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Bibble 5 Pro
Thomas Gade - Juli 2010

Bibble ist ein Programm aus dem Hause Bibble Labs Inc. in Texas. Es wird vor allem zum Konvertieren von RAW-Dateien verwendet. Bibble enthält viele wichtige Werkzeuge und Einstellmöglichkeiten, die es ermöglichen, die Bilder nach den Vorstellungen des Benutzers zu erstellen. Der Funktionsumfang von Bibbel ist so groß, dass eine nachfolgende Bildbearbeitung durch Photoshop und ähnliche Programmen in den meisten Fällen unnötig ist. Bibble Labs stellt es den Benutzern frei, entweder seine RAW-Dateien dauerhaft als Ursprungsmaterial zu archivieren und mit Bibble die gewünschten Bilder in Schwarzweiss und Farbe in verschiedensten Variationen zu erstellen oder ein Archiv aus Jpg- und Tiff-Dateien mit eingebetteten IPTC-Infos vorziehen und diese Daten als Grundlage für weitere Varianten zu verwenden. Bibble 5 kann Jpg- und Tiff-Dateien verarbeiten, was von einem RAW-Konverter nicht unbedingt erwartet wird.

Es gibt zwei Bibble Versionen. Bibbel 5 Lite für 69,90 € und Bibble 5 Pro für 149,- €. Sie existieren für Mac, Windows und Linux. Die Unterschiede zwischen der Pro und Lite Version sind für die meisten Anwender praktisch gering. Wer einen Lizenzschlüssel für die Pro-Version hat, kann diese auf einem Windows oder Mac oder Linux-Rechner einsetzen. Die Lite-Lizenz gilt nur für ein Betriebssystem. Der hervorstechendste Unterschied von Bibble 5 zur Vorgeneration ist seine schnelle Bildbearbeitung. Das Konvertieren der Bilddateien verläuft extrem flott.

Interessanterweise enthält Bibble 5 die Möglichkeit, mit Ebenen zu arbeiten. Die Pro-Version bietet bis zu zehn Ebenen pro Bild an während Bibble 5 Lite 'maximal' drei verfügbar macht. Drei reichen in den allermeisten Fällen aus, wenn man sie überhaupt benötigt. Ebenen bieten eine maximale Kontrolle über die Zeichnung und Tonwerte in allen Bildpartien, jedoch ist die Bedienung in Bibble 5 schwierig.

Programmfenster

Das Programmfenster ist dreispaltig aufgebaut. Nachstehend werden die wichtigsten Elemente, die hier zu finden sind, genannt.

Linke Spalte
Unter dem Reiter 'Dateisystem' befindet sich der Verzeichnisbaum.

Mittlere Spalte
In der Mitte werden Bilder gezeigt. Man kann diverse Ansichten vorgeben. Ein einzelnes zu bearbeitendes Bild und/oder Thumbnails von mehreren Bildern aus dem Ursprungsordner. Verbesserungsvorschlag: Der Bilderwechsel geschieht in anderen Bildprogrammen durch das Drehen des Mausrades oder mit einem Klick auf die Leertaste oder die Bildtasten. Das wird der Benutzer intuitiv auch mit Bibble versuchen, leider vergeblich.

Mittlere Spalte - unten
Unten gibt es u.a. die Ebenen, das Beschneide- und Drehwerkzeug. Verbesserungsvorschlag: Die Crop-Funktion (Ausschnitt festlegen) nervt in ihrer Grundeinstellung durch ein festes Seitenverhältnis. In der Grundeinstellung muss man den Ausschnitt mit dem Curser stets völlig frei ziehen und per ESC-Taste löschen können. Alles andere ist Murks. Verbesserungsvorschlag: Die Arbeit mit Ebenen sollte wie in anderen Programmen erfolgen. Ohne Radiergummi und Mixer ist die Benutzung der Ebenen sehr fremdartig. Auch verlangt das Verwenden der Markierungswerkzeuge eine gewisse Mausakrobatik, die stört.

Rechte Spalte
Rechts befindet sich die Werkzeugspalte mit dem Histogramm, einer Gradationskurve und diversen Reglern, die weitreichende Beeinflussungen der Bilddateien erlauben. Noise Ninja ist eingebaut. Wer eine Lizenz dafür besitzt, hat mehr Einstellmöglichkeiten.

Unter dem Reiter 'Plugins 1' gibt es eine Invert-Funktion, die äußerst nützlich zum Bearbeiten von Bilddateien beim Reproduzieren von Negativen mit Digitalkameras ist.

Die Andrea-Film Simulation und das Schwarzweiß-Zusatzmodul ermöglichen diverse Interpretationen der Bilddateien.

Unter 'Details' befinden sich eine Linsenkorrektur, Noise Ninja und das Schärfewerkzeug.

