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Capture One Pro 8

Oktober 2015 © Thomas Gade

Capture One Pro 8 ist ein RAW-Konverter des dänischen Herstellers Phase One A/S.


Hersteller PHASEONE
Name Capture One Pro 8
Erscheinungsjahr 2014
Vertriebspartner Application Systems Heidelberg
Preis 269 € / Update: 79 €
Dateiformate RAW (viele ...), jpg, tif, png
Betriebssystem Max OS X 10.9 und 10.10
Windows 7 bis 10

Allgemeines

Im Wesentlichen bietet Capture One Pro 8 eine Bilddateiverwaltung für RAW-Dateien, jpg, png und tif. RAW-Dateien werden mit Capture One 8 konvertiert. Es gibt sehr gute Werkzeuge zur Tonwertkorrektur, Detaildarstellung, Drehen, Beschneiden, Objektivfehlerkorrektur etc. Capture One 8 bietet für diverse Kameras tethered shooting, also eine Bedienung der Kamera über den Computer und gleichzeitiger Annahme der Bilder.

Wir wollen hier nicht den Sinn von RAW-Konvertern erklären und auch nicht den gesamten Funktionsumfang von Capture One 8 aufführen. Die Websites des Herstellers Phase One und des deutschen Distributors Application Systems Heidelberg stellen ihn ausführlich dar.

Installation

Das Installieren verlief auf einem i7-2600 CPU mit 3,4 Ghz mit 8 GB Ram und Windows 7 - 64Bit problemlos. Neben der Eingabe des Lizenzcodes ist die Eingabe einer Emailadresse eines Passworts nötig, das man durch eine Registrierung bei Phase One erhält.

Kataloge

Die Arbeit mit Capture One basiert auf Katalogen, die Datenbanken sind. Es können beliebig viele erstellt werden. Die Namen und Kataloge sowie ihre Speicherort werden beim Anlegen festgelegt.

Man kann RAW Dateien vor der Bearbeitung importieren oder den betreffenden Ordner auf der Speicherkarte im Verzeichnisbaum in der Bibliothek direkt wählen, um die Bilder anzusehen und zu bearbeiten.

Falls man seine Bilderdateien nicht mit Capture One 8 verwalten möchte, sollte man beachten, dass es trotzdem zum Anlegen von Katalogen kommt. Für solche Zwecke wird gelegentlich ein frischer temporärer Katalog eingerichtet und nach einer Weile gelöscht. Daten, die dauerhaft gespeichert werden, können in anderen Katalogen erfaßt werden.

RAW-Konvertierung


Die Oberfläche von Capture One 8 ist sehr dunkel gehalten und man kann keine generelle Änderung der Darstellung einstellen, abgesehen vom Hintergrund des Bearbeitungsfensters. Hier kann man in den Voreinstellungen einen anderen Tonwert eingeben.



Über der linken Spalte befindet sich die Werkzeugleiste. Die Symbole werden verständlich wenn man die grundsätzlichen Funktionen des Programmes kennt. Links sehen wir ein Verzeichnis, das in die Bibliothek führt. Hier kann man unter Systemordner die angeschlossenen Speicher durchsuchen.
Das Kamerasymbol öffnet den Dialog zum Tethered Shooting, also der Kamerasteuerung über das Programm.

Die drei ineinander verschlungenen Ringe öffnet den Dialog zur Farbeinstellung.

Das folgende Symbol führt zu einem Register mit Belichtungseinstellungen, Gradationskurve, Tonwerten und mehr.

Hinter der Sammellinse steckt die Objektivkorrektur für Vignettierung und Farbsäume.

Das Ausschneide-Symbol öffnet zuschneiden, Drehung und Spiegelung, Trapezkorrektur und Überlagerung. Letzteres kann man zum Einbetten von Wasserzeichen verwenden.

Das Lupen-Symbol öffnet ein Register mit Werkzeugen zur Detailwiedergabe: Schärfung, Rauschreduzierung, Filmkorn, Moiré und Fleckentfernung

Als nächstes sieht man eine Art Pinsel. Das Menü heißt Lokale Anpassungen. Es fasst die vorherigen Register zusammen. Für viele Bildbearbeitungen reichen die Funktionen dieses Registers.

Das quadratische Symbol mit drei vertikalen Strichen steht für Voreinstellungen.

Der Kreis kleinem i bietet die Möglichkeit Schlüsselwörter und weitere IPTC Texte einzugeben. Man kann Basisbeschriftungen speichern und auf Bilderserien anwenden.

