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Corel Paint Shop Pro X

2005 @ Thomas Gade
In der Bildbearbeitung gilt Potoshop als das Maß aller Dinge. Aber gegen eine Anschaffung sprechen der hohe Preis sowie der intensive Einarbeitungsaufwand. Mit Paint Shop Pro X bietet Corel für ca. 85 € ein Produkt an, welches in vieler Hinsicht erstaunlich gut mithalten kann und es Ein- und Umsteigern leicht macht, zügig mit dem Programm vertraut zu werden. Der Funktionsumfang deckt nahezu alle wichtigen Aufgaben ab. Wer als Photoshop-Kenner mit Paint Shop Pro X experimentiert, wird vom Bedienungskonzept und einigen Arbeitsmethoden angenehm überrascht sein. Grundsätzlich ist die Bedienung ähnlich und die Unterschiede im Vokabular sind gering.

Nach der Installation öffnet sich Paint Shop Pro mit einer Leiste an der linken Seite des Displays. Sie enthält das Lernstudio. Das ist eine sehr gut gemachte Einarbeitungshilfe, die man anfangs aktiviert lassen sollte. Auf modernen Bildschirmen mit hoher Auflösung stört sie kaum. Sie erklärt die Anwendung der aktivieren Werkzeuge. Wunderbar! Seit Jahren weise ich Mitarbeiter in die Bedienung von Photoshop ein und schreibe dafür Tutorials für die Werkzeuge, mit denen sie bestimmte Aufgaben lösen sollen. Das ist mit Paint Shop Pro unnötig.



Paint Shop Pro mit Lernstudio



Paint Shop Pro X ohne Lernstudio

Das Einfügen von Texten ist einfach. Zunächst bildet jeder Text eine eigene Ebene auf dem Hintergrundbild. Die Eingaben sind skalierbar, dehnbar, drehbar etc. Sämtliche Funktionen werden abermals knapp und deutlich im Lernstudio beschrieben.



Paint Shop Pro zeigt bei Einstellungen immer ein Doppelbild mit dem Original vor und nach der eingestellten Veränderung. Da diese Fenster vollformatig den ganzen Bildschirm nutzen (können) und sowohl die totalen Bilder als auch Ausschnitte nebeneinanderstellen, hat der Anwender eine gute Kontrolle über die Wirkung.



Wem das Arbeiten mit Tonwert- und Gradationskurve nicht vertraut ist, kann auf anschaulichere Instrumente zurückgreifen. Vergrößert man stark in das Bild hinein, sieht man auch so, ob sichtbare Tonwertverluste stattfinden.

Mit Photoshop Plugins wird der Funktionsumfang von Paint Shop Pro beliebig erweitert. Der Akvis Stamp ergänzt den fehlenden Reparaturpinsel. Das Polaroid-Dust-Removal-Tool sowie NoiseNinja oder NeatImage und ein Lens-Corrector-Plugin zur Korrektur von Mängeln der Objektive sollten nicht in der Werkzeugpalette fehlen. Es gibt unzählige Plugins im Internet. Viele sind kostenlos. Paint Shop Pro versorgt Plugins nicht mit den Exifdaten. Daher sollten 'Lens Corrector'-plugins gewählt werden, die manuelle Einstellungen zulassen.

Neben einer umfangreichen Basiswerkzeugausstattung gibt es etliche Spielereien, wie Bilderahmen und Malwerkzeuge. Sie zu beschreiben würde den geplanten Rahmen dieses Beitrags sprengen. Das pdf-Handbuch umfaßt 113 Seiten und bieten einen guten überblick über die Möglichkeiten des Programms.

Wenn man nach einem Mangel in Paint Shop Pro sucht, stößt man dessen eingeschränkte 16-Bit Kompatibilität. Und das ist seltsam, weil im Handbuch auf der Seite 3 ein Satz folgendermaßen beginnt: Die vollständige Unterstützung von 16-Bit-Bildern erlaubt professionellen Fotografen ... . Das stimmt leider nicht und selbst die Tonwertkorrektur mittels Histogramm funktioniert nur im 8-Bit-Modus. Dagegen sind Manipulationen an der Gradationskurve im 16-Bit-Modus anwendbar. Leider ist darin kein Histogramm eingeblendet. Alle, auch 16-Bit-fähige, Plugins funktionieren nur im 8-Bit-Modus.

Auf eine Anfrage bei Corel erhielt ich am 3. 11. 2005 folgende Auskunft: “Eine wichtige Neuheit in Corel Paint Shop Pro X ist die 16-Bit-Unterstützung vieler Funktionen. Auf Funktionen, die noch nicht im 16-Bit-Farbmodus verwendet werden können, weisen entsprechende Dialogfenster hin. Der Benutzer hat zwei Möglichkeiten zur Auswahl: Er kann das Bild entweder in 8-Bit-Farben umwandeln und die entsprechende Funktion nutzen oder die Funktion abbrechen und das Bild im 16-Bit-Farbmodus erhalten. Corel arbeitet selbstverständlich an der Unterstützung weiterer Funktionen.” Eine vollständige 16-Bit Fähigkeit ist nicht gegeben.

Diese Schwäche ist bedauerlich, denn die Photoszene konvertiert zunehmend RAW-Dateien zu 16-Bit-Tifs, die moderat behandelt als Urdateien archiviert werden. Für anspruchsvolle Anwender könnte die 8-Bit-Beschränkung ein Ablehnungsgrund gegen das ansonsten vorzügliche Programm sein. Hoffentlich bessert Corel mit einem Update nach.

Fazit

Kein schlechtes Programm aber seine eingeschränkte 16-Bit Kompatibilität ist grenzwertig.

Nachtrag (Juli 2010)

PaintShop Photo Pro X3 hat noch immer eine eingeschränkte 16-Bit-Kompatibilität.



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