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Der Fotograf Münzner bewahrte seine Schwarzweissfilme
in Dosen auf. Sie bestanden aus Weissblech und waren ursprünglich
als Verpackung für unbelichtetes Filmmaterial vorgesehen.
Münzner schrieb auf die Aufkleber auf den Deckeln der
Dosen das Thema, beipielsweise: Türkei. Die Filme waren
aufgerollt. Eine Rolle bestand oft aus mehreren Filmen,
die übereinandergewickelt waren.
Viele Filme dieses Bestands stammen aus den 30'er und 40'er
Jahren des 20. Jahrhunderts. Ihr Träger basiert auf
Nitrozellulose und ist leicht entflammbar. Kein Wunder,
denn der Träger besteht aus einem modifizierten Sprengstoff.
Wenn so ein Film Feuer fängt, prasselt er wie eine
Wunderkerze. Das Material ist gefährlich und beim Brand
kaum zu löschen. Es sollte ausschließlich in
kleinen und voneinander getrennten Portionen aufbewahrt
werden. Im frühen 20. Jahrhundert gab es einige entsetzliche
Kinobrände, die auf die Selbstentzündung dieser
Filme zurückzuführen waren. Schon ein paar entflammte
Kinofilmrollen reichten für eine Katastrophe. Wo sich
dieses Zeug befindet, haben Zigaretten und Kerzen absolut
nichts zu suchen. Da viele Raucher unbelehrbar sind und
bei einem Päuschen, einem Gespräch oder der Tasse
Kaffe nicht auf ihren Glimmstengel verzichten können,
kann das brenzlich werden. Man sollte dies bei unerwarteten
Besuchen und Präsentationen im Hinterkopf behalten.
Die Entwicklung eines weniger gefährlichen Filmträgers
dauerte Jahrzehnte, da Nitrozelluslosefilme die nötige
Transparenz, Stabilität (zumindest anfangs), Beschichtbarkeit
etc. besitzen, die für Filme notwendig sind. Erst in
den 50'er Jahren kam der Sicherheitsfilm auf, der nur schwer
entflammbar ist. Einzelne Nitrofilme lassen sich relativ
gefahrlos in dicken Secolhüllen handhaben. Wenn der
Nitrofilm bereits sehr labberig ist, sollte man ihn reproduzieren
und / oder scannen und danach entsorgen. Hier sind Zersetzungsprozesse
im Gange, die sich auf andere Filme in der Umgebung übertragen
können. Ich habe Filme gesehen, die sich in ihren Hüllen
verflüssigt haben.
Im Laufe der Jahre können Filme durch chemische Prozesse
im Trägermaterial und/oder in der Beschichtung verhärten.
Dabei passen sie sich ihrer Lagerform an und bekommen aufgerollt
einen starken Drall. Zieht man die Filmstreifen glatt, spürt
man die Spannung des Materials, das beim Loslassen wie eine
Spiralfeder in seine Form zurückspringt. Dadurch wird
eine Handhabung der Filme schwierig, weil sie sich schwer
in Filmbühnen von Vergrößerern oder Filmhaltern
von Scannern einführen lassen. Bei einigen Filmen kann
man den Drall reduzieren, indem sie eine halbe Stunde in
einem Wasserbad mit einem Tropfen Mirasol aufweichen und
anschließend lang ausgehängt mit einem Gewicht
am unteren Ende trocknen.
Manchmal ist es sinnvoll die Filme vorab nochmals in einem
Fixierbad zu behandeln, da etliche in Entwicklungsdosen
mit Corexbändern entwickelt wurden. Sie waren vor der
Einführung der Filmspiralen populär und hatten
den Nachteil, dass die Filme am Rand stellenweise so festgehalten
wurden, dass ein Eindringen der Chemie nicht möglich
war. Man kann das deutlich an den Filmrändern erkennen.
Die erneute Verarbeitung im Fotolabor hat zudem den Vorteil
einer Reinigung, wenn sich auf den Filmen Kalkflecken und
Schmutz befinden.
Meistens jedoch wird der Drall nicht reduziert und der fragile
Zustand vieler Filme verbietet einen neuen Durchgang im
Fotolabor.
Die einzigen mir bekannten Filmhüllen, die Filme mit
starkem Drall bändigen, sind die dicken transparenten
Polyesterhüllen von Secol. Sie gehören konservatorisch
zu den besten Materialien zur Langzeitarchivierung und kosten
pro Stück knapp einen €. Manchmal hat Monochrom
sie im Sonderangebot. Die Fa. Anton Glaser läßt
bei größeren Mengen mit sich handeln, doch bei
schätzungsweise 1000 Filmen in diesem fotografischen
Nachlass, kommt eine schmerzliche Rechnung zustande.
Mir ist keine Alternative bekannt. Die billigen Acetathüllen
sind weder stabil genug noch haben sie in der Langzeitarchivierung
etwas zu suchen, weil sie materialbedingt Zerstörungsprozesse
in Filmen auslösen oder beschleunigen. Pergaminhüllen
der besseren Qualität sind für glatte Filme brauchbar,
geben aber dem Druck der gedrallten Filme nach.
Die Archivierung in den steifen Secolhüllen bewirkt
nach einigen Monaten eine Minderung des Dralls vieler Filme.
Digitalisierung
Ein Großteil dieser Filme wurde bis Ende 2005 gescannt.
Die Arbeit ist noch nicht abgeschlossen. Zunächst wurde
dafür ein Nikon Coolscan 5000 benutzt, der aber aufgrund
seiner Lichtcharakteristik schlechte Ergebnisse bei SW-Filmen
bringt. Der Nikon betonte das Korn, Kratzer und Schmutz.
Die Nachbearbeitung war aufwendig. Die Tonwerte der tiefen
Schatten wurden mangelhaft umgesetzt.
Recht gute Ergebnisse kommen mit alten Polaroid
Sprintcan 35 Plus Scannern mit der Software VueScan
zustande. Die Scanzeiten liegen pro Bild bei ca. 40 Sekunden.
So verläuft die Arbeit relativ flott. Wer vor einer
ähnlichen Aufgabe steht, sollte sich den moderneren
Plustek
OptikFilm 7200 ansehen. Das 'i' für Infrarot
zur automatischen Schmutzkorrektur beim 7200i ist für
SW-Filme unnötig, da es nicht funktioniert. Die damit
nicht ausgestatteten Modelle sind preisgünstig. SW-Filme
werden am besten mit VueScan digitalisiert. Auf Silverfast
kann man getrost verzichten.
Parallel wurden Versuche unternommen, die Filme mit einer
digitalen Spiegelreflex mit 6 Millionen Pixel zu reproduzieren.
Dabei entstehen Dateien mit einer besseren Tonwertübertragung
als beim Scannen. Mit dem demnächst anstehenden Aufkommen
von günstigen digitalen Spiegelreflexkameras ab 10
Millionen Pixel, wird ein einfacher Reproaufbau aus Leuchtkasten,
Filmhalter, Reprosäule und Spiegelreflex mit Makroobjektiv
das Digitalisieren der Schwarzweissfilme mit Scannern ablösen.
Dafür sprechen die höhere Arbeitsgeschindigkeit
und die qualitativ besseren Ergebnisse.
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