investiert hatten.

Erfreulicherweise hatten die Kamerahersteller darauf geachtet, dass die bereits vorhandenen Objektive der analogen Kameras weiterhin verwendet werden konnten.
Seit knapp 30 Jahren fotografiere ich mit Pentax Spiegelreflexkameras. Im Laufe dieser Zeit kamen diverse Objektive und allerhand Zubehör wie Zwischenringe, ein Balgengerät und Adapter für Teleskope in meinem fotografischen Technikbestand zusammen. Um ihn weiter nutzen zu können, verwende ich digitale Spiegelreflexkameras von Pentax.

Sie sind mit allen Objektiven mit einem K-Bajonett kompatibel. Es wurde 1975 als Nachfolger des M42-Schraubgewindes eingeführt. Um die Blendenwerte an die Kamera zu übertragen, sind elektronische Kontakte notwendig, die mit den PK-A Anschlüssen an den SMC-A Objektiven 1983 erstmals aufkamen, so dass die ganz alten Pentax-K Objektive nur mit Einschränkungen verwendbar sind. Mittlerweile gibt es diverse Varianten des K-Bajonetts. Diverse Objektive aus der Zeit vor der Digitalfotografie liefern mit modernen digitalen Spiegelreflexkameras hervorragende Bilder.

Evolution oder Revolution?

Die 'Digitalisierung' der Fotografie eröffnete etliche Entwicklungsmöglichkeiten für diese Technologie. Dazu gehören insbesondere die Bearbeitungsmöglichkeiten für Dateien. Was früher im Fotolabor mit Chemie, Tricks, Montagen etc. angestellt wurde, übernahm die digitale Bildbearbeitung.

In der digitalen Dunkelkammer werden Tonwerte, Kontraste und Farben korrigert, Fehler retuschiert, Störungen (Rauschen, ähnelt dem 'Korn') beseitigt und aus mehreren Bildern automatisch Panoramaaufnahmen erstellt. Perspektivische Verzerrungen werden mit wenigen Mausbewegungen beseitigt sowie kissen- und tonnenförmige Verzerrungen, Vignettierungen etc.

Shake Reduktion

Den Kameraherstellern gelang das Kunstück eine Verwacklungskompensation (auch: Bildstabilisierung, Shake Reduction, ...) in die Kameras einzubauen, indem sie die Aufnahmesensoren beweglich aufhängten. Während der Aufnahme wirken sie dem Zittern des Fotografen durch eigenes Wackeln entgegen. Mit der Funktion 'Shake Reduction' kompensiert die Kamera Bewegungen während der Aufnahme. Das Verwackeln der Bilder wird damit reduziert, nicht jedoch die Bewegung der Motive.

Die nachstehenden Bilder wurden in der späten Abenddämmerung nach Sonnenuntergang aufgenommen. Es war schon recht dunkel. Die Belichtungszeit betrug 1/4 Sekunde. Erwartungsgemäß war das Bild ohne die Bildstabilisierung verwackelt. Aus der freien Hand war es mit der 'Shake Reduction' möglich, ein befriedigend scharfes Bild aufzunehmen.

    

Parallel zu dieser Entwicklung bauten die Objektivhersteller zunehmend optische Bildstabilisatoren (OIS - optical image stabilisation) in ihre Objektive ein.
Mit diesen modernen Objektiven wären es auch mit einer herkömmlichen analogen Kamera möglich, Verwacklungseffekte (teilweise) zu kompensieren, doch wird diese Feature wohl immer der digitalen Fotoepoche zugeschrieben werden.



