2004 war ein wichtiges Jahr für die digitale Fotografie.
Im vorangegangenen Herbst hatte Canon eine digitale Spiegelreflexkamera
namens EOS 300D auf den Markt gebracht. Nikon folgte im Frühjahr
2004 mit der D70. Diese Kameras hatten einen 6-Megapixel-Aufnahmesensor,
der etwa halb so groß war wie das herkömmliche
24x36mm Filmformat. Während professionelle Pressefotografen
längst mit teuren digitalen Kameras Fussballspiele und
sonstige Ereignisse verfolgten, war die Resonanz bei den ambitionierten
Fotografen und Künstlern verhalten. Bis dahin galt die
Qualität der Bilder vom 35mm Film als unerreicht. 2004
brachte Nikon überraschenderweise sogar noch eine neue
analoge Kamera für Profis raus, die Nikon F6, welche
die Tradition der legendären Nikon F2, F3 und F4 fortsetzen
sollte. Doch der wahre Hit waren die ersten 6-Megapixel DSLRs,
die mit einem Objektiv knapp 1000 Euro kosteten. Die Neugierde
und Skepsis war unter den gestandenen Amateurfotografen gross.
Doch wer einen Din A4 Ausdruck aus einem guten Drucker zu
sehen bekam, musste zugeben, dass kaum noch Spielraum für
Vorbehalte vorhanden waren. Die gesamte Technikkette von der
Kamera über den PC bis hin zum guten Inkjetdrucker war
verfügbar und in finanzieller Reichweite für viele,
die bislang ihr Geld in teure Fotopapiere, Filme und Chemikalien
investiert hatten.
Erfreulicherweise hatten die Kamerahersteller darauf geachtet,
dass die bereits vorhandenen Objektive der analogen Kameras
weiterhin verwendet werden konnten.
Seit knapp 30 Jahren fotografiere ich
mit Pentax Spiegelreflexkameras. Im Laufe dieser Zeit kamen
diverse Objektive und allerhand Zubehör wie Zwischenringe,
ein Balgengerät und Adapter für Teleskope in meinem
fotografischen Technikbestand zusammen. Um ihn weiter nutzen
zu können, verwende ich digitale Spiegelreflexkameras
von Pentax.
Sie sind mit allen Objektiven mit einem K-Bajonett kompatibel.
Es wurde 1975 als Nachfolger des M42-Schraubgewindes eingeführt.
Um die Blendenwerte an die Kamera zu übertragen, sind
elektronische Kontakte notwendig, die mit den PK-A Anschlüssen
an den SMC-A Objektiven 1983 erstmals aufkamen, so dass
die ganz alten Pentax-K Objektive nur mit Einschränkungen
verwendbar sind. Mittlerweile gibt es diverse Varianten
des K-Bajonetts. Diverse Objektive aus der Zeit vor der
Digitalfotografie liefern mit modernen digitalen Spiegelreflexkameras
hervorragende Bilder.
Evolution oder Revolution?
Die 'Digitalisierung' der Fotografie eröffnete etliche
Entwicklungsmöglichkeiten für diese Technologie.
Dazu gehören insbesondere die Bearbeitungsmöglichkeiten
für Dateien. Was früher im Fotolabor mit Chemie,
Tricks, Montagen etc. angestellt wurde, übernahm
die digitale Bildbearbeitung.
In der digitalen Dunkelkammer werden Tonwerte, Kontraste
und Farben korrigert, Fehler retuschiert, Störungen
(Rauschen, ähnelt dem 'Korn') beseitigt und aus mehreren
Bildern automatisch Panoramaaufnahmen erstellt. Perspektivische
Verzerrungen werden mit wenigen Mausbewegungen beseitigt
sowie kissen- und tonnenförmige Verzerrungen, Vignettierungen
etc.