Das einzelne große Zahnrad öffnet den Dialog für die Verarbeitungsvorgaben: Dateiformat, Farbtiefe, Ausgabe Ort, Dateiname und schließlich die Schaltfläche Verarbeiten. Mit einem Klick darauf wird im gewünschten Dateiformat mit den vorgenommenen Einstellungen eine Bilddatei aus dem RAW konvertiert.

Das letzte Symbol besteht aus drei kleinen Zahnrädern. Damit startet man eine Stapelverarbeitung.

Tethered Capture - Fotografie mithilfe eines Computers / Tablets / Smartphones

Ein unmittelbares Fotografieren in das Programm Capture One 8 ist möglich mit kompatiblenKameras von Sony, Nikon, Canon, Phase One oder Leaf. Die Steuerung der Kamera erfolgt teilweise über Capture One 8 und die Bilder werden direkt von die Kamera an das Programm übertragen. Dies ist ein bedeutender Vorteil von Capture One 8, sofern man mit dieser Funktion etwas anfangen kann.



Bildqualität

Wir verglichen ein Foto, das mit ACDSee Ultimate 8, DXO 10 und Phase One 8 entwickelt wurde. Es wurden nur Einstellungsänderungen an der Belichtung, Gradationskurve und Spitzlichkorrektur vorgenommen.

Motiv: Ein weißes Tuch lag teilweise im Schatten und wurde an der oberen Kante von der Sonne beschienen. Die im Schatten liegenden Teil der dunklen Klammer lagen am anderen Ende der Tonwertkurve. Alle drei Programmen bewältigten den großen Tonwertumfang ohne Clipping.




Gesamtes Foto. Die roten Ausschnitte werden vergrößert dargestellt. Das Bild wurde nicht geschärft.

100% Ausschnitt


ACDSee Ultimate 8 - 100% Ausschnitt (600x336 Pixel)


DXO 10 - 100% Ausschnitt (600x336 Pixel)


Phase One 8 - 100% Ausschnitt (600x336 Pixel)

Im Schatten hat DXO 10 eine kontrastreichere Detaildarstellung. ACDSee Ultimate 8 und Phase One 8 bilden kontrastreiche Kanten schärfer ab als DXO 10.


300 % Ausschnitt - Detailauflösung mit Standardeinstellungen


ACDSee Ultimate 8 - 300% Ausschnitt (200x112 Pixel)


DXO 10 - 300% Ausschnitt (200x112 Pixel)


Phase One - 300% Ausschnitt (200x112 Pixel)

Beim 300% Ausschnitt kann man die Unterschiede bei Mikrodetails sehen. DXO 10 ist weicher, während ACDSee Ultimate 8 und Phase One 8 die Kanten stärker scharfzeichnen. Dies gilt jedoch nur für die Standardeinstellungen der verschiedenen RAW-Konverter.Sie alle bieten die Möglichkeit, hier zu variieren und die Bildqualität zu verbessern. Wir zeigen dies mit Capture One 8.

Detailauflösung

Um die Unterschiede bei Mikrodetails bewerten zu können, müßte man die Vorsteinstellungen und ihre Wirkungen in allen drei Programme untersuchen. Sie alle haben verstellbare Einstellungen für die Darstellung von Mikrodetails:Schärfen, Rauschreduzierung, Moiré. Auf einen umfassenden Vergleich verzichten wir jedoch und konzentrieren uns auf Capture One 8 Pro.


Pfad: Bearbeiten - Voreinstellungen - Fokus

Capture One 8 bietet die Möglichkeit, die Voreinstellungen für den 'Fokus' zu verändern. Damit wird eine Schärfeinterpretation vorgegeben. Im Menü für die Schärfe und Rauschreduzierung kann man andere Werte als vom Programm vorgegeben, einstellen.

Capture One 8 - Detailauflösung mit Standardeinstellung

Capture One 8 - Detailauflösung mit anderen Werten

Am stärksten wird die Auflösung von feinsten Details durch das Zusammenspiel aus Schärfung und Rauschreduzierung beeinflusst. Links sieht man die Auflösung mit Standardeinstellungen von Capture One Pro 8 und rechts mit besseren Einstellungen für diesen Bildausschnitt. Der Unterschied ist beträchtlich. Um optimale Ergebnisse zu erhalten, sollte man einige typische Dateien aus seinen/r Kamera/s mit verschiedenen Einstellungen untersuchen und die besten Werte als Vorgaben speichern.