Auflösung

Die ersten Consumer DSLRs hatten Sensoren mit 6 Millionen Pixel. Inzwischen sind 10 bis 15 Millionen Pixel üblich und es gibt bereits DSLRs mit 24 Millionen Pixel. Mehr Pixel bedeuten nicht in jedem Fall, dass Bilder qualitativ besser sind; das Gegenteil kann der Fall sein. Je mehr Pixel sich auf einer gleichgroßen Fläche befinden, desto höher sind die Anforderungen an die verwendeten Objektive und an die Schärfeeinstellung. Das notwendige Auflösungsvermögen zur optimalen Nutzung von kleinen Sensoren mit über 10 Millionen, übersteigt die optischen Qualitäten vieler Objektive. So kann es sein, dass eine 6 Millionen Pixel Kamera mit einem älteren Makroobjektiv hervorragende Bilder erzeugt und dasselbe Objektiv an der 10 Millionen Pixel Kamera Grund zur Annahme gibt, ihr (Auto-)Fokussystem sei nicht in Ordnung. Grundsätzlich ist eine Steigerung der Pixelmenge zu begrüßen, wenn im gleichen Maße die technischen Fähigkeiten der Objektive mitentwickelt werden und/oder die Sensorfläche vergrößert wird. Dieser Umstand konfrontiert anspruchsvolle Fotografen mit der schmerzlichen Notwendigkeit zu neuen Investitionen in relativ kurzen Zeitabständen, um auf dem besten Stand der Technik zu bleiben. Zudem ist die Menge der auf der winzigen Sensorfläche vorhandenen Lichtrezeptoren nicht ohne Folgen zu steigern, Je dichter sie strehen, desto eher tritt das gefürchtete 'Rauschen' auf. Es ist dem Korn von Filmen gleichzusetzen. Die feinkörnigen niedrigempflindlichen Filme ließen sich stark mit feinen Details und geschlossenen Tönen vergrößern während Abzüge von hochempfindliche Filme schon bei einem 18x24 Abzug eine störende Körnung aufwiesen. Damals machten Fotografen aus dieser Not gerne eine Tugend und stilisierten das sichtbare Korn zu einem künsterischen Ausdrucksmittel.
Bei den kleinen Kompaktkameras mit winzigen Aufnahmesensoren scheinen 10 Megapixel eine Schallgrenze zu sein, die sich mit einer vernünftigen Begründung kaum rechtfertigen läßt. Das Rauschverhalten der digitalen Spiegelreflexkameras mit einem APS-Sensor (ca 23x16mm) wurde nach dem Schritt vom 10 zu 14 Megapixeln kritisiert. Gegenwärtig fällt auf, dass Profikameras von Nikon 'nur' 12 Megapixel haben, während der Konkurrent Canon selbst in der Semiprofiklasse 18-Megapixel etabliert.
Digitale Spiegelreflexkameras mit den größeren Vollformatsensoren (24x36mm) haben die 20 Megapixelgrenze durchstoßen. Aufgrund ihrer großen Aufnahmesensoren bleibt die Dichte der Pixel pro Quadratmillimeter noch so gering, dass 'Rauschprobleme' erst bei sehr hohen Empfindlichkeitseinstellungen auftreten.

Man sollte sich mit diesem Thema nicht verrückt machen. Jede digitale Spiegelreflexkamera mit 10 Megapixeln wird bei Empfindlichkeitseintellungen bis 400 ASA eine bedeutend bessere Bildqualität erzeugen als alte 400 ASA Filme, vorausgesetzt, die anderen fotografischen Parameter stimmen. Und 800 ASA bis 3200 ASA? Da bricht die Qualität deutlich ein, doch denken wir mal zurück: 800 ASA? 1600 und gar 3200 ASA? Mit dem Ilford XP2 waren 800 ASA noch in guter Auflösung und schönen Tonwerverläufen machbar. Der olle Tri-X Pan, über viele Jahre der 400 ASA Film schlechthin, war gegenüber der heutigen Technik grottenschlecht. Auf der Website www.dpreview.com werden Digitalkameras ausführlich getested. Hier sieht man 'High-ISO' Vergleiche. Man beachte dabei die gute Qualität der 18-Megapixelkamera Canon EOS 7D bei 6400 ASA!


Hohe Folgekosten


Wer glaubt, dass der Umstieg in die digitale Fotografie wegen des Wegfall von Filmkäufen und Kosten für die Entwicklung und Abzügen zum Einsparen von Geldern führt, irrt sich. Eine Spiegelreflexkamera ist Bestandteil eines flexiblen modularen Systems mit vielen Zubehörteilen. Die Kameragehäuse sind mit etlichen Objektiven, Mikroskopen, Teleskopen etc. kombinierbar. Es gibt eine Vielzahl von Blitzgeräten, Fernbedienungen, Filtern, Taschen etc. Ein moderner zusätzlicher Systemblitz kostet mindestens soviel Geld, wie für den Kauf einer guten digitialen Kompaktkamera benötigt wird. Daneben gibt es die/den notwendigen leistungsfähigen Computer mit viel Speicherkapazität, gutem Monitor, externe Festplatten, Brenner, Rohlinge und Drucker nebst der Software. Wer behauptet, er habe bereits alles und bräuchte nichts mehr, macht sich etwas vor. Wir werden noch ein paar Jährchen 'Opfer' der digitalen Entwicklung sein, offen und begierig auf Neues.

Dateiformate

JPG versus RAW. Digitale Spiegelreflexkameras erzeugen Dateien im RAW oder JPG Format. Letztere sind in mehreren Qualitätsstufen verfügbar und es gibt zwei RAW Formate, nämlich PEF (Pentax) und DNG.

Die JPG-Daten der von mir bisher verwendeten Pentax-DSLRs fallen vergleichsweise mit denen aus Canon DSLRs schwach aus. Canon bringt die brillanteren und schärferen JPG-Bilder, die häufig keine weitere Bearbeitung benötigen. Dieser Umstand ist unbedeutend, wenn man grundsätzlich im RAW-Modus arbeitet, der immer eine Konvertierung und Bearbeitung der Dateien voraussetzt. Dieser Prozess kann weitgehend automatisiert werden, doch sollte man den dafür notwendigen Zeitaufwand, die Technik und das benötigte Wissen nicht unterschätzen.




Digitalfotografie    © Thomas Gade - Mai   2005 / update März 2007


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