Über einen Ebay-Kontakt ergab sich im Jahr
2003 die Möglichkeit, den Nachlass eines Fotoamateurs zu
übernehmen. Er war jahrzehntelang begeisteter Fotograf und
hatte viele Reisen unternommen. Der Zeitraum seiner fotografischen
Tätigkeit erstreckte sich von 1927 bis 1989. Es wurden 30
Bananenkisten voller Zigarrenkisten und Schachteln geliefert.
Zwei Bananenkisten enthielten nur Filmdosen, die mit aufgerollten
Filmen gefüllt waren. Dieses Sammelsurium war in einem chaotischen
Zustand. Zu den Filmen gab es keine beschrifteten Kontaktbögen.
Lediglich mit Kugelschreiber oder Bleistift gekritzelte Worte
standen auf den Deckeln der Filmdosen. Die darin enthaltenen Filme
waren nicht einzeln aufgerollt. Die Rollen bestanden teilweise
aus bis zu 10 unzerschnittenen Filmen, die oftmals länger
als der übliche Film mit 36 Bildern waren. Durch die bis
zu 70 Jahre lange Lagerung in den Dosen, haben einige Filme einen
starken Drall. In den Zigarrenkisten befanden sich Dias. Das Thema
stand auf dem Deckel oder den Seiten. Die Diarahmen waren teilweise
beschriftet. In den meisten Fällen konnte man mit etwas Übung
entziffern, was darauf stand. Fast alle Dias waren zwischen zwei
Glasscheiben gerahmt, die am Rand mit Papierstreifen zusammengeklebt
worden waren. Der Erhaltungszustand der Dias variierte von schlecht
bis sehr gut erhalten.
Zielstellung
Ich betreibe kein Museum und es ist nicht meine Absicht, einen
Nachlass im ursprünglichen, kompletten Zustand zu bewahren.
Zudem übersteigt es meine Möglichkeiten, schadhaftes
Material in dieser Menge auf konventionellem fotografischem Wege
zu rekonstruieren oder gar zu restaurieren. Vielmehr sollen aus
dem Gesamtbestand Bilder zur Digitalisierung und einem dauerhaften
Verbleib in meinem Archiv ausgewählt werden.
Dazu wurde der gesamte Bestand
am Leuchttisch gemustert, um einen ersten Überblick
zu bekommen. Fotos, die fotografisch schlecht oder in Zerstörung
begriffen sind, wurden aussortiert. Es stellte sich heraus, dass
der Fotograf viele Reproduktionen aus Zeitschriften und Atlanten
angefertigt hatte, mit denen er seine Diavorträge
komplettierte. Die Repros wurden ausgemustert.
Es kam
redundantes Material zum Vorschein. Der Fotograf war häufig
in Spanien, Italien und Frankreich. Aus diesen Regionen wiederholen
sich Bilderserien. Davon ist nur eine repräsentative Auswahl
interessant. Es folgte eine
zweite Musterung, in der entschieden wurde, welche Bilder in meinem
Archiv verbleiben. Zum Scanner der Dias war es notwendig, alle
unter Glas gerahmten Bilder (ca. 99%) per Handarbeit in neue Rahmen
zu bringen, die einzeln beschriftet wurden.
Verdächtiges Material, dessen Betrachtung mit dem bloßen
Auge oder mit einem schwach vergrößernden Stereomikroskop
Strukturen aufweist, die auf Pilz- und/oder Bakterienbefall hindeuten,
wird im Zuge der Bearbeitung vom übrigen Material getrennt
und in Fällen, in denen die Originale zum Nachweis des Bildursprungs
wichtig sein könnten, im Keller und somit getrennt von den
anderen Fotomaterialien gelagert.
Bilder zur Ausgangssituation
In den Filmdosen waren u.a. auch Reprofilme, mit denen der Fotograf
Vorlagen abfotografiert hat.
Coloriertes Schwarzweissdia. Der Fotograf war ein handwerklich
geschickter Fotolaborant.
Schwarzweissdias - teilweise coloriert.
Die Schwarzweissdias wurden im Kontakt mit den Negativen oder
als Projektion hergestellt. Daher ist die Beschriftung am Rand
spiegelverkehrt.