Einzelne Werkzeuge der rechten Spalte kann man festpinnen. Die 'Kurven' aus dem Register 'Farbe' sollten immer sichtbar sein, denn die Gradationskurve gehört zu den wichtigsten Werkzeugen der Bildbearbeitung. Die mittlere der drei Regler unter dem Histogramm verschiebt den Ort der mittleren Helligkeit nicht innerhalb der festgelegten Schwarz- und Weissgrenzen sondern wirkt wie ein Heller-Dunkler-Regler mit einem nicht immer erwünschten Tonwertverlust an einem Ende der Skala. Es ist besser, die Kurve direkt zu bearbeiten, um die Kontrolle über den Vorgang zu behalten. Beim Setzen der Punkte auf der Kurve ist Vorsicht geboten, weil man sie nicht einfach wegziehen kann, wenn sie nicht (mehr) gebraucht werden. Hier wäre ein 'Alles zurück'-Button praktisch.

Im Werkzeug 'Kurven' gibt es die Pipetten für den Schwarz-, Grau- und Weisspunkt. Die Graupipette ist sehr nützlich, um die Farbwiedergabe des Bildes erheblich zu beeinflussen. Mit einem Klick auf eine Bildstelle, die Grau sein sollte, kann einem Farbstich leicht entgegen gewirkt werden. Verbesserungsvorschlag: Im Photoshop und in anderen Bildbearbeitungsprogrammen darf man nach dem Aktivieren der Graupipette beliebig oft im Bild rumklicken, bis der ideale Punkt gefunden wurde. Bibble läßt nach der Aktivierung der Graupipette gerade mal einen Klick im Bild zu. Das sollte geändert werden.

Weiterhin gibt es einen Regler, mit dessen Hilfe die Zeichnung in den Spitzlichtern verbessert werden kann. Er ist im Register 'Standard' bei den Basiskorrekturen unter dem Namen 'Spitzlichter' zu finden.

Bildbeschriftung - Metadaten


Eine größere Bildersammlung bringt wenig, wenn man die gewünschten Fotos nicht wiederfindet. Auch ist es unbefriedigend, Fotos zu betrachten und nicht zu wissen, was wann und wo darauf aufgenommen wurde und wer die Bilder gemacht hat. Früher hat man solche Informationen auf die Rückseite der Abzüge oder auf die Hüllen der Negative geschrieben. Solange ein Bildbestand noch überschaubar ist, geht das über die Vergabe von schlüssigen Dateinamen (Pflanzen-Toskana-2010-001.jpg) und der Verwendung von Themenordnern.



Tatsächlich ist das Arbeiten mit informativen Dateinamen und einer logisch gegliederten Ordnerstruktur ein äußerst wichtiges Mittel, um einen wachsenden Bilderbestand unter Kontrolle zu behalten und sich nicht abhängig zu machen von zeitaufwendigen raffinierteren Kennzeichnungs- und Findmitteln.

Wer die Bilder individuell mit den oben genannten Informationen versehen will, nimmt dafür einen IPTC-Editor. Jede Bilddatei ist ein Datencontainer, der vor allem das Bild enthält aber auch Platz hat für Informationen zum Bild, beispielsweise den sogenannten EXIF-Daten, die von der Kamera geschrieben werden. Sie notiert die Belichtungszeit, die Brennweite, die Blende, das Aufnahmedatum, den Kameratyp, das Objektiv neben weiteren Infos. Daneben gibt es die IPTC-Daten, die vom Fotografen bzw. Archivar hinzugefügt werden. Dafür bieten diverse Programme Eingabeformulare und Hilfsfunktionen an. Das Verfahren ist bis heute nicht einheitlich und befriedigend gelöst, weil verschiedene Dateitypen archiviert werden. Bislang kann man die IPTC-Infos nur in JPG- und TIF-Daten einbetten. Mit RAW-Dateien funktioniert das nicht.

Fotografen können die unterschiedlichsten Archivphilosophien haben. Man kann im RAW-Modus fotografieren, die Bilder anschließend mit einem RAW-Konverter nach einer Tonwertkorrektur und Wahrung möglichst des gesamten Tonwertumfangs und der Zeichnung zu einer 48 Bit Tif-Datei umwandeln und sie schließlich zu JPG-Dateien in bester Qualitätsstufe wandeln. Der eine bewahrt die RAWs als Originale auf und sortiert die JPG-Daten in sein Archiv, der andere löscht die RAWs und behält stattdessen die TIF-Daten als Masterdateien und daneben gibt es Fotografen, die nach der ersten Bildverarbeitung nur noch ein JPG in hoher Qualität aufbewahren. Und so weiter ...

Für das Bewahren der RAWs gibt es Argumente aber auch schwerwiegende dafür, sie nur als temporäres Format zu betrachten und die 48-Bit Tif-Datei als 'Urdatei' zu sichern. Ein Programm, das ursprünglich als RAW-Konverter entwickelt wurde, wird berücksichtigen müssen, dass Fotografen ihre RAW Dateien aufheben möchten. Nun lassen diese sich nicht verändern. Daher erstellt das Programm eine sogenannte Sidecar-Datei, mit dem gleichen Namen wie die RAW-Datei aber mit der Endung '.xpm'. Die xpm-Dateien enthalten Informationen über die vom Fotografen vorgenommenen Bildbearbeitungsschritte vor dem Wandeln der RAW-Datei in ein anderes Format. Dazu gehören auch die IPTC-Infos, die dem Bild zugewiesen werden. Wirklich gut ist ein IPTC-Editor erst dann, wenn alle wichtigen Archivphilosophien damit bedient werden können.