Vorgaben speichern

Capture One 8 bietet die Möglichkeit, bevorzugte Voreinstellungen zu speichern, um sie auf andere Bilder anwenden zu können. Das betrifft sowohl Vorgaben zur Entwicklung eines Bildes als auch das Eintragen von Metadaten.
Styles & Voreinstellungen: Es würde in diesem Bericht zu weit führen, diese Funktion erschöpfend zu erklären, doch wer mit Capture One 8 arbeitet, sollte sich auf jeden Fall gründlich damit auseinandersetzen, um die Vorteile dieser Methode kennen zu lernen und zu nutzen.



Im Screenshot kann man sehen, auf welches Symbol über dem Register zu klicken ist, um Styles & Voreinstellungen aufzurufen. Das Symbol ist orange gefärbt. Hier wurde eine vom Benutzer gespeicherte Voreinstellung für ein Farbfoto bei Sonne angewandt.


Alternativ wurde eine vom Benutzer gespeicherte Voreinstellung für die Wandlung zum Schwarzweißfoto angewandt.

Phase One hat eine umfangreiche Liste mit sogenannten Styles hinzugefügt. Bewegt man den Cursor über die verschiedenen Einträge, kann man ihre Auswirkung sofort erkennen.

Konvertieren von abfotografierten Colornegativen


Das Arbeiten mit Styles & Voreinstellungen ist sehr nützlich wenn man Negative abfotografiert. Capture One enthält zwei Einstellungen zur Tonwertumkehrung: Styles integrieren -> Color Effect -> Color Effects - Inverse (1 und 2)
Nach der Tonwertumkehrung passt man den Weißabgleich an. Anschließend speichert man alle Einstellungen als Benutzer-Style mit einem erklärenden Namen, beispielsweise: colornegativ-1. Meist kann man diese Einstellung für andere Fotos aus derselben Serie auf dem gleichen Film erfolgreich anwenden.
Da sich Farbnegative durch ihre unterschiedliche gelblich oder rostrote Maskierung unterscheiden und auch ihre Farbstoffe ausbleichen, kann man mehrere Benutzer-Styles zur Tonwertumkehrung und Farbkorrektur anlegen. Scanprogramm bieten ebenfalls diverse 'Filmprofile' an; sie haben die gleiche Funktion.


Abfotografiertes Farbnegativ in Capture One 8


Im ersten Schritt wird der Rand weggeschnitten.


Der Benutzer-Style colornegativ2 bringt ein gutes Ergebnis, das nur noch weniger Korrekturen bedarf. Fuchst man sich in diese Technik ein, kann man mit einer überschaubaren Anzahl gespeicherter Einstellungensvarianten von vielen abfotografierten Farbnegativen rasch gute Bilder in natürlichen Farben erhalten.


Ein weiteres Beispiel. Für die Bilder von diesem Film wurde der Benutzer-Style colornegativ1 erstellt.

Bewertung

Phase One 8 ist ein sehr guter RAW Konverter auf dem Stand der heutigen Technik. Preislich hebt sich das Programm von der Konkurrenz ab:
Capture One Pro 8 ACDSee Ultimate 9 Lightroom 6 / CC Corel After Shot 2
269 € 155 € 118 € 76 €

Im professionellen Rahmen spielen diese Unterschiede eine geringe Rolle und Phase One 8 kann seinen guten Ruf erfolgreich verteidigen, jedoch wird das Gros der Fotoamateure aus finanziellen Gründen eine preislich günstigere Alternative bevorzugen.

In vieler Hinsicht sind sich moderne RAW-Konverter sehr ähnlich. Ihre Layouts und Konfigurationsmöglichkeiten gleichen einander und ihre Werkzeugpaletten sind beinahe austauschbar. Auch wenn Unterschiede bei Mikrodetails feststellbar sind, sind diese nicht schwerwiegend. Bei der Wahl eines RAW-Konverters kann eine starke Vertrautheit mit einem Programm und eine sich daraus ergebende hohe Arbeitsgeschwindigkeit den Ausschlag geben.

Capture One 8 punktet mit einer guten, aber auch komplexen Methode zum Speichern von Benutzereinstellungen, die auf mehrere (beliebig viele) Bilder angewandt werden können. Wer damit umgehen kann, mag sich Zeit lassen beim Ermitteln optimaler Einstellungen an einzelnen Bilden, denn die gewonnenen Ergebnisse sind beliebig häufig verwendbar.


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