Shake Reduktion
Den Kameraherstellern gelang das Kunstück eine Verwacklungskompensation
(auch: Bildstabilisierung, Shake Reduction, ...) in die
Kameras einzubauen, indem sie die Aufnahmesensoren beweglich
aufhängten. Während der Aufnahme wirken sie
dem Zittern des Fotografen durch eigenes Wackeln entgegen.
Mit der Funktion 'Shake Reduction' kompensiert die Kamera
Bewegungen während der Aufnahme. Das Verwackeln der
Bilder wird damit reduziert, nicht jedoch die Bewegung
der Motive.
Die nachstehenden Bilder wurden in der späten Abenddämmerung
nach Sonnenuntergang aufgenommen. Es war schon recht dunkel.
Die Belichtungszeit betrug 1/4 Sekunde. Erwartungsgemäß
war das Bild ohne die Bildstabilisierung verwackelt. Aus
der freien Hand war es mit der 'Shake Reduction' möglich,
ein befriedigend scharfes Bild aufzunehmen.

Parallel zu dieser Entwicklung bauten die Objektivhersteller
zunehmend optische Bildstabilisatoren (OIS - optical image
stabilisation) in ihre Objektive ein.
Mit diesen modernen Objektiven wären es auch mit
einer herkömmlichen analogen Kamera möglich,
Verwacklungseffekte (teilweise) zu kompensieren, doch
wird diese Feature wohl immer der digitalen Fotoepoche
zugeschrieben werden.
Auflösung
Die ersten Consumer DSLRs hatten Sensoren mit 6 Millionen
Pixel. Inzwischen sind 10 bis 15 Millionen Pixel üblich
und es gibt bereits DSLRs mit 24 Millionen Pixel. Mehr
Pixel bedeuten nicht in jedem Fall, dass Bilder qualitativ
besser sind; das Gegenteil kann der Fall sein. Je mehr
Pixel sich auf einer gleichgroßen Fläche befinden,
desto höher sind die Anforderungen an die verwendeten
Objektive und an die Schärfeeinstellung. Das notwendige
Auflösungsvermögen zur optimalen Nutzung von
kleinen Sensoren mit über 10 Millionen, übersteigt
die optischen Qualitäten vieler Objektive. So kann
es sein, dass eine 6 Millionen Pixel Kamera mit einem
älteren Makroobjektiv hervorragende Bilder erzeugt
und dasselbe Objektiv an der 10 Millionen Pixel Kamera
Grund zur Annahme gibt, ihr (Auto-)Fokussystem sei nicht
in Ordnung. Grundsätzlich ist eine Steigerung der
Pixelmenge zu begrüßen, wenn im gleichen Maße
die technischen Fähigkeiten der Objektive mitentwickelt
werden und/oder die Sensorfläche vergrößert
wird. Dieser Umstand konfrontiert anspruchsvolle Fotografen
mit der schmerzlichen Notwendigkeit zu neuen Investitionen
in relativ kurzen Zeitabständen, um auf dem besten
Stand der Technik zu bleiben. Zudem ist die Menge der
auf der winzigen Sensorfläche vorhandenen Lichtrezeptoren
nicht ohne Folgen zu steigern, Je dichter sie strehen,
desto eher tritt das gefürchtete 'Rauschen' auf.
Es ist dem Korn von Filmen gleichzusetzen. Die feinkörnigen
niedrigempflindlichen Filme ließen sich stark mit
feinen Details und geschlossenen Tönen vergrößern
während Abzüge von hochempfindliche Filme schon
bei einem 18x24 Abzug eine störende Körnung
aufwiesen. Damals machten Fotografen aus dieser Not gerne
eine Tugend und stilisierten das sichtbare Korn zu einem
künsterischen Ausdrucksmittel.
Bei den kleinen Kompaktkameras mit winzigen Aufnahmesensoren
scheinen 10 Megapixel eine Schallgrenze zu sein, die sich
mit einer vernünftigen Begründung kaum rechtfertigen
läßt. Das Rauschverhalten der digitalen Spiegelreflexkameras
mit einem APS-Sensor (ca 23x16mm) wurde nach dem Schritt
vom 10 zu 14 Megapixeln kritisiert. Gegenwärtig fällt
auf, dass Profikameras von Nikon 'nur' 12 Megapixel haben,
während der Konkurrent Canon selbst in der Semiprofiklasse
18-Megapixel etabliert.
Digitale Spiegelreflexkameras mit den größeren
Vollformatsensoren (24x36mm) haben die 20 Megapixelgrenze
durchstoßen. Aufgrund ihrer großen Aufnahmesensoren
bleibt die Dichte der Pixel pro Quadratmillimeter noch
so gering, dass 'Rauschprobleme' erst bei sehr hohen Empfindlichkeitseinstellungen
auftreten.
Man sollte sich mit diesem Thema nicht verrückt machen.
Jede digitale Spiegelreflexkamera mit 10 Megapixeln wird
bei Empfindlichkeitseintellungen bis 400 ASA eine bedeutend
bessere Bildqualität erzeugen als alte 400 ASA Filme,
vorausgesetzt, die anderen fotografischen Parameter stimmen.
Und 800 ASA bis 3200 ASA? Da bricht die Qualität
deutlich ein, doch denken wir mal zurück: 800 ASA?
1600 und gar 3200 ASA? Mit dem Ilford XP2 waren 800 ASA
noch in guter Auflösung und schönen Tonwerverläufen
machbar. Der olle Tri-X Pan, über viele Jahre der
400 ASA Film schlechthin, war gegenüber der heutigen
Technik grottenschlecht. Auf der Website www.dpreview.com
werden Digitalkameras ausführlich getested. Hier
sieht man 'High-ISO' Vergleiche. Man beachte dabei die
gute Qualität der 18-Megapixelkamera Canon EOS 7D
bei 6400 ASA!
Hohe Folgekosten
Wer glaubt, dass der Umstieg in die digitale Fotografie
wegen des Wegfall von Filmkäufen und Kosten für
die Entwicklung und Abzügen zum Einsparen von Geldern
führt, irrt sich. Eine Spiegelreflexkamera ist Bestandteil
eines flexiblen modularen Systems mit vielen Zubehörteilen.
Die Kameragehäuse sind mit etlichen Objektiven, Mikroskopen,
Teleskopen etc. kombinierbar. Es gibt eine Vielzahl von
Blitzgeräten, Fernbedienungen, Filtern, Taschen etc.
Ein moderner zusätzlicher Systemblitz kostet mindestens
soviel Geld, wie für den Kauf einer guten digitialen
Kompaktkamera benötigt wird. Daneben gibt es die/den
notwendigen leistungsfähigen Computer mit viel Speicherkapazität,
gutem Monitor, externe Festplatten, Brenner, Rohlinge
und Drucker nebst der Software. Wer behauptet, er habe
bereits alles und bräuchte nichts mehr, macht sich
etwas vor. Wir werden noch ein paar Jährchen 'Opfer'
der digitalen Entwicklung sein, offen und begierig auf
Neues.
Dateiformate
JPG versus RAW. Digitale Spiegelreflexkameras erzeugen
Dateien im RAW oder JPG Format. Letztere sind in mehreren
Qualitätsstufen verfügbar und es gibt zwei RAW
Formate, nämlich PEF (Pentax) und DNG.
Die JPG-Daten der von mir bisher verwendeten Pentax-DSLRs
fallen vergleichsweise mit denen aus Canon DSLRs schwach
aus. Canon bringt die brillanteren und schärferen
JPG-Bilder, die häufig keine weitere Bearbeitung
benötigen. Dieser Umstand ist unbedeutend, wenn man
grundsätzlich im RAW-Modus arbeitet, der immer eine
Konvertierung und Bearbeitung der Dateien voraussetzt.
Dieser Prozess kann weitgehend automatisiert werden, doch
sollte man den dafür notwendigen Zeitaufwand, die
Technik und das benötigte Wissen nicht unterschätzen.