Bibble Pro 5 zeigt die IPTC-Infos, die in JPG-Daten und 24-Bit Tif-Dateien eingebettet sind. Die Texte in den Formularfeldern sind editierbar. Verbesserungspotenzial: Der IPTC-Editor von Bibble Pro 5 ist nicht mit 48-Bit Tif-Dateien kompatibel.


Bildautomatik

Bibble Pro 5 hat eine Bildautomatik, die bereits beim Öffnen einer RAW-Datei meist eine gute Bildinterpretation anbietet. Wer es eilig hat, kann einen Bilderstapel automatisch bearbeiten lassen und erhält üblicherweise eine gute Ausbeute. Besonders gut ist die Möglichkeit, im Werkzeug 'Belichtung' Vorgaben für das automatische Setzen des Schwarz- und Weißpunktes flexibel in feinen Schritten einstellen zu können. Die vielfältigen Werkzeuge ermöglichen zusätzliche Korrekturen, die zügig umgesetzt werden und optimale Ergebnisse bringen.

Programmverhalten

Das Installieren von Bibble Pro 5 ist unproblematisch. Für unsere erste Testserie setzten wir einen Siemens Scaleo P mit 5200+ Dual Core Prozessor, 4 GB Ram, Asus EN7500 (256 GB) und Windows XP Pro (32 Bit) ein. Die zu bearbeitenden Dateien stammten aus Pentax K10D und Pentax K20D Kameras. Die PEF Dateien waren im Rahmen unseres Arbeitsflusses mit dem Adobe DNG Konverter zu DNGs umgewandelt worden. Überraschenderweise brachten diese Dateien Bibble 5 Pro gleich zum Absturz.

In einer späteren Testreihe verwendeten wir einen PC mit einem Intel Quad-Core Prozessor mit 2,66 GHz, 8 GB Ram, einer SSD Festplatte für temporäre Dateien und Windows XP Pro 64. Diesmal wurden PEF-Dateien (RAW- Format von Pentax) aus einer Pentax K7 und einer Pentax K20D verarbeitet. Es gab keine Probleme; Bibble 5 Pro lief absolut stabil und flott. Interessehalber probierten wir erneut aus, DNG-Dateien, die aus PEF-Dateien erzeugt waren, auf diesem PC zu wandeln. Das klappte wieder nicht.

Abgesehen von Einschränkungen hinsichtlich der DNG-Dateien aus Adobes DNG-Konverter lief Bibble 5 Pro stabil und flott.
Es ist sinnvoll, sich vor dem Kauf dieses Programms eine Demoversion (http://www.application-systems.de/bibble/downloads.html) runterzuladen und vorab zu testen, ob sie mit den konkret zu verarbeitenden RAW-Dateien kompatibel ist.

Schwachpunkt

Bibble Pro hat eine empfindliche Schwachstelle. Die Verarbeitung von Bildern mit sehr hellen Bildpartien kann zu rosafarbenen Fehlinterpreationen führen.

Die folgenden Bilder zeigen den Effekt. Für das erste Bild wurde die PEF-Datei mit dem Adobe DNG Konverter zum DNG gewandelt und die Konvertierung zum TIFF mit einer modifizierten RawShooterPremium Version vorgenommen. Das Ergebnis ist in Ordnung.



Beim Öffnen der PEF-Datei mit Bibble 5 Pro fallen Stellen auf, die eindeutig falsch dargestellt sind.

Das Aktivieren der Option 'Spitzlichter' zum Verbessern der Zeichnung in den hellsten Partien, verstärkt den Fehler. Dieses Bild ist nicht fehlerfrei mit Bibble 5 Pro zu verarbeiten!

 

Fazit

Bibble 5 arbeitet sehr schnell. Es ist ein empfehlenswertes Programm zur Konvertierung von RAW-Daten mit weitereichenden Optimierungs- und Bildbearbeitungsmöglichkeiten. Selbst Jpg- und Tiff-Dateien werden von Bibble 5 verarbeitet. Es bietet nach einer Einarbeitungsphase fast alles, was man derzeit von einem Programm dieses Genres erwarten kann.

Bibble 5 ist eine unruhiges Programm mit ungewöhnlichen Verhaltensweisen. Es ist nervig, wenn ein Beschneidewerkzeug ein festes Seitenverhältnis hat, das stets manuell ausgeschaltet werden muss. Auch wäre es gut, eine individuelle Vorgabe der Standardweiss- und -schwarzpunkte vorgeben zu können. Bibble setzt Schwarz auf 0,010 und Weiss auf 0,001. Mag sein, dass solche Dinge irgendwo konfigurierbar sind, aber wo, ist die Frage.
Störend ist zudem, das man bei einer größeren Vorschau nicht mit dem Mausrad zwischen den Bildern wechseln kann. Das ist unangenehm, weil beim Aktivieren des Vorschaubildes die obere Leiste mit den Thumbnails verschwindet und deswegen mehr als nötig im Programm herumgeklickt werden muss